Leisure Suit Larry 7: Yacht nach Liebe

Der Lebemann im Freizeitanzug setzt ein letztes Mal die Segel! Larry Laffer lässt auch im sechsten Teil seiner langlebigen Serie keine Gelegenheit aus, sich selbst in ein ungutes Licht zu setzen. Kommt an Bord, denn hier ist Love for Sail.

Schieb ab!

Liebes Tagebuch,

Ich hab’s tatsächlich geschafft! Ich! Shamara, DIE spirituelle Seele des La Costa Lotta, konnte vor mir natürlich trotz aller Widrigkeiten ihr Herz – und was sonst noch so dahintersteckt – nicht verschließen.

Nach all den Räucherstäbchen, Yoga-Posen, und einer Menge „Ommmms“ bin ich am Ziel. Für heute lasse ich das mal auf mich wirken und hoffe, dass meine Chakren morgen nicht komplett im Eimer sind. Überhaupt: Morgen. Vielleicht sollte ich doch mal ‘nen Yoga-Kurs machen… und meinen Leisure Suit an den Nagel hängen.

Shamara! Mein ein, mein alles, mein Fenchel! Namasté!

So ungefähr endet im Jahre 1993 Leisure Suit Larry 6: Reiß‘ auf oder schieb ab! Nach einigen kurzweiligen Abenteuern im Wellness-Hotel hat Larry Laffer, der Held der Spielereihe, mal wieder DIE eine Frau fürs Leben gefunden. War es in den Teilen zwo und drei noch ein Running Gag, dass Larry von der jeweiligen Abschluss-Frau des Vorgängerspiels abserviert wurde, ließ Sierra On-Line diese Gelegenheit bei Teil fünf und sechs ungenutzt. Ist dies bei Leisure Suit Larry 5: Passionate Patty macht beim Geheimdienst mit wegen seiner Entwicklungsgeschichte logisch, macht Teil sechs einfach einen Sprung und ignoriert die Vorgänger mehr oder weniger. Yacht nach Liebe greift die alte Tradition zum Glück aber wieder auf und dreht Shamara im Laufe einer einzigen Nacht komplett auf links. So etwas schafft nur Larry Laffer.

Was ist geschehen? Nun, während Larry offensichtlich die Nacht seines Lebens hat, hängt Shamara ihren Gedanken nach. In ihren eigenen Worten klingt das so:

Eine Nacht mit dir lässt einer Frau ’ne Menge Zeit zum Nachdenken. Aber diese ganze New-Age-Kram ist nicht mein Ding. Was ich wirklich liebe, ist: KOHLE!

Sprachs, drückt Larry die Zigarette in den Mund und verschwindet. Logisch, dass kurz darauf das Zimmer lichterloh brennt, unser Held sich zwei Papierschnittwunden zuzieht und… auf eine Kreuzfahrt geht! So obskur diese Herleitung klingt, so schön ist sie gestaltet. Und bevor dem tapferen Leser dieser Zeilen die obligatorische Frage bis zum Ende des Artikels auf dem Herzen brennt: Nein, Larry kann weder hier noch sonst irgendwo im Spiel sterben. Es gibt auch keine Sackgassen. Also: Leinen los.

Love Boat

Natürlich gibt es auch an Bord der PMS Bouncy wieder Frauen, die weit außerhalb der Reichweite von Herrn Laffer liegen. An der Spitze dieser Truppe steht Captain Thygh, die ihr langweiliges Kapitän-Parger-Leben durch einen wöchentlich abgehaltenen Wettbewerb spritziger machen möchte: Im Rahmen der „Thygh’s Man Trophy“ können sich die Passagiere in verschiedenen Disziplinen messen. Der Gesamtsieger gewinnt eine weitere Woche an Bord, die er exklusiv in der Kabine von Captain Thygh genießen darf. Ob es zusätzlich noch eine kleine Statue wie bei der namensgebenden Heisman Trophy gibt, ist leider nicht bekannt. Doch Captain Thygh wird schon für irgendeine bleibende Erinnerung sorgen.

