Ich war 13 Jahre alt, als mir meine Eltern einen Schneider CPC 664 geschenkt haben. 1985 waren Heimcomputer im Trend: Die Kinder konnten damit sicher besser für die Schule lernen. Hätten sie oder ich damals geahnt, was sie lostreten, wären meine Eltern sicher vor dem Kauf zurückgeschreckt. Was aus dem guten Gedanken, einen Vokabeltrainer für ihren Sohn anzuschaffen, erwuchs, lest – oder hört – ihr hier.
Agricola – Bauer
Wie wichtig mir der Schulaspekt war, lässt sich einfach ablesen: Ich habe keine Ahnung mehr, ob ich ein gekauftes Vokabellern-Programm genutzt habe oder eines der vielen Abtipp-Dinger. So oder so habe ich die Vokabeln eher lustlos eingegeben und noch lustloser gelernt. Bis heute bin ich der Meinung, dass handschriftliches Lernen die bessere Methode darstellt. Ich bin der (noch) lebende Beweis dafür.
Statt also für die Schule zu lernen, habe ich für das Leben gelernt. Mit welchem Drehschwung ein gegnerischer Kopf am besten vom Hals abgetrennt wird, an welcher Stelle ich Bomb Jack abstellen kann, um gefahrlos zum Abendessen zu gehen, dass die eigene Vorstellungskraft aus zig verschiedenen Grüntönen andere Farben kreieren kann… Was nicht so gut geklappt hat: Dass die Karte, die ich in Pirates! praktisch auswendig kannte, die echte Karibik nachbildet, fiel mir erst viel später auf.
Irgendwann war der CPC aber auserzählt. Es war noch nicht mal so, dass ich auf ein anderes System umgestiegen wäre. Ich glaube, dass ich auf sanften Druck meiner Eltern die Kiste, die unter einem Tuch in meinem Zimmer rumstand, an meinen 14 Jahre jüngeren Cousin weitergegeben habe. Der hatte den CPC bei mir damals gesehen und war noch angemessen beeindruckt. Das war es also mit meiner Daddler-Karriere.

Hü-Hüpf!
Was folgt, ist ein Sprung durch die Jahrzehnte. Ausbildung, andere Stadt, „ich bin jetzt erwachsen“, sanfter Wiedereinstieg ins Gaming-Hobby dank Wing Commander 3 und 4, Frau, Kinder, Haus, Altersheim… Halt, zu weit gehüpft! Ein bisschen zurück… So, jetzt! Die Nostalgie-Phase.

Vor einigen Jahren habe ich bei meiner Tante nachgefragt, ob mein alter CPC noch da wäre. Dank Stay Forever, Retrokompott und Retro Gamer hatte ich das dringende Bedürfnis, mal wieder auf einen Grünmonitor zu starren und dem Klackern des Diskettenlaufwerks zu lauschen. Außerdem mussten bei der Verwandtschaft ja auch noch meine originalen Disketten rumliegen: Vermeer mit den hübschen kleinen Papp-Bildchen, Werner irgendwas, Asterix im Morgenland (blödes Spiel, aber hübsches Cover) und mein ganzer Stolz: Barbarian (und ja: Das Poster musste noch in der Packung sein, falls mein Cousin es nicht gemopst hätte).
Doch alle meine Tagträume zerschlugen sich: Ohne großes Federlesen ist das ganze Zeug irgendwann im Müll gelandet. Platz ist kostbar und so weiter – und natürlich ist niemand davon ausgegangen, dass mich das alte Zeug noch interessieren würde.
Gut, dann eben nicht. Eine Zeit lang habe ich Schneider-Titel auf dem PC im Emulator gespielt. Zum ersten Mal im Leben habe ich die Spiele in Farbe gesehen – abgesehen von Mini-Screenshots in der ASM. Mangels Joystick war das zwar nur das halbe Erlebnis, aber für den kurzen Hunger zwischendurch hat es gereicht.
Der Kaninchenbau
Für mitteilungsbedürftige, aber schüchterne Menschen wie mich war das Internet eine Möglichkeit, nach meinen eigenen Regeln Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Faszinierend, zu welchen obskuren Themen sich Fangruppen im Netz tummeln. Jede abseitige Konsole aus den 1970ern hat liebevoll gebaute Webseiten-Altäre. Nur der CPC ist in Vergessenheit geraten. Na gut, das ist nicht ganz richtig, doch im Vergleich mit seinen Konkurrenten ZX Spectrum und C-64 schauen Schneider-Jünger in die Röhre. Auch bei gedruckter Literatur sieht es duster aus: Selbst umtriebige britische Verlage wie Bitmap Books oder Fusion Retro Books lassen das Amstrad-Gerät links liegen. Das Sinclair-Gerät steht dort auf Nummer 1, doch der Brotkasten dürfte sich auf der Insel gar nicht so viel häufiger verkauft haben als mein geliebter Computer. Hilft aber nichts: Platz drei ist weniger wert.
Über besagtes Internet habe ich aber dann doch über das ganze Land – und darüber hinaus – verstreute Besitzer dieser Wunderkiste gefunden. Und musste feststellen: Meinen CPC 664 hatte komischerweise niemand. Von der Tape-Variante CPC 464 gab es genug Exemplare und selbst der CPC 6128 mit doppelt so viel RAM stand in einigen Museen und auf Schreibtischen. Kein Wunder, musste ich erfahren: Mein Gerät war nur wenige Monate auf dem Markt, bevor es durch den billigeren, besseren Rechner ersetzt wurde. RAM-Bausteine wurden damals rasant billiger, so dass ein CPC 6128 zur Markteinführung für 1.598 Mark zu haben war, mein 664 einige Monate zuvor für 1.998 Mark. Also hatte meine Tante nicht nur tolle Spiele, sondern auch noch einen seltenen Rechner entsorgt!

