1997 – 2004: Zeit für Abenteuer
Dann war erst einmal ein paar Jahre Ruhe, bis 1997 die damals noch junge Firma Alcachofa Soft auf den Plan trat und die Clever & Smart-Abenteuer-Ära einleitete. Mit ihrem Debüt Drascula – The Vampire Strikes Back, das ihr mittlerweile als Freeware auf der ScummVM-Homepage herunterladen könnt, hatten die Spanier 1996 bereits erste Erfahrungen im Adventure-Bereich sammeln können.
Das Clever & Smart-Adventure-Debüt kam 1997 unter dem Namen Mortadelo y Filemón – El Sulfato Atómico („Das atomare Sulfat“) in Spanien auf den Markt. Für die Geschichte bediente sich Alcacho Soft beim gleichnamigen Comic-Album aus dem Jahr 1969. Es führte neben Mister L auch Doktor Bakterius als neuen Charakter ein, der gleich mit seinem ersten Experiment für Ärger sorgt: Sein „atomares Sulfatspray“ verwandelt Insekten zur Riesenmonstern und sollte keinesfalls in die falsche Hände gelangen! Aber natürlich tut es das, also müsst ihr es dem feindlichen General Bruteztrausen wieder entreißen…

Das Spiel bot klassische Point-and-Click-Kost mit der Besonderheit von zwei spielbaren Charakteren. Es enthielt originalgetreue Grafiken sowie die Originalstimmen der spanischen TV-Serie. Leider erschien es nur im Heimatland der beiden Agenten. Dort war es aber mit über 70.000 verkauften Einheiten für den Publisher Zeta Multimedia sehr erfolgreich. Erst im Jahr 2019 fasste sich Erbe Software ein Herz, schnappte sich die Lizenz, und veröffentliche es weltweit via Steam. Allerdings blieb die Ursprungsversion unangetastet und somit enthält auch die Steam-Version nur spanische Sprache. Eine Übersetzung in andere Sprachen ist nicht geplant.
Kurioses & Wissenswertes
El Sulfato Atómico gilt heutzutage als Meilenstein der Reihe und wurde sogar vom Erfinder Ibáñez zu seinem Lieblingswerk erklärt. Es ist zugleich das erste Album, das eine Geschichte in voller Albumlänge erzählt. In Deutschland erschien es unter dem Namen Keine Angst, wir retten die Welt und Sprüh und blitz – schon wächst er fix!
Es gibt zwei TV-Serien zu Clever & Smart, eine aus den 1960ern und eine aus den 1990ern. Bei der letzteren wurde die beiden Agenten von Karl Dall (Fred Clever) und Wolfgang Völz (Jeff Smart) synchronisiert. Die erste Folge behandelte genau wie das erste Album und das erste Adventure die selbe Geschichte und lief unter dem Namen Das Atomspray (via Youtube).
Pressespiegel: El Sulfato Atómico
Das spanische PC Manía-Magazin 11/1998 lobte das Spiel und behauptete, dass es sowohl „jung als auch alt begeistern“ werden würde.
Im Januar 1999 schränkte man auf der Website meristation.com die Zielgruppe allerdings eher ein:
„Ich vermute, dass es den Kindern Spaß machen wird. Wenn sie bereits eine Vorliebe für Abenteuerspiele haben oder Mortadelo y Filemón lieben, könnten sie sich für dieses Spiel begeistern.“
meristation.com (Wertung: 60 %)
In der spanischen Videospieledatenbank DeVuego erreichte das Spiel ebenfalls 60 Prozent mit einem positiven Fazit:
„Es ist ein wesentlicher Teil der spanischen Videospielgeschichte. Es ist großartig gealtert und hat den Retro-Touch der großen Grafikabenteuer.“
DeVuego (Wertung: 60 %)

Was folgt nach einem Verkaufsschlager? Natürlich ein Nachfolger! Diesmal ließ Zeta Multimedia das Studio Vega Multimedia Creations ran. Das zweite Adventure erschien 1999 unter dem Namen Mortadelo y Filemón – La Máquina Meteoroloca („Die meteorologische Maschine“) wieder nur in Spanien und basierte diesmal auf dem Comicalbum El estropicio meteorológico („Das meteorologische Chaos“) aus dem Jahr 1989. Die deutschen Album-Titel Das Wetter flippt aus – werft Petrus raus! (Original) und Stets flott & fesch – trotz Klima-Crash! (Neu-Textung) sind wieder einmal besonders wertvoll.
Im Comic ist es erneut Doktor Bakterius, der mit einer Erfindung (der Wettermaschine) für Chaos sorgt. In der Adventure-Adaption ist es Professor Gambérrez, der aufgrund der anherrschenden Umweltverschmutzung der Menschheit überdrüssig wird und daher eine Maschine erfindet, mit er das Wetter kontrollieren und die Welt ins Verderben stürzen kann. Und wer muss ihn wohl aufhalten? Richtig, ihr als Spieler gemeinsam mit euren Figuren Clever & Smart.
Pressespiegel: La Máquina Meteoroloca
In der spanischen PC Manía 2/2000 bekam das Spiel das Prädikat „ausgezeichnet“ wurde dafür gelobt, dass es sich stärker an die Vorlage von Ibáñez hielt.
In der PC Actual 2/2000 wurde das Spiel wiederum „als ein bisschen eintönig“ beurteilt.

