WEGO World War II: Stalingrad (First Look) (mit Gewinnspiel)

WEGO Stalingrad Teaser

WEGO: World War II: Stalingrad von Brian Kelly erschien ursprünglich bereits am 31.03.2022 via Matrix Store. Slitherine hat das Hexfeld-Wargame jetzt auch auf Steam herausgebracht.

Ein aktueller Re-Release, ein hochkomplexes Wargame mit dem von mir geschätzte WEGO-Zugsystem? Genau der richtige Titel für die Slitherine-Themenwoche, auch wenn es natürlich nur für einen „First Look“ reichen kann.

Slitherine Gewinnspiel Steam-Key #07

Nach Panzer Corps 2: Elite – Ghost Division geht es in unserer Slitherine-Themenwoche anlässlich der mit der Slitherine Next 2025 – 25th Anniversary Opening Ceremony gestarteten Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum des Publishers und Entwicklers zum zweiten Mal in den Zweiten Weltkrieg. Wir wissen schon, welchen Panzer ihr euch am ehesten in den Vorgarten stellen würdet. In der heutigen Gewinnspiel-Aufgabe müsst ihr Farbe bekennen:

Schreibt im Kommentar-Bereich, welches Zugsystem ihr warum bevorzugt: IGOUGO oder WEGO? Gebt dabei (optional!) gerne eine Spieleempfehlung ab.

Bei IGOUGO ziehen die Parteien nacheinander. Bei WEGO werden die Befehle zunächst gleichzeitig erteilt und dann gleichzeitig ausgeführt. Wenn ihr dem Aufruf nachkommt, nehmt ihr an der Verlosung Teil und habt die Chance, den Steam-Key zu einem Slitherine-Spiel zu gewinnen! Kommentare werden bis einschließlich 24.07.25 berücksichtigt.

Es geht los

Komplexe Wargames nötigen mir einiges an Respekt ab. Denn diese Art Spiele sind häufig von wenigen Leuten, die selbst Hardcore-Fans des Genres und der Thematiken sind, für eine ebenso „hardcorige“ und loyale Fanbase entwickelt. Das bedeutet im Regelfall: Komplexe Systeme und viel Einarbeitungszeit, um die Systeme wirklich zu durchdringen. Da hilft meist nur eines: Nicht lange reden, einfach machen, wie schon Arnold Schwarzenegger wusste. In dem Fall heißt das natürlich: Einfach mal loslegen! Genau das machte ich für diesen Artikel mit WEGO World War II: Stalingrad und schildere euch meinen Ersteindruck. Der Vorgängertitel WEGO World War II: Desert War ist übrigens nicht auf Steam, dafür aber im Matrix Store erhältlich.

Besonders gespannt war ich auf das Hexfeld-Wargame, weil es, wie die Combat Mission-Reihe, auf das WEGO-Zugsystem setzt. Dabei geben alle Seiten gleichzeitig ihre Befehle, die dann, ebenso gleichzeitig ausgeführt werden. Stichwort Komplexität: Bei einem 119-seitigen Handbuch wisst ihr schonmal, dass ihr nicht in der Casual-Ecke unterwegs seid. Es gibt aber auch einen „nur“ (aus heutiger AAA-Sicht trotzdem riesigen) 25-seitigen Quick Start Guide. Sehr löblich! Und mit dem Studium dieses Guides begann für mich das Spielerlebnis. Vielleicht seid ihr auch „alt“ und erinnert euch, dass das Handbuchstudium nach dem Spiele-Kauf auf dem Heimweg mit dem Bus früher mal der Start des Spielerlebnisses war. Jetzt ist er digital.

Aha, gespielt wird auf operativem Level, WEGO wird erklärt und wir spielen die Sommerkampagne 1942 der Heeresgruppe Süd mit dem Ziel, den Don zu erreichen und Stalingrad zu erobern. Wichtig ist natürlich die Skalierung: Entweder 2500 Meter pro Hexfeld bei fünf Runden pro Tag oder 500 Meter pro Hexfeld und zwei Runden pro Tag, wobei der letzte Zug stets nachts ist. Der Guide empfiehlt dann das Einführungsszenario, erläutert die Phasen, erklärt die Einheiten-Counter und ihre Werte, widmet sich auch Luft- und Seestreitkräften, dem Terrain, Befehlen, Kontrollzonen und der Logistik. Tipps und Hotkeys gibt es auch noch. Nun denn, dann klicke ich mal.

