Zeitreise: Disney-Spiele in den 90er Jahren

Japan-Exklusive Spiele (1989 – 1995)

Die Crazy Castle-Reihe (1989 – 1993)

Kommen wir auf dieser Seite zu den Disney-Spielen, die exklusiv in Japan erschienen sind. Bekanntlich hatte Capcom Anfang der 90er Jahre einen Exklusivvertrag mit Disney für Nintendo-Konsolen. Diese Exklusivität galt jedoch nur für Nordamerika und Europa. In Japan konnten andere Studios weiterhin die Disney-Lizenz erwerben und Spiele für Nintendo-Geräte veröffentlichen.

Das 1984 gegründete Studio Kemco ist seit Anfang der 2010er Jahre vor allem für seine JRPGs für iOS und Android bekannt. Während den 80ern fokussierte sich Kemco auf das NES, nach dem Ende dieser Ära vor allem auf den Game Boy.

Die bekannteste Serie aus dieser Zeit ist sicherlich Crazy Castle, die alle auch im Westen erschienen sind, allerdings mit anderen Lizenzen. Für den nordamerikanischen Markt wurde häufig die Looney Tunes-Lizenz gewählt, für den europäischen Markt mussten Garfield und Hugo herhalten. Lediglich das fünfte Mickey-Maus-Spiel wurde mit der originalen Lizenz auch im Westen veröffentlicht, allerdings erst 1998, also fünf Jahre nach der Veröffentlichung in Japan.

Prinzipiell haben vier der fünf Spiele die gleiche Prämisse: Mickey ist in einem Schloss unterwegs – entweder weil er gefangen wurde oder jemanden befreien muss. Dabei gilt es in diesem Spielen den Gegner möglichst auszuweichen oder mit Waffen wie Bomben oder Pfeil und Bogen Fallen zu stellen. Jedes dieser Spiele hat jedoch auch spezifische Eigenarten:

Wer genau hingesehen hat, wird feststellen, dass hier noch ein Spiel fehlt. Richtig, der dritte Teil. Dieser erschien 1992 für das Famicom und folgt nicht der Formel der anderen vier Spiele. Mickey Mouse III – Yume Fūsen ist vielmehr ein klassisches Jump & Run-Spiel. Minnie fällt in einen tiefen Schlaf, aus dem sie nicht mehr erwacht. Hier schlüpft Mickey nun in ihre Alpträume, um diese zu vertreiben.

Das Spiel besteht aus sechs Levels und die Hauptwaffe sind Ballons, von denen Mickey bis zu drei auf einmal auf seine Gegner werfen kann. Zusätzlich kann Mickey mit einem Ballon langsamer fallen; wenn er einen Ballon auf den Boden legt und darauf springt, kommt er auf höhere Plattformen. Die Grafik ist zwar schön bunt, spielerisch gehört Mickey Mouse III allerdings nicht zu den guten Vertretern des Genres. Eher Mittelmaß würde ich sagen. Immerhin gibt es eine englische Fan-Übersetzung.

Mickey no Tokyo Disneyland Daibouken (1994)

Ballons spielen auch in unserem nächsten Spiel eine wichtige Rolle, denn hier sind Wasser- und Gasballons die Waffen der Wahl. Eigentlich war es ein ganz normaler Tag im Disneyland Tokyo. Mickey wollte mit seinen Freunden Donald, Goofy, Daisy und Dagobert Duck für die große Parade üben. Doch niemand ist zur Probe erschienen. Natürlich kann nur Kater Karlo dahinter stecken, der hat ihnen nämlich gesagt, dass an diesem Tag frei ist. Nun muss Mickey seine Freunde in den Attraktionen von Pirates of the Carribean, Big Thunder Mountain, Splash Mountain, Haunted Mansion und Space Mountain suchen. Zu allem Überfluss hat Karlo auch noch Cinderellas Schloss verzaubert.

