Truck Driver: The Dutch Connection

Leben auf der Überholspur? Ach, wer will das schon. Wer ein gemütlicheres Leben auf der rechten Spur sucht, könnte bei Truck Driver: The Dutch Connection fündig werden. Auch wenn es nicht unbedingt ein Zuckerschlecken ist, als Lastwagenfahrer einen Auftrag nach dem anderen abzuarbeiten. Aber da das Spiel in der Zukunft spielt, sind bestimmt wahnsinnig innovative Unterstützungs-Programme an Bord der Maschine. Schauen wir uns das mal an.

Inhaltsverzeichnis

Die Zukunft

Die Niederlande 2027. Der amerikanische Trucker Felix hat den Sprung nach Good Old Europe gewagt, um hier seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Frau und Kinder blieben in den USA zurück. Seine Fahrten teilen ihm zwei Funkstimmen zu, die sich einfach nur Dispatcher A und Dispatcher B nennen. Es handelt sich um in der Spielwelt um KIs, die Felix (und später auch Lucas) mit passenden Aufträgen versorgen, die sich angeblich an der aktuellen Position des Lasters und unserem Ruf orientieren. Welchen Sinn dieser kleine Sprung in die Zukunft spielerisch macht, wird nicht so recht klar. Selbstfahrende Autos und Künstliche Intelligenz gibt es auch 2026 – und beim Erscheinen des Spiels 2025 gab es das ebenso. Aber nun gut.

Die Spielwelt von Truck Driver: The Dutch Connection bemüht sich erst gar nicht, reale Vorbilder abzubilden. Stattdessen sei die Umgebung „inspiriert“ von niederländischen Landschaften. Das bedeutet: Wasser, Windräder und Windmühlen. Während die Häuser und Autos alle etwas unspektakulär aussehen, zeigt die Unreal-Engine bei den Wetter-Effekten ihr Können. Wenn der Regen auf die Straße prasselt, fühlt sich das richtig schön ungemütlich an. Unschön dagegen: Tag- und Nachtwechsel geschehen recht rapide. Es ist schwer, mal wirklich den Sonnenunter- oder aufgang zu genießen.

Die Niederlande scheinen ein raues Pflaster zu sein: Alle Nase lang stehen Polizisten am Straßenrand und Feuerwehrautos rasen im Verkehrsfluß mit Blaulicht und 50 km/h über den Asphalt. In bewohnten Gegenden laufen vereinzelt Fußgänger an uns vorbei und nachts zeigen beleuchtete Fenster an, dass Leben existiert, doch ich hatte nie das Gefühl, in einer bevölkerten Gegend zu sein.

Das Trucker-Leben dreht sich natürlich rund um Fahrten von A nach B. Haben Felix oder Lucas den jeweiligen Auftrag angenommen, führt das Navi sie sicher zum Ziel. Ampeln, andere Verkehrsteilnehmer und Geschwindigkeitsbegrenzungen sollte man dabei beachten, denn Unfälle sind teuer und beschädigen zusätzlich den LKW. Wer eine Ampel überfährt, ist ebenfalls 200 Euro los. Auf Autobahnen oder Landstraßen ist das alles noch kein Problem, doch leider neigt der niederländische Verkehr zu Verklumpungen und anderen Verkehrspannen. Die Autos schleichen mit 60 km/h über die Autobahn, und an Kreuzungen bleiben sie gerne mal stehen und blockieren dann die anderen Verkehrsteilnehmer. Irgendwann ist man als Trucker so verzweifelt, dass man die Autos beiseite rammt. Kostet zwar Geld, aber immerhin löst sich das jeweils getroffene Auto auf und ich komme wieder ein Stück weiter.

Doch der Mensch lebt nicht von Benzin allein: Unser Trucker muss auf seine Gesundheit achten und regelmäßig schlafen. Auch für sein leibliches Wohl will gesorgt sein. Bedeutet das im realen Leben, dass der Trucker auf einem kleinen Autobahn-Parkplatz die Fernsehantenne aus dem Fenster hängen lässt und ein Pausenbrot isst, muss er in Truck Driver: The Dutch Connection dafür eigens in einem Hotel einchecken und sich bei einem Bäcker / Supermarkt / was-auch-immer versorgen. Leider liegen diese Punkte nicht immer gut platziert an der Route, so dass Umwege der Regelfall sind. Wird unser Fahrer während der Fahrt müde oder zu hungrig, verschwimmt seine Sicht in immer kürzeren Abständen und erschwert die Fahrerei.

