In diesem aus fünf Episoden bestehenden Comedy-Adventure müsst ihr immer wieder die schiefgelaufenen Experimente und/oder Kochversuche eures Onkels ausbaden…

| Titel: | Uncle Lee’s Cookbook: Five Recipes for Disaster |
| Erscheinungsdatum: | 12.05.2026 |
| Plattformen: | Windows, MacOS, Linux |
| Entwickler / Herausgeber: | Relatively Painless Games / Dionous Games |
| Homepage: | https://www.dionous.com/ uncle-lees-cookbook/ |
Während ich an einem anderen, lang erwarteten „großen“ Adventure saß (Artikel folgt), erreichte mich eine Nachricht vom griechischen Publisher Dionous Games mit einem kleinen „Snack“: Uncle Lee’s Cookbook: Five Recipes for Disaster vom italienischen Studio Relatively Painless Games sollte laut Beschreibung fünf knackige Episoden aus dem Leben einer Teenagerin und ihrem „Verrückter Wissenschaftler“-Onkel bieten. Eine kleine Abwechslung kam mir durchaus gelegen, daher habe ich kurz reingeschaut – und habe das andere Spiel bis zum Ende der letzten Uncle-Lee-Episode links liegen gelassen. Okay, damit habe ich das Fazit ein wenig vorweggenommen, aber Uncle Lee’s Cookbook stellt auch gerne einmal die Regeln auf den Kopf, also mache ich da einfach mal mit.
Falls euch die Prämisse bekannt vorkommt, habt ihr vielleicht bereits die Freeware-Versionen der Episoden gespielt, die ihr auch jetzt noch auf itch.io direkt im Browser spielen könnt. Doch halt! Bevor ihr direkt dorthin wandert, möchte ich euch erklären, warum sich diese neu erschienene Compilation aller fünf Uncle-Lee-Spiele auch für euch lohnen kann.
Gefährliche Kochkünste…
Lee ist nicht nur ein genial-verrückter Wissenschaftler, sondern auch ein leidenschaftlicher Hobbykoch. Zum Leidwesen seiner Nichte Ines stellt sich das als eine gefährliche Kombination heraus. Seine Vorliebe für das Ersetzen von Zutaten, die er gerade nicht griffbereit hat, führt nämlich meist unweigerlich in eine Katastrophe. Und jede einzelne davon wird in einer der fünf Episoden ausführlich behandelt.

Nach dem Epilog, in dem ihr als Uncle Lee die Steuerung beigebracht bekommen habt, schlüpft ihr in Uncle Lee Strikes Again das erste Mal in die Rolle der fünzehnjährigen Ines. Ihr Onkel Lee hat versehentlich die „Quantenmechanik kaputt gemacht“ und ihr müsst ihm helfen, das wieder in Ordnung zu bringen. Die Episode ist sehr kurz, setzt aber den Ton für das, was in den nächsten Episoden noch auf euch zukommt. Die Rätsel sind speziell, aber witzig und fordern um die Ecke denken. Aber keine Angst: Ein mehrstufiges In-Game-Hilfesystem steht euch jeder Zeit zur Verfügung, falls ihr einmal einen Denkanstoß braucht.

In Once Upon A Möbius Strip geht es zurück in die Kindheit der damals zehnjährigen Ines. Sie muss dringend auf die Toilette, aber wieder einmal stehen ihr die Experimente ihres Onkels, der dabei auch noch in einen Aal verwandelt wurde, im Weg. Die Rätsel beziehen hier ihre Kuriosität hauptsächlich aus der Tatsache, dass die Räume ihres Hauses gerne einmal „Kopf stehen“. Außerdem wird die Vergangenheit von Ines in einem Gameboy-artigen Grünton präsentiert. Auch hier gilt: Kurz, aber unterhaltsam.

In der dritten Episode Not Enough Time erwartet euch ein waschechtes Zeitreise-Abenteuer. Eigentlich wollte Ines mit ihrem Onkel nur einen kleinen Entspannungsurlaub am Lake Fenfef machen, doch Lee sorgt natürlich wieder für Chaos und dafür, dass Ines auf sich allein gestellt in einem zeitreisenden Bus festsitzt. Dabei trifft sie „The Band“, einen glühenden „The Band“-Fan und ihren Hologram-Onkel. Eure Aufgabe ist es nun, das „Realitäts-Reparatur-Gerät“ wieder zum Laufen zu bringen, um diesem Zeitreise-Dilemma zu entkommen. Die Spielzeit ist hier schon deutlich höher und die Rätsel ausgefeilter – insgesamt eine deutliche Steigerung zu den ersten beiden Geschichten.

Episode IV: The Founders of [Redacted] setzt dem ganzen aber die Krone auf und ist für mich das Highlight dieser Kurzadventure-Sammlung. (Hier seid ihr dann sicherlich eine bis zwei Stunden beschäftigt.) Ines ist mittlerweile 19 Jahre alt und braucht etwas Abstand von ihrem Onkel. Außerdem möchte sie in Ruhe an ihrer Buchautoren-Karriere arbeiten. Sie beschließt also, sich auf das alte Familienanwesen in dem Örtchen [Redacted] („Geschwärzt“) zurückzuziehen. Natürlich kommt es anders, als sie sich das vorgestellt hat: Bevor sie Ruhe finden kann, muss sie sich nämlich erst einmal mit den Problemen von [Redacted] auseinandersetzen. Und diese sind zahlreich, unter anderem: Wieso hat der Ort keinen Namen mehr? Was haben die ganzen Leute in ihrem Haus verloren? Und was hat das mit den Geistern auf sich? Nicht nur die Aufgabenstellungen und deren Lösungen sind besonders einfallsreich, auch die Geschichte und die Charaktere sind hier meisterhaft miteinander verwoben. Ein Riesenspaß, wenn ihr absurde Comedy und abgefahrene Rätsel mögt und schon immer einmal Hexen-Zaubersprüche mit eurem E-Book-Reader auslösen wolltet!