Der nächste Schritt hinab in den Kaninchenbau war klar: Ich „brauchte“ unbedingt wieder einen CPC. Nur war mein Modell nirgendwo zu bekommen. Ich gab mich mit einer Ersatzdroge zufrieden: Andreas, der Betreiber des wunderbaren Kautzner Computer-Museums, bastelte mir in einen CPC 464 einen kleinen Schalter, mit dem ich zwischen Locomotive BASIC 1.0 (464) und BASIC 1.1 (664) umschalten konnte. Die Unterschiede sind zwar marginal, aber aus Kompatibilitätsgründen wollte ich gerne beide Varianten zur Verfügung haben. Als kleines Schmankerl obendrauf gab es noch eine RAM-Erweiterung auf satte 576 Kilobyte und vor allem einen USB-Anschluss samt LCD-Display. Eine Cassette auf dem CPC 464 laden zu lassen, war schon 1985 ein Geduldsspiel. Dagegen hilft das Zaxon DDI-5, das ich in der abgebildeten reinen Platinen-Version gekauft habe. Offensichtlich gab es kurz nach meinem Kauf auch eine schicke Hülle drumherum, aber so ist das als Early Adopter…
Einen originalen Amstrad-Monitor besaß ich zwar immer noch nicht, aber mit den entsprechenden Adaptern für die Stromversorgung konnte ich das Ding auch an meinen aktuellen Monitor anschließen. Und es gab tatsächlich einen guten alten Competition Pro-Joystick mit den neunpoligen Steckern! Ich war so nah dran an meiner Jugend, wie es mit begrenztem Budget eben ging. Dazu ein paar ersteigerte Original-Tapes. Nichts Bekanntes, denn das Zeug wird langsam echt teuer. Aber echte Spiele für das authentische „Verdammt! Lesefehler!“-Gefühl nach zehn Minuten Wartezeit.
Ein halbes Jahr nach diesem Gerät habe ich aus Jux und Tollerei noch für 20 Euro einen defekten CPC 464 ersteigert. Zum einen, weil ich nicht geglaubt habe, dass ich für das bisschen Geld tatsächlich den Zuschlag bekäme. Zum anderen, weil auf meinem ursprünglichen Gerät die Taste „2“ fehlte. Ein wenig nervig, wenn man Spiele mit dem Befehl Run“[hierTiteleingeben] startet. Aber nun war alles gut. Oder?

Und jetzt bin ich der Großvater
Dieses nervige Jucken im Hinterkopf, dass das ja nicht „mein“ Computer ist, den ich da mein Eigen nenne, kam in schöner Unregelmäßigkeit wieder. Im Juni 2026 war es wieder schlimm genug, dass ich mich durch die üblichen Portale klickte. Und Glück gehabt: Da verkaufte jemand den CPC 664 samt Grünmonitor! Für 300 Euro! Okay, einige Tasten seien defekt, aber das war bei den alten Tastaturfolien nicht anders zu erwarten. Allerdings lagen zwischen mir und der Glückseligkeit gute 300 Kilometer. Immerhin in Richtung meiner Eltern. Ich schrieb also hin und nach einigem freundlichen Hin und Her habe ich noch 50 Euro als Benzingeld runtergehandelt.

