Versoftungen #8: Indiana Jones (1982-2003)

1989 – 1992: Die Ära der Grafik-Adventures

Endlich durften sich die internen Entwickler von Lucasfilm Games selbst um die Versoftung einer Lucasfilm-Lizenz kümmern! Das zweite SCUMM-Adventure Zak McKracken eroberte die Adventure-Welt im Sturm, und so war klar, dass ein weiteres Adventure folgen sollte. Trotzdem fuhr Lucasfilm, die bei der Marke Indy bisher stark auf Action gesetzt hatten, zweigleisig: Ein internes Team durfte das Indy-Grafikadventure produzieren, während die britischen Tiertex Design Studios beauftragt wurden, parallel eine Action-Variante zu programmieren. Um die im Jahr 1989 zeitgleich zum dritten Kinofilm Indiana Jones and the Last Crusade erscheinenden Spiele unterscheiden zu können, bekamen sie den Zusatz „The Graphic Adventure“ respektive „The Action Game„.

Indiana Jones and the Last Crusade – The Graphic Adventure (PC VGA, 1991), Indiana Jones and the Last Crusade – The Action Game )(Amiga, 1989), Indiana Jones and the Last Crusade (NES, 1991)

Während das Action-Spiel in der deutschen Presse bestenfalls mittelmäßig ankam und schnell in Vergessenheit geriet, gehört das Point-and-Click-Adventure auch heute noch zu den Meilensteinen des Genres. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass solche Größen wie Ron Gilbert, Noah Falstein und David Fox zusammenkamen, um mit einer erweiterten SCUMM-Engine (endlich gab es Multiple-Choice-Gespräche!) eine äußerst erfolgreiche Film-Marke umzusetzen, mit direktem Zugriff auf die kreativen Köpfe hinter dem Leinwandabenteuer. Sie schafften es, das Spiel auch für Personen spannend und fordernd zu machen, die den Film bereits kannten, da sie sich nur grob an den Ablauf des Drehbuchs hielten. Zum Erfolg in Deutschland trug auch die Übersetzung von Boris Schneider-Johne bei, der nebenbei aufgrund der damaligen Gesetzeslage alle Hakenkreuz-Symbole überpinselte. Diese Selbst-Zensur zog sich ab dann durch etliche weitere deutsch lokalisierte Indy-Spiele. Das Adventure erschien zunächst für Amiga, Atari ST und PC in EGA-Grafik, später folgte auch eine FM-Towns sowie Mac- und PC-Version mit VGA-Grafik. Sogar das CDTV wurde 1992 noch mit einer eigenen Version bedacht. Das Action-Spiel erschien zudem auch auf allerhand Konsolen und Handhelds, darunter auch Game Boy und Game Gear.

Außerdem sei noch erwähnt, dass Taito, ebenfalls unter dem Namen „Indiana Jones and the Last Crusade“ 1991 noch ein weiteres Konsolenspiel für das NES auf den Markt brachte. Dies war deutlich gelungener als der erste „Action Game“-Versuch, erlangte aber nie die Popularität der Adventure-Variante.

Pressespiegel: Indiana Jones and the Last Crusade – The Graphic Adventure

„Keine Frage: Indiana Jones ist das bislang beste Lucasfilm-Abenteuer. Die Grafiken sind feiner denn je, die Animationen wirken wunderbar echt und der Spielkomfort wurde entscheidend verbessert. Und das wichtigste: Das Flair des Films ist auch in dem Adventure zu spüren. Allein wenn man in Venedig durch die Katakomben schleicht, befällt einen ein sanftes Gruseln. Nach der Gänsehaut, die das schlappe lndy-Actionspiel produzierte, bietet das Adventure endlich das, was den Film auszeichnet: Abenteuer, Witz und Spannung. Gratulation.“

Heinrich Lenhardt in der PowerPlay 10/1989 (via kultboy.com) (Wertung: 90 %)

Andere deutsche Magazine lagen mit ihren Wertungen dagegen eher im 80er-Bereich, eine Übersicht dazu findet ihr auf kultboy.com.

