
| Gerät: | Playdate |
| Erscheinungsdatum: | 19.04.2022 |
| Entwickler / Herausgeber: | Panic |
| Homepage: | https://play.date |
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich hatte schon länger mal wieder Lust auf eine neue Konsole oder einen neuen Handheld. Das Problem: Überall gibt es die gleichen Spiele, egal, welches System gekauft wird. Klar, hier und da gibt es von Nintendo und Sony mal ein exklusives Spiel, aber zu 98 % gleichen sich die Spielebibliotheken auf den modernen Konsolen. Durch meinen Gaming-PC bieten diese Geräte für mich daher nur noch wenig Mehrwert. Genau aus diesem Grund ist der Playdate von Panic für mich so reizvoll, um den ich schon seit Jahren herumgeschlichen bin. Zumindest, bis ich bei Kleinanzeigen auf ein ziemlich gutes Angebot gestoßen bin und zuschlagen musste. Im folgenden Artikel erfahrt ihr mehr über das Gerät selbst, über seine Ökonomie sowie über die dazugehörige Community und erhaltet zudem erste Spieletipps.
Die Eckdaten

Als ich den Handheld das erste Mal in der Hand hielt, fiel mir sofort auf, wie klein das Gerät eigentlich ist. Es ist ein Unterschied, ob ich nur die offiziellen Maße von 76 x 74 x 9 mm lese oder realisiere, dass das Gerät exakt in meine kleinen Handflächen passt. Habt ihr riesige Männerpranken, könnte die kompakte Form auf Dauer zum Problem werden. Für mich liegt der Playdate gut in der Hand. Nur an den kleinen Bildschirm mit seiner Auflösung von 240 x 400 Pixeln mussten sich meine Augen einige Zeit lang gewöhnen. Dass das Gerät keine Hintergrundbeleuchtung hat, wusste ich vorher. Aber trotzdem ist das für mich der größte Nachteil des Playdates. Denn eine Partie abends im Bett zu spielen fällt leider aus, zumindest nicht ohne das große Licht anzumachen. Dafür liebe ich das scharfe Display, das die monochrome Grafik richtig gut darstellt.
Die Eingabemöglichkeiten sind überschaubar: Digikreuz sowie A- und B-Button fühlen sich okay an. Nicht so geschmeidig wie bei den Controllern von 8BitDo oder Nintendo, aber ich hatte auch schon Controller in der Hand, bei denen vor allem das Digikreuz eine Katastrophe war. Überrascht hat mich die Kurbel an der Seite: Im Wesentlichen ist sie ein Analogstick. Einige Spiele verwenden die Kurbel für interessante Steuerungskonzepte, etwa in physikbasierten Spielen. Andere wiederum nur, um durch Zwischensequenzen zu scrollen. Jedenfalls bietet die Kurbel nur sehr wenig Widerstand, sodass eine sensible Steuerung möglich ist. Sie ist gleichzeitig aber auch so konzipiert, dass sie im eingestellten Winkel verbleibt. Ich persönlich schiebe die Kurbel nach oben, damit ich bei der klassischen Button-Steuerung kein störendes Element zwischen Gerät und Hand habe. Neben Kurbel, A- und B-Buttons sowie Digikreuz gibt es noch einen Knopf, der das Gerät jederzeit in den Standby schickt. Drückt ihr den Knopf noch mal, kommt ihr wieder direkt ins Spiel. Und drückt ihr den Standby-Button für mehrere Sekunden, wird das Gerät komplett ausgeschaltet. Der Home-Button dient in den meisten Spielen als Pause-Button. Hier könnt ihr jederzeit das Spiel beenden und Screenshots anfertigen. Je nach Spiel gibt es auch weitere Optionen, etwa ein Level neu zu starten oder ins Hauptmenü des Spiels zurückzukehren.
