
| Titel: | Go! Go! Mister Chickums |
| Erscheinungsdatum: | 02.04.2026 |
| Plattformen: | Windows, Switch, PS5, Xbox |
| Entwickler / Herausgeber: | Com8Com1 |
| Homepage: | https://www.com8com1.com/games/go-go-mister-chickums/ |
In den letzten Jahren erfuhr das Genre der klassischen Arcade-Platformer ein erstaunliches Comeback. Darunter werden Spiele verstanden, in denen es nicht darum geht, einen von links nach rechts scrollenden Hindernisparcours zu durchqueren, sondern in denen auf einem überschaubaren Spielfeld simple Aufgaben gelöst werden. Etwa alle Gegner besiegen oder irgendetwas einsammeln. Vorbilder sind Klassiker der 80er-Jahre wie Bubble Bobble, BurgerTime oder Mario Bros. (ohne Super). Spiele wie Donut Dodo, Cash Cow DX, Goliath Depot, Freddy Farmer oder Dino Quake sind da nur ein paar Beispiele dieser Welle. Der neueste Genre-Vertreter stammt vom Hannoveraner Indie-Studio Com8Com1 und hört auf den Namen Go! Go! Mister Chickums. Da mir vor ein paar Jahren bereits das von R-Type inspirierte Shmup Rigid Force Redux außerordentlich gut gefallen hat, war ich besonders gespannt, wie mir das neue Werk der Niedersachsen gefallen würde.
Go! Go! Mister Chickums ist von allen neueren Genre-Vertretern das zugänglichste Spiel
Die oben genannten Titel wie Donut Dodo oder Cash Cow DX haben eine Gemeinsamkeit: Ich bin in diesen Spielen nie weit gekommen, da der Schwierigkeitsgrad von vornherein recht schwer ist. Die Abenteuer des Hühnchens Chickums haben dagegen einen richtigen Nerv für mich gefunden: Das Spiel ist meiner Ansicht nach weder so schwer noch zu leicht.
Die Story passt genretypisch in einen Satz. Ein Bösewicht namens Klausie hat alle Eier geklaut und unser Held muss sie wieder einsammeln. Dies tut ihr in 100 Levels, die sich über 10 abwechslungsreiche Welten erstrecken. In jedem Level sind Eier verstreut. Ihr könnt jeweils ein Ei aufsammeln und schräg nach oben, seitlich oder schräg nach unten werfen. Das Ziel ist es nun, alle Eier in das dazugehörige Nest zu werfen. Natürlich gibt es auch zahlreiche Gegner, kleine wie große und mit individuellen Angriffs- und Bewegungsmustern, die euch daran hindern wollen. Diese könnt ihr einerseits mit einem gezielten Eierschuss unschädlich machen oder per beherztem Sprung auf den Kopf. Außer bei Igeln natürlich. Hier bricht das Spiel definitiv mit Genre-Konventionen, da in zahlreichen anderen Spielen ein Kopfsprung zum Tod der Spielerfigur führen würde. Tatsächlich hatte ich mich in den ersten beiden Welten auch schwer getan, da ich davon ausging, dass diese Konvention auch hier gilt – und habe mir das Leben dadurch ungleich schwerer gemacht.



Auch sonst ist das Spiel sehr bewusst untererklärt und wird damit beworben, dass es zahlreiche geheime Spielmechaniken gibt, die ihr herausfinden sollt. So wird nicht erklärt, dass es Extraleben gibt, wenn ihr unverwundbar seid und in diesem Zustand so schnell wie möglich mehr als eine Handvoll Gegner besiegt. Auch könnt ihr in jedem Level dafür sorgen, dass ein Buchstabe aufs Spielfeld fliegt. Fangt ihr diesen Buchstaben und alle Buchstaben in einer Welt, kommt ihr in ein Bonuslevel, in dem ihr ebenfalls Extraleben abstauben könnt. Ich glaube, es hängt von der Anzahl der besiegten Gegner eines Levels ab, wann die Buchstaben auftauchen – sicher bin ich mir aber nicht. Und das ist tatsächlich das einzige Manko an dem Spiel, das ich kritisieren würde: Es gibt keine Anleitung. Es mag sein, dass andere Spieler sehr viel Spaß daran haben, Spielmechaniken selbst herauszufinden. Mich alten Mann irritiert das eher. Es stört mich nicht so sehr, dass ich keinen Spielspaß haben würde – aber dennoch würde ich mich über eine liebevoll gestaltete Anleitung, anwählbar aus dem Hauptmenü, sehr freuen. Die muss ja nicht jeder lesen. Aber mir hätte es den Einstieg erleichtert, da ich beispielsweise davon ausging, dass man den Gegnern nicht auf den Kopf springen darf.

