Zeitreise: Disney-Spiele in den 90er Jahren

Weitere Kinderspiele (1995 – 1999)

Timon & Pumbaas Spielesammlung (1995)

Mit der Gründung von Disney Interactive ein Jahr zuvor sollten nicht nur die Konsolenspiele zunehmend aus einem Haus kommen, sondern es wurde auch stark in den PC-Markt investiert. Wie in den frühen 90er-Jahren sollten vor allem jüngere Kinder angesprochen werden. Ein Beispiel dafür ist die Spielesammlung rund um das Warzenschwein und das Erdmännchen aus König der Löwen, die just in diesem Jahr sogar eine eigene TV-Serie bekamen.

Entwickelt wurde das Ganze von 7th Level, die dem einen oder anderen sicherlich durch die Monty-Python-CD-ROMs bekannt sind. Hier gibt es im Wesentlichen fünf Klone von Arcade-Spielen: Wir haben einen Puyo-Puyo-Klon, einen Frogger-Klon, ein einfaches Pinball-Spiel und zwei Shooter. Alles nichts Besonderes, aber gut animiert und mit durchgehender Sprachausgabe.

Im folgenden Jahr erschien ein ähnliches Spiel, diesmal zum Glöckner von Notre Dame. Allerdings waren die Minispiele bei weitem nicht so unterhaltsam.

101 Dalmatians: Escape From DeVil Manor (1997)

Der Name des amerikanischen Studios Dreamforge Intertainment ist heute etwas in Vergessenheit geraten, nicht aber die Spiele, die das Studio produziert hat: Mit Rollenspielen wie den beiden Ravenloft-Spielen oder Anvil of Dawn wurden ebenso Klassiker geschaffen wie mit den Adventures Veil of Darkness, Chronomaster und vor allem Sanitarium. Ein Werk sticht aus der Arbeit des Studios besonders hervor: das Kinderspiel zu 101 Dalmatiner, ein Point & Click-Adventure zum Film aus dem Jahr 1961.

Das Spiel erzählt eine Art Nebenhandlung zum Film und spielt im heruntergekommenen Herrenhaus von Cruella de Vil, in dem die Dalmatinerwelpen gefangen gehalten werden. Ihr schlüpft in die Rolle der beiden Welpen Patches und Wizzer, die zusammen mit ihren gefangenen Freunden versuchen müssen, aus dem Herrenhaus zu entkommen. Dabei gibt es verschiedene Lösungswege. Im Wesentlichen durchsucht ihr Räume, löst kleine Umgebungsrätsel und erfreut euch an der auch heute noch hübsch anzuschauenden Grafik mit 2D-Charakteren und detaillierten 3D-Hintergründen. Auch der Soundtrack ist großartig, genauso wie die Sprachausgabe.

Math Quest with Aladdin (1998)

Dieses Spiel ist das letzte Medium, in dem der wunderbare Robin Williams als Dschinn zu hören war. Das ist deshalb erwähnenswert, weil seine Mitwirkung an dem Animationsfilm von 1992 an die Bedingung geknüpft war, dass die Stimme und das Bild von Robin Williams nicht für Merchandising-Zwecke verwendet werden dürfen. Mit dem großen Erfolg des Films lief die Merchandising-Maschinerie jedoch an und Williams fühlte sich betrogen: „Ich habe gesagt, ich mache die Stimme. Ich mache es, weil ich Teil dieser Animationstradition sein will. Ich möchte etwas für meine Kinder. Eine Bedingung war, dass ich nichts verkaufen wollte – also keine Burger-King-Werbung oder Spielzeug“, sagte er einmal in einem Interview. Mehr noch: Er wollte nie wieder mit Disney zusammenarbeiten.