Der eingebaute Lautsprecher gibt leider nur Mono-Sound aus. Es gibt jedoch eine Klinkenbuchse für Kopfhörer. Zwar hat das Gerät auch Bluetooth an Bord, aber es gibt leider keine Möglichkeit Bluetooth-Kopfhörer zu verwenden. Die Batterie hält im Standby rund zwei Wochen und bei aktiver Nutzung ungefähr acht Stunden.
Wie fühlt sich das Benutzung des Geräts an?
Das Betriebssystem ist erstaunlich übersichtlich aufgebaut. Das Hauptmenü ist in viele kleine Ordner unterteilt, in denen ihr eure Spiele organisieren könnt. Auch könnt ihr eigene Ordner erstellen und benennen – eine Funktion, die Nintendo bei der Switch bis heute nicht integriert hat. Und diese Funktion ist wirklich wichtig. Zwar sind 4 GB Flash-Speicher auf dem Papier nicht viel, da die meisten Spiele jedoch nur wenige MB Speicherplatz belegen, könnt ihr trotzdem weit über 100 Spiele auf dem Gerät speichern. Und spätestens hier kommen die Ordner richtig gut zur Geltung.




Neben Apps für Geräteeinstellungen und zum Management der Spielebibliothek (dort könnt ihr Spiele auch wieder vom Gerät löschen) gibt es noch die Catalog-App. Das ist der eigene Store von Panic, in dem aktuell über 430 Spiele zum Kauf angeboten werden. Die Spiele sind in verschiedene Genres unterteilt, ihr könnt nach bestimmten Spielen suchen und es gibt auch eine Wishlist-Funktion. Es kann in den jeweiligen Spielebeschreibungen ein paar Sekunden dauern, bis die Screenshots auftauchen – aber die Erfahrung ist um einiges besser als im eShop auf der Nintendo Switch. Den Katalog findet ihr jedoch auch auf der Playdate-Homepage. Sehr schön: der Store wird von den Panic-Mitarbeitern kurratiert und eingereichte Spiele erst nach Sichtung veröffentlicht oder abgelehnt. Das sorgt für einen aufgeräumteren und qualitativ hochwertigeren Store als bei den großen Herstellern.

Der Katalog ist nicht die einzige Quelle für Spiele. Auf itch.io findet ihr ebenfalls Hunderte Spiele zum Kauf und noch viel mehr Demos, Prototypen und Beiträge von Game Jams. Eine gute Seite, die beide Quellen trackt und für mehr Übersicht sorgt, ist PDGames. Diese Spiele könnt ihr per Sideloading auf euer Gerät übertragen. Das geht ganz einfach, indem ihr auf der Homepage gezippte .pdx-Dateien in euren Account hochladet (und diese dann auf dem Gerät heruntergeladen werden) oder indem ihr das Gerät in den Data Disk Mode versetzt. Diese Funktion findet ihr in den Einstellungen des Playdates oder ihr nutzt die Tastenkombination Standby + Menü + Links.
Außerdem sei an dieser Stelle noch die Mirror-App erwähnt. Dies ist ein Programm für Windows, Linux und Mac, welches das Gerät auf euren PC spiegelt. Damit könnt ihr Spiele beispielsweise streamen oder ihr nutzt es einfach, um die Spiele auf einem größeren Display zu spielen. Die Spiele können mit dem Programm zudem per Tastatur und Gamepad gesteuert werden. Die Kurbel wird in der Gamepad-Steuerung auf den rechten Analogstick gelegt. Ihr könnt auf diese Weise beispielsweise auch das Playdate an das Steam Deck anschließen und die Spiele darüber spielen.
