Leonard Nimoy – Science Fiction Gold Collection 1 und 2 (1995)
Eine besonders beliebte Methode, sich von der Welle der Multimedia-CDs abzuheben, war irgendwann die Verpflichtung von Prominenten, die durch die CDs führten – und deren Konterfei man natürlich werbewirksam auf das Cover platzieren konnte. So wie in diesem Fall Leonard Nimoy, dem einen oder anderen vielleicht als grünblütiges Spitzohr der alten Enterprise bekannt. Das Setting ist dabei herrlich obskur: Auf einem fremden Planeten liegen pflichtbewusst verschiedene E-Books zum Lesen bereit. Ergänzt werden die E-Books durch kleine Video-Interviews mit Sci-Fi-Experten der damaligen Zeit, die über die Hintergründe der Geschichten berichten.
Und welche Bücher sind auf den beiden CDs? Auf der ersten CD gibt es die großen – auch schon damals gemeinfreien – Klassiker: eine Sammlung von Kurzgeschichten von E.A. Poe, Dr. Jekyll & Mr. Hyde von Robert Louis Stevenson, Dracula von Bram Stoker, Frankenstein von Mary Shelly sowie jeweils vier Romane von Jules Verne (20.000 Meilen unter dem Meer, Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, Von der Erde zum Mond, Reise um den Mond) und H.G. Wells (Der Krieg der Welten, Die Insel des Dr. Moreau, Die Zeitmaschine, Die ersten Menschen auf dem Mond).
Auf der zweiten CD gab es dann zwölf Romane aus den 1950ern und 60ern von Autoren wie Poul Anderson, David Osborn oder George Henry Smith. Alles Autoren aus dem Umfeld der verschiedenen Pulp Magazinen. Diese stehen auch in den Video-Interviews im Mittelpunkt.
Wer jetzt sagt, dass es dafür auch schon damals Bibliotheken und dergleichen gab, hat natürlich recht. Es war einfach die große Experimentierphase, in der es eben auch solche herrlich obskuren Veröffentlichungen gab.
Neun Welten – Präsentiert von Patrick Stewart (1996)
Und die nächste CD mit einem Star Trek-Star! Das Programm basiert im Wesentlichen auf dem Dokumentarfilm „Patrick Stewart narrates The Planets“ aus dem Jahr 1993, in dem die Planeten unseres Sonnensystems vorgestellt wurden. Dasselbe erwartet euch auch hier: Ihr wählt einen Planeten aus und Captain Picard höchstpersönlich erzählt euch einiges über Mars, Venus, Jupiter & Co. Ich weiß nicht, ob es die erwähnte Dokumentation auch auf Deutsch gab. Jedenfalls ist in der deutschen Synchronisation der wunderbare Ernst Meincke zu hören, zu Sat1-Zeiten die deutsche Stimme von Patrick Stewart in Star Trek TNG. Und es ist ein Genuss, ihn auf dieser CD sprechen zu hören!
Ich wiederhole gerne einen Satz aus der vorherigen Seite: Ich hätte mir solche schönen Synchros, wie sie viele Multimedia-CDs hatten, auch bei den damaligen Computerspielen gewünscht (ja, ich schaue Dich an, Starfleet Academy! Hatte damals das Spiel gleich wieder im Laden zurückgegeben, als ich diese grausamen Stimmen gehört hatte – ohne weiter ins Spiel reinzuspielen!)
Neben den Videos aus der Dokumentation gibt es viele weitere Artikel (zum Beispiel eine Abhandlung zur Geschichte der Astronomie), Bilder und kleine Spielereien zu entdecken. Alles in allem ein wirklich schönes Paket.

Star Trek Encyclopedia (1995 – 1999)
Dann machen wir doch die „Star Trek-Seite“ in diesem Artikel komplett. Neben zahlreichen Computerspielen gab es damals noch viel mehr CD-ROMs. Praktisch alles, was man sich vorstellen konnte: Sammlungen von Drehbüchern, Bildschirmschoner, Desktop-Designs, Sprachtrainer für Klingonisch, virtuelle Rundgänge durch die Enterprise oder auch technische Handbücher zu den Raumschiffen der Sternenflotte. Ich hatte also die Qual der Wahl. Ich habe mich für die Star Trek Encyclopedia entschieden, die zwischen 1995 und 1999 in jährlich aktualisierter Fassung erschienen ist.

Ihr könnt euch die Enzyklopädie quasi als Memory Alpha der 90er Jahre vorstellen. Jeder noch so kleine Planet, jede noch so kleine Nebenfigur, jedes noch so kleine Ereignis hat seinen eigenen Eintrag. Die Texte stammen überwiegend von Michael und Denise Okuda, die zwischen 1984 und 2005 an allen Star Trek-Serien und -Filmen als technische Berater und Grafikgestalter mitgearbeitet haben. So wurde beispielsweise die LCARS-Oberfläche aus den Serien ab The Next Generation von Michael Okuda entworfen.
Angereichert werden die Einträge durch Bilder, kurzen Videoclips und sogar einigen Features, die von Sarek-Darsteller Mark Lenard eingesprochen wurden. Die Geräuschkulisse wurde akkurat aus den Serien übernommen, inklusive der Computerstimme von Majel Barrett.




Absolut interessanter Artikel und sehr gut recherchiert! Hab das Lesen sehr genossen. Bin über die Google-Suche darauf gestoßen, da ich schon immer an diesem Thema interessiert war und kürzlich erst meine alte Sammlung an CD-Roms wieder mal ausgegraben hatte. Auf einem aktuellen Mac kann man keine dieser Scheiben mehr starten, doch über UTM lassen sich alle alten Betriebssysteme virtualisieren bzw. emulieren, wodurch es dann doch wieder möglich ist. Da ich einige frühere CD-Roms inzwischen nicht mehr besitze, habe ich mir viele davon von Archive.org geladen und speziell für den Mac gibt es die wundervolle Seite „macintoshrepository.org“. So wie hier im Artikel beschrieben ist es schwierig gute Infos zu finden und es hat mich viel Zeit gekostet neue und vor allem gut gemachte Programme zu finden (neben den grausamen Billigprodukten oder Beilagen in Magazinen). Empfehlen kann ich so künstlerische Programme wie „a line of Moments“ oder „Eve“ von Peter Gabriel. Auch die wunderschön gemachten Lernprogramme von DK wie z. B. „Unser Körper“ oder „Die Entdecker“. Schöne Erinnerungen an eine aufregende Zeit damals. Wäre schön wenn es solche gut gemachten Programme mit den heutigen Möglichkeiten noch geben würde…
Danke Dir! Und es gibt sogar einen Nachfolgeartikel: https://www.dasklapptsonicht.de/zeitreise-multimedia-cd-roms-der-90er-jahre-teil-2/
Schön, dass es noch Menschen gibt, die sich an diesen Produktionen genauso erfreuen können. 🙂
Ja, Macintosh Repo ist echt ne Gottes Garage. 😀 Richtig toll, was die Community dort im Lauf der Jahrzehnte zusammengetragen hat.