Drei Wochen später hole ich das gute Stück ab und fahre zu meinen Eltern weiter. Wenn man schon die Gelegenheit hat, mal wieder Schwäbisch zu hören, sollte man sie ergreifen. Vor Ort wird das Gerät erst einmal aufgeschraubt. Der Vorbesitzer hat die Kiste ein Jahr zuvor gekauft, einmal angemacht, die kaputten Tasten bemerkt und dann den CPC in den Keller verfrachtet. Die Chancen standen also gut, dass kein größerer Schaden zu beheben sein müsste. Und richtig: Die Tastaturfolie sah noch super aus, die Platine hatte auch keinerlei Schäden und nur ein wenig Staub, die Stempel unter den Tasten waren auch alle noch da. Allerdings schien die Verbindung von der Tastaturfolie zum Keyboard nicht ganz gerade eingesteckt zu sein. Zack! Ein Drittel der defekten Tasten ging wieder. Und zwei vorsichtige Reinigungsgänge später waren sämtliche Tasten wieder da!
Während mein Ältester und ich glücklich am Gerät rumbasteln, kommt eine Überraschung auf mich zugerollt. Meine Eltern haben dem Nachbarn erzählt, dass ich wegen des alten Rechners vorbeikommen würde. Antwort: „So einen hab ich auch noch auf dem Speicher. Nimmt nur Platz weg.“ Also nichts wie hin und angeschaut. Natürlich war es kein weiterer CPC 664, aber dafür besitze ich nun einen dritten CPC 464 – und er sieht von allen drei Exemplaren mit Abstand am besten aus. Außerdem lag noch ein weiterer GT-64-Monitor dabei, zig bespielte Tapes (die ich größtenteils entsorgt habe – ich habe kein Interesse an abgetippten Tabellenkalkulationen), einige Originalspiele, das Handbuch, ein Quickshot-Joystick und ein Drucker! Obendrauf noch um die zehn CPC-Zeitschriften aus dem Jahre 1986 und ein kleiner Vorrat an Druckerpapier. Wie retro kann es denn noch werden?


Auch für dieses Gerät habe ich mir einen USB-Anschluss gegönnt: Ein schickes kleines USIfAC II sorgt nach ein wenig Eingewöhnungszeit für wunderbar flotte Ladezeiten und Diskettenwechsel-Luxus. Anfangs ist es ein wenig ungewohnt, weil das Gerät neue RSX-Befehle mitbringt. Möchte ich auf den USB-Stick wechseln, muss ich einmal „|USB“ eingeben, Disketten werden über „|MG,“DISK1.DSK““ gemountet. Aber dann klappen all die Klassiker wie „CAT“ oder „RUN“ wie gewohnt. Der Diskettenwechsel ist leicht fummelig für Pranken wie meine, klappt aber über einen Knopfdruck auf dem Gerät auch problemlos.
Aktueller Bestand: 2 funktionierende CPC 464, ein Ersatzteillager-464, ein funktionierender CPC 664, ein Drucker und zwei Grünmonitore. Innerhalb eines Wochenendes war meine Sammlung ganz schön angewachsen.
Grün, grün, grün sind…
Was ich und viele andere Schneider-Jünger nie hatten, war ein Farbbildschirm. Im Gegensatz zum C-64 hat der eigentliche Rechner keine eigene Stromversorgung, sondern bekommt den Gleichstrom-Lebenssaft per Monitor-Verkabelung. Wir konnten also nicht einfach statt der kleinen grünen Röhre den elterlichen Fernseher in eine Spielhölle verwandeln, sondern mussten uns all die bunten Bilder vorstellen. Meiner Erinnerung nach hatte ein einziger Bekannter einen Farbmonitor an seinem CPC klemmen und der Gebrauchtmarkt gibt mir recht: Dort bewegen sich die Preise zwischen 100 Euro (für die 464-Variante) und 300 Euro für die Version mit Diskettenlaufwerk-Strom. Grünmonitore dagegen gehen bei 30 Euro los und kratzen an der 80-Euro-Latte.
Aus mir völlig unergründlicher Großherzigkeit ist nun auch diese Lücke geschlossen. Als Spende für meine DKSN-, Off-Topic- und Retrokompott-Aktionen flatterte gestern ernsthaft ein Farbmonitor ins Haus. Noch dazu ein CTM644, also die Variante für den 664 und den 6128. Diese Farben!

