1993: Montana’s Movie Madness (Game Boy)
Sowas aber auch: Montana Max hat in Acme Acres sein eigenes Kino eröffnet. Dort zeigt er nicht etwa die großen Klassiker der Filmgeschichte, sondern schlechte Filme mit ihm in der Hauptrolle. Solch ein cineastischer Ärger ist den anderen Toons natürlich nicht zuzumuten, und so springt unser Held Buster im zweiten Game Boy-Spiel Montana’s Movie Madness kurzerhand selbst in die Filme, um dem verzogenen Millionär zu zeigen, dass niemand seine Werke sehen will.
In fünf langen und sehr linearen Levels springt Buster durch Western- und Science-Fiction-Welten, wobei das letzte Level hinter den Kulissen des Kinos spielt. Im Vergleich zum ersten Teil ist der Schwierigkeitsgrad deutlich gestiegen, da nun mehr pixelgenaue Sprungfolgen verlangt werden. Neu ist der Supersprint, mit dem ihr höher und weiter springen könnt. Um ihn zu aktivieren, müsst ihr einmal mit dem Steuerkreuz nach unten tippen, um Anlauf zu nehmen – und dann in die entsprechende Richtung laufen. Diese Technik ist nicht ganz leicht auszuführen und sollte daher zu Beginn des Spiels erlernt werden, da sie in späteren Levels vorausgesetzt wird.
In jedem Level hat sich Dodo aus Wackyland versteckt. Wenn ihr ihn findet, dürft ihr einmal am Glücksrad drehen, die befreundeten Toons geben euch anschließend Power-Ups wie Unverwundbarkeit oder einen Herz-Container. Und in kleinen Minispielen zwischen den Levels gibt es Extraleben zu gewinnen. Auch technisch liegt das Spiel über dem Game Boy-Standard. Die Animationen sind wirklich gut, die Sprites detailliert und auch die Hintergrundgrafiken wissen zu gefallen. Von den drei Spielen für den Game Boy ist Montana’s Movie Madness definitiv das Beste! 4 von 5 Karotten.

1993: Buster’s Hidden Treasure (Mega Drive)
Während das SNES-Abenteuer, wie bereits erwähnt, seinerzeit auf allen möglichen Verbreitungswegen (Zeitschriften, TV etc.) stark beworben wurde, sah das beim Mega Drive-Spiel, zumindest in meiner Erinnerung, anders aus. Trotz hervorragender Bewertungen in der Fachpresse habe ich das Gefühl, dass Buster’s Hidden Treasure damals etwas unterging. Auch weil die Aufmerksamkeit auf Titel wie Disney’s Aladdin, Rocket Knight Adventures oder The Lost Vikings gerichtet war. Was schade ist, denn ich halte Buster’s Hidden Treasure für das beste Spiel der Reihe.
Spielerisch geht das Spiel im Vergleich zum SNES-Abenteuer wieder traditionellere Wege. Die Gegner werden besiegt, indem ihr ihnen auf den Kopf springt. Manche Levels sind sehr groß und enthalten mehrere Routen. Aus diesem Grund und weil ab und zu ein paar Sprungfedern herumliegen, wird das Spiel hier und da auch mit den Sonic-Spielen verglichen. Wenn man die ersten beiden Welten spielt, könnte man auch auf diese Idee kommen. Diese beiden Welten dienen jedoch nur dazu, sich an das Spielgefühl zu gewöhnen: Buster kann nach kurzem Anlauf sehr schnell rennen sowie Wandsprünge ausführen. Beide Techniken werden in den späteren Levels benötigt, die wesentlich enger und mit Fallen gespickt sind.