Die Handlung des Spiels ist weitgehend offen gestaltet, da Larry die einzelnen Aufgaben unabhängig voneinander angehen kann. Bleibt er bei einem Rätsel stecken, kann er sich anderweitig austoben. Nur für die abschließende Belohnung müssen natürlich alle Aufgaben abgearbeitet werden. Die Stationen sind:

  • Hufeisenwerfen
  • Wettkochen
  • Craps (ein Würfelspiel)
  • Lovemaster 2000
  • Bowling
  • Der bestgekleidete Mann

Es versteht sich von selbst, dass Larry Laffer bei keinem einzigen Wettbewerb auch nur den Hauch einer Chance hat, wenn er nicht auf die ein oder andere Weise nachhelfen würde. Im Laufe seiner Betrügereien trifft er die besagten anderen Frauen, deren Namen auf subtilste Art und Weise gleichzeitig auf Schauspielerinnen und auf Zweideutigkeiten anspielen:

  • Annette Boning
  • Dewmi Moore
  • Drew Baringmore
  • Victorian Principles
  • Wydoncha & Nailmi Jugg

Okay, das Duo auf dem letzten Listenplatz scheint kein reales Namensvorbild zu haben. Dafür sind so viele Schweineigeleien wie möglich in den Namen verbaut.

Ziel des Schwerenöters ist natürlich, möglichst viele dieser Frauen ins Bett zu bekommen. Und im Gegensatz zu früheren Spielen der Reihe ist Larry dieses Mal entschieden erfolgreicher. Dennoch bleibt er im Kern der gleiche Pechvogel wie immer: Nach mehr oder weniger erfolgreichen Damen-Aktionen ist Larry oft nackt oder seltsam gekleidet. Er versucht also jedes Mal, sich unauffällig in seine Kabine zu schleichen. Doch das klappt nie. Sei es eine Nonne oder eine Gruppe Japaner samt Fotoapparaten: Es gibt immer eine neue peinliche Szene.

Jede der Damen stellt für Larry eine ganz eigene Herausforderung dar: Mal gilt es, das Country-Mutter-Tochter-Duo zu bezirzen, mal benötigt Jamie Lee Coitus Hilfe bei ihrer Modekollektion, mal muss er in einer aufregenden Partie Strip Liar’s Dice den Kavalier in sich bezähmen. Es bleibt immer lustig, immer pikant-andeutend und immer blamabel für Larry.

Ebenfalls auf dem Schiff sind natürlich einige Crewmitglieder wie die Matrosin Peggy, Büffet-Aufsicht Wang oder den Barkeeper Johnson. Alle sind zwar Teil einer Rätsellösung, aber vor allem sind sie zur Unterhaltung da. Allein die von herzlicher Abneigung geprägten Gespräche mit dem Rezeptionisten Peter sind Gold wert. Badeaufsicht Dick ist zwar nur für einen einzigen Gag gut, aber auch der macht einfach Spaß.

Bei all diesen Menschen an Bord könnte die Übersicht leicht verloren gehen. Doch dank integriertem Schiffsplan geht die Schnellreise über die PMS Bouncy schnell von der Hand. Selbst die Kabine von Larry ist hierüber zu finden – was gar nicht mal so gut ist. Denn natürlich hat Herr Laffer das absolute Glückslos gezogen und haust zwischen Giftmüllfässern und Tanks um die Wasseroberfläche herum. Aber immerhin: Er ist an Bord.

Bedienung!

Adventures haben im Laufe der Jahre unterschiedliche Formen der Interaktion ausprobiert. Die ursprünglichen Textadventures benötigten Tastatureingaben der Spieler, die das Spiel dann auszuführen versuchte. Falls dies mangels ausreichend komplexer Programmierung zu nichts führte, erschien auf dem Bildschirm gerne die ein oder andere Variation von „Das klappt so nicht“. Frühe Abenteuerspiele mit graphischer Darstellung griffen ebenfalls auf eine solche Steuerung zurück: Während die Spielfigur mit den Cursortasten über den Bildschirm gelenkt wird, muss der Spieler für weitreichendere Aktionen in die Tastatur greifen. Die ersten drei Spiele der Larry-Reihe funktionieren nach diesem Muster.

