Warhammer 40.000: Dawn of War – Definitive Edition

Mit Warhammer 40.000: Dawn of War – Definitive Edition erschien kürzlich die nach der Anniversary Edition bereits zweite Neuauflage des Klassikers von 2004, der mit vielen guten Ideen für das kleine Team von Relic der Auftakt für eine Reihe großer Echtzeittaktik-Titel sein sollte.

Was haben die bisherigen Serienteile Dawn of War, Dawn of War II und Dawn of War III neben dem Setting und dem Genre gemeinsam? Sie schlummern zu meiner Schande nebst der Erweiterungen ungespielt in meiner Steam-Bibliothek. Die Ableger habe ich hingegen gespielt. Vor allem Company of Heroes, aber auch Company of Heroes 2 und zuletzt Company of Heroes 3. Auch das „Relic-like“ Iron Harvest von KING Art hat mir gefallen. Das auf der Alternativwelt 1920+ von Jakub Rózalski basierende Echtzeittaktikspiel der Bremer war optisch und spielmechanisch klasse, die Story fand ich teils ein wenig zu pathetisch. In der Erweiterung Operation Eagle wurde ich dann aber richtig abgeholt. Die differenzierte Story entstand in einer Kollaboration von Jan Theysen mit einem US-Veteran und kann ich nur wärmstens empfehlen. Die Bremer werkeln übrigens gerade in den letzten Zügen an Dawn of War 4. Doch zurück zu Dawn of War: Auch wenn ich die Vorgänger noch nicht gespielt habe, kenne ich doch die grundlegende Spielmechanik. Die ist gut. Und darum ist die Definitive Edition der perfekte Einstieg um herauszufinden, ob ich schon vor Jahren etwas Zeit für Warhammer hätte freischaufeln sollen oder ob ich damit eigentlich ganz gut gefahren bin.

Umfang und technische Umsetzung

Die Definitive Edition ist ein wahres Umfangsmonster. Sie enthält das Basisspiel und die drei Erweiterungen Winter Assault, Dark Crusade und Soulstorm. Das heißt: Vier Kampagnen. Für diesen Artikel habe ich, nach dem Tutorial, die Kampagne des Basisspiels gespielt, in der ihr euch mit den Blood Ravens, also Space Marines, der Invasionsarmee der Orks entgegenstellt. Und hier wird mir schon klar, warum Dawn of War so populär war: Die Kampagne wird cineastisch präsentiert, es gibt viele Videosequenzen in Ingame-Grafik, die auch noch vollvertont sind. Gespielt habe ich auf Englisch. Die Inszenierung ist dabei durchaus brachial-brutal. Besonders gut gefällt mir, dass ihr auch die Seite der Orks kennenlernt, die dann doch nicht so ganz alleine gegen euch in den Krieg gezogen sind. Das Missionsdesign bietet einige Variationen, ihr müsst etwa auch mal ein bisschen Tanya-mäßig mit Scouts unterwegs sein, im Kern gilt es aber meist, eine Basis aufzubauen und den Feind zu besiegen. Im Spielverlauf bekommt ihr dann auch Zugriff auf immer neue Eineiten.

Winter Assault ist eine weitere cineastische Kampagne, die ihr auf Seiten der Gerechten (Imperiale Armee und Eldar) oder Ketzer (Orks und Chaos) erleben könnt. Dark Crusade ist hingegen eine Total-War-like Kampagne mit strategischer Karte. Zur Verfügung stehen euch die Space Marines, die Imperiale Armee, die Eldar, Orks, Chaos, Tau und Necrons. Soulstorm ist die zweite nichtlineare Kampagne, in der ihr zusätzlich auch mit den Dark Eldar und Adepta Sororitas kämpfen könnt. Mit allen Fraktionen könnt ihr euch auch auf die dutzenden Skirmish-Karten für bis zu acht menschliche und KI-Spieler stürzen. Eure Armeen könnt ihr übrigens auch virtuell anmalen.

