The Will of Arthur Flabbington

Der Beitrag “Spiele-Check: The Will of Arthur Flabbington – Geistreiche Kopfnüsse” erschien zuerst am 21.11.2023 auf GamersGlobal als User-Inhalt unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 DE DEED.

Vor zwei Jahren entstand das erste Kapitel von The Will of Arthur Flabbington als Beitrag zum AdventureX Jam 2021. Der Entwickler Fabio „Guga“ Guggeri war mit seinem Label Gugames schon da kein unbeschriebenes Blatt mehr und hatte bereits einige kleine Adventure-Häppchen für die Indie-Adventure-Szene zubereitet. Nun präsentiert er sein erstes Hauptgericht und hofft auf viele interessierte Spieler, die Appetit auf ein witziges Adventure in voller Länge haben, gewürzt mit einigen Kopfnüssen und verfeinert mit einer geistreichen Geschichte. Ich habe mich durch die drei Akte des Pixel-Adventures gerätselt und verrate euch in diesem Check, ob mir das Gericht geschmeckt hat oder ob ich stattdessen eher das eine oder andere Haar in der Suppe entdeckt habe.

Die Geister, die ich rief

Arthur Flabbington hat das Zeitliche gesegnet und dabei die Unverschämtheit besessen, seinem Neffen Jack Flabbington gar nichts zu hinterlassen! Als er dann noch erfahren muss, dass der zweien seiner Freunde einen mysteriösen Schatz vermacht hat, beschließt Jack, dass er der rechtmäßige Erbe der vermuteten Reichtümer des Onkels sein sollte. Um das mit dem Verstorbenen zu besprechen, wendet ihr euch in der Rolle von Jack an ein Medium. Die Séance, um Arthur wieder in die Welt der Lebenden zu holen, geht allerdings schief, sodass ihr ab sofort einen anderen Geist namens Arthur an der Backe kleben habt, und dieser findet das gar nicht lustig.

Soviel zum ersten Akt der Geschichte, in den folgenden beiden Akten werdet ihr sehr viele Gegenstände sammeln, einige Orte häufig wiederbesuchen, Rätsel lösen, Gespräche führen, euch an euren Geisterbegleiter gewöhnen (und er sich an euch) und schlussendlich den Familienschatz bergen. Oder doch nicht? Das findet ihr am besten selbst heraus.

Von allen Geistern besessen

Die meiste Zeit werdet ihr von Arthur dem Geist begleitet. Ihr könnt dann entschieden, ob ihr Jack oder Arthur steuern möchtet. Schließlich haben beide unterschiedliche Begabungen. Die von Arthur werden sogar noch ausgebaut, so dass ihr später von Personen Besitz ergreifen könnt, um diesen euren Willen aufzuzwingen. Ein wenig erinnert das an die Blackwell-Spiele, auch wenn der Ton hier deutlich humorvoller ist, als beim Indie-Adventure-Klassiker von Wadjet Eye. Zudem dient Arthur als eine Art Quest-Log. Alle offenen Aufgaben könnt ihr im Gespräch mit ihm noch einmal durchgehen. Eine richtige Lösungshilfe ist das zwar nicht, aber zumindest kann es euch helfen, wieder auf die richtige Spur zu kommen.

Denn besonders Akt 2 bietet euch etliche parallele Rätselketten und eine Menge Gegenstände, so dass ihr hier schnell den Überblick verlieren könntet. Manche Lösungen liegen auch nicht immer sofort auf der Hand und fordern von euch eine Menge Gehirnschmalz. In Akt 3 wird es dann zwar wieder etwas übersichtlicher, die Rätsel bleiben aber knackig. Dieser Ansatz erinnert dann eher an die Klassiker aus den 1990ern als an die moderneren Adventures aus den letzten Jahren, die mehr Wert auf Spielerführung gelegt haben.

Technische Umsetzung

Die Jam-Version entstand damals mit dem Unity-Adventure-Tool PowerQuest, das auch bei der jetzt erschienenen Vollversion zum Einsatz kommt. Sie enthält italienische und englische Texte sowie eine englische Sprachausgabe, die über eine Kickstarter-Kampagne finanziert wurde. Für das Stretch-Goal „deutsche Übersetzung“ fehlten der Kampagne am Ende 3.280 Schweizer Franken.

Wie den Screenshots unschwer zu entnehmen, hat sich Guga in Sachen Grafik für einen klassischen Pixel-Look entschieden. Diesen mischt er mit einer durchdachten, modernen Zwei-Tasten-Maus-Steuerung, verzichtet allerdings