Die Teile fünf und sechs greifen auf ein Icon-Interface zurück, das sich am Bildschirmrand zeigt oder auch mal versteckt. Die wichtigsten Funktionen sind darüber aufrufbar oder auf Mausklick auch direkt am Cursor durchklickbar. Vorteil dieser Methode: Niemand muss am korrekten Wort verzweifeln, falls es ihm gerade nicht einfällt. Nachteil: Das Spiel hat keinerlei Möglichkeit mehr, obskure Eingaben des Spielers zu belohnen.

Yacht nach Liebe nimmt sich dieser Problematik an und schafft ein eigenes Interaktionssystem, das an Windows-Kontextmenüs erinnert. Ist der Cursor (stilsicher in Kondom-Optik gehalten) „ausgefahren“, dann ruft ein linker Mausklick ein kontextabhängiges Menü auf. „Anschauen“ ist ein Verb, das fast immer auftauchen wird, ansonsten wechselt die Auswahl. Teilweise zeigt ein kleiner Pfeil neben dem jeweiligen Punkt an, dass darunter eine weitere Auswahl-Ebene wartet. Der Punkt „Sonstige“ ruft ein Eingabefenster auf, in das der Spieler nach alter Väter Sitte eigene Begriffe eintragen kann. Dieser Mini-Parser versteht natürlich nicht alles, aber aus Larry 7 lassen sich tatsächlich noch ein paar lustige Zusatztexte (und -punkte) raus kitzeln. Sehr coole Idee!

Ein rechter Mausklick ruft übrigens das Shortcut-Menü mit Dingen des alltäglichen Bedarfs auf: Inventar, Punktestand, Speichern, Schiffsplan und der Boss-Taste.

Ein (fast) komplett einzigartiges Alleinstellungsmerkmal hat Leisure Suit Larry 7 übrigens ebenfalls zu bieten: Den CyberSniff 2000. Dieses der Packung beiliegende Kärtchen bietet neun Rubbelfelder, die unterschiedliche Gerüche freisetzen. Wenn im Spiel eine markante Stimme „CyberSniff 2000“ brummelt und gleichzeitig die passende Felder-Zahl aufblinkt, kann der Spieler neben Augen und Ohren nun auch die Nase ins Spielgeschehen eintauchen lassen. Ob dies immer klug ist, sei dahingestellt.

Die Karte ist übrigens überraschend langlebig. Wer sich heute eine der alten Boxen über die einschlägigen Kanäle kauft, kann mit seinem Fingernagel immer noch in die Geruchswelten von damals eintauchen. Wenn auch keiner der Gerüche so richtig das trifft, was er darstellen soll.

Full Motion Larry

So hübsch die Zeichentrickgrafik in 640 auf 480 Punkten auch sein mag: Frühe Pläne für ein neues Larry-Spiel sahen technisch ganz andere Dinge vor. Nach den Erfolgen mit Phantasmagoria und The Beast Within: A Gabriel Knight Mystery fanden Probeaufnahmen für ein FMV-Larry-Spiel statt. Sierra On-Line heuerte einige Schauspielerinnen an und nahm mit ihnen einige Dialoge auf. Doch die Kombination des Larry-Humors mit echten Menschen funktionierte nicht, so dass die Idee wieder ad acta gelegt wurde. Wann genau die Aufnahmen stattfanden, ist leider nicht bekannt und Ausschnitte sind auch nie im Netz aufgetaucht. Da Yacht nach Liebe zu diesem Zeitpunkt allerdings schon seit einiger Zeit in der Entwicklung war, wäre eventuell auch erst ein Nachfolge-Spiel in den Genuss der Pixel-Menschen gekommen.

Stattdessen nahm die Zeichentrick-Grafik Gestalt an. Das US-Team fertigte die Key-Frames und das Layout an. Den Rest lieferten Animationsstudios in New York und Kroatien. Diese Teams hatten sich bereits bei Torin’s Passage und King’s Quest VII: The Princeless Bride bewährt.