Auf diese Weise wechselt das Spiel immer wieder den Rhythmus. Mal geht es um Schnelligkeit, mal um präzise Sprünge. Gut, dass die Sprungphysik sehr präzise ist, auch wenn sie etwas Übung erfordert. Ebenfalls schön: Es gibt keinen Timer – damals eine Seltenheit im Genre. So könnt ihr euch alle Zeit der Welt nehmen, nach Geheimnissen suchen oder vor einer schwierigen Herausforderung erst einmal durchatmen. Nutzt die Zeit auch, um den Wandsprung zu meistern!
Natürlich gibt es auch verschiedene Gegenstände. Gut versteckte Glöckchen erhöhen die Lebenspunkte um ein Herz. Für 50 Karotten gibt es einen zusätzlichen Helfer, dieser kann per Knopfdruck sämtliche Gegner vom Bildschirm jagen. Ansonsten gibt es natürlich auch Extraleben und Herz-Items, um die Lebensenergie aufzufüllen. Wer die Levels genauer absucht, findet Portale zu Bonusrunden oder sogar Geheimausgänge, die optionale Level auf der Weltkarte freischalten.
Mit über 30 langen Levels ist der Umfang für ein Lizenzspiel jener Zeit durchaus ordentlich. Auch sonst gefällt mir hier das Gameplay am besten, ich hätte mir lediglich noch etwas mehr Slapstick gewünscht. Dennoch ist dieses Spiel meiner Ansicht nach etwas besser als Buster Busts Loose und bekommt hiermit 5 von 5 Karotten.

1994: Acme All-Stars (Mega Drive)
Nachdem Konami das Jump’n’Run-Genre in allen erdenklichen Varianten durchdekliniert hatte, entschloss man sich, mit der Lizenz einige Sportspiele zu produzieren. Schließlich waren Titel wie NBA Jam oder FIFA International Soccer kommerziell sehr erfolgreich. Warum also nicht auch ein Stück vom Kuchen abhaben? Auch für die Sportspiele wurden wieder verschiedene Entwicklergruppen innerhalb der Firma an die verschiedenen Spiele gesetzt, sodass jedes Sportspiel für sich selbst stand.
Acme All-Stars für Mega Drive folgt am ehesten den eben genannten Erfolgen aus dem Vorjahr: Die Looniversity veranstaltet ein großes Fußball- und Basketballturnier und natürlich schließen sich die Freunde Buster, Babs, Plucky und Hamton zusammen, um dieses Turnier zu gewinnen. Ungewöhnlich für das Genre ist der Story-Modus mit seinen Zwischensequenzen. In diesem Modus werden auch kleine Minispiele wie Hindernisparcours oder Bowling eingestreut.

Der Schwerpunkt des Spiels liegt jedoch auf den beiden Sportarten Fußball und Basketball. Bei beiden Spielen darf man keine realistische Darstellung der Sportarten erwarten. Es sind zwei sehr arcadige Interpretationen mit einfacher Steuerung: Ein Knopf ist zum Schießen, ein Knopf zum Passen und ein Knopf ist für Spezialaktionen reserviert. Drückt ihr beim Fußball die beiden Knöpfe für Schuss und Pass gleichzeitig, führen die Toons einen Fallrückzieher aus. Ansonsten gibt es Superschüsse und verschiedene Spezialaktionen, beispielsweise fliegt Plucky beim Basketball über das Spielfeld und Ambosse regnen auf die Gegner herab.
Für die kleine Mehrspieler-Runde zwischendurch ist Acme All-Stars gut geeignet. Solospieler jedoch haben nach dem Abschluss des Storymodus alles gesehen. Obwohl das Gameplay die richtigen Ideen hat, bleibt mir die Ausführung dann doch noch etwas zu brav. Es hätte gern alles noch verrückter, noch cartooniger sein können. So vergebe ich jedoch gut gemeinte 3 von 5 Karotten.

1994: Wacky Sports (Game Boy)
Auch auf den Nintendo-Konsolen halten sich die Toons mit Wacky Sports fit. Im Gegensatz zum Mega Drive allerdings in Form von kleinen Minispielen, wie man sie aus den 80er Jahren von Titeln wie Track & Field kennt. Beim Basketball zum Beispiel drückt ihr den A-Knopf, um Geschwindigkeit aufzubauen, und wählt dann einen Sprungwinkel, um zum Korb zu springen. Das Fußballspiel entpuppt sich als Elfmeterschießen und beim American Football geht es schlicht darum, den Gegnern auszuweichen.
Zehn Jahre früher hätten solche Spielkonzepte noch für ausreichend gute Wertungen gesorgt. Doch 1994 waren diese Minispiele hoffnungslos veraltet. Und heute erst recht, weshalb ich an dieser Stelle auch keine Empfehlung aussprechen mag – es sei denn natürlich, ihr mögt genau dieses Minispiel-Gameplay. 2 von 5 Karotten.