Die fünfte Episode Triple Trouble rundet das Gesamtpaket wunderbar ab. Ines hat Geburtstag! Zu ihrem Zwanzigsten hat sich Onkel Lee etwas Besonderes ausgedacht. Natürlich ist das wieder nicht gut ausgegangen und er hat sich dabei verdreifacht. Nun hat es Ines auch noch mit einer Hexe und einem Cyborg-Aal zu tun! Mit Hilfe eines realitätsverändernden Buchs, in dem ihr mittels eurer Inventargegenstände die Regeln der Realität mitbestimmen könnt, dürft ihr nun wieder den Scherbenhaufen aufkehren. Dabei wolltet ihr an eurem Ehrentag doch einfach nur eure Ruhe… Die Spielzeit dieser Episode ist wieder etwas kürzer als zuvor.
…aber lecker!

Die fünf Katastrophen-Rezepte sind technisch sehr sauber umgesetzt und lassen sich sowohl mit einem Controller / Steam Deck (direkt und mit Knopf zum Hotspot-Durchschalten) als auch mit einer Maus nahezu perfekt steuern. Mir gefällt vor allem, dass ihr einen Inventargegenstand direkt über Hotspots auf dem Bildschirm oder andere Inventargegenstände ziehen könnt und euch das Symbol direkt verrät, ob eine Interaktion möglich ist – ohne Klicken zu müssen! Zudem unterscheidet das Spiel zwischen Hotspots mit und ohne Interaktion. Wenn ihr Hotspots nur anschauen könnt, erscheint die Beschreibung direkt beim Mouseover, nur bei einer Aktion müsst ihr klicken. Die rechte Maustaste braucht ihr also nur, um Dialoge abzukürzen.

Zum bereits gelobten Hilfesystem gesellt sich die mittlerweile fast nicht mehr wegzudenkende Hotspot-Anzeige, obwohl ihr auch ohne sie kein Pixelhunting hättet befürchten müssten. Ebenfalls punkten kann der relativ grobe, aber dennoch schicke Pixel-Stil, mit dem die Episoden in Szene gesetzt wurden. Doch vor allem die englischen Sprecher, die exklusiv in dieser Sammlung und nicht in den Freeware-Spielen zu hören sind, lassen die Charaktere erst so richtig zum Leben erwecken. Jede Rolle ist gut besetzt und bietet einen echten Mehrwert. Die Musik (inklusive Live-Auftritte der „Band“) sowie die Soundeffekte passen perfekt zur Comedy-Stimmung und erinnern zusammen mit der Comic-Grafik schon fast an seelige 90er-Jahre-Lucas-Arts-Zeiten. Eine deutsche Übersetzung gibt es allerdings nicht. Die Texte sind nur auf englisch oder italienisch vorhanden.
Fazit

Es kommt relativ selten vor, dass ein Spiel genau mein Humorzentrum trifft, aber den drei Italienern von Relatively Painless Games ist es mit Uncle Lee’s Cookbook: Five Recipes for Disaster sehr gut gelungen! Hinzu kommt das geniale Rätseldesign, die äußerst gelungene technische Umsetzung, die tolle Pixel-Grafik, der stimmige Soundtrack und die exzellenten englischen Sprecher. Vielleicht bin ich gerade noch ein wenig im Uncle-Lee-Fieber, aber was soll’s: Allein schon für die vierte Episode zücke ich den euphorischen Gorilla!

Warum solltet ihr also nun die Sammlung kaufen anstatt einfach die Freeware-Episoden zu spielen? Das Hauptargument ist die sehr gute Synchronisation, aber auch die technische Überarbeitung solltet ihr nicht unterschätzen. Es spielt sich nicht nur flüssiger, sondern bietet euch auch Komfortfunktionen, auf die ich persönlich nicht verzichten wollen würde. Und auch wenn die Spielzeit für alle Episoden bei unter vier Stunden liegt, ist der Preis von um die 10 Euro aus meiner Sicht mehr als gerechtfertigt!
Uncle Lee’s Cookbook: Five Recipes for Disaster ist aber nichts für euch, wenn ihr mit dem Humor nichts anfangen könnt (schaut euch dazu am besten den Trailer unten an) oder keine knackigen und abgefahrenen Rätsel mögt. Eine tiefgründige Geschichte dürft ihr in diesem Comedy-Adventure natürlich auch nicht erwarten. Habt ihr aber Spaß an nerdiger Science-Fiction-Comedy mit passenden physikalische-Gesetze-aushebelnden Rätseln und sympathisch-chaotischen Charakteren, dann solltet ihr euch Uncle Lee’s Cookbook: Five Recipes for Disaster nicht entgehen lassen! Wer übrigens gerne auf Steam (und DRM) verzichten möchte, wird auch auf itch.io und (bald) auf gog.com fündig.

Ah, sehr schön. Ein paar der Episoden von Ines und Uncle Lee hab ich schon gespielt, aber eine Sprachausgabe ist schon was Feines. Da bekommen die sympathischen Entwickler wohl noch etwas Geld von mir. ^^
Danke für den Test. 🙂
Wow, das sieht toll aus. Die Spielzeit spricht mich auch an. Danke für den Test.