Das klingt jetzt negativer, als es gemeint ist, denn das Spiel ist ansonsten phänomenal! Die Levels strotzen vor Kreativität und kleinen Ideen, in jeder Welt werden neue Gegnertypen und kleine Mechaniken eingeführt, der Soundtrack geht ins Ohr und die bunte 16-Bit-Pixelgrafik ist ein Augenschmauß. Hier kommen echte SNES-Vibes auf! Was mir besonders gut gefällt, ist die Tatsache, dass die Gegner sehr fair platziert sind. Hier merkt man, dass die Entwickler die Levels nicht nur selbst testgespielt haben, sondern garantiert auch andere hinzugenommen haben. Auch sehr schön: Wenn der Timer eines Levels abgelaufen ist, verliert ihr nicht sofort ein Leben, sondern ein kleiner Sensenmann kommt ins Bild geschwebt und fängt an, euch zu jagen. Die Lösung gefällt mir deswegen so gut, weil es mir in solchen Spielen häufiger passiert, dass ich beim Ablauf der Zeit den Level fast fertig habe. Auch hier ist es mir passiert, besonders in den Levels, in denen das Nest auf einer erhöhten Plattform liegt und ich die Eier entsprechend nach oben schießen muss. Da ist es motivierend, wenn sich der Tod mein Leben selbst erstmal verdienen muss.
Auch die Bosslevels finde ich zur Abwechslung solcher Spiele mal richtig fair. Denn es geht schlicht darum, Bösewicht Klausie dreimal mit einem Ei zu treffen. Endlich mal keine ewig langen Bosskämpfe! Für Score-Chaser gibt es ebenfalls viel Sammelkram und Mechaniken. So könnt ihr etwa die Eier in einer festen Reihenfolge in das Nest bringen um am Ende viele Juwelen sammeln zu können.

Fazit

Als ich einige Mechaniken erst einmal herausgefunden hatte, war ich von der Kreativität der Levels und dem fairen Schwierigkeitsgrad sehr positiv angetan! Go! Go! Mister Chickums ist wahrscheinlich der gepolishteste Retro-Platformer, den ich seit wirklich langer Zeit gespielt habe. Mit 100 Levels ist das Spiel schön umfangreich und durch immer neue Gegner und kleine Spielmechaniken, die in jeder der 10 Welten eingeführt werden, kommt garantiert keine Langeweile auf.
Daher kann ich hier nach längerer Zeit mal wieder den jubelnden Gorilla zücken und eine echte Kaufempfehlung und nicht nur eine Sale-Empfehlung aussprechen. Übrigens hat das Spiel auch einen kooperativen Zwei-Spieler-Modus und würde sich garantiert auch sehr gut dafür eignen, gemeinsam mit Kind, Lebenspartner oder einem guten Freund auf Eierjagd zu gehen! Ich wünsche mir nur, dass die Entwickler noch eine Anleitung mit allen Spielmechaniken per Update nachliefern.

Das klingt richtig gut und sieht putzige aus. Nur will mir die Design-Entscheidung nicht in den Kopf, Spielmechaniken nicht zu erklären. Ab und an ein Easteregg, gerne. Aber zentrale Elemente per Zufall rauskriegen? Hab ich zuletzt in den 80ern auf dem CPC mit den Sachen aus der Diskettenbox gemacht.
Laut Entwicklerfeedback auf Steam wollen sie eine Anleitung (oder etwas ähnlich) wohl tatsächlich nachreichen.