Einführungsszenario

Im fiktionalen Einführungsszenario soll ich die Grundlagen lernen. Aufträge: Eine Stadt erobern, eine Brücke reparieren. In der Set-Up-Phase belasse ich es entweder bei der (im eigentlichen Spiel) historischen Aufstellung oder lege selbst Hand an. Schön: Ein Warnhinweis hat mir verraten, dass ich noch ungenutzte Flugzeuge habe. Den Aufklärer schickte ich dann auch gleich mal los. Weiter geht es mit der Planungsphase. Hier heißt es sozusagen Feuer und Bewegung: Wer bewegt sich, wer greift an? Wobei: Ihr könnt euch bewegen und bei Feindkontakt Verteidigungsstellungen beziehen, alternativ angreifen oder euch auch schlicht eine Straße entlangbewegen, was weniger Bewegungspunkte kostet. Bei den Bewegungsübungen hätte ich mir einen Undo-Button gewünscht. Und der Guide verrät ihn mir auch! „U“ muss ich drücken. Klappte erst nicht, dann stellte ich aber fest, die Einheit muss auch ausgewählt sein. Im Unit-Panel gibt es zudem einen entsprechenden Hinweis. Etwas hakelig war das Bewegen für mich vermutlich auch, weil der Quick Guide etwas von Drag and Drop der Einheiten erklärte. Das klappte aber überhaupt nicht, ich musste mit der Klick-Alternative arbeiten. Ich habe dann aber gesehen, dass man die Drag-and-Drop-Bewegung in den Einstellungen aktivieren muss. Es folgt die Ausführungsphase. Rinse and Repeat. Ganz zum Schluss kommt die Siegesphase, in der der Sieger berechnet wird, optional könnt ihr auch das ganze Gefecht visuell Revue passieren lassen.

Wenn ihr euch fragt, was die drei Zahlen auf dem Unit-Counter bedeuten, also zum Beispiel 3-14-8, das sind Angriff, Verteidigung und verbleibende Bewegungspunkte. Wichtig für Wargamer: Statt mit Bildchen könnt ihr auch mit NATO-Symbolen spielen und jederzeit bequem per Hotkey wechseln. Praktisch zu Übungszwecken, falls ihr zum Beispiel auch im Heimatschutz seid und euer Wissen spielerisch auffrischen oder erhalten möchtet. Jede Einheit hat natürlich noch zahlreiche Werte wie Aufklärungsreichweite, Bereitschaft oder Spezialfähigkeiten wie Brückenbau.

Ihr greift in WEGO World War 2: Stalingrad auf acht Einheitentypen mit jeweils unterschiedlichen Fähigkeiten zurück: Hauptquartier, Aufklärer, Artillerie, Pioniere, Brückenbaupioniere, Panzerfahrzeuge, Anti-Tank und Anti-Aircraft. Die Spreu trennt sich fünf Stufen von Wehrpflichtigem bis Elite vom Weizen. Damit eure schönen Einheiten auch kampfähig bleiben, brauchen sie eine LOC (Line of Communication) zu einem HQ oder Versorgungslager. Die versorgten Hexfelder lasst ihr euch einfach per Hotkey „R“ anzeigen. Gekämpft wird durch Bombardierungen (Artillerie, Marine, Luftwaffe), geplante Angriffe und Ad-Hoc-Angriffe, dazu zählen etwa Hinterhalte.

Wenn es zum Kampf kommt, zählen nicht allein die Werte der direkt involvierten Einheiten. Es gibt auch sogenannte „Shifts“ durch beispielsweise Luft- oder Artillerieunterstützung. Und Pioniere bekommen einen Bonus bei Angriffen auf Forts und Städte. Auch Schockeinheiten wie Panzerregimenter helfen. Der Schock-Wert wird aber um den Anteil an Nicht-Schock-Einheiten reduziert. Interessanterweise spielt auch die Organizational Integrity eine Rolle: Ihr bekommt Mali, wenn Einheiten von zwei Divisionen dasselbe Hexfeld angreifen.

Bei den generellen Tipps finde ich den Hinweis auf den PBEM-Modus toll. PBEM steht für „Play By E-Mail“. Das habe ich in Combat Mission- und Panzer Corps 2-Turnieren und Partien bereits gemacht. Dabei macht jeder Spieler individuell und in eigenem Tempo seine Züge. Ideal für unterschiedliche Zeitzonen oder wenn generell die Zeit schwer planbar ist, allerdings benötigt hier hierfür einen Matrix-Account. Alternativ spielt ihr Hotseat – für die Jüngeren: An einem Computer. Die drei Seiten Hotkeys lasse ich auf dem Zweitbildschirm erstmal geöffnet.