Die Figuren haben für heutige Augen vergleichsweise wenige Animationsphasen, zeigen aber immer wieder einige lustige Posen – allen voran natürlich Larry. In Schlüsselmomenten blendet Yacht nach Liebe auf vorgefertigte Filme um, die leider etwas pixelig aussehen. Ansonsten: Augenweide.

Die Musik des Spiels ist erstmals vollständig von Musikern eingespielt worden. Die Aufnahmen fanden in Chick Corea’s Mad Hatter studios statt – und Al Lowe packte dafür auch wieder sein Saxophon aus. Auf dessen Seite gibt es sämtliche Musikstücke auch direkt anwählbar. Wer also wissen möchte, welches Stück Country-Mucke aus Freddy Pharkas: Frontier Pharmacist in Larry 7 gelandet ist, kann hier nachhören. Und das unglaubliche He’s Got His Daddy’s Eyes (and His Other Daddy’s Smile) in Dauerschleife hören. Musikalisch ist jedenfalls Abwechslung geboten, wobei gediegene Barmusik-Untermalung überwiegt.

Was Frauen lieben

Richtig! Jede Umfrage, die etwas auf sich hält, verkündet der Männer wichtigste Eigenschaft: Humor. Auch wenn es mehr in Richtung trockener Humor geht und peinliche Gags mit Körperöffnungs-Schwerpunkten wohl eher weniger gefragt sind: Da passt Larry Laffer doch überraschend gut rein. Im Designdokument zu Leisure Suit Larry 7 wird erwähnt, dass der Frauenanteil in der Spielerschaft der Reihe bei ungefähr 25 Prozent liegt. Überraschend für Titel, die angeblich ja nur dümmlich sexistische Frauenklischees bestärken. Wie es im gleichen Dokument heißt:

Was machte die bisherigen Larry-Spiele so erfolgreich?

  • Weil es den männlichen Spielern gleichzeitig Lust, Humor und ein Gefühl der Überlegenheit gegenüber Larry bot.
  • Weil jede Frau schon mal mit einem Trottel wie Larry ausgegangen ist.
  • Anfangs kauften viele die Spiele vielleicht wegen der attraktiven Frauen, aber zurückgekehrt sind sie wegen des Humors.
Leisure Suit Larry 7 Design Document

Diese Überlegungen führten gemeinsam mit den zeitlichen und finanziellen Herausforderungen dazu, dass die Full-Motion-Video-Idee wieder zu den Akten gelegt wurde. Neben der Schwierigkeit, entsprechende Darstellerinnen mit dem passenden Äußeren und Comedy-Talent zu finden, passte der Ansatz nicht zur bisherigen Erfolgsformel:

Wir werden die Spielerinnen verlieren, wenn es zu viele Videos oder zu realistische Frauen oder explizite Sexszenen gibt.

Eingefügt wurde aber die Möglichkeit, sein eigenes Antlitz, seine eigenen Sprachaufnahmen oder auch eigene Geräusche einzufügen. So richtig schön 90er-Jahre mäßig nennen sich diese Funktionen im Handbuch CyberSCAN 2000, CyberVOX 2000 und CyberSOUND 2000. Ich selbst habe es nie ausprobiert, doch einige wagemutige Internet-Playboys berichten von erfolgreichen Transplantationen.

Ja, ist denn schon Ostern?

Selbstverständlich legt auch Yacht nach Liebe wieder einen prall gefüllten Ostereier-Korb auf eurem Rasen ab und hoppelt von dannen. Hm. An diesem Bild muss ich noch arbeiten. Genauso wie die Grafiker von Larry 7, denn angeblich zeigen die vier Männer im Spielcasino, die sich gerne mal einen Martini bestellen, vier der damaligen fünf Darsteller des Meisterspions James Bond. Für mich erkennbar sind nur zwei, aber der geneigte Leser hat sicherlich bessere Augen.

