The Legend of Skye

Fans von klassischer Adventure-Kost können sich derzeit nicht über Nachschub beklagen. The Legend of Skye kratzt euch genau an der Stelle, an der es seit dem Verschwinden der LucasArts-Pixel-Adventures angefangen hat, zu jucken.

Hinter dem neuen Label “Point & Pixel Adventures” verbirgt sich der Spanier Carles Moya, der sich 2019 mit The Castle bereits einen Namen in der AGS (AdventureGameStudio) -Szene machen konnte. Diese Hommage an Maniac Mansion orientierte sich ganz offensichtlich am Grafikstil, Gameplay (inklusive Wahl der spielbaren Charaktere) und dem ähnlichen Setting am Vorbild aus dem Hause von Lucasfilm Games und ließ somit jeden “MMFan” aufhorchen. Nachdem The Castle zunächst kostenlos über das AGS-Forum veröffentlicht wurde, bekam Moya soviel Zuspruch und Ermutigungen, dass er es kurz darauf unter dem Label “Ishtar Games” mit kleineren Verbesserungen als kommerzielles Spiel neu herausbrachte. Durch sein zeitloses Design ist es auch heute noch einen Blick wert, vor allem weil auch zwischenzeitlich sogar noch deutsche Texte hinzukamen. Ihr findet es auf GOG.com, Steam und itch.io für ca. 5 Euro.

Fünf Jahre später meldet sich Moya mit einem neuen Label (“Point & Pixel Adventures”) und einem neuen Point-and-Click-Adventure zurück. Dabei nimmt er die nächste Stufe auf der Evolutionsleiter: The Legend of Skye ist ebenso wie The Castle eine Würdigung eines absoluten Adventure-Klassikers. Dass sich Moya diesmal an The Secret of Monkey Island als offensichtliches Vorbild rantraut, beweist seinen Mut. Doch kann das gut gehen?

Grüner Geist engagiert dösende Druidin

Im Intro, das an den Anfang von Loom, einem weiteren Adventure-Klassiker, erinnert, wird die junge Druidin Skye mitten in der Nacht von einem grünlich anmutenden “Waldgeist” geweckt, der sich als ihr neuer Beschützer vorstellt. Kurz darauf offenbart er ihr, dass ihr eine äußerst wichtige Mission bevorsteht: Der König hat vor, den Druidenhain abzuholzen und auf ihm einen Freizeitpark zu errichten! Am nächsten Morgen erhaltet ihr die Steuerung über Skye und besprecht diese nächtliche Begegnung mit den Druiden-Ältesten. So bekommt ihr zunächst einmal den Auftrag, den entführten Druiden-Schamanen aus der naheliegenden Stadt zu befreien, damit er bei der Rettung des Walds behilflich sein kann. Gar nicht so einfach, wenn die Stadtbewohner allen Druiden äußerst misstrauisch gegenüberstehen und ihnen den Zutritt zur Stadt verwehren…

Die Ähnlichkeit zu Monkey Island wird hier möglicherweise noch nicht ganz klar, aber spätestens wenn ihr ein bestimmtes Musik-Thema hört, das stark an das von LeChuck erinnert oder wenn ihr das Gefängnis erblickt, das wohl nicht ganz zufällig eine gewisse Ähnlichkeit mit dem hat, in dem Otis vor sich hin verrottet, wird es offensichtlich. Auch bestimmte Puzzles sind quasi 1:1 aus dem Original entliehen, Stichwort: Grogbecher und Zündschnüre. Aber ich kann Entwarnung geben: The Legend of Skye ist immer noch eigenständig genug, als dass es als billiger Abklatsch angesehen werden.

Pointen-&-Clicken als wäre es 1990

Für Genre-Einsteiger gibt es ein Mini-Tutorial, das die Steuerung erklärt und selbst den Experten, die solche Old-School-Spiele heutzutage nicht mehr gewohnt sind, ins Gedächtnis ruft: Seht euch alles genau an und hört zu, wenn die Figuren euch etwas erzählen. Wenn ihr einmal nicht weiterwisst, dann gebt nicht auf und macht erst einmal eine Pause. Ja, genauso haben wir damals Adventures gespielt. Und genauso möchte The Legend of Skye gespielt werden.

Das lässt jetzt vielleicht ein gemeines, unlogisches Pixel-Hunting-Fiasko befürchten, aber da kann ich euch beruhigen. Die Rätsel sind zwar teilweise äußerst knackig, aber nie unlösbar oder und unfair. Manchmal benötigt es einfach eine Pause oder ein Um-die-Ecke-Denken, bis ihr die richtige Lösung habt. Aber selbst für Komplett-Lösungs-Nutzer hat das Spiel noch einiges zu bieten.