Zu Beginn der 1990er Jahre befanden wir uns zweifellos im goldenen Adventure-Zeitalter. Nicht nur für Lucasfilm Games, die 1991 mit The Secret of Monkey Island den nächsten Kracher herausbrachten, sondern auch für Massenproduktions-Adventure-Fabriken wie Sierra On-Line, die qualitativ immer hinten anstehen mussten (aber gut verkauften).

Und auch der beliebte Archäologe sollte ein neues Adventure bekommen! Da die Pläne für einen vierten Indy-Film zu diesem Zeitpunkt in weite Ferne gerückt waren, überlegte man zunächst, ob eins der abgelehnten Drehbücher als Vorlage für einen Film herhalten könnte. Designer Hal Barwood, der sich auch bestens im Filmgeschäft auskannte, lehnte ab und begab sich stattdessen mit seinem Kollegen Noah Falstein in die Bibliothek der Skywalker Ranch, um dort nach möglichen Themen zu recherchieren. Heraus kamen die beiden mit der Idee für Indiana Jones and the Fate of Atlantis, das wie schon der Vorgänger mit einer verbesserten Version der SCUMM-Engine programmiert und 1992 veröffentlicht wurde. Auch hier ließ man parallel in England einen Actiontitel produzieren (wieder mit dem Zusatz „The Action Game“, der dieselbe Geschichte in Action-Form präsentieren sollte. Dieses Mal war das Studio Attention to Detail zuständig.

Indiana Jones and the Fate of Atlantis (PC, 1992), Indiana Jones and the Fate of Atlantis – The Action Game (Amiga, 1992)

Und Geschichte wiederholt sich: Das Actionspiel versinkt in der Mittelmäßigkeit, während sich das Adventure als bestes PC-Spiel des Jahres entpuppt. Für viele Adventure-Fans gehört Fate of Atlantis auch heute noch zum Besten, was das Genre zu bieten hat. Die Gründe dafür sind vielfältig: für die damalige Zeit Spitzengrafik, schöne Musik (später auch mit toller englischer Sprachausgabe), mehrere Lösungswege, spannende Geschichte, gut geschriebene Dialoge, Abenteuer-Flair, passender Witz wie in den Film-Vorlagen… um nur ein paar von ihnen zu nennen. Und das spiegelte sich auch in der Spielepresse wieder.

Pressespiegel: Indiana Jones and the Fate of Atlantis
Offenbar stürzte sich die gesamte deutsche Presselandschaft auf Fate of Atlantis, auf kultboy.com könnt ihr fast 20 Berichte finden. Beispiele:

„Dank traumhafter Komplexität und wirklich logischen, nach einigem Überlegen garantiert lösbaren Rätseln ist Indiana Jones and the Fate of Atlantis das für mich beste Lucasfilm-Adventure. Traumhafte Grafik und unzählige Verzweigungen in der Handlung festigen meine Meinung.“

Richard Eisenmenger in der Power Play 6/1992 (via kultboy.com) (Wertung: 94 %)

„Lucasfilm hat das gesetzte Ziel, eine würdige Fortsetzung der Filmserie zu produzieren, voll erreicht. Indiana Jones agiert im Spiel genauso, wie er auch in den Filmen dargestellt wurde. Eine unfreiwillige Karikierung des Charakters wurde gottlob vermieden.“

Guido Alt in der ASM 6/1992 (via kultboy.com) (Wertung: 12 von 12)

Bei soviel Erfolg sollte es doch leicht sein, einen tollen Nachfolger zu produzieren, richtig? Falsch! Zwei Indy-Adventure-Projekte wurden aus unvorhersehbaren Gründen eingestellt. Lucasfilm Games, mittlerweile zu LucasArts umbenannt, hatte zum einen geplant, mit einem externen Studio ein Indy-Adventure namens „Spear of Destiny“ zu produzieren, was relativ früh im Sande verlief.  Mit „The Iron Phoenixv“ hingegen war LucasArts schon recht weit fortgeschritten, warum das Projekt dennoch scheiterte,  könnt ihr euch zum Beispiel bei mixnmojo.com durchlesen. Immerhin wurde der Stoff Mitte der 1990er als Comic im Dark-Horse-Verlag veröffentlicht.

Leider eingestellt: Indiana Jones and the Iron Phoenix (Konzeptzeichnungen, 1993)
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Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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