Sierra-Spiele sind bei Eastereggs gerne selbstreferenziell. Es ist also kein Wunder, dass die brave Bibliothekarin Victorian Principles Leisure Suit Larry 6 spielt, wenn die Geschichte einen gewissen Kipppunkt erreicht hat. Oder dass der Kinder-Animateur, der mangels Kindern an Bord eben Larry mit Ballontieren versorgt, verdächtig nach Ken Williams aussieht.

Ob freispielbare Wallpaper unter die Ostereier-Kategorie fallen, muss die Nachwelt entscheiden. Ich war damals jedenfalls sehr überrascht, als ich das Spiel beendete und mein Hintergrundbild plötzlich ausgetauscht war. Soweit ich mich erinnere, wurde ich auch nirgends gefragt, ob mir das recht ist. Im Laufe des Spiels habe ich mich allerdings daran gewöhnt und auf das nächste Bild gefreut. Laut Handbuch hätte ich als Nutzer die Larry-Wallpaper in den Einstellungen freigeben müssen, aber meiner Erinnerung nach war das Bild plötzlich da. Wer weiß, wer weiß.

Die Damen sehen ihren jeweiligen Bildschirm-Vorbildern allerdings nicht immer besonders ähnlich. Auch von Dildo gibt es eine solche hübsche Tapete.

„Dildo? Was? Wer? Wie?“ schallt es diesem Artikel nun entgegen, richtig? Nun, Yacht nach Liebe hat ein kleines Sammelspiel eingebaut, bei dem 32 kleine Kerlchen in den Grafiken versteckt sind. Gewandet in rot-weiß-geringelte Kleidung erinnern die Kerlchen natürlich an die damals hochkochende „Wo ist Walter“-Hysterie. Nur eben, dass Form und Name „Dildo“ lauten. Mal offensichtlich wie auf diesem Teambild, mal schaut nur die freche Spitze über eine Tischkante, doch mit ein wenig Augenmaß findet man die Typen schon. Und wer alle findet, bekommt eine leicht geänderte Schluss-Sequenz.

Angeblich wurden die fröhlichen kleinen Kerle erst nach erfolgter Qualitätskontrolle eingebaut, um keine Schwierigkeiten zu bekommen. Ob das tatsächlich stimmt?

In ‚Larry 7‘ war das eine meiner liebsten Ideen und es war nicht meine eigene. Jason Piel kritzelte herum, zeichnete Dildo und hat uns alle zum Lachen gebracht. Die Animations-Künstler haben es geliebt und es animiert. Die Programmierer nutzen ihre freie Zeit zwischen den ganzen Bugfixes am Ende des Projekts, um noch mehr Orte ins Spiel zu bringen, wo man ihn finden konnte.

Al Lowe in Adventuregamer.de

Kein Easteregg im klassischen Sinne, aber ein humorvolles Extra des Spiels: Wenn nicht gerade die Coutry-Sängerinnen die Bühne des Schiffs unsicher machen, tritt Bill Clinton auf und erzählt Witze. Okay, die Figur heißt im Spiel Willy, aber das Vorbild ist klar.

In der deutschen Fassung wurde die Figur tatsächlich ausgetauscht. Hier steht „der sprechende Kohl Dr. Willy“ auf der Bühne und führt sich mit diesen Worten ein:

Ich bin heute morgen erst gepflückt worden. Meine Gags sind daher taufrisch.

Wem das gefallen hat, kann sich hier ein 30 Minuten langes Video mit den Höhepunkten der deutschen Humorfabriken anschauen. Natürlich alle von Dr. Willy vorgetragen, der zwar von seiner Frau Hannelore und Politikern wie Norbert Blüm erzählt, dabei aber immer eher nach Heinz Erhardt als nach Helmut Kohl klingt. Doch das sind Details, denn immerhin war der deutsche Markt wichtig genug für eine eigene Figur. Andere Sprachfassungen verwendeten weiterhin das Clinton-Modell.

Im späteren Spielverlauf kommt Larry auch noch an einer Wand vorbei, die die bisherigen Gewinner der Trophy zeigen. Hier zeigt sich wohl mit am besten, dass das Spiel Mitte der 1990er entstanden ist, denn außer Al Lowe und Bill Clinton habe ich niemanden erkannt.

