Der Artikel „Spiele-Check: Iratus – Lord of the Dead – Brillantes Taktik-Roguelite“ erschien zuerst am 7. Juli 2021 auf www.gamersglobal.de als User-Inhalt unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 DE DEED.

| Titel: | Schnupferich: Die Melodie des Mumintals |
| Erscheinungsdatum: | 24.07.2019 (Early Access), 23.04.2020 |
| Plattformen: | Windows, macOS, SteamOS + Linux |
| Entwickler / Herausgeber: | Unfrozen / Daedalic Entertainment |
| Homepage: | https://iratus.org/ |
Iratus: Lord of the Dead ist ein Taktik-RPG-Roguelite des russischen Entwicklers Unfrozen. Ihr übernehmt die Rolle des Nekromanten Iratus, der nach 1.000 Jahren im Sarg versehentlich von Minenarbeitern geweckt wird. Um euer Königreich aufzubauen, müsst ihr über fünf verschiedene Ebenen erstmal dem Dungeon entkommen. Spannende Kämpfe und Ressourcenmanagement sind Kern des Spiels. Für diesen Durchgespielt-Check habe ich in der englischen Version knapp 20 Stunden die Puppen für mich tanzen lassen.

Facettenreiches Kampfsystem
Die Kämpfe sind das Kerngeschäft. Ihr könnt bis zu vier Untote gegen bis zu vier Gegner ins Feld führen. Wie in Darkest Dungeon stehen sich die Vierertrupps gegenüber. Welche Fähigkeiten eine Einheit einsetzen kann, hängt auch von ihrer Position ab. Anders als im Vorbild können fast alle Einheiten auf allen Positionen eine Rolle spielen. Der Tausch von Positionen ist vor allem durch den Einsatz von Skills möglich. Ab dem normalen Schwierigkeitsgrad müsst ihr über kurz oder lang die Fähigkeiten der verschiedenen Figuren geschickt kombinieren. Beispielsweise versetzte ich meine Bogenschützin in eine Art Overwatch-Modus, so dass sie auf sich bewegende Feinde schießt. Mit einer anderen Einheit habe ich dann für entsprechende Positionswechsel beim Feind gesorgt.

Eure Feinde haben unterschiedliche Stärken, Schwächen und Spezialfähigkeiten, auf die ihr euch einstellen müsst. Vor allem nach einem Wechsel der Ebene funktioniert eine liebgewonnene Taktik aufgrund von anderen Gegnertypen vielleicht nicht mehr gut. Das Spiel setzt so geschickt neue Reizpunkte.
Ihr habt außerdem immer die Wahl, ob ihr körperlichen Schaden oder Moralschaden zufügt. Verliert eine Einheit ihre Moral, kriegt sie Mali oder flieht sogar, kann sich aber auch nochmal aufraffen (ich hatte zum Glück ein Artefakt, das genau das verhindert hat). Außerdem gibt es Schilde gegen magischen oder körperlichen Schaden, die eine Attacke verpuffen lassen. Das Kampfsystem bietet viele Experimentiermöglichkeiten, ist angenehm fordernd, gleichzeitig aber zugänglich und nachvollziehbar. Als Iratus könnt ihr mit Zaubersprüchen einmal pro Runde eingreifen.

Strategische Ebene
Im Dungeon warten nicht nur Kämpfe, ihr findet beispielsweise auch Untote, einen Manabrunnen oder Artefakte. Im vielfältigen strategischen Part bastelt ihr neue Monster (je seltener die Ingredenzien, desto mehr Statpunkte bekommen sie), baut eure Basis aus und stattet Iratus mit Items aus, die euch in den Kämpfen Boni bringen. Zudem gibt es ein umfangreiches Crafting-System, die Alchemie. Die erlaubt es euch etwa, über den Einsatz von Items, aus denen ihr eure Monster zusammensetzt, Mana zu regenerieren, Monster zu heilen oder sie in weniger, aber bessere Items umzuwandeln. Je höher der Schwierigkeitsgrad, desto wichtiger wird auch die Alchemie.
Am zeitintensivsten ist sicher das Aufleveln der Monster. Hier könnt ihr Spezialisierungen schaffen und solltet Synergieeffekte planen. Wenn ihr einen Gegnertrupp nicht besiegt, aber schädigt, bleibt dieser beim nächsten Angriff geschwächt. Ihr könnt euch also notfalls in mehreren Schritten den Weg freikämpfen.

Fazit
Iratus: Lord of the Dead ist ein sehr guter Genrevertreter. Audiovisuelle Präsentation, Wiederspielbarkeit, die Kämpfe mit unzähligen Kombinationsmöglichkeiten, die auf jeder Ebene neuen Gegnertypen und Herausforderungen: Der Titel aus Russland verdient sich in allen Kategorien Bestnoten. Auf normalem Schwierigkeitsgrad könnt ihr kleinere Fehler und Rückschläge wegstecken. Es gibt durch den „Roadtrip“ durchs Dungeon auch keine Möglichkeit zu grinden. Das Balancing ist aber gelungen: Bei meinem ersten Durchgang bin ich zwar durchgekommen, mehrmals, zuletzt beim Endboss, aber fast gescheitert. Das Spielerlebnis war permanent packend und es gab sogar einen würdigen Story-Abschluss. Einmal freigeschaltete Monster stehen in den folgenden Durchgängen von Anfang an zur Verfügung. Ein zweiter Durchgang lohnt sich, etwa um weitere Monster und Kombinationsmöglichkeiten kennenzulernen. Außerdem habe ich den dritten von vier Schwierigkeitsgraden freigeschaltet.
Wenn ihr euch ansatzweise für taktische Rundenkämpfe interessiert, ist Iratus: Lord of the Dead ein Pflichtkauf. Als Genre-Neuling solltet ihr euch nicht scheuen, auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad die Mechaniken kennenzulernen. Direkt unter diesem Check findet ihr mein Angespielt-Video, in dem ich die grundlegenden Funktionen erkläre. Alternativ könnt ihr einen Blick auf meine ersten Gehversuche in meinem Let’s-Try-Video werfen.
- Taktik-RPG-Roguelite für PC
- Einzelspieler
- Preis: 29,99 Euro
- In einem Satz: Gelungenes Taktik-RPG mit abwechslungsreichen Kämpfen und gutem Balancing.