1994: Wild and Wacky Sports (Super Nintendo)
Das letzte Spiel von Konami heißt Wild and Wacky Sports und überträgt das Minispielkonzept des Game Boy-Ablegers auf den großen Fernseher. Insgesamt 13 Disziplinen stehen hier bis zu vier Spielern zur Verfügung. Darunter klassische Disziplinen wie Diskuswerfen oder Gewichtheben, aber auch eher cartoonige Einlagen wie Chicken Dash. Hier geht es zum Beispiel darum, möglichst viel Laufenergie zu sammeln, loszurennen und rechtzeitig zu stoppen, um nicht von der Klippe zu fallen. Beim Skifahren gilt es, möglichst viele rote Fähnchen einzusammeln, und beim Eiscremeschießen werft ihr die leckere Süßigkeit auf kleine Konterfeis des Bösewichts Montana Max.

Rechts: Glück gehabt! Fast wäre Buster bei Chicken Dash von der Klippe gefallen.
Auch hier sind die Ideen nicht ganz frisch, so dass ich auch hier 2 von 5 Karotten geben müsste, um mit meiner Bewertung des Game Boy-Spiels konform zu bleiben. Allerdings gibt es zwei Dinge, die die Wertung nach oben treiben: Die Präsentation und der Multiplayer. Letzteres ist schnell erklärt: Es macht natürlich viel mehr Spaß mit drei weiteren menschlichen Mitspielern zu spielen als alleine. Wild and Wacky Sports ist ein traditionelles Partyspiel und als solches erfüllt das Spiel seine Aufgabe hervorragend. Die Mischung aus Geschicklichkeit und etwas Glück sorgt für viel Spannung. Außerdem sind die Disziplinen unterschiedlich und abwechslungsreich genug.
Besonders gut gefällt mir auch, dass die Entwickler kaum reale Sportarten umgesetzt haben, sondern berücksichtigt haben, dass es sich bei den Tiny Toons um eine Slapstick-Serie in der Welt von Bugs Bunny & Co. handelt. So gibt es viele grafische Gags, etwas Cartoon-Gewalt und insgesamt eine Tonalität, welche die Vorlage hervorragend einfängt! 4 von 5 Karotten.

Rechts: Beim Skifahren geht es darum, rote Fähnchen einzusammeln. Die Gegner dürfen natürlich auch angerempelt werden. Minuspunkte gibt es, wenn jemand in die Hindernisse kracht.
Zum Abschluss
Nachdem mich in den letzten Wochen das Remake Tiny Toons Looniversity durchaus unterhalten hat – ich habe in den letzten Jahren weitaus schlimmere und katastrophalere Remakes alter IPs gesehen – hatte ich auch mal wieder Lust auf die alten Konami-Spiele. Als Kind hatte ich die alte 90er-Jahre-Serie richtiggehend geliebt und entsprechend mochte ich natürlich auch die dazugehörigen Videospiele sehr gerne. Beim erneuten Spielen ist mir jedoch aufgefallen, wie schlecht insbesondere die 8-Bit-Spiele gealtert sind. Heute würde ich daher lediglich die 16-Bit-Spiele empfehlen. Vielleicht, mit Abstrichen, auch noch Montana’s Movie Madness sowie das allererste NES-Spiel.
Zu den Tiny Toons gab es übrigens zwischen 1996 und 2002 noch weitere Spiele für die Playstation und den Game Boy Color. Damals wie heute finde ich die aber allesamt schrecklich. Da war die Zeit der Tiny Toons auch schon lange vorbei und die Lizenz wurde billig verramscht. Deswegen habe ich mich in diesem Artikel nur auf die Spiele von Konami konzentriert. Auch weil es interessant ist, wie viele Spiele der Publisher innerhalb weniger Jahre produzierte. Vielleicht gibt es ja im kommenden Jahr im Zuge der neuen Serie auch eine schöne Collection wie vor einiger Zeit mit der Turtles – Cowabunga Collection? Zu wünschen wäre es!
Zum Abschluss natürlich die Frage: Hattet ihr als Kind die Tiny Toons geschaut und die dazugehörigen Spiele gespielt? Und habt ihr vor, in das Remake reinzuschauen?