Schuld an dem Niveau der Witze war übrigens nicht Al Lowe alleine. Auch sein Team trifft nur eine Teilschuld. Stattdessen lockte das firmeneigene Werbemagazin InterAction in seiner Sommerausgabe 1996 bis zu 50 glückliche Gewinner mit dem neuesten Larry-Spiel als Gewinn. Ihre Aufgabe: Sie sollten einen Witz einsenden, der eines Larry Laffer würdig sei. Tja.Was sollte da schon schief gehen? In der Anzeige wird Yacht nach Liebe übrigens noch als Leisure Suit Larry: Yank Hers Away! angekündigt.

Eine Überraschung der ganz eigenen Art war ursprünglich als Packungsbeilage angedacht. Unter den Features, die das Spiel einmalig machen sollten, war als letzter Punkt das hier aufgeführt:

Erstes Spiel, das in jeder Packung ein echtes Kondom beilegt. Natürlich in Larry-Größe (d. h. Bleistiftdurchmesser).

Leisure Suit Larry 7 Design Document

Nun, dieses Kondom hat es leider nicht in die fertige Box geschafft. Ob es zu teuer war oder sich Sierra On-Line schlicht nicht sicher war, wie das Ding in der Öffentlichkeit so ankommen würde: Es fehlt. Oder es ist so klein, dass es nicht auffällt.

Diese Beilage tauchte einige Jahre später wieder auf, als Al Lowe für eine Remake-Fassung des ersten Larry-Spiels aus seinem Ruhestand zurückkehrte. Kickstarter-Unterstützer konnten ab einem Beitrag von 100 Dollar nicht nur eine richtige Spiel-Packung in Händen halten. Nein, laut Tier-Beschreibung gab es hier eine echte Sensation: „PLUS etwas, das Sierra NIEMALS in die Schachtel gelegt hätte: ein echtes Leisure Suit Larry™-Markenkondom. Keine Panik – es ist noch in seiner Verpackung.“ Die Sonnenuntergangs-Optik der Verpackung mutet etwas billig an, aber dass Lowes Idee eines Kondoms nach 17 Jahren doch noch umgesetzt wurde, ist ja schon Lohn genug.

Memorabili… Memoraberi… Andenken!

Leisure Suit Larry erschien weltweit für gewöhnlich mit dem bekannten Cover-Motiv. Larry auf Wasserski hinter dem offensichtlich in einem Affenzahn dahin rauschenden Kreuzfahrtschiff. Darauf stehen einige Damen in Freizeitkleidung, die mit einer Axt das Seil zwischen Schiff und Larry durchschlagen wollen.

Es gab aber auch einige wenige Ausnahmen. Dank der phantastischen Arbeit von Stephen Emond und seinen Helfern kann man sich in der Ausgabe 1 der Sierra Collector’s Quest die Alternativen anschauen.

Das Sierra-eigene InterAction-Magazin vertrieb im Sommer 1996 ein weiteres Extra zum Spiel: Eine Telefonkarte im Wert von 15 Dollar. Die Anzeige dafür erschien in der hauseigenen Postille InterAction und war nur dort beziehbar. Dafür musste der willige Kunde die kostenpflichtige Sierra-Hotline anrufen und nach der Karte fragen. Die 19,50 Dollar für Karte plus Versand wurden dann über die Telefonrechnung abgezogen. Wie viele Exemplare auf diesem Wege ihren Platz in amerikanischen Geldbeuteln gefunden haben, ist leider nicht mehr nachvollziehbar.

Oh, und wenn man sowieso gerade (auf eigene Kosten) in der Leitung war, könnte man ja noch einen guten Witz erzählen. Falls dieser im nächsten Larry-Spiel landen würde, gäbe es dafür das Spiel dann auch kostenlos. Ewigen Ruhm im eigenen Freundeskreis inklusive.

Die Demo

Einige Monate vor dem Hauptspiel veröffentlichte Sierra-Online eine Demo-Version von Yacht nach Liebe. Der Mittelpunkt dieser Fassung ist eine Partie Strip Liar’s Dive gegen Dewmi Moore, die fast inhaltsgleich im fertigen Spiel auftaucht. Nicht integriert ist allerdings die Dialog-Möglichkeit mit der Dame.

