Ein abgehalfteter Detektiv in einem Noir-Setting mit Schwarz-Weiß-Optik untersucht einen mysteriösen Todesfall, um aus einer Zeitschleife auszubrechen.

| Titel: | The Posthumous Investigation |
| Erscheinungsdatum: | 31.03.2026 |
| Plattformen: | Windows, MacOS |
| Entwickler / Herausgeber: | Mother Gaia Studio / CriticalLeap |
| Homepage: | https://mothergaia.com.br/ the-posthumous-investigation/ |
Die brasilianischen Entwickler von Mother Gaia Studio haben sich bisher hauptsächlich mit niedlichen Puzzlespielen einen Namen gemacht. Ihr neuestes Werk The Posthumous Investigation hingegen ist ein Zeitschleifen-Detektiv-Abenteuer, was direkt mehrere meiner Interessengebiete abdeckt. Mit einigen Jahren Verspätung ist es nun endlich erschienen – dann schauen wir doch einmal genauer hin!
Die Stimme aus dem Grab

The Posthumous Investigation basiert lose auf dem brasilianischen Literaturklassiker Memórias Póstumas de Brás Cubas (1880) von Joaquim Maria Machado de Assis. Im Roman erzählt der bereits verstorbene Brás Cubas rückblickend von seinem Leben – im Spiel hingegen tritt er als Geist und Auftraggeber auf, der euch darum bittet, die Umstände seines Todes zu untersuchen. „Bitten“ ist dabei allerdings euphemistisch: Ihr steckt in einer Ein‑Tages‑Zeitschleife fest und könnt ihr offenbar erst entkommen, wenn die Hintergründe seines Ablebens vollständig aufgeklärt sind.
Die Handlung wurde in das Rio de Janeiro des Jahres 1937 verlegt und bildet eine eigenständige Noir‑Kriminalgeschichte, die nur thematisch, nicht aber inhaltlich eng mit dem Roman verbunden ist. Ihr übernehmt die Rolle eines Privatdetektivs, der vom Geist des verstorbenen Brás Cubas in diese Zeitschleife gezogen wird. Die Durchläufe, auch Loops genannt, beginnen immer morgens in eurem Detektivbüro und enden spätestens um Mitternacht – oder bei besonderen Ereignissen auch früher. In jedem Loop verfolgt ihr die Wege der Verdächtigen durch das stilisierte Rio, belauscht Gespräche, deckt widersprüchliche Alibis auf und nutzt Wissen aus vorherigen Durchgängen, um neue Dialogoptionen und alternative Routen freizuschalten.

Am Ende des Tages wird dann abgerechnet: Ihr landet in einer Art Limbus, in dem Brás Cubas bereits auf euch wartet. Dort bewertet er eure Fortschritte, kommentiert eure Entscheidungen und gibt Hinweise darauf, welche Fährten ihr im nächsten Durchlauf verfolgen solltet. Anschließend setzt der Loop wieder am Morgen an, und ihr startet mit all eurem gesammelten Wissen, aber ohne physische Gegenstände, in einen neuen Versuch. Immer mit eurem endgültigen Ziel vor Augen: Aufklärung der Todesumstände und Ausbruch aus der Zeitschleife. Leider müsst ihr so gut wie nie eigene Schlüsse aus den gesammelten Hinweisen ziehen, das erledigt Brás Cubas in den Zwischenabrechnungen schon ganz alleine für euch.
Das Problem, dass ihr aufgrund der Zeitschleife viele Abläufe immer wiederholen müsst, haben die Entwickler immerhin ganz gut abgefedert. Häufig schaltet ihr Abkürzungen frei, sobald bestimmte Aufgaben erledigt sind – wenn auch nicht konsequent. Die Rätsel selbst sind kaum der Rede wert und bestehen meist aus simplen Fetch‑Quests nach dem Muster „Bring mir X, dann bekommst du Y“. Die Dialoge wiederum erinnern eher an ausschweifende Visual Novels und bieten als größte Herausforderung, dabei nicht einzuschlafen (ups, da greife ich meinem Fazit schon ein wenig vor).
Und ich düse, düse, düse, düse im Sauseschritt

Wenn ihr nicht gerade den Dialogen lauscht (sprich: lest, denn es gibt keine Vertonung, nur englische Texte), lauft ihr von links nach rechts oder umgekehrt durch die Schauplätze, um rechtzeitig an Orten zu sein, an denen gerade etwas Relevantes passiert. Die Charaktere folgen festen Tagesabläufen, sodass ihr sie nur zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten antrefft – oder bewusst meidet, wenn ihr etwas ohne neugierige Augen erledigen wollt. Im Laufe der Handlung schaltet ihr noch vier weitere Schauplätze frei, die ihr per Taxi erreichen könnt. Das kostet zwar Zeit, ist aber für den Spielfortschritt unabdinglich.

Die Grafik von The Posthumous Investigation setzt auf einen stilisierten, leicht abstrahierten Schwarz‑Weiß‑Look, der unübersehbar an Film Noir angelehnt ist. Die Schauplätze wirken wie gemalte Bühnenbilder mit markanten Licht‑Schatten‑Kontrasten, was dem Ganzen etwas theaterhaftes verleiht. Ob das Rio de Janeiro der 1930er Jahre damit authentisch eingefangen wurde, kann ich schwer beurteilen – ich habe zwischendurch sogar vergessen, in welcher Stadt ich mich eigentlich befinde. Die Animationen sind schlicht, fügen sich aber stimmig in den insgesamt ruhigen Stil ein. Akustisch liefert das Spiel das, was ich von einem Noir-Setting erwarten würde: atmosphärische Hintergrundklänge und ruhige, sanfte Musik. Aber wie bereits erwähnt: keine Sprachausgabe.
Die Gamepad-Steuerung funktioniert tadellos und ist alles andere als komplex. Es steuert sich auch sehr gut auf dem Steam Deck, falls das euer Ding ist.
Fazit


Ich wollte The Posthumous Investigation wirklich mögen, doch ich bin immer wieder daran abgeprallt. Weder die Zeitschleifen‑Mechanik noch die Geschichte oder die kaum vorhandenen Rätsel konnten mich dauerhaft hineinziehen. Nach rund sechs Stunden Spielzeit und zahlreichen Loops habe ich schließlich die Reißleine gezogen – obwohl ich zu diesem Zeitpunkt bereits etwa zwei Drittel des Falls gelöst hatte. Doch mir war schlicht egal geworden, wie die Geschichte weitergeht oder welche Geheimnisse die Figuren noch bereithalten. Besonders die zunehmende Schwafeligkeit der Dialoge hat mich am Ende nur noch genervt, was auch an der stellenweise holprigen englischen Übersetzung lag, die alles andere als meisterhaft wirkt. Auch das Detektivspiel-Gefühl wollte bei mir nicht richtig aufkommen, da ich praktisch immer dem roten Faden gefolgt bin, bis Brás Cubas mal wieder ein Zwischenfazit gezogen hat.
Ein wenig hat mich The Posthumous Investigation an Three Minutes to Eight erinnert, das mit seinem Zeitschleifen‑Experiment sogar noch krachender gescheitert ist. Vielleicht muss ich mir aber auch einfach eingestehen, dass mich das Thema Zeitschleife in anderen Medien deutlich mehr fesselt als in Spielen. Denn selbst gefeierte Vertreter wie Outer Wilds konnten mich nicht begeistern. Schade.