Zwischen den Aufträgen wird die Geschichte von Felix und dem jungen Fahrer Lucas erzählt. Während der Amerikaner schon seit Jahrzehnten auf der Straße zuhause ist, baut sich Lucas seinen Ruf erst noch auf. Klar ist die Story getränkt mit Trucker-Romantik, aber ein wenig Abwechslung schadet dem Spiel nicht und durch diese Häppchen werden auch einige Mechaniken wie Reparaturen anschaulich erklärt.

Während der Fahrten vertreibt sich Felix die Zeit mit Telefonaten. Seine Frau ist offensichtlich nicht glücklich damit, dass er nun auf der anderen Seite des Erdballs über die Straßen gondelt. Und dass die gemeinsame Tochter nun ebenfalls Truckerin geworden ist, war so auch nicht geplant.

Lucas‘ Mutter ist mit der Berufswahl ihres Sohnes ebenfalls nicht einverstanden und sähe ihn lieber als Anwalt. Doch ein Mann muss nun mal tun, was ein Mann tun muss. Und das ist in seinem Fall ein MeTube-Kanal, den er während der Fahrt bespielt und aus seinem Trucker-Dasein berichtet. Sehr gut, weil seine Erzählungen notfalls das dudelige Radio übertönen, wenn ich es mal aus Versehen eingeschaltet haben sollte. Lasst es bitte direkt aus und lauscht dem kräftigen Motorengeräusch.

Das eigentliche Fahren, Herzstück jeder Lkw-Simulation, hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Neben der oben erwähnten fehlerhaften Verkehrs-KI ist auch der eigene Laster nicht frei von Fehlern. Einerseits fühlen sich die Trucks angenehm schwer an, das Lenken erfordert Aufmerksamkeit, und Wetter sowie Tag-Nacht-Wechsel sorgen für Atmosphäre. Andererseits leidet die Fahrphysik unter spürbaren Inkonsistenzen. Bei höheren Geschwindigkeiten wirkt das Handling plötzlich schwammig und trudelt das Fahrzeug erst einmal, bekomme ich es nicht mehr eingefangen – außer, ich lasse den Laster ausrollen.

Am Ende bleibt ein Spiel, das viel will und wenig konsequent umsetzt. Truck Driver: The Dutch Connection ist weder die entspannte Simulation für Puristen noch ein narratives Erlebnis. Wer bereit ist, über fragwürdige Designentscheidungen und eine leere Spielwelt hinwegzusehen, findet dennoch einen entschleunigten Roadtrip mit eigenwilligem Charme. Für mich ist es allerdings nichts. Teilweise gondle ich 15 Minuten über die Straßen von A nach B und wundere mich sekündlich über die anderen Autofahrer. Okay, das kann mir natürlich auch auf dem Weg zur Arbeit passieren, aber hier ist es auffälliger.

Aktuell kann man noch das Weihnachts-Update spielen, in dem Felix‘ Tochter statt der KI-Disponenten mit ihrem Vater spricht. Soedesco ist also weiterhin dran am Spiel. Eventuell schafft die Firma es auch noch, die fehlerhaften deutschen Bildschirmtexte auszutauschen: Während die Dialoge gut (text-)übersetzt wurden, passen die deutschen Begriffe nicht in die Menüs und auch die eingeblendeten Anweisungen sind praktisch jedes Mal im besten Falle holprig, meistens aber schlicht falsch übersetzt.

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Über Jürgen

Geschichts- und Musik-Liebhaber mit einer Schwäche für viel zu lange Computerspiele. Der Werdegang CPC - Pause - PC und Konsolen sorgt dafür, dass ich noch so viele schöne alten Perlen entdecken darf.

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4 Comments on “Truck Driver: The Dutch Connection”

  1. Ich habe ja schon den Euro Truck Simulator gespielt. Wenn du schreibst, das hier getestete Spiel inspieriert sich an den Niederlanden/Holland, wo kommen dann die Berge da her, auf die man da zu fährt? 😀 Frage für einen Freund.

    1. Ich zitiere die hervorragende Band Nits: I met a miller on the back of a cow / He was looking for the wind but he didn’t know how / I said: Follow the cloud that looks like a sheep / In the Dutch mountains

      1. Und ich zitiere mal die großartigen Kläuse – Klaus und Klaus:

        Die Seehunde singen ein Klagelied /
        Weil sie nicht mit dem Schwanz wedeln können, so’n Schiet /
        Die Schafe, sie blöken wie blöd auf dem Deich /
        Und mit schwarzgrünen Kugeln garnier′n sie ihn gleich.

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