Quick Guide (der sich übrigens auch „ingame“ aufrufen lässt) hin oder her – im Szenario mit all den Hinweisen muss ich erst noch vorankommen. Und die zehn Runden habe ich dann gefühlt recht verlustvoll und etwas planlos überstanden. Konnte aber alle Ziele, die Reparatur einer Brücke und die Besetzung eines bestimmten Hexfelds, erreichen. Die echte Feuerprobe stand nach rund zwei Stunden mit Quick Guide und EInführungsszenario natürlich noch aus.

Möge die Kampagne beginnen

Ihr habt die Wahl zwischen vier Kampagnen: 23. Juli 1942, 31. Juli 1942, 20. August 1942 und 13. September 1942. Diese haben vier, sechs, drei beziehungsweise fünf jeweils miteinander verbundene Szenarios. Insgesamt gibt es also 18 Szenarios. Interessanterweise kann ich aber nur 17 Szenarios für einen Direktstart anwählen. Diese reichen von neun bis 39 Runden. Ihr könnt euch entscheiden, auf Seiten der Achse oder der Roten Armee zu kämpfen. WEGO World War II: Stalingrad sorgt also für ordentlich Futter für Strategen. Optional verpasst ihr der KI auch Boni oder Mali.

Schon das erste Szenario der ersten Kampagne wirft euch auf eine ziemlich große Karte mit ziemlich vielen Einheiten. Auch wenn es nur 14 Runden sind, nehmen die einiges an Zeit in Anspruch. Und ja, ihr habt es vielleicht schon gesehen. Das Spiel sieht ein wenig nach Windows 95 aus. Das ist aber völlig egal. Wichtig ist auf dem Platz. Entscheidend ist, dass ich alle relevanten Informationen gut erfassen kann. Und das ist, nach kurzer Einarbeitung, gegeben. So kann ich mir zum Beispiel die Sieg-Hexfelder einblenden lassen, anschauen, wann ich was für Nachschub bekomme, Infos zu Terraintypen, wie es um die LOC steht und vieles mehr. Wie genau sich die KI langfristig schlagen wird, kann ich aktuell noch nicht sagen. Mein Eindruck bisher war, dass sie schon recht clever zieht und versucht, eure Schwachpunkte auszunutzen, Einheiten immer wieder bis zur Zerschlagung anzugreifen und euch auch zu umzingeln und beispielsweise eine Stadt im rückwärtigen Raum zu besetzen.

Fazit

Nach knapp vier Stunden Beschäftigung mit WEGO World War II: Stalingrad stehe ich noch ganz am Anfang meiner Karriere in dem Wargame. Es ist aber ja auch nur ein First Look. Mein Eindruck ist, dass es sehr guter Titel für echte „Grognards“ ist – also für Spieler, die gerne Wargames spielen. Die Einstiegshürde ist, was Komplexität und Einarbeitungsaufwand angeht, recht hoch. Die Steuerung ging mir nach initialer Abschreckung und etwas Eingewöhnung dann aber doch sehr gut von der Hand. Die vielen Hinweise und Tooltips gilt es zu nutzen und ehrlich gesagt ist auch das Handbuchstudium unersetzlich.

Belohnt wird euer Aufwand mit historisch spannenden Kampagnen, einem komplexen System, großen Karten und vielen Handlungsoptionen. Dabei zündet bei mir erwartungsgemäß das WEGO-Zugsystem. Ich muss mir wirklich gut überlegen, wie und wohin ich mit meinen Einheiten vorrücke. Und das „filmische“ Abspielen des Zuges, bei dem ihr auch zurückspulen und das Abspieltempo ändern könnt, sorgt für Spannung. Wird mein Plan für den Zug aufgehen? Gut gefällt mir auch der Soundtrack, auch wenn ich mich schon ein bisschen satt gehört habe, da es wohl wirklich nur ein Track ist. Passende Soundeffekte wie Motorengeräusche werden eingespielt. Die deutsche Übersetzung scheint mir auf den ersten Blick noch nicht perfekt zu sein.

Mein Ziel ist es, mich jetzt weiter reinzuwurschteln und einzulesen um dann, sobald die Zeit reicht, die erste Kampagne zu Let’s Playen. So weit ich eben komme. Da ich noch kein eigenes Video erstellt habe, empfehle ich euch das unten eingebundene Let’s Play vom sympathischen und kompetenten Wargamer DerHobbygeneral. Der nannte übrigens das wohl noch komplexere War in the East 2 im Video „A message from our friends“ als seinen Favoriten. Ein offizielles Vorstellungsvideo gibt es auch.