Interessanterweise sind die aufgerufenen Beträge für abgelegte Kleidungsstücke viel höher als in der Verkaufsfassung: Bekommen Larry und Dewmi für ihr erstes verkauftes Kleidungsstück in beiden Fassungen immer 100 Dollar und für das zweite Stück 150 Dollar, steigen diese Preise in der Demo immer weiter an. Im fertigen Spiel bleibt es bei 150 Dollar. Es dauert also viel viel länger, um Dewmi in der Demo zu besiegen – ganz davon abgesehen, dass der Cheat-Code nicht integriert ist, mit dem Larry Dewmis Würfel sehen kann.

Der Rest der Demo sind einige kurze Szenen, die größtenteils tatsächlich im Spiel gelandet sind. Ganz wie bei Filmtrailern gibt es dennoch Elemente, die noch geändert wurden und ein paar leicht umgestellte Dialoge. So wird auch eine frühe Version des Covers abgebildet. Zwar steht dort schon Love for Sail als Untertitel, im begleitenden Text wird aber noch von Yank Hers Away gesprochen.

Hosentaschen-Larry

Es ist ja durchaus üblich, dass erfolgreiche Spiele auf andere Plattformen übertragen werden. Doch dass Leisure Suit Larry 11 Jahre nach seinem Erscheinen auf mobile Plattformen übertragen wird, ist doch eher ungewöhnlich. Vor allem, weil die neue Version außer dem Namen nichts mit dem Spiel zu tun hat, über das bisher hier geschrieben wurde. Es spielt noch nicht einmal auf einem Schiff. Aber der Reihe nach.

Die Ausgangslage passt in acht Handybildschirm-Zeilen:

Du bist Larry Laffer. Mit Frauen warst du noch nie besonders erfolgreich. Doch damit nicht genug – auch in deinem Job stehst du kurz vor dem Aus. Man schickt dich ins „Last Chance Seminary“, die letzte Gelegenheit für Angestellte, ihre Produktivität zu steigern, bevor sie gefeuert werden.

Doch vor dieses Seminar hat der Designer-Gott noch einige Schwierigkeiten gestellt. Unter anderem ist Larry auch ziemlich lange auf einem Flughafen und später wie weiland in Leisure Suit Larry 3 in einem Flugzeug unterwegs. Doch dann treibt er sich unter Palmen herum und trifft neben Prominenten wie „Johnny“ Travolta auch die Ebenbilder von Al Lowe sowie Ken und Roberta Williams. Das Spiel versucht also durchaus, sich bei Fans der Serie einzuschmeicheln.

Auch die Bedienung und das Gameplay erinnern an die früheren Adventure-Taten. Natürlich kann ein Spiel auf einem Telefon Mitte der 2000er-Jahre nicht im Umfang oder der Optik mit dem PC konkurrieren, aber es sieht hübsch aus und versucht sich an einem „richtigen“ Adventure. Wenn auch die Lösung zu egal welchem Problem meistens so aussieht: Larry benötigt einen Gegenstand und findet eine Person, die ihn hat. Diese rückt Gegenstand A aber nur heraus, wenn Larry dafür im Gegenzug Gegenstand B findet. Das trägt kein intensives Daddel-Wochenende, doch eine U-Bahn-Fahrt wird dadurch locker versüßt.

Der letzte Larry lässt die Läden runter

Die bisherigen Larry-Spiele endeten für gewöhnlich mit einem Happy-End: Larry findet die Frau fürs Leben und wartet darauf, dass das nächste Spiel ihm wieder den Boden unter den Füßen wegzieht. Doch Yacht nach Liebe bietet in seinem Abschluss-Filmchen erstmals einen Ausblick auf den Nachfolger.

Der grobe Plot, den Lowe sich ausgedacht hatte?