Anschaffungskosten und weitere Kosten
Der größte Elefant im Raum sind natürlich die Anschaffungskosten. Der Playdate selbst kostet 229 US-Dollar, was gerade noch so im Rahmen wäre, weil die Spiele in der Regel 5 bis 10 Euro kosten. Manche weniger, manche mehr. Aber teurer als 15 Euro habe ich noch gar kein Spiel entdeckt. Außerdem gibt es zwei große Bundles, genannt Seasons. Die erste Season ist kostenlos und wird aktiviert, sobald ihr den Playdate mit eurem Konto verbindet. Ab diesem Zeitpunkt werden für drei Monate wöchentlich zwei Spiele aus dieser Season heruntergeladen. Das macht insgesamt 24 Spiele, wobei diese schon sehr simpel sind. Hochwertiger sind da die Spiele aus Season 2, die im letzten Jahr erschien. Diese Season kostet 39 Euro und beinhaltet 13 Spiele, die innerhalb von sechs Wochen freigeschaltet werden – also zwei pro Woche.



Das Problem sind die Importkosten: Neben den Versandkosten kommen auch noch Mehrwertsteuer und Zölle hinzu, was den Preis für den Playdate schnell auf bis zu 350 Euro steigen lässt. Das ist der Grund, warum ich nicht schon früher bestellt habe. Am Ende habe ich ein gutes Angebot bei Kleinanzeigen gefunden, bei dem ich das Gerät für unter 200 Euro bekam. Zusammen mit den günstigen Spielepreisen kann ich den Playdate für diesen Preis durchaus empfehlen.
Eine weitere Hürde für viele Menschen hierzulande ist die Tatsache, dass die Spiele aus dem Katalog lediglich mit Kreditkarte bezahlt werden können. Während ja in den USA Kreditkarten weit verbreitet sind, ist das hierzulande bekanntlich nicht der Fall. Leider fehlt eine Zahlungsmöglichkeit per PayPal, Klarna oder einen anderen Anbieter. Kleiner Tipp: Ich selbst nutze für solche Zahlungen die App Revolut, in der ihr eine kostenlose digitale Debitkarte von VISA oder Mastercard haben könnt. Also vorher ladet ihr das Konto mit dem gewünschten Betrag auf und dann könnt ihr es normal für Kreditkartenzahlungen nutzen.
Community
Dafür, dass in den letzten vier Jahren „nur“ um die 80.000 Geräte verkauft wurden, ist nicht nur die Spieleauswahl überraschend groß (was sicherlich auch daran liegt, dass der Entwicklungskit kostenlos ist), sondern auch die Community sehr lebendig. Neben zwei Fanzines (Uncrank’d und Cranko!) gibt es einen regelmäßigen Podcast mit Spielebesprechungen, News und Interviews. Im freundlichen Discord-Channel Playdate Squad treffen sich Spieler, Entwickler und Mitarbeiter von Panic zum Plausch und tauschen sich über Spiele, Neuigkeiten und Entwicklung aus. Dort werden auch jährliche Awards für Spiele und Entwickler vergeben:
Fazit: Für wen ist der Playdate geeignet?

Der Playdate ist sicherlich nicht für jeden Spielertyp geeignet. Fans von aufwendigen Grafiken, umfangreichen Rollenspielen und dergleichen werden mit der Spielebibliothek natürlich eher weniger anfangen können. Mögt ihr stattdessen Puzzle-Spiele, Geschicklichkeitsspiele und experimentellere Spielerfahrungen sowie diese herrliche, monochrome 1-Bit-Grafik, die mich positiv an die Apple-Computer der 80er Jahre erinnert, dann ist die Chance groß, dass ihr den Playdate sehr mögen werdet. Die meisten Spiele sind für kurze Sessions ausgelegt und unterscheiden sich dahingehend etwa von vielen Spielen auf der Switch. Das macht das Gerät ideal um beispielsweise in der Bahn oder im Bus kleine Pausen zu überbrücken. Oder eben für eine kurze Arbeitspause zwischendurch. Auch kann ich mir gut vorstellen, dass Kinder mit dem Playdate einigen Spaß haben könnten.
