Origament: A Paper Adventure

Dass Videospiele nicht immer umfangreich und sonderlich schwer sein müssen, beweisen zahlreiche kunstvolle Spiele, die seit den frühen 2010er Jahren immer mal wieder auf meinem Radar auftauchen. Origament: A Paper Adventure ist das aktuellste Beispiel dieser Tradition. Mit zwei bis drei Stunden Spielzeit ist der Umfang eher übersichtlich. Dafür gibt es eine schön anzuschauende Reise durch Traumwelten. Aber der Reihe nach…

Wenn Briefe auf Reise gehen

Unsere Geschichte beginnt bei einem Jungen, der einen Brief schreibt. Für die jüngeren Leser: Früher hielten Menschen ihre Gedanken und Gefühle noch per Stift und Papier fest. Einer dieser Briefe ist jedenfalls verloren gegangen, doch die Gedanken sind so stark, dass dieser Brief lebendig wird. Begleitet von einer süßen Katze übernehmt ihr die Steuerung des Briefes und durchquert sieben Levels, die alle auf ihre Weise Träume darstellen. Ihr durchsucht ein verlassenes Piratenversteck, schlagt in einer Wild-West-Stadt Banditen in die Flucht oder übergebt in einer mediterran anmutenden Stadt eine Rose an die Herzensdame eines verliebten Jungen.

Origament: A Paper Adventure ist ein einfacher und kurzer 3D-Platformer, der seinen Charme nicht durch trickreiche Sprünge entfaltet. Vielmehr entdeckt ihr traumhafte Welten. Dabei könnt ihr den Brief jederzeit in vier Formen verwandeln: Mit einem Papierboot überquert ihr Gewässer, mit einem Papierflugzeug überspringt ihr Hindernisse und gleitet durch die Lüfte, mit einem Shuriken aktiviert ihr Schalter und vertreibt Insekten und mit einer Kugel rollt ihr über die restlichen Plattformen und Oberflächen.

Die Levels sind sehr linear, nur gelegentlich gibt es optionale Herausforderungen oder Passagen abseits des Hauptweges zu erforschen. In diesen Passagen sammelt ihr Münzen, die in der Hubwelt für verschiedene Skins und Anleitungen für reale Papierfiguren ausgegeben werden können. Die Umgebungen bieten dank der Unreal Engine einige schöne 3D-Welten mit vielen kleinen Details und Animationen. Und immer wieder begegnet euch diese geheimnisvolle, süße Katze, die als Tippgeberin für kleine Rätsel auftritt.

Die Rätsel sind nicht weiter schwer und bewegen sich in den Bereichen Umgebungsrätsel, Schieberätsel und Bilderrätsel, wobei jede Rätselart ein- bis zweimal im Spiel auftaucht. Auch sonst wird Abwechslung großgeschrieben. Startet das Wild-West-Level mit einer rasanten Lorenfahrt, so findet ihr euch wenig später in einer kurzen Schleichpassage wieder, um Banditen auszuweichen. Im Piratenlevel weicht ihr Fallen aus und in überfluteten Ruinen erlebt ihr ruhige Plattform-Herausforderungen. Das ist die größte Stärke des Spiels: Alle Spielmechaniken kommen vergleichsweise kurz vor und werden auch wieder gewechselt, sobald sie langweilig werden.

Fazit

Origament: A Paper Adventure ist ein nettes, kleines Cozy Game, das mich rund zwei Stunden gut unterhalten konnte. Es macht im Vergleich zu wesentlich ambitionierteren Genre-Vertretern wie Arise: A Simple Story nichts Neues, überzeugt jedoch durch Schauwerte, schöne Musik und ein unaufgeregtes Gameplay. Falls ihr das Spiel irgendwann mal im Sale seht, könnt ihr es gerne eintüten. Ansonsten gibt es weitaus ausgefeiltere Alternativen.

Ihr findet es auf Steam und bald auch in den Stores für PlayStation 5 und Switch 2.

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Über Nischenliebhaber

Ostdeutsches Videothekenkind der 90er Jahre. Liebt Spiele- und Retrokultur ebenso wie subkulturelle Musik aus aller Herren Länder und lange Spaziergänge durch dunkle Wälder des Erzgebirges.

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5 Comments on “Origament: A Paper Adventure”

  1. Danke für den Test. Ich hätte von dem Spiel sonst sicher nichts mitbekommen. Ich spiele sowas schon mal sehr gerne, gerade das erwähnte Arise: A Simple Story hat mir sehr gefallen.

  2. Ist es so leicht, wie es aussieht? Plattformer sind eigentlich nicht so mein Ding, ansonsten könnte das was für mich sein. Danke für den Test!

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