Fanservice wird in diesem Spiel groß geschrieben, denn Mickey durch Levels zu steuern, die von Disneyland-Attraktionen inspiriert sind, steht auf der Coolness-Skala ziemlich weit oben. Mit einem Wasserballon kann Mickey Gegner vor ihm treffen, mit Gasballons Gegner über ihm. Die Wasserballons können auch auf den Boden gelegt werden, um höher zu springen oder bei starkem Wind Brücken zu bauen. Mit den Gasballons kann Mickey selbst durch die Levels fliegen oder schnell aus Wasserabschnitten auftauchen.

Das Spiel wurde vom japanischen Studio Graphic Research entwickelt und vom japanischen Spielzeughersteller Tomy vertrieben, der damals auch eine Abteilung für Videospiele unterhielt. Von diesem Mickey-Abenteuer gibt es ebenfalls eine englische Fan-Übersetzung.

Donald Duck No Mahou No Boushi (1995)

Das letzte Spiel dieser Kategorie wurde ebenfalls von einem klassischen Spielzeughersteller vertrieben, der damals für einige Jahre auf dem japanischen Videospielmarkt aktiv war: EPOCH. Entwickelt wurde es von Sakata SAS, die zuvor zum Beispiel für die Doraemon-Spiele auf dem Super Famicom verantwortlich waren. Eine englische Fan-Übersetzung liegt auch hier vor.

Zu Beginn des Spiels könnte man glauben, dass es sich bei diesem Donald-Abenteuer um eine reine Minispielsammlung handelt. Denn zunächst geht es darum, 300 Dollar für einen Hut zu verdienen, von dem Daisy bei einem Bummel durch Entenhausen schwärmt. Sind diese 300 Dollar in Minispielen wie Zeitungen austragen oder Fenster putzen verdient, ist der Hut natürlich ausverkauft. Nach einem ersten Jump’n’Run-Level stellt sich heraus, dass dieser Hut magisch Kräfte hat und Kater Karlo – mal wieder! – ein magisches Land unter seine Kontrolle gebracht hat. Eher widerwillig spielt Donald den Helden und hüpft durch abwechslungsreiche Level.

Ein weiteres fantastisches Spiel, das durch sein Gameplay und einer wunderbaren audiovisuellen Umsetzung glänzt.

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Über Nischenliebhaber

Ostdeutsches Videothekenkind der 90er Jahre. Liebt Spiele- und Retrokultur ebenso wie subkulturelle Musik aus aller Herren Länder und lange Spaziergänge durch dunkle Wälder des Erzgebirges.

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4 Comments on “Zeitreise: Disney-Spiele in den 90er Jahren”

  1. Wow, das ist ja fast schon ein Buch geworden, werde ich mir in einem ruhigen Moment im Detail durchlesen.

    Ich habe auf dem Gameboy Ducktales und Lionking gespielt, auf dem SNES Alladin (war aber glaube ich nur geliehen). Obwohl ich früher (!) gerne Disneysachen geschaut habe, das LTB gelesen, die wöchentliche Zeitschrift und so. Da ging ja echt einiges an mir vorbei. Schade, dass es nicht wirklich nachholbar ist 🙁

  2. Schöner Artikel! Ich muss zugeben, dass ich tatsächlich das meiste davon gespielt habe.
    Ja, ich war enormer Disney-Fan … wenn ich auch zugeben muss, dass es mir heute nicht immer leicht fällt, Disney-Fan zu bleiben.

    Was natürlich nicht Teil dieses Artikels ist (und, glaube ich, im anderen Artikel erwähnt war), ich als Sierra-Fanboy aber dennoch gerne hier nochmals erwähnen will: Vor den 90ern war ja quasi Sierra die Disney-Software-Schmiede. Wenn ich auch heutzutage eigentlich nur noch The Black Cauldron aus diesem Line-Up spielen kann.

  3. Ich war vor ein paar Jahren verblüfft, als ich neben den bekannteren Sachen wie Aladdin und dem König der Löwen noch andere Plattformer entdeckt habe. Ja, sie sind nicht so gut – aber wie das Biest an den Vorhängen mit seinen Krallen runterrutscht, hat schon was.
    Danke für deine Einblicke in eine mir immer noch sehr wichtige Welt. Speziell die Multimedia-CDs sind echte Entdeckungen!

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