Anders als häufig im Internet dargestellt, ist der Playdate kein obskures Gerät für Sammler. Dafür ist der Spielekatalog viel zu groß. Durch die lebendige Community und die vielfältige Entwicklerszene macht es zumindest mir richtig Spaß, mich aktiv mit den Spielen zu beschäftigen. Ob ich dafür aber 350 Euro hingelegt hätte? In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten wahrscheinlich nicht. Aber ich bin sehr froh, das Gerät in einem guten Zustand bei Kleinanzeigen gekauft zu habe auch wirklich meine Freude an den Titeln. Auf der nächsten Seite bekommt ihr einen kleinen Einblick in die Spiele, die ich in den ersten Tagen entdeckt habe.
| PLUSPUNKTE | NEGATIVPUNKTE |
| + abwechslungsreiche Spielebibliothek mit 430+ Spielen im offiziellen Store + viele Spiele kosten zwischen 5 bis 10 Euro + Mirror-App ermöglicht spielen am PC + übersichtliches und intuitives OS + Kurbel sorgt für innovative Spielideen + sehr einfaches sideloaden von Spielen + kostenloses SDK für Entwickler + kuratierter Store ohne Asset Flips | – fehlende Hintergrundbeleuchtung – teure Anschaffungskosten – Käufe im Katalog nur mit Kreditkarte möglich – kein Support für Bluetooth-Kopfhörer – für große Hände sehr unhandlich |

Geil, allein für den Addled – Tipp hat sich der artikel schon für mich gelohnt. Puzznic habe ich auf dem Gameboy geliebt!
Ich gehe davon aus, Du hast ein Gerät? Viel Spaß mit dem Spiel, ist wirklich richtig gut! Mit 2 US-Dollar (also 1,70 Euro) ist das Ding mit seinem Umfang auch echt billig. Überhaupt war das meine größte Überraschung, als ich anfing mich näher mit der Bibliothek auseinanderzusetzen – wie günstig die Spiele sind! Das hat tatsächlich auch meine Kaufentscheidung beeinflusst.
„Für wen ist der Playdate geeignet?“
Für Nachwuchs Nummer 3, der ist absolut die Zielgruppe. Besonders das zweistufige System könnte ihm gefallen, erst das einfache Online-Werkzeug zum einsteigen und danach die SDK.Hatte vor ein paar Wochen schon die Idee, ob das Teil für ihn unter dem Weihnachtsbaum liegen könnte. Aber in der Preislage ist das leider nicht drin.
Schöner Artikel, über den Tellerand schauen ist immer bereichernd.
Tatsächlich braucht ihr kein Gerät. Im SDK ist auch die Simulator-App dabei, die Spiele ebenfalls abspielen kann (nur eben nicht die DRM geschützten aus dem Store). Schau mal hier: https://help.play.date/manual/simulator/
Also wenn Nachwuchs #3 etwas kleines in Pulp (https://play.date/pulp) erstellt und die .pdx Datei runterlädt, kann er diese im Simulator öffnen und dort spielen / testen.
Und auch ohne, dass ihr ein Gerät gekauft habt, ist das SDK kostenlos. 🙂
Hab mir vor einiger Zeit auch so ein Teil geholt, da war der Preis noch etwas günstiger, die USA weniger verrückt und der Zoll niedriger 😄
Ein tolles Zweitgerät, gerade weil es so klein und handlich ist. Gerne mehr Spielebesprechungen :-)
Wow, danke für den Bericht. Das Gerät fand ich schon beim Erscheinen super interessant, aber der Voll-Preis für ein Alternativgerät hat mich abgeschreckt. Wenn aber innovative Spiele darauf aktiv entwickelt werden, ist das schon interessant.
Danke.
Bitt sehr. 🙂
Da hoffe ich mal in den zukünftigen „Playdate-Highlights“ (erste Ausgabe erscheint im Mai) die eine oder andere Perle vorstellen kann. ^^