Der Comic-Look hat den Vorteil, dass er relativ zeitlos ist. Die Texturen sind klar erkennbar höher aufgelöst und dadurch schärfer und detailreicher. Licht- und Schatten sorgen auch für ein sehr gutes Gesamtbild. Die Grafik ist dadurch zwar vielleicht nicht auf dem allerhöchsten Stand der Technik, sieht aber klasse aus und behält auch ihren Charakter. Gespielt habe ich absolut ruckelfrei in QHD, denn auch moderne Auflösungen und 64-bit sind nun kein Problem. Das Optionsmenü bietet euch zahlreiche (neue!) Grafikeinstellungen und auch Hotkey-Layouts zur Auswahl. Ich wollte eigentlich mit dem QWERTY-Layout spielen, bei dem letztlich der Linke Teil der Tastatur exakt zu den Buttons der Einheiten im Menü passt, wie etwa in Company of Heroes oder Starship Troopers: Terran Command. Dann ist allerdings die für Screenshots wichtige F12-Taste belegt. Da sich die Hotkeys leider nicht selbst konfigurieren lassen, spielte ich dann mit einem anderen Layout, was aber auch gut ging. Vielleicht wird hier auch noch nachgesteuert. So wurde mit dem ersten großen Patch eingefügt, dass ihr per Shift+WASD die Kamera bewegen könnt. Außerdem könnt ihr, wie beim Original, seit dem Update 2.1 die Datei, in der die Hotkeys gespeichert sind, manuell editieren. Ingame geht es nicht. Dafür gibt es einen offiziellen Guide. Ein ebenfalls schönes Detail: Das Deutsche Tastaturlayout wird erkannt und die Hotkeys entsprechend angezeigt, einschließlich Umlaute.

Zu den weiteren Verbesserungen gehört ein überarbeitetes Wegfindungs-System. Ich kenne zwar das alte System nicht, aber das war wohl ziemlich schlecht. Ich hatte jetzt überhaupt keine negativen Erfahrungen mit der Wegfindung, die klappte sehr gut. Einheiten bleiben auch nicht an Gebäuden hängen, sie können da wohl mehr oder minder durchfahren. Eine hervorragende Neuerung ist, dass ihr jetzt deutlich weiter rauszoomen könnt. Ein Segen für mich, spiele ich doch in Spielen wie Steel Division 2, WARNO oder Broken Arrow doch sogar eher mit Icons als mit Einheiten.

Der Soundtrack ist klasse, die englische Sprachausgabe stimmig. Auch die Einheiten reagieren akkustisch auf Befehle. Da habe ich mich dann aber satt gehört und hätte mir etwas mehr Vielfalt gewünscht. Nicht wirklich mein Thema sind Mods, die aber für Dawn of War eine wichtige Rolle spielen. Es sollen viele Legacy-Mods unterstützt werden (aber es klappt wohl nicht mit allen), die Tools seien verbessert worden und würden es im nächsten Patch auch noch weiter, etwa auch mit einer besseren Dokumentation. Einen offziellen Guide gibt es auch hier. Die Anleitung braucht ihr auch, denn der Steam-Workshop ist nicht angebunden.

Spielmechanik: Packend und auch für Einsteiger

Die stilprägende Spielmechanik der Relic-Titel sind der entschlackte Basenbau und die Notwendigkeit, bestimmte Punkte auf der Karte zu erobern. Diese Punkte bringen euch die Ressource Requisition. Energie erhaltet ihr durch Kraftwerke in der Basis. Je mehr Punkte ihr erobert und Kraftwerke ihr baut, desto mehr Ressourcen fließen in eure beiden Ressourcentöpfe, die ihr dann für Einheiten, Gebäude, Technologien oder Upgrades schröpft.

Von CoH-kommend war es für mich eine Besonderheit, dass ihr auch an den eroberten Punkten, wenn auch nur in kleinem Radius, bauen könnt. Zum Beispiel Kanonen, die ihr von einer Art Maschinengewehr zu einem Raketen verschießenden Abwehrturm (besser gegen Fahrzeuge) umwandeln könnt. Minen lassen sich überall legen. Eure Einheiten sind nicht einzelne Einheiten, sondern Squads. Deren Mannstärke, auch erkennbar an der Zahl der Figuren, müsst ihr nach der Rekrutierung erstmal erhöhen. Ihr könnt sie dann auch zunehmend mit schweren Waffen wie Flammenwerfern (Nahkampf gegen Infanterie) oder Raketenwerfern (gut gegen Fahrzeuge und Gebäude) oder auch einem Mix ausstatten. Und müsst das auch erneut, falls euer Squad Mitglieder verliert. Wenn ihr beispielsweise euren Space Marines einen Squad Leader hinzufügt, könnt ihr demoralisierten Truppen per Spezialfähigkeit einen Moralboost verpassen. Ja, eure Truppen nehmen nicht nur Schaden, sie verlieren auch Moral. Die Heldeneinheiten agieren entweder alleine oder ihr packt sie zu einem Squad, das dadurch auch gebuffed wird. Neben Squads, also Infanterie, erhaltet ihr im Spielverlauf auch Zugriff auf Fahrzeuge, etwa Raketenwerfer-Fahrzeuge oder Mechs. Was genau, hängt dann natürlich von eurer Fraktion ab und gibt euch dann gerade im Skirmish und Multiplayer eine Unmenge an Möglichkeiten.

