
| Titel: | Garfield: Escape from Monday |
| Erscheinungsdatum: | 24.09.2026 |
| Plattformen: | Windows, Switch, PS5, Xbox |
| Entwickler / Herausgeber: | OSome Studio / Microids |
| Homepage: | https://www.osome-studio.com/jeux/garfield-escape-from-monday |
Ich gehe wohl nicht zu weit, wenn ich sage, dass die großen Zeiten des launischen Katers schon lange vorbei sind. Weder Kinofilme noch neuere Serienproduktionen konnten Kritik und Publikum richtig überzeugen. Mit seiner Mischung aus einer „Ist mir doch egal“-Attitüde und zynischen Kommentaren zur Gesellschaft und Popkultur ist die Figur Garfield vielleicht auch zu sehr mit dem 20. Jahrhundert verbunden. Damals jedoch war Garfield wirklich dominant in der Popkultur: Es gab diverse Prime-Time-Specials und mit Garfield & Friends eine äußerst erfolgreiche Cartoonserie, die über sechs Jahre lang produziert wurde. Natürlich gab es Unmengen an Merchandise und Comics. In diesem Medium wurde der Kater in den 70er-Jahren von seinem Schöpfer Jim Davis erstmals in US-Tageszeitungen auf die Menschheit losgelassen. Auch ich bin natürlich mit Garfield aufgewachsen und habe insbesondere an die Cartoonserie wohlig-nostalgische Erinnerungen.
Nur eines bekam Garfield nie: ein richtig gutes Videospiel. Versuche gab es seit den 80ern reichlich, aber nie konnte ein Entwickler im Gameplay überzeugen oder den Charme der Vorlage einfangen. Also wird es Zeit für einen neuen Versuch. Nachdem das französische OSome Studio bereits mit den Schlümpfen die zwei grundsoliden Plattformer Mission Blattpest und Der Gefangene des grünen Steins entwickelt hatte, bekam nun Garfield mit Escape from Monday nach sehr langer Zeit mal wieder ein Jump & Run spendiert.
Nichts als Junk Food

Garfield geht einmal mehr einer seiner Lieblingsbeschäftigungen nach: dem Dösen, während Herrchen Jon im Hintergrund eine Kochsendung laufen hat, in der der Fernsehkoch Monday Gemüselasagnen anpreist. Gemüselasagnen! Gibt es noch etwas Schlimmeres für einen Kater als Gemüse? Eine ordentliche Lasagne muss natürlich aus Fleisch sein. Er schlendert nun, hungrig von solch wichtigen Gedanken, zum Kühlschrank und isst aus Versehen so eine Gemüselasagne. Das haut ihn so stark um, dass Garfield nun in seiner eigenen Traumwelt aufwacht. Aber diese Traumwelt wurde von Fernsehkoch Monday übernommen, der Garfield in den nächsten Spielstunden dazu bringen will, Gemüse zu essen.

Buchstäblich alles in diesem 3D-Plattformer ist dem Thema Essen unterworfen. Ihr kämpft gegen Gemüse, sammelt Junkfood und ärgert euch in längeren Wortgefechten mit dem Koch, Herrchen Jon oder auch der frechen Maus Squeak. Alsbald taucht auch Piratenkapitän Nermal auf. Dieser will Garfield nichts von seinen Kuchen abgeben. Auch Hund Odie und Bärchen Pooky lassen sich nicht lange bitten und begegnen euch in den 45 Levels.
Anders als die beiden vorherigen Hüpfereien der Schlümpfe ist Escape from Monday strikt linear aufgebaut, geradezu wie ein altes Mario-Spiel, ohne jedoch dessen Exzellenz im Leveldesign zu erreichen. Ihr könnt die Gegner mit Kicks und einem Kopfhüpfer besiegen, mit L1 vollführt ihr eine Stampfattacke und mit R1 könnt ihr in der Luft weitere Sprungweiten erreichen. Zudem gibt es im Laufe des Spiels drei Kostüme. Mit dem Hühnchenkostüm könnt ihr für begrenzte Zeit in der Luft fliegen, mit dem Surferkostüm reitet ihr auf einem Surfbrett auf den Wellen und als Cowboy habt ihr ein Lasso zur Verfügung und könnt auf Gegnern reiten.


Die 45 Levels sind in drei Welten unterteilt, die per Weltkarte angewählt werden können. Die drei Welten beinhalten einen Bauernhof, ein Süßigkeitenland und eine Welt rund um das Thema Fleisch. Die grafische Ausgestaltung gehört für mich auch zu den großen Highlights des Spiels. Es macht mir einfach Spaß zu sehen, wie vielfältig die Entwickler das Thema Essen in den Levels eingebaut haben. Des Weiteren erinnert das Leveldesign am ehesten an ältere Mario-Titel wie Super Mario 3D Land.
Alles ist etwas formelhaft, aber nicht wirklich schlecht – eher routiniert, würde ich sagen. Pixelgenaue Sprünge sind jedoch nicht notwendig und auch sonst ist der Schwierigkeitsgrad sehr niedrig gehalten, was auch daran liegt, dass ihr mit den zahlreichen Snacks wie Käse, Fleisch und Süßigkeiten sofort wieder eure Lebensenergie auffüllt. Wirklich schweren Passagen bin ich nicht begegnet, da waren die Spiele zu den Schlümpfen etwas herausfordernder.
Zwiegespalten bin ich bezüglich der vielen Dialoge. Theoretisch sind die ganz witzig geschrieben und mit viel Meta-Humor angereichert. So sind sich alle Figuren bewusst, dass sie sich in einem Videospiel befinden und brechen dauernd die vierte Wand. Schade nur, dass die Sprachausgabe – egal ob deutsch oder englisch – so furchtbar einschläfernd ist. Die Sprecher lesen klar hörbar einfach ihre Texte herunter, ohne jeglichen Elan. Lediglich die französische Sprachausgabe klingt für mich etwas schwungvoller.






Fazit

Jürgen schrieb im Fazit zum zweiten Schlumpf-Spiel: „Ich hatte mir mehr Mario 64 und weniger Doom versprochen.“ Diesem Wunsch sind die Entwickler mit dem neuen Spiel nachgekommen. In weiten Teilen ist Garfield spielerisch schon ein schamloser Mario-Klon, ohne jedoch die Qualität von Nintendo zu erreichen. Solide Hausmannskost statt eines Fünf-Sterne-Menüs oder verrückter Kreationen vom Street-Food-Festival, so ließe sich dieses Garfield-Abenteuer am besten beschreiben. Und das finde ich auch gar nicht schlecht. Ich bin sogar dankbar, dass es diese Art routinierter A-Produktionen noch gibt: Titel zum Budgetpreis zwischen Indie und AAA. Etwas anderes wollen die Spiele von Microids auch gar nicht sein und für 25 Taler bekommt ihr hier einen netten Genre-Vertreter mit Garfield-Bonus und leckeren grafischen Einfällen. Ideal also für Kinder und alte Herrschaften wie mich, denen so langsam die Reflexe abhandenkommen. Wobei: Ist Garfield unter Kindern eigentlich noch so beliebt?

Das klingt gar nicht schlecht für mich. Dass die Schlümpfe-Ballerein wegfallen, ist ein großes Plus und damals ™ hatte ich alle Krüger-Garfield-Bände. Nur diese seltsamen Filme wollte ich mir nicht antun.