WarPlan Pacific

Titelbild Warplan

Der Artikel „Spiele-Check: Warplan Pacific“ erschien ursprünglich am 10. Mai 2021 auf www.gamersglobal.de als User-Inhalt unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 DE DEED. Publisher war Matrix Games. Im März 2022 veröffentlichte Kraken Studios mit nunmehr Slitherine als Publisher das Wargame auch auf Steam. Matrix-Kunden erhielten wie üblich einen Steam-Key und wir veröffentlichen den damaligen Artikel im Zuge der Slitherine-Themenwoche nun auch auf DKSN.

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Mit WarPlan Pacific ist der zweite Titel der Rundenstrategie von den Kraken Studios erschienen. Der Ein-Mann-Entwickler Alvaro Sousa wirkte zuvor bei der Strategic Command-Reihe mit, bringt also einige Expertise mit. Im 2. Weltkrieg ringt ihr auf Operationsebene auf beiden Seiten um die Vorherrschaft.

Herzstück: Pazifik 1941

Herzstück des Spiels ist das mit dem Angriff auf Pearl Harbour beginnende 1941er-Szenario. Während die Japaner mit ihrer hochgerüsteten Marine an allen Fronten auf dem Vormarsch sind, um sich Ressourcen zu sichern, werden die Alliierten auf dem falschen Fuß erwischt. Das spiegelt sich auch in abstrakten Spielmechaniken wider. So können die USA immer mehr Öl in den Krieg pumpen und ihre Torpedos stufenweise verbessern. Schiffe sind zwar bereits in Auftrag gegeben, es dauert aber, bis sie einsatzbereit sind. Zu Beginn haben beispielsweise die USA nicht mal Truppentransporter. Euer Ziel als Alliierter ist zunächst, Japans Vormarsch zu stoppen, Ressourcen umzuverteilen, eure Konvois zu schützen und auf den Gegenschlag hinzuarbeiten.

WarPlan Pacific ist an den historischen Linien ausgerichtet, die ihr aber zu euren Gunsten beeinflussen könnt. Dabei kontrolliert ihr alle Länder einer Fraktion. Alliierte Schiffe, nicht aber Truppen, könnt ihr zusammenlegen. Die KI agiert clever: Sie macht nachvollziehbare Offensiven, setzt Flugzeuge zur Unterstützung ein und schickt ihre Flotten an vermeintliche Schwachpunkte. Wenn ihr auf die Anlaufphase verzichten möchtet, könnt ihr auch direkt 1942 durchstarten.

Stellschrauben des Krieges

Um das Kriegsglück zu beeinflussen, stehen euch viele Stellschrauben zur Verfügung: Verschieben von Truppen und Flotten, Produktionspunkte zum Bau neuer und aufrüsten alter Einheiten oder Schwerpunkte in der Forschung. Da Nationalchina und Indien kaum Ressourcen haben, ihr aber gerade dort zu Beginn Truppen braucht, schickt ihr ihnen mit den USA oder Großbritannien Produktionspunkte. Die meisten Länder operieren mit Divisionen sowie kleinen und großen Corps, die ihr immer wieder zusammenlegen und aufsplitten könnt. China hingegen kennt nur die Armee-Größe. Einheiten im Garnisonsstatus können nicht mehr gut angreifen, sparen aber Ressourcen. Ihr baut keine einzelnen Schiffe, sondern Gruppen. Eine Flugzeugträgergruppe beinhaltet zum Beispiel auch die Flugzeuge und Unterstützungsschiffe. Euch stehen zwar umfangreiche Statistiken zur Einheitenzahl und den Verlusten zur Verfügung, wo aber eure Feinde sind, wisst ihr nur, wenn ihr den Standort durch Aufklärung herausgefunden habt. Bei Landeinheiten an der Front wisst ihr um deren Stärke. Sind sie im Hinterland, wisst ihr vielleicht noch um deren Existenz, erkennt aber nicht ihre Zusammensetzung.

Eine extrem wichtige Rolle spielt auch die Versorgung eurer Einheiten, die über Depots und Häfen erfolgt. Eure Flotten müssen immer wieder einen Hafen anlaufen. Feindschiffe können die Versorgung stören, einmal verwendbare Öltanker und Versorgungstrucks können für einen dringend benötigten Boost sorgen. Mit Spezialpunkten stattet ihr Einheiten zum Beispiel mit schwerer Artillerie aus, was den Schanz-Bonus der Verteidiger reduziert. Handelslinien greift ihr mit U-Booten an und beschützt sie mit Eskortschiffen sowie Zerstörern. Gevatter Zufall ist auch an Bord: Das beginnt mit der Zahl der in Pearl Harbour versenkten Schiffe und gilt auch für Landkämpfe. Da bekommt ihr zwar ein Stärkeverhältnis angezeigt, das ist jedoch gerundet und ob sich eine Einheit zurückziehen oder zerschlagen wird, ist auch nicht sicher. Der Einfluss des Zufalls ist zwar gering, WarPlan Pacific ist aber auch nicht Schach. Zu Beginn eures Zuges (je zwei Wochen) solltet ihr immer erstmal im Combat Log überprüfen, wie genau die Schlachten im Zug des Gegners verlaufen sind.

Durch die zahlreichen Mechaniken (wie mache ich nochmal eine Invasion?) und ohne ein Gefühl für Ressourcenmanagement und Tempo werdet ihr bei euren ersten Versuchen nicht alles optimal steuern, aber schon im Laufe der ersten Kampagne viele Aha-Momente erleben und euch verbessern.

Fazit

Wenn ihr einem 2D-Wargame das Prädikat hübsch vergeben könnt, dann hat es WarPlan Pacific verdient. Das Spiel ist optisch klar und ansprechend designed und gibt euch mit seinen Countern echtes Brettspiel-Feeling. Viele Informationen könnt ihr direkt ablesen, dazu kommen Mouseover-Tooltips. Nett: Die QHD-Auflösung meines Monitors wird unterstützt. Manchmal wünsche ich mir etwas mehr Informationen, beispielsweise ist nicht klar ersichtlich, wie viele Produktionspunkte ich brauche, um meine Einheiten zu verstärken oder aufzuwerten. In einigen Tabellen fehlt mir eine Sortierfunktion und die Counter von Japan und Nationalchina sind etwas ähnlich. Um ein Studium des rund 100-seitigen Handbuchs kommt ihr nicht herum und es wird euch auch während des Spielens begleiten, ein Tutorial gibt es nicht. Sehr hilfreich für offene Fragen sind das offizielle Forum, in dem auch Alvaro Sousa aktiv ist, und diverse Youtube-Videos. Nach, für ein komplexes Wargame, überschaubarem Einarbeitungsaufwand ist die Tür zu dutzenden Stunden Spielspaß gegen eine clevere KI offen. Und dann warten auch noch der Hotseat- und PBEM-Modus, um euch mit menschlichen Gegnern zu messen.

  • Wargame
  • Für Fortgeschrittene und Profis
  • Preis: 34,99 Euro auf Matrix Games, 38,99 Euro auf Steam
  • In einem Satz: Ansehnliches Wargame mit einer guten Mischung aus Einsteigerfreundlichkeit und Komplexität, das euch den Krieg im Pazifik spannend nacherleben und umschreiben lässt.
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Über Vampiro

Variety Gamer seit Crystal Castle auf dem Atari 2600 Junior. Mein Herz schlägt besonders für Strategie, Taktik, Wargames und Aufbau nebst allen Untergenres (wie Taktik-RPGs ;-) ).

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