Wo steckt dieser Schamane? Na ja, zumindest hat er ein paar magische Pilze hinterlassen.

Glücklicherweise übertreibt es The Legend of Skye nicht mit den Old-School-Anleihen. Es verzichtet zwar auf integrierte Lösungshilfen und Hotspotanzeige-Funktion, lässt sich aber dennoch komfortabel steuern. In dem von SCUMM abgekupferten 9-Verben-Interface sind die wichtigen Komfortfunktionen enthalten. So könnt ihr die Gegenstände aus dem Inventar mit einem Klick direkt auf die Hotspots auf dem Bildschirm oder im Inventar anwenden oder mit einem Rechtsklick die “sinnvollste” Aktion durchführen. Die Laufgeschwindigkeit von Skye ist darüber hinaus so angenehm schnell, dass ich einen Doppelklick-Teleport nicht vermisst habe.

Sehr löblich finde ich, dass wir endlich mal wieder in einem “neuen” Adventure beliebig viele Spielstände anlegen können. Außerdem wird es wohl viele deutsche Abenteurer freuen, das sie das Spiel in ihrer Muttersprache erleben können. Ich habe ebenfalls die deutsche Version gespielt und war mit ihr sehr zufrieden. Grobe Schnitzer konnte ich keine finden. Ebenso gelungen ist die Tatsache, dass es keine Dead Ends gibt und dass ein Bildschirmtod dazu führt, dass ihr wieder auf einen fairen Rücksetzpunkt gesetzt werdet, ohne vorher erahnen zu müssen, dass Speichern angebracht wäre.

Die Gespräche laufen im Multiple-Choice-Verfahren ab.

Zeig mir deine Pixel, Baby

Moya schreibt in seine Spielbeschreibung stolz eine Auflösung von 320×180 Pixeln und zielt damit bewusst auf die Zielgruppe, die mit Pixel Art groß geworden oder sie auch heute noch zu schätzen weiß. Schließlich ist sie im Vergleich zu früher 3D-Grafik äußerst gut gealtert und ist auch heute noch ein probates Mittel, um kleine Indie-Produktionen realisieren zu können. The Legend of Skye macht seine Sache grafisch gut und schafft es, den Stil von The Secret of Monkey Island ordentlich zu imitieren, ohne jedoch das Original zu erreichen. In Sachen Präsentation sehe ich das ebenfalls frisch erschienene The Adventures of The Black Hawk (siehe auch AGS-Highlights #11) noch einen Tacken über The Legend of Skye, aber das Gesamtspielerlebnis hat mit bei letzterem deutlich besser gefallen.

Wie ihr vermutlich erraten habt, möchte Skye in die Fußstapfen von Guybrush treten und euch am Bildschirm zu Lachen bringen. Ob das gelingt, ist wohl Geschmackssache, aber zumindest fand ich Skye sympathisch und nachvollziehbar in ihren Handlungen. Die Anspielungen auf unsere reale Welt sind etwa so eingestreut wie bei Monkey Island. Während es dort etwa einen Grog-Automaten im Coca-Cola-Stil gibt, verkauft uns hier ein Druide analog dazu einen Energy-Drink, der bis obenhin mit Zucker gefüllt ist. Beim Ende werden sich vermutlich wieder die Geister scheiden, ich fand es in Ordnung. Ein schönes Detail am Ende ist, dass man bereits einen Hinweis auf das nächste Point & Pixel-Adventure finden kann.

Fazit

Puh, The Legend of Skye hat mich ganz schön auf Trab gehalten. Ohne in Lösungen zu linsen würde ich euch eine Spielzeit von ca. 11-13 Stunden prophezeien. Solche knackigen Rätselketten ist man ja heutzutage kaum noch gewohnt. Eine Ausnahme wäre das oben genannte The Adventures of the Black Hawk, das sich aber in meiner persönlichen Rangliste hinter The Legend of Skye einordnen muss.

Die Orientierung an The Secret of Monkey Island war gerade weit genug entfernt, um nicht als Plagiat zu gelten. Auch der Einfluss anderer Klassiker ist zu spüren, so könnten etwa auch Simon the Sorcerer-Vibes bei euch aufkommen. Fall euch diese Art der Nostalgie nichts ausmacht, dann solltet ihr auf GOG, Steam oder itch.io zugreifen. Die Liebe, die offenbar in jeden Pixel geflossen ist, soll schließlich auch honoriert werden. Der Soundtrack von Michael Lückgen hat mir an den meisten Stellen übrigens auch sehr gut gefallen, aber das Gedudel in der Druidenhütte hat mich ehrlicherweise dazu gebracht, immer möglichst wenig Zeit dort drinnen zu verbringen.