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Über Vampiro

Variety Gamer seit Crystal Castle auf dem Atari 2600 Junior. Mein Herz schlägt besonders für Strategie, Taktik, Wargames und Aufbau nebst allen Untergenres (wie Taktik-RPGs ;-) ).

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9 Comments on “WEGO World War II: Stalingrad (First Look) (mit Gewinnspiel)”

  1. Ich komme ja aus der Civilization-Ecke. Spielt man klassisch im Single-Player gegen die KI ist ja IGOUGO also erst der Spieler, dann der Computer, ähnlich wie beim Schach. Geht man auf Multiplayer, gibt es auch einen Modus, wo jeder seine Zügen zur Gleichen Zeit wie die Gegner machen kann und dann wird berechnet was passiert, aber das hat aber eher wenig Einfluss auf den Spielverlauf. Andere Strategie und Taktikspiele habe ich bisher noch nicht gegen andere Leute groß gespielt, so daß ich da jetzt keinen Favouriten hätte was das Ziehen angeht.

    Aber da ich dennoch Civ6 immer noch liebe, lege ich mich auf IGOUGO fest 😀

    1. Ja, das stimmt. Ich bin auch mit IGOUGO groß geworden (Civ 1, MoM)

      Das mit den simultaneous turns ist eigentlich ziemlich cool, gerade, weil es Zeit spart. Man stelle sich mal ein Civ Event mit 8 Spielern und IGOUGO vor 😀

      Wenn du noch nie WEGO gespielt hast, solltest du es mal probieren 😀 Vielleicht gewinnst du ja ein passendes Spiel, ansonsten empfehle ich z.B. Combat Mission: Red Thunder. Finde deine Wahl für IGOUGO sehr nachvollziehbar 🙂

  2. Ich bevorzuge IGOUGO.
    Bei Battle Isle war es quasi gleichzeitig nur das der eine gezogen hat und der andere hatte sein Angriffsphase.
    Civ habe ich den ersten Teil gezockt das war echt nen schöner Teil.

  3. Mein Guilty Pleasure ist Risiko 2 von Hasbro. Das hat beide Methoden WEGO (realtime) und IGOUGO (classic). Beide Methoden haben ihre Vor und Nachteile. IGOUGO ist aber imo viel zu leicht zu cheesen gegen den Computer. Denn da nehme ich alle meine Armeen in ein Land auf und arbeite alle Gegnerlevel ab – der kann sich ja nicht wehren und solange ich genug Länder einnehme, endet das auch gut, denn selbst die höchste KI ist nicht sehr aggressiv.
    WEGO macht das ganze schwieriger, weil ich da alles planen muss und nicht weiß, wo der Gegner
    angreift. Daher kann es sein, dass ich mit viel zu vielen Armeen in ein Land einfalle, das an sich gut bewacht war – allerdings hat der Computer die Armeen gleichzeitig abgezogen um andere Länder anzugreifen. Auch greife ich viel seltener mit nur einer Armee an, weil die Siegchance recht gering ist und ich ja keine anderen Armeen im Zug mit reinziehen kann. Daher greife ich bevorzugt aus zwei Ländern in dieser Methode an, da ich dann auch mit zwei Würfeln angreife.

    Daher sage ich WEGO

  4. ich komme bei Computerpielen und Brettspielen sehr gut mit IGO zurecht. Man hat schon viel Zeit alles zu Planen und meist sind keine Überraschungen auf die man sich einstellen muss.

    Auf der LNC habe ich dann erstmals das WEGo-System kennengelernt (ohne dessen Bezeichnung zu kennen). Beim Tabletop-Spiel Star Wars x-Wing war ich davon sehr begeistert. Zwar kassierten wir eine Niederlage, aber ich fand die quasi Gleichzeitigkeit spannend.

    Einen Bericht darüber habe ich auch auf GG festgehalten:
    https://www.gamersglobal.de/text-gallery/227760/16-lange-nacht-der-brettspiele-leipzig
    dort ab Slide 28

    Wenn ich ein Brettspiel entwickeln würde, eines habe ich schon im Kopf, würde es WEGO bekommen.

  5. Bei mir würde ich auch sagen, dass ich das IGOUGO-System besser finde, einfach schon aus dem Grund, da ich in Spielen mit diesem System deutlich mehr Erfahrung habe.

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