Den Moralboost habe ich schon angesprochen, eure Helden oder, mit entsprechenden erforschten Technologien auch andere Einheiten, haben Spezialfähigkeiten. Beispielsweise Granaten gegen Infanterie. Die sind hilfreich und nützlich, aber deutlich weniger präsent und zwingend notwendig als in Company of Heroes 3 oder auch Starship Troopers: Terran Command. Das ist gerade für Einsteiger eine ziemliche Entlastung. Aufgrund recht hoher Haltbarkeit von sowohl Einheiten als auch Gebäuden empfinde ich das Gameplay sogar als vergleichsweise langsam. Das ist nicht negativ gemeint, im Gegenteil. So konnte ich auf normalem Schwierigkeitsgrad ziemlich entspannt spielen! Klar, auf höheren Schwierigkeitsgraden oder im Multiplayer sieht das dann sicher etwas anders aus. Aber vom Grundsatz her ist die Definitive Edition daher auch sehr gut für Einsteiger geeignet: Weniger Micro, weniger Geschwindigkeit. Die Haupttaktitk ist eigentlich einen ausreichend großen und gut zusammengesetzten Armee-Blob aufzubauen und dann die Karte abzugrinden, ohne eroberte Punkte wieder zu verlieren. Letztlich also ein bisschen wie in Starship Troopers: Terran Command. Die hohe Dynamik (aka Hektik) eines CoH3 hat Dawn of War nicht.

Fazit

Ich bin ehrlich: Ich bereue es nicht, dass ich Warhammer 40.000: Dawn of War bislang nicht wirklich gespielt hatte. Denn so kann ich frisch an die viel bessere Definitive Edition herangehen. Und die macht mir sehr viel Spaß! Klar, Grafik ist nicht alles. Die Anpassungen an die moderne Zeit gefallen mir sehr gut. Aber die wohl berühmt berüchtigt schlechte Wegfindung und die sehr nahe Kameraansicht hätten schon anno 2004 heftig an meinem Spielspaß gekratzt.

Jetzt erlebe ich das Spiel erstmals und das in seiner „definitiven“ Form. Das im Vergleich zu anderen Titeln etwas langsamere und weniger micro-lastige Spielerlebnis verbuche ich als weitere dicke Pluspunkte, gerade nach einem stressigen Werktag ist es eine schöne Abwechslung, auch im Bereich der Echtzeittaktik nicht immer nur sweaty unterwegs zu sein. Die toll inszenierte Kampagne tut da natürlich ihr übriges, um den Spielspaß nach oben zu katapultieren. Und ich habe ja fairerweise auch erst an der Oberfläche gekratzt. Noch habe ich nicht alle Kampagnen gespielt, alle Karten ausprobiert oder mich gar in den Multiplayer gewagt. Und bislang habe ich auch erst eine von neun Fraktionen selbst gespielt. Relic liefert eine vorbildliche Definitive Edition ab, bei der über Patches noch kleinere Ecken, wie bereits mit den Hotkeys geschehen (wenn auch leider nicht ingame), abgerundet werden. Falls ihr wie ich bislang keine Zeit für Dawn of War hattet, solltet ihr sie euch jetzt nehmen. Als Einsteiger könnt ihr zugreifen. Für Dawn-of-War-Veteranen kann ich nicht sprechen, aber ihr profitiert dauerhaft von 30 Prozent Rabatt auf den Kaufpreis und vielleicht sind die Verbesserungen bei Wegfindungen oder auch Zoomstufe, vielleicht ja auch der Grafik, für euch wichtig. Vielleicht auch der Multiplayer in der aktuellen Version des Spiels.

Warhammer 40.000: Dawn of War – Definitive Edition ist eine tolle Neuauflage, die eure Aufmerksamkeit verdient. Ich gehe jetzt mal noch ein paar Orks killen.

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Über Vampiro

Variety Gamer seit Crystal Castle auf dem Atari 2600 Junior. Mein Herz schlägt besonders für Strategie, Taktik, Wargames und Aufbau nebst allen Untergenres (wie Taktik-RPGs ;-) ).

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2 Comments on “Warhammer 40.000: Dawn of War – Definitive Edition”

    1. Hi, vielen Dank fürs Lesen! Ja, gibt deutsche Sprachausgabe laut Steam, habe auch noch auf YouTube geguckt, hier kannst du mal reinzappen: https://youtu.be/oc0Guld2x4M?si=u4Rb7M9hfmSfxynZ Die Orks reden (leider) nicht ganz so speziell auf Deutsch scheint mir.

      Gerade wenn dich Echtzeit stresst, du aber Bock hast, scheint mir Dawn of War Definitive Edition der genau richtige Titel. Es ist deutlich weniger hektisch und microlastig als CoH3 oder Starship Troopers, bietet aber hohen Spielspaß und tolle Kampagnen. Und viel Wumms.

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