Der Beitrag “Spiele-Check: Three Minutes to Eight – Cyberpunk-Zeitschleifen-Experiment” erschien zuerst am 09.11.2023 auf GamersGlobal als User-Inhalt unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 DE DEED.

| Titel: | Three Minutes To Eight |
| Erscheinungsdatum: | 23.10.2023 |
| Plattformen: | Windows, MacOS, Linux, PS4, PS5, XBox One, XBox Series X|S, Switch, Android, iOS |
| Entwickler / Herausgeber: | Chaosmonger Studio / Assemble Entertainment |
| Homepage: | https://threeminutestoeight.com/ |
Fast klingt es wie eine Entschuldigung: „Dieses Spiel entstammt meinen wirren Gedanken, die ich im Halbschlaf aufgeschrieben habe. Es soll den Grenzzustand widerspiegeln, den der Geist beim Übergang in den Schlaf einnimmt…“
Zumindest sinngemäß entspricht dies der Texttafel, die euch beim Spielstart erwartet. Offenbar war es dem Entwickler Nicola Piovesan mit seinem Chaosmonger Studio sehr wichtig, diese „Warnung“ vorab an den Spieler zu schicken. Und tatsächlich: Sein neuestes Werk Three Minutes to Eight ist weniger, wie man durch seine vorherigen Spiele wie Encodya zunächst annehmen könnte, ein Point-and-Click-Adventure, sondern eher ein Experiment, das die Grenzen eines erzählerischen Spiels ausloten soll.

Ich bin dann mal tot
Immer wieder wacht unser Protagonist um 19:33 Uhr an einem frühen Dezember-Tag im Jahr 2043 aus seinem Schlummer auf. Und immer um 19:57 Uhr stirbt er. Sei es etwa durch einen Unfall oder einen Anschlag, der Tod scheint für ihn unausweichlich zu sein. Im nächsten Moment wird er wieder quicklebendig wach und es ist 19:33 Uhr. Solche Zeitschleifen-Geschichten sind nicht neu, einer der bekanntesten Vertreter ist wohl die 1993er-Filmkomödie Und täglich grüßt das Murmeltier.
Ihr habt es erraten: Eure Aufgabe ist es, aus der Zeitschleife zu entkommen und euren Tod zu verhindern. Dazu steuert ihr die namenlose Spielfigur wie in einem Point-and-Click-Adventure durch die im Pixel-Look gehaltene Cyberpunk-Großstadt-Kulisse. Dies funktioniert sowohl mit der Maus als auch mit dem Gamepad (oder auch mit dem Steam Deck) ordentlich. Spielmechanisch vergeht nur dann Zeit, wenn ihr von einem Ort zum anderen geht oder wenn ihr eine Zigarette raucht. Abgesehen davon könnt ihr euch beispielsweise auf der Straße vor eurer Wohnung beliebig lange aufhalten, ohne Angst vor einem plötzlichen Tod haben zu müssen.

Die größte Stärke kann auch die größte Schwäche sein.
Die Idee hinter dem Spiel mag ich sehr, und trotz eines Überangebots an Zeitschleifen-Stories bin ich immer gerne wieder mit dabei, wenn eine neue erscheint. Die Zeitschleife in Three Minutes to Eight macht das ganze Spiel zunächst einmal spannend und wirft etliche Fragen auf: Wer seid ihr überhaupt? Wer sind die Menschen und Roboter, denen ihr begegnet und was haben sie vor? Was hat die Zeitschleife verursacht? Was explodiert da jeden Abend um die gleiche Zeit? Und warum sterbe ich immer um drei Minuten vor acht?!
Die Antworten müsst ihr euch nach und nach erarbeiten. Sie sind nicht immer klar ausformuliert, und je nachdem wie ihr an die Aufgaben und Puzzles herangeht, führen sie zu unterschiedlichen Ausgängen. Solltet ihr es tatsächlich schaffen, die Zeitschleife zu durchbrechen, schaltet ihr eines der zehn möglichen Enden frei. Das Problem dabei ist allerdings: Ihr werdet gewisse Dinge immer und immer wieder tun müssen, auch wenn sich diese von „Run“ zu „Run“ marginal unterscheiden. Die Gespräche mit den NPCs sind besonders wichtig, aber nach der x-ten Wiederholung machen sie leider auch weniger Spaß, selbst wenn ihr hier und da durch vorherige Aktionen weitere Dialogoptionen freigeschaltet habt. Immerhin lässt euch das Spiel bei jeder Reinkarnation einen Gegenstand aus eurem Inventar mit in euer nächstes Leben nehmen, was euch ein wenig redundante Klickarbeit sparen kann.

Ist das Kunst oder kann das weg?
Wie eingangs erwähnt, ist Three Minutes To Eight ein Experiment. Und auf gewisse Art erreicht es auch das Ziel, das der Autor zu Spielbeginn formuliert hat. Wenn ich zum Beispiel immer wieder in mein Appartement hinein- und hinausspaziere, lande ich wie in einem Traum plötzlich an einem anderen Ort, der „eigentlich“ gar nicht da sein sollte. Solche und andere Aha-Momente sind die Highlights dieses Spielerlebnisses und lassen mich nachvollziehen, dass die Ideen dafür aus dem künstlich herbeigeführten Zustand „am Rande des Bewusstseins“ stammen.
Leider werden die Momente dadurch erkauft, dass ihr immer wieder die gleichen wenigen Orte besucht (außer eurem Wohnhaus und der Straße davor gibt es da nicht mehr viel), die gleichen Gespräche führt und die gleichen Dinge macht. Dabei bleibt die Geschichte so abstrakt, dass es mir nach wenigen gefundenen Enden schwer fiel, noch Interesse für die weiteren Enden aufzubringen. In diesem Fall hätte mir wohl eine stringente, spannend erzählte Geschichte besser gefallen, als die fragmentierten Kurzgeschichten, die ich mehr oder weniger nur durch „Rumprobieren“ entdeckt habe. Passenderweise wird nämlich Rätsellogik hier nicht besonders groß geschrieben.
Die englische Sprachausgabe ist gelungen, optional könnt ihr euch eine deutsche Textübersetzung einschalten. Es gibt drei Speicherslots, bei einem Ortswechsel wird automatisch gespeichert.

Fazit

Zunächst war ich sehr gespannt, wie der Autor die Zeitschleifen-Thematik umgesetzt hat. Letztendlich wurde ich dann aber doch aus den oben angeführten Gründen enttäuscht. Die im Pixel-Style gehaltene Grafik mit „modernen Effekten“ hat mir zwar ganz gut gefallen, aber nach einer gewissen Zeit hatte ich mich an den immer gleichen Orten satt gesehen und mir weitere Schauplätze gewünscht. So sehr ich dieses Zeitschleifen-Experiment in der Theorie gemocht habe, umso mehr habe ich beim Spielen dann doch ein klassisches Adventure mit einer durchdachten Storyline, die mich vorne vorne bis hinten durchs Spiel bringt, gewünscht.
- Gedankenexperiment für PC
- Einzelspieler
- Für Anfänger bis Experten
- Preis: 14,99 Euro
- In einem Satz: Interessanter Zeitschleifen-Ansatz mit wenig interessantem Gameplay.