Und so wurde der Dschinn im zweiten Aladdin-Film 1994 von Dan Castellaneta gesprochen. Irgendwann zwischen 1994 und 1996 wurde diese „Fehde“ jedoch beigelegt, denn im dritten Film war Williams wieder zu hören. Seine Einstellung zu Merchandising hat sich nicht geändert, allenfalls für ausgewählte Lernspiele war er bereit, seine Stimme zur Verfügung zu stellen.

Und dieses Lernspiel ist Math Quest with Aladdin! Die böse Dschinn Bizarrah hat euch in ein dunkles Verlies eingesperrt. Nachdem ihr entkommen seid, Jasmin, Abu und Aladdin in Aggrabah gefunden und die Teile von Bizarrahs Lampe eingesammelt habt, könnt ihr den Dschinn fangen. Auf dem Weg dorthin müsst ihr einfache mathematische Rätsel und Puzzles lösen. Natürlich sind diese Aufgaben für 6- bis 8-Jährige Kids, also wird es euch unterfordern. Aber allein Robin Williams zuzuhören ist sehr unterhaltsam!

Die Nacht der Schurken (1999)

Auch Die Nacht der Schurken ist letztlich nur eine Sammlung von Minispielen in origineller Aufmachung. Jiminy Grille will uns die Geschichten von Schneewittchen, Dumbo, Peter Pan und Alice im Wunderland vorlesen, aber um es spannender zu machen, reißt er die Seiten mit den Happy Ends aus dem Buch. Dummerweise ist das Buch magisch und wir müssen nun in das Buch reisen, um den Figuren ihr Happy End zurückzugeben.

Während die Spiele selbst wie ein langweiliges Labyrinth oder ein 3D-Arkanoid nur mäßig unterhalten können, gefallen mir die vielen witzigen Dialoge der Figuren. Leider ist man grafisch bei den Hintergründen komplett in die 3D-Richtung gegangen. Das sieht im Zusammenspiel mit den animierten 2D-Figuren einfach nicht schön aus.

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Über Nischenliebhaber

Ostdeutsches Videothekenkind der 90er Jahre. Liebt Spiele- und Retrokultur ebenso wie subkulturelle Musik aus aller Herren Länder und lange Spaziergänge durch dunkle Wälder des Erzgebirges.

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4 Comments on “Zeitreise: Disney-Spiele in den 90er Jahren”

  1. Wow, das ist ja fast schon ein Buch geworden, werde ich mir in einem ruhigen Moment im Detail durchlesen.

    Ich habe auf dem Gameboy Ducktales und Lionking gespielt, auf dem SNES Alladin (war aber glaube ich nur geliehen). Obwohl ich früher (!) gerne Disneysachen geschaut habe, das LTB gelesen, die wöchentliche Zeitschrift und so. Da ging ja echt einiges an mir vorbei. Schade, dass es nicht wirklich nachholbar ist 🙁

  2. Schöner Artikel! Ich muss zugeben, dass ich tatsächlich das meiste davon gespielt habe.
    Ja, ich war enormer Disney-Fan … wenn ich auch zugeben muss, dass es mir heute nicht immer leicht fällt, Disney-Fan zu bleiben.

    Was natürlich nicht Teil dieses Artikels ist (und, glaube ich, im anderen Artikel erwähnt war), ich als Sierra-Fanboy aber dennoch gerne hier nochmals erwähnen will: Vor den 90ern war ja quasi Sierra die Disney-Software-Schmiede. Wenn ich auch heutzutage eigentlich nur noch The Black Cauldron aus diesem Line-Up spielen kann.

  3. Ich war vor ein paar Jahren verblüfft, als ich neben den bekannteren Sachen wie Aladdin und dem König der Löwen noch andere Plattformer entdeckt habe. Ja, sie sind nicht so gut – aber wie das Biest an den Vorhängen mit seinen Krallen runterrutscht, hat schon was.
    Danke für deine Einblicke in eine mir immer noch sehr wichtige Welt. Speziell die Multimedia-CDs sind echte Entdeckungen!

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