Nachdem Larry Laffer am Ende von Yacht nach Liebe von Aliens entführt wurde, erwacht er in einem Reich, das für ihn wie das Paradies wirkt: Glitzernde Diskokugeln, endlose 70er-Rhythmen und Schönheiten, die ihn umschwirren wie Motten das Scheinwerferlicht. Doch die Idylle ist nichts weiter als eine Projektion. Hinter der Fassade verbirgt sich ein Volk amazonischer Kriegerinnen von einem fernen Stern. Unsterblich, männerlos und mit Expansionsplänen im Gepäck, suchen sie neues „Zuchtmaterial“.

Dank ausgeklügelter Gehirnwäsche sieht Larry statt rostiger Schiffswände glamouröse Casinos und statt fremdartiger Gesichter nur Traumfrauen. Selbst das Geklapper und Gekreische der Aliens verwandelt sich in seinem Kopf in Siebziger-Disco-Hits. Für eine Weile lebt er im Trugbild seiner eigenen Sehnsüchte – bis er begreift, dass er unfreiwillig zum Stammvater einer ganzen Invasionsarmee werden soll.

Von da an geht es ums Ganze: Larry muss die Pläne seiner Entführerinnen vereiteln und – allen Widerständen zum Trotz – das Universum retten.

Nachdem Lowe im Juli 1998 Leisure Suit Larry’s Casino fertig gestellt hatte, wollte er sich an dieses achte Larry-Spiel machen. Auch Sierra On-Line war daran interessiert, doch entgegen früherer Projekte wollte er nicht auf Tantiemen-Basis arbeiten. Er strebte einen Vertrag an, der ihm monatliche Zahlungen zusicherte. Doch trotz guter Verkaufszahlen (Larry 7 soll um die 280.000 Exemplare verkauft haben) wurde Lowe immer weiter vertröstet, bis das Projekt am 22. Februar 1999 zwischen den Fingern zerronnen war.

Ende 1998 erstellte der Lead Animator von Yacht nach Liebe ein 3D-Model von Larry, eine Art Beweis der Machbarkeit. Ob Larry in Leisure Suit Larry 8: Lust in Space wirklich so ausgesehen hätte, ob es tatsächlich eine frei bewegliche Kamera gegeben hätte und ob das alles Spaß gemacht hätte? Wer weiß. Was bleibt, ist dieses Mini-Video:

Im Interview mit adventurecorner.de hat Al Lowe das perfekte Fazit zu Yacht nach Liebe von sich gegeben. Und natürlich sollte ein Artikel über sein Spiel mit den Worten des Meisters enden:

‚Larry 7‘ war mein Liebling; Ich dachte ‚Love for Sail‘ war das beste Spiel, das ich gemacht habe, weil ich kurz gesagt bis dahin einfach wusste, wie man Spiele entwickelt. Es hat mich fünf oder zehn Jahre gekostet, um heraus zu finden, was man machen muss und verdammt nochmal, genau dann als ich gut darin wurde, wurde dem Adventure-Markt der Boden unter den Füßen weggezogen.

Al Lowe in Adventurecorner.de
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Über Jürgen

Geschichts- und Musik-Liebhaber mit einer Schwäche für viel zu lange Computerspiele. Der Werdegang CPC - Pause - PC und Konsolen sorgt dafür, dass ich noch so viele schöne alten Perlen entdecken darf.

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5 Comments on “Leisure Suit Larry 7: Yacht nach Liebe”

  1. Was für ein schöner Artikel, Larry 7 war auch mein Favorit, und der meines Vaters auch.
    Schade, dass nie ein weiterer Teil passiert ist, der Cliffhanger war schon blöd damals.
    Meine Cybersniff 3000 Karte „duftet“ übrigens auch noch immer.

    1. Bei „Reloaded“ hieß es ja noch, dass Remakes der ganzen Reihe folgen könnten und dann vielleicht noch ein neues Spiel. An und für sich war mir damals schon klar, dass das niemals passieren würde, aber trotzdem hatte ich noch eine ganze Weile gehofft. Mir hätten ja schon überarbeitete Versionen von Teil 2 und 3 gereicht. Okay, ein kurzes LSL4 hätte ich auch noch genommen.

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