Neu ist, dass die Spiele nicht nur in Spanien, sondern auch Russland erscheinen.
Zeta Media brachte La Máquina Meteoroloca als „Star Produkt“ in ihr Weihnachtsgeschäft und scheint damit genug Einheiten verkauft zu haben, um gleich den nächsten Teil der Abenteuer-Reihe in Auftrag zu geben. Vega Multimedia Creations war dabei allerdings wieder raus, alle kommenden Adventures wurden von Alcachofa Soft entwickelt.
Je nach Zählweise entstanden nun in den nächsten vier Jahren drei bis zehn weitere Adventures. Was damit gemeint ist? Die Entwickler kamen auf die geniale Idee, ihre Adventures ab sofort im Doppelpack zu veröffentlichen.
Im Jahr 2000 erschienen zeitgleich Dos Vaqueros Chapuceros („Zwei tollpatschige Cowboys“) und Terror, Espanto y Pavor („Terror, Angst und Schrecken“). Wenn ihr als Spieler beide Adventures besitzt und sie auf die korrekte Weise installiert, schaltet ihr damit das übergeordnete Adventure Una Aventura de Cine („Ein Kino-Abenteuer“) frei. Eine überarbeitete Version dieses Konstrukts erschien dann sogar in Deutschland unter dem Namen Clever & Smart – A Movie Adventure. Auf der nächsten Seite widmen wir dem Spiel einen ganzen Abschnitt und würdigen auch den erstmals eingeführten Multiplayer-Modus.
Ein Jahr später, also 2001, zog Alcachofa Soft den gleichen Trick noch einmal durch: Sie veröffentlichten Operación Moscú („Operation Moskau“) parallel zu El Escarabajo de Cleopatra („Kleopatras Käfer“) und schufen damit das Gesamtwerk La Sexta Secta („Die Sechste Sekte“). Diesmal möchte der Geheimbund Die Sechste Sekte eine alte ägyptische Gottheit erwecken, um die Menschheit zu versklaven. Und ihr sollt das verhindern, wie auch immer. Der erste Abschnitt führt euch nach Russland – ob das der Grund ist, warum die Spiele (mit dem Beinamen „Agenten 008“) plötzlich auch dort veröffentlicht wurden?
Pressespiegel: La Sexta Secta
Die Wertungen der Presse waren nicht gerade überschwänglich und pendelten sich bei 5 von 10 Punkten ein. Im Dezember 2002 schrieb Aventura y Cía:
„The Sixth Sect ist ein empfehlenswertes Abenteuer, aber nicht für seinen Preis… Visuell ist es hervorragend. Der Stil von Ibañez ist in dem Abenteuer perfekt eingefangen.“
Aventura y Cía (Wertung: 5 von 10)
Aus Russland meldete Absolute Games:
„Die Geschichte wurde mit angenehmen Details angereichert, es gibt eine noch nie dagewesene Dynamik in der Erzählung und interessante Aufgaben, die Aufmerksamkeit erfordern. Natürlich sind die Symptome, die der ganzen Serie eigen sind, typisch für diesen Teil: kurze Dauer, Mangel an Hot Spots, offensichtliche Lösungen.“
Absolute Games (Wertung: 5 von 10)
Und weil es so schön war: 2002 bildeten die Adventures Balones y Patadones („Bälle und Schüsse“) und Mamelucos a la Romana („Mamelucken in Rom“) den Zyklus La Banda de Corvino („Die Corvino-Bande“). Diesmal müsst ihr euch in Gestalt der T.I.A.-Agenten in die Spiele der Fußballweltmeisterschaft einschleusen, um die bösen Pläne des berühmten Mafiabosses Vito Corvino zu vereiteln. Dieser hat im Stadion vier Bomben platzieren lassen, die von euch entschärft werden müssen. Danach müsst ihr den Corvino nach Rom verfolgen, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen.
Pressespiegel: La Banda de Corvino
Hier waren die Wertungen leicht besser als beim Vorgänger und lagen bei etwa 6 von 10 Punkten. Im Juli 2003 urteilte Aventura y Cía:
„Kurzum, ein Abenteuer, das die internationalen Abenteuer der beiden Geheimagenten gut nutzt (wenn auch nicht optimal, denn bekanntlich kann alles verbessert werden), das ebenso einfach wie unterhaltsam und ebenso einfach wie gut gemacht ist.“
Aventura y Cía (Wertung: 6 von 10)
Im Februar 2005 lobte die russische Absolute Games die gelungene russische Lokalisierung inklusive guter russischer Sprecher und hinterließ dem Spiel das Fazit:
„Niedlich, aber nicht mehr.“
Absolute Games (Wertung: 6 von 10)


Unser gemeinsames Online-Rätseln war ja leider nicht so von Erfolg gekrönt. Vor allem, weil die Spielwelt für zwei Charaktere dann doch zu klein und es zu wenig zu entdecken gibt. Aber die Spannung, ob Du das Ding für uns spielbar kriegst: Unbezahlbar!
Ja, aber am Ende hat es dann doch funktioniert. Manchmal ist der Weg einfach das Ziel. 😉
Schade dass es nur das eine Adventure auf deutsch gibt…