Der Beitrag “Spiele-Check: Varney Lake – Schauergeschichte im Retro-Pixel-Look” erschien zuerst am 27.04.2023 auf GamersGlobal als User-Inhalt unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 DE DEED.

| Titel: | Varney Lake |
| Erscheinungsdatum: | 28.04.2023 |
| Plattformen: | Windows, MacOS, Switch, PS4, XBox One |
| Entwickler / Herausgeber: | LCB Game Studio / Chorus Worldwide Games |
| Homepage: | https://chorusworldwide.com/varney-lake/ |
Das kam unerwartet, aber es war natürlich meine eigene Schuld. Das kommt dann wohl davon, wenn man sich nur schöne bunte Pixelbilder anschaut, aber den dazugehörigen Beschreibungstext nicht richtig liest. Da saß ich also, mit einem Spiel aus einem Genre, das ich bis dahin ausschließlich mit purer Langeweile verband: der Visual Novel. Konnte das gutgehen?
Ja, durchaus. Ich hatte mich zwar auf ein „echtes“ Adventure gefreut, aber was mir die bereits zweite Geschichte aus der „Pixel Pulp“-Reihe von LCB Game Studio dann letztlich bot, hat mich tatsächlich ein wenig näher an das von mir immer gemiedene Genre gebracht. Aber was genau steckt denn hinter diesem „Pixel Pulp“ und was hat Varney Lake zu bieten?

Und es war Sommer
Es ist 1954. Doug, Christine und Brandon sind beste Freunde und verbringen ihre Sommerferien am Varney Lake. Sie liegen im Gras und suchen nach Formen in den Wolken. Sie gehen angeln, sie erkunden die Gegend, sie spielen Streiche. Sie schmieden Pläne, ihr Lieblings-Autokino vor dem Abriss zu retten. Es ist eine Zeit voller Abenteuer und auch die einer unausgesprochenen Jugendliebe.
Doch die Dinge werden komplizierter, als die drei Freunde in einer verlassenen Hütte einen alten Mann finden. Sie helfen ihm auf und schützen ihn vor dem Sonnenlicht, das ihm offenbar zu schaffen macht. Doch was ist das? Sind das Fangzähne? Natürlich, es ist ein Vampir! Zu ihrem Glück ist er ihnen dankbar und freundet sich sogar mit ihnen an. Aber es ist nicht leicht, einen Vampir als Freund zu haben.
Eine Coming-of-Age-Geschichte, in der Freunde auf etwas Gruseliges stoßen? Dem Kenner kommen jetzt vielleicht Erinnerungen an Stand By Me oder Es von Stephen King.

Lass uns ein Spiel spielen
Die durchaus charmante Geschichte, die offenbar an die aus dem letzten Jahrhundert bekannten Groschenromane angelehnt wurde, wird genreüblich mit Texteinblendungen am unteren Bildschirmrand erzählt. Ihr könnt zwischen englischen und deutschen Texten wählen, eine Sprachausgabe gibt es nicht. Dafür könnt ihr einstellen, wie schnell der Text den Bildschirm wieder verlässt. Die Bebilderung orientiert sich an der Pixeloptik der 1980er Jahre, mit stark begrenzter Farbpalette und häufig eingesetzten Dithering-Effekten.
Die meiste Zeit des Spiels werdet ihr Texte lesen und weiterklicken. So ist das nun einmal in diesem Genre. Zwischendurch entscheidet ihr euch für eine von mehreren Antwortmöglichkeiten und bekommt so die Gelegenheit, die Geschichte ein wenig mitzugestalten. Hinzukommen kleinere Minispiele: Unter anderem präsentiert euch Doug zwischenzeitlich seine neuen Spiel-Erfindungen, und ihr könnt entscheiden, ob ihr sie ausprobieren oder überspringen möchtet. Leider ist die Steuerung der Minispiele unnötig kompliziert geraten. Die zwischenzeitlichen Rätsel sind praktisch Selbstläufer, die euch nicht lange aufhalten werden.
Die Perspektive der Geschichte wechselt dabei häufig, so erlebt ihr die Geschehnisse aus den jeweiligen Augen der drei Freunde. Doch dies ist nicht alles…

1981 – Die Gegenwart
…denn es gibt noch eine zweite Zeitebene. 1981. Die Gegenwart (aus Sicht der Handlung). Hier springt ihr zum Beispiel auch in die Rolle von Lou Hill, einem paranormalen Ermittler. Offenbar wird Doug seit dem Sommer 1954 vermisst, und ihr möchtet aus der Perspektive von Lou herausfinden, was mit dem jungen Spiele-Erfinder vor fast 30 Jahren wirklich passiert ist. Ihr erhofft euch, die Wahrheit aus Jimmy und Christine herauszubekommen und trefft beide in einem Restaurant.
Ab hier wird fröhlich zwischen den Zeitebenen und den Charakteren hin- und hergewechselt, ohne das ihr das selbst bestimmen könnt.
Lou Hill ist derjenige, der die drei Pixel Pulp-Geschichten des ersten Bandes zusammenhalten wird. Seinen ersten Auftritt hatte er als Schriftsteller in Mothmen 1966. Den Abschluss der ersten Reihe wird Bahnsen Knights bilden und Lou Hill seinen (voerst?) letzten Auftritt als Detektiv bescheren. Im Hauptmenü könnt ihr übrigens kostenlos in die beiden anderen Spiele dieses Bandes für ein paar Minuten reinspielen.
Hinter den drei Spielen stecken der argentinische Schriftsteller Nico Saraintaris sowie der argentinische Künstler Fernando Martinez Ruppe.

Fazit

Varney Lake kann stolz von sich behaupten, dass es die erste Visual Novel ist, die ich nicht entnervt in die Ecke geworfen und sogar bis zum Ende erlebt habe. Das lag zum einen an der recht kurzen Spielzeit von unter zwei Stunden, zum anderen aber an der wirklich netten Geschichte und deren Retro-Präsentation.
Die Zielgruppe für diese Art von Spiel ist vermutlich relativ klein, aber wenn ihr Visual Novels oder Spielbücher generell mögt, gerne Texte lest und ein Faible für Coming-of-Age-Geschichten mit einem Schuss Horror habt, dann ist Varney Lake euer Spiel. Falls ihr dieses Genre bisher nicht mochtet, ihm aber noch einmal eine Chance geben möchtet, könnte es auch etwas für euch sein.
Hinweis für Steam-Deck-Besitzer: Ich konnte Varney Lake weitestgehend problemlos darauf spielen, nur manchmal wurde der Cursor für die Entscheidungen erst nach mehrmaligen Hoch- und Runterbewegen korrekt angezeigt.
- Visual Novel / interaktives Spielbuch für MacOS, Playstation 4, Switch, Xbox One
- Einzelspieler
- Für Anfänger bis Profis
- Preis: 9,99 Euro
- In einem Satz: Interaktive Schauergeschichte gepaart mit Coming-of-Age-Elementen