Alles in allem gibt es von mir eine Empfehlung für alle Adventure-Romantiker, so wie ich einer bin. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf das nächste Spiel von Point & Pixel Adventures: Mesektet!

Der offizielle Trailer von The Legend of Skye
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Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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17 Comments on “The Legend of Skye”

      1. Ich kam tatsächlich schneller durch, aber es war ein wirklich schönes Erlebnis.
        Hab mich wieder in die 90er versetzt gefühlt, zur MI1 und Loom Zeit…
        Kann ich jedem Fan von klassischen LA-Adventures nur empfehlen.

        Jetzt brauche ich noch neues Futter im Stil vom Sierra 😉

        1. Schön, dass es dir auch gefallen hat. Wie lange hast du denn gebraucht? Meine Steam-Uhr zeigt ca. 10 Stunden an, aber ich versuche ja auch immer auch das Festhängen bei Rätseln mit zu berücksichtigen und eine ungefähre Prognose für den “Durchschnitts-Spieler” abzugeben. 😉

          1. Puh, ich habe nicht so auf die Uhr geschaut, und hab die GOG Version, da sehe ich meine Spielzeit nicht. Denke aber, dass ich so 8-9 Stunden gebraucht habe.
            Ich bin auch recht selten hängengeblieben, was mich allerdings bei einigen Rätseln selbst gewundert hat.

      1. Bei alten Spielen, wo das eben Stand der Technik war, stört es mich nicht. Aber ich erinnere mich noch an die Zeit von Runaway, wo ich sehr froh war, dass es Point & Click jetzt auch hochauflösend gibt und kleine Gegenstände erkennbar sind statt nur zwei andersfarbige Pixel. Das Gameplay mag ich auch bei neueren Adventures gerne klassisch, die Grafik sollte aber bitte einigermaßen modern sein. Bei Ego-Shootern geht es mir genauso, deswegen stehe ich diesem Boomer-Shooter-Trend etwas zwiespältig gegenüber.

        Aber meine Stichelei ist ja nur halb ernst gemeint, ich gönne natürlich jedem Pixelfan seine Freude mit diesen Spielen. Und manchmal zocke ich dann doch sowas und habe sogar Spaß damit. 😀

        1. Für mich kommt es immer auf die Auflösung der Pixel-Grafik an. Hochauflösende Spiele wie Pizza Tower oder World of Horror sehen wunderschön aus:
          https://store.steampowered.com/app/2231450/Pizza_Tower/
          https://store.steampowered.com/app/913740/WORLD_OF_HORROR/

          Ich würde mir daher eher wünschen, wenn Point & Click Adventures mehr in die hochauflösende Richtung gehen würden. Sowas wie Kathy Rain (https://store.steampowered.com/app/1395030/Kathy_Rain_Directors_Cut/) gibt es echt zu selten. Also wo jedes Bild eine sehr schöne Atmosphäre ausdrückt.

  1. Danke für eure Kommentare! Ich bin nur ein wenig verwirrt, weil neben den Kommentaren hier auch noch in Discord sowie in weiteren Foren kommentiert wird. Aber kein Problem, ihr könnt schreiben, wo ihr wollt! Ich muss dann nur den Überblick behalten. 😉

  2. Danke für den Artikel lieber TLTK, wobei es mir ein wenig wie Ganon geht was Pixeladventures betrifft – ich bin da leider immer noch übersättigt.

    Das hier gebotene bei Legend of Sky sieht wirklich sehr schön aus, allerdings mag ich dieses Setting leider nicht so besonders. Aber vielleicht schau ich bei Gelegenheit noch einmal hinein.

    Kleinen Verbesserungswunsch hätte ich noch bezüglich eurer Seite: Könnt ihr vielleicht die Links so einbinden das ein neues Fenster aufgeht. Also wenn ich z.B. auf den Link zu GOG klicke das sich das oben in einem neuen Reiter öffnet. Ich empfinde es immer so nervig mit dem zurück Button zu arbeiten. Danke!!!!! 😀 😀 😀

    1. Hallo advfreak,
      Soweit ich mich erinnere, war das intern schon mal Thema und unter anderem ich hatte mich dafür ausgesprochen, nicht automatisch neue Reiter aufzumachen. Wenn mich etwas interessiert, öffne ich mit der rechten Maustaste einen neuen Tab – und dachte, das wäre eventuell sinnvoller. Wie sehen das andere Seiten-Besucher?

      1. Oha, dann scheint das wirklich Geschmackssache zu sein und du hast recht, am Computer geht das easy mit rechter Maustaste und am Handy muss man eben länger drauf bleiben und dann auf neuer Reiter gehen.

        Persönlich bevorzuge ich den neuen Reiter, aber da bin ich vermutlich tatsächlich in der Minderheit würd ich mal schätzen. 😉

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