Der Beitrag “Spiele-Check: The Fabulous Fear Machine – Pulp-Horror-Globalstrategie” erschien zuerst am 02.11.2023 auf GamersGlobal als User-Inhalt unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 DE DEED.

| Titel: | The Fabulous Fear Machine |
| Erscheinungsdatum: | 04.10.2023 |
| Plattformen: | Windows |
| Entwickler / Herausgeber: | Fictiorama Studios / AMC Games |
| Homepage: | https://games.amc.com/game/fearmachine/ |
Vor beinahe zehn Jahren haben die drei Brüder Mario, Alberto und Luis Oliván aus Madrid die Fictiorama Studios gegründet und sich auf die Fahne geschrieben, Spiele zu entwickeln, die ihren Fokus auf die Erzählung legen. So lag es nah, mit einem Point-and-Click-Adventure zu starten. Nach einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne und einem Deal mit dem Publisher Daedalic aus Hamburg erschien ihr Debüt Dead Synchronicity – Tomorrow Comes Today. Danach wagte man sich mit Do Not Feed The Monkeys an eine „Primaten-Beobachtungs-Simulation“, die in diesem Jahr mit Do Not Feed The Monkeys 2099 sogar schon einen Nachfolger bekommen hat.
Mit ihrem neuesten Werk The Fabulous Fear Machine wagen sich die Brüder in das Globalstrategie-Genre. Ob dies gutgehen kann und wie sich das mit dem selbst auferlegten Fokus auf die Erzählung vereinbaren lässt, erfahrt ihr in diesem Spiele-Check.

Meister der Maschine
Schon ein kurzer Blick auf die Screenshots von The Fabulous Fear Machine offenbart den für einen Globalstrategie-Titel ungewöhnlichen Grafikstil, der direkt aus einem EC Comic à la Tales From The Crypt entsprungen sein könnte. Dieser bildet den perfekten Rahmen für die drei Pulp-Horror-Stories, die euch im Laufe des Spiels präsentiert werden. Zusammengehalten werden die Geschichten von der titelgebenden Angstmaschine, die ihrem jeweiligen Meister große Macht verspricht. Aber diese Macht fordert auch ihren Preis.
Die drei Geschichten entsprechen drei Mini-Kampagnen mit jeweils vier Missionen und werden mit jedem Fortschritt in typischen Comic-Strips weiter erzählt. Wer schon einmal eine Pulp-Horror-Geschichte gelesen hat, kann sich vorstellen, dass diese Geschichten für die Hauptfiguren nicht unbedingt immer gut ausgehen müssen.

Sei vorsichtig, was du dir wünschst
Die Angstmaschine wird durch einen mechanischen Jahrmarkt-Wahrsager personifiziert und übernimmt sowohl die Rolle des Erzählers als auch eures Lehrers. Nach und nach bringt sie euch die Spielmechaniken bei, die euch schlussendlich zur Erfüllung eures größten Wunsches bringen sollen. Ob ihr euch dabei gut überlegt habt, was ihr euch wünscht, erfahrt ihr jeweils am Ende der Kampagnen.
Das Grundprinzip bleibt zwar in jedem Level gleich, allerdings werden immer mal wieder neue Spielmechaniken hinzugefügt, so dass euch alle Möglichkeiten erst in der dritten und letzten Kampagne zur Verfügung stehen. Eure primäre Aufgabe ist es, die Bevölkerung in Angst zu versetzen, damit diese empfänglich für eure Botschaften werden. Unterstützt werdet ihr dabei von euren „Agenten“, die euch von der Angstmaschine bereitgestellt werden. Ihr schickt diese in die Städte aus, um diese auszuspionieren und pflanzt dann eine Legende ein, die als Quelle der Angst für diese Stadt dient und unterschiedliche „Angstbereiche“ abdecken kann.
Es gibt über 70 Legenden zu entdecken, aufzuwerten und zu sammeln, das Spiel hält dafür ein eigenes Sammelalbum bereit. Auf den Legenden-Karten sind im Pulp-Horror-Stil gehaltene Comics abgebildet, die die besondere Stimmung des Spiels unterstreichen.

Du bist nicht allein
In den meisten Levels könnt ihr nicht ungestört eure Angst-Legenden verbreiten. Meistens tauchen ein oder mehrere Rivalen auf, die versuchen, euch einen Strich durch die Rechnung zu machen. Um dies zu verhindern, müsst ihr eure Agenten einsetzen und Schwachpunkte eurer Feinde aufdecken. Wenn ihr die richtigen Ressourcen besitzt, könnt ihr dann zum Gegenschlag ausholen und schlussendlich auch eure Rivalen besiegen.
Die unterschiedlichen Ressourcen spielen eine große Rolle, und ihr müsst euch gut überlegen, ob ihr eure Agenten in diesem Moment lieber eine von ihnen abbauen lasst, oder sie zum Beispiel losschickt, um besondere Ereignisse auf der Karte zu untersuchen. Zum einen müsst ihr immer euren durch „Angstraffinerien“ erzeugten „Oleum“-Vorrat im Auge behalten, mit dem ihr beispielsweise neue Legenden einpflanzen könnt, zum anderen braucht ihr immer mal wieder eine der anderen acht Ressourcen (darunter Politik, Visionen, Wissenschaft), um Legenden aufzuwerten oder Aufgaben zu lösen. Glücklicherweise könnt ihr das Geschehen jederzeit pausieren oder schneller laufen lassen, so dass es nach einer kurzen Eingewöhnungszeit gar nicht mehr so schwer ist, die unterschiedlichen Anforderungen, die gleichzeitig an euch gestellt werden, zu priorisieren und bewältigen zu können.

Fazit

The Fabulous Fear Machine hat mich besonders durch seinen Grafikstil angesprochen und daher war ich von der ersten Sekunden an fasziniert. Ich bin kein Globalstrategie-Experte, aber die Spielmechanismen haben mir Spaß gemacht und mich auch ein wenig gefordert. Ein schweres Spiel ist es aber sicherlich nicht, zumindest nicht auf der mittleren der drei Schwierigkeitsstufen, die ich zu Beginn gewählt hatte. Die drei Geschichten fand ich herrlich augenzwinkernd übertrieben, und auch die Legendenkarten mit ihren teils haarsträubenden Verschwörungsgeschichten haben mein Humorzentrum getroffen.
Ingesamt fühlte ich mich etwa 12 bis 15 Stunden gut unterhalten. Die Verbindung der drei Geschichten mit einem Strategiespiel hat für mich überraschend gut funktioniert. Ich bin schon gespannt, auf welche abgefahrenen Ideen die drei Brüder aus Madrid als nächstes kommen werden.
- Globalstrategie für PC
- Einzelspieler
- Für Anfänger bis Experten
- Preis: 17,49 Euro
- In einem Satz: Augenzwinkernder Pulp-Horror im Globalstrategie-Gewand
