Zeitreise: Disney-Spiele in den 90er Jahren

Frühe Lern- und Kinderspiele (1990 – 1991)

In den 90er Jahren explodierte dank der größeren Verbreitung von PCs der Markt für Lern- und Kinderspiele. In einer Zeit, als Spiele häufig noch als schädlich angesehen wurden, wurden durch diese Spiele Eltern erreicht, die für ihren Nachwuchs etwas harmloses und lehrreiches suchten. Nach dem Motto: Wenn schon gespielt wird, dann soll es wenigstens keine Zeitverschwendung sein. Wie so oft gab es dabei gute wie auch schlechte Genre-Vertreter. Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass die Spiele von Disney in die ersten Kategorie einzuordnen sind.

Da hätten wir beispielsweise Mickey’s Crossword Puzzle Maker. In diesem Spiel können eigene Kreuzworträtsel erstellt sowie ausgedruckt werden. Zahlreiche Motive aus der Disney-Geschichte dienen dabei als Hintergrundbilder. Zudem lassen sich die selbst erstellten sowie vorgefertigten Rätsel auch am Computer spielen – entweder gegen den Computer oder weitere menschliche Mitspieler. Es war das Erstlingswerk von Legacy Software, heute einer der bekannteren Publisher für Casual Games.

Mickey’s Jigsaw Puzzles wurde vom ungarischen Studio Novotrade Software entwickelt, das einige Jahre später mit Ecco The Dolphin bekannt wurde. Hier können Kinder aus 15 süß gestalteten Bildern auswählen und diese zusammenpuzzeln. Die Anzahl der Teile kann dabei selbst bestimmt werden. Die Bilder können auch als kleines Malbuch ausgedruckt werden.

Das dritte Beispiel aus dieser Zeit ist Mickey’s Memory Challenge. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um ein einfaches Gedächtnisspiel, das gegen den Computer oder menschliche Mitspieler gespielt wird. Als Motive dienen sowohl Disney-Figuren als auch Alltagsgegenstände. Es gibt drei Schwierigkeitsstufen sowie die Möglichkeit, aus einer unterschiedlichen Anzahl von Karten zu wählen.

Allein in den Jahren 1990 bis 1993 wurden über 10 Kinder- und Lernspiele seitens Disney veröffentlicht. Das zeigt, wie stark Disney in dieser Zeit nicht nur in Konsolenspiele investierte, sondern auch den Markt der Kinderspiele entdeckt hat.

Die Schöne und das Biest (1992)

Das schönste Kinderspiel aus dieser Zeit ist meiner Meinung nach die PC-Version von Die Schöne und das Biest. Das von Infogrames entwickelte Programm bietet sechs Minispiele aus den Bereichen Puzzle und Geschicklichkeit. Die verzauberten Gegenstände im verfluchten Schloss des Biests wollen einen Ball veranstalten, für den einige Vorbereitungen getroffen werden müssen: Kleider sollen sortiert werden, Herr von Unruh sucht nach Notenblättern, die Staubwedel-Dame sucht im Garten nach passenden Blumen und Madame Pottine möchte einen Kuchen backen. Diese Aufgaben werden im Gewand klassischer Spielkonzepte wie Memory oder Simon Says gelöst.

Die Animationen, die liebevolle grafische Gestaltung und die schöne Midi-Musik runden ein kleines Juwel ab, das spielerisch vielleicht nicht unbedingt Hardcore-Gamer anspricht – seiner Vorlage und der Zielgruppe (kleine Kinder) hervorragend gerecht wird.

Interaktive Filmbücher (1994 – 1999)

Wie bereits in einem früheren Artikel herausgearbeitet, war das Schlagwort „Multimedia“ mit dem Aufkommen von Windows, der CD-ROM, höheren Bildschirmauflösungen und den damit verbundenen Fortschritten im audiovisuellen Bereich über mehrere Jahre hinweg ein enormer Trend. Und Disney wäre natürlich nicht Disney, wenn der Mäusekonzern diesen Trend nicht für sich genutzt hätte. Es wurden nicht nur zahlreiche Bildschirmschoner und Printstudios veröffentlicht, sondern auch so genannte „interaktive Filmbücher“.

In diesen wurden die Animationsfilme mit den Originalsprechern, vielen Animationen und kleinen Minispielen nacherzählt. In späteren Storybooks wurden auch kleine Rätsel und rudimentäre Adventure-Elemente eingebaut. Wie bei Disney üblich, wurde dabei sehr viel Wert auf die audiovisuelle Produktionsqualität gelegt, während die Minispiele nicht immer überzeugen konnten.

Insgesamt erschienen zwischen 1994 und 1999 zehn verschiedene Storybooks zu König der Löwen, Toy Story, 101 Dalmatiner, Mulan, Pocahontas, Winnie Puuh, Herkules, Der Glöckner von Notre Dame sowie Arielle.

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Über Nischenliebhaber

Ostdeutsches Videothekenkind der 90er Jahre. Liebt Spiele- und Retrokultur ebenso wie subkulturelle Musik aus aller Herren Länder und lange Spaziergänge durch dunkle Wälder des Erzgebirges.

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4 Comments on “Zeitreise: Disney-Spiele in den 90er Jahren”

  1. Wow, das ist ja fast schon ein Buch geworden, werde ich mir in einem ruhigen Moment im Detail durchlesen.

    Ich habe auf dem Gameboy Ducktales und Lionking gespielt, auf dem SNES Alladin (war aber glaube ich nur geliehen). Obwohl ich früher (!) gerne Disneysachen geschaut habe, das LTB gelesen, die wöchentliche Zeitschrift und so. Da ging ja echt einiges an mir vorbei. Schade, dass es nicht wirklich nachholbar ist 🙁

  2. Schöner Artikel! Ich muss zugeben, dass ich tatsächlich das meiste davon gespielt habe.
    Ja, ich war enormer Disney-Fan … wenn ich auch zugeben muss, dass es mir heute nicht immer leicht fällt, Disney-Fan zu bleiben.

    Was natürlich nicht Teil dieses Artikels ist (und, glaube ich, im anderen Artikel erwähnt war), ich als Sierra-Fanboy aber dennoch gerne hier nochmals erwähnen will: Vor den 90ern war ja quasi Sierra die Disney-Software-Schmiede. Wenn ich auch heutzutage eigentlich nur noch The Black Cauldron aus diesem Line-Up spielen kann.

  3. Ich war vor ein paar Jahren verblüfft, als ich neben den bekannteren Sachen wie Aladdin und dem König der Löwen noch andere Plattformer entdeckt habe. Ja, sie sind nicht so gut – aber wie das Biest an den Vorhängen mit seinen Krallen runterrutscht, hat schon was.
    Danke für deine Einblicke in eine mir immer noch sehr wichtige Welt. Speziell die Multimedia-CDs sind echte Entdeckungen!

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