Wie man dem Bild ansehen kann, habe ich allerdings mittlerweile ein Platzproblem. Aber was soll jetzt schon noch kommen? Nun ja…
Der isch doch no guat!
Wie oben schon erwähnt, hatten meine Eltern dem Nachbarn erzählt, dass ich wegen der alten Kiste durch die halbe Republik gondele. Aber da Schwaben entgegen der Klischees ein kommunikatives Völkchen sind, wussten noch andere Leute, dass ich einen Schneider CPC gekauft habe. Bei einer befreundeten Familie stellte sich dann wieder heraus, dass aus großem Stauraum große Mengen an eingelagerten Sachen folgen: Angeblich lagerte auch dort noch ein Schneider. Es klappte nur nicht mehr, dass ich dort direkt vorbeischauen konnte, aber meine Eltern wollten das für mich überprüfen.
Ich wusste, dass besagte Freunde damals auch einen CPC 664 besessen hatten, also hatte ich leichte Hoffnung auf einen Jahrhundertfund. Die Wochen verstrichen ereignislos. Ja, es gab Arbeit, DKSN, Podcasts und die Familie. Aber das Großereignis blieb aus. Bis ich per WhatsApp einige Bilder samt der Nachricht „Musst halt anbauen“ bekam.



Es war tatsächlich der erhoffte 664er samt Grünmonitor. Dazu das schmerzlich vermisste Handbuch zum Gerät. Zwar hat das Deckblatt definitiv bessere Zeiten gesehen, aber für umsonst sehe ich da großzügig darüber hinweg. Leider war auch hier keine Original-Software dabei, aber dafür zwei weitere 3-Zoll-Disketten, von denen eine sogar noch eingeschweißt ist.
Überraschender Beifang: Ein Joystick, ein Epson-LX-90-Nadeldrucker samt Anleitung und ein CPC 6128. Damit hatte ich nun wirklich gar nicht gerechnet, aber ich habe von einer Beschwerde abgesehen.
Mittlerweile sind die Geräte bei mir eingetroffen. Der Monitor bekommt keinen Strom, aber die beiden Rechner gehen problemlos an und jede Taste funktioniert. Allerdings sind sie so dermaßen verstaubt, dass das USIfAC II nicht am 664 erkannt wird. Der 6128 hat auf seiner Rückseite sowieso andere Anschlüsse, so dass zwar der Epson-Drucker, aber nicht das USIfAC II draufpasst. Noch hadere ich mit mir, ob ich mir ein zweites Exemplar davon mit dem passenden Anschluss bestelle.

Auch die Diskettenlaufwerke funktionieren bei beiden Geräten nicht. Der CPC 6128 erzeugt dabei ein herrlich lautes, durchdringendes Fiepsen. Ich habe zwei neue Laufwerkriemen bestellt und dann rücken mein Ältester und ich den Dingern mal auf den Pelz.
Wie steht es nun also aktuell bei meinem Versuch, einen einzigen CPC 664 zu erwerben, um mein Jugendtrauma zu heilen?
- 3 CPC 464 – zwei davon lauffähig, ein Ersatzteillager
- 2 CPC 664 – einer zickt gerade wieder wegen ein paar Tasten rum, der andere hat Laufwerkprobleme
- 1 CPC 6128 – Düsenjet-Laufwerk ohne sonstige Funktionen, sonst nur stark verstaubt
- 3 Grünmonitore – zwei funktionieren wie Schnuff, beim dritten Gerät habe ich Hoffnung
- 1 Farbmonitor – läuft wie eine 1
- 2 Drucker – funktionieren, benötigen aber neue Farbbänder. Da hadere ich noch mit mir, weil die echt teuer sind.
- 3 Joysticks – aber ich nutze nur den Competition Pro
- Originalspiele
- Zeitschriften
- Original-Handbücher für den 464, den 664 und die beiden Drucker
Fehlen nur noch die schicken britischen Modelle und der CPC 472. Aber nicht mehr in diesem Leben.

Was für ein schöner Bericht und so farbenfroh. Sehen klasse aus die Geräte. Viel Freude weiterhin und vor allem mit dem CTM 664.
Hallo Jürgen, toller Bericht über das Innenleben eines Bekloppten 🙂
Ich habe mich an einigen Ecken selbt wiedererkannt. Ich danke euch für die tolle Webseite und freu mich immer bei euch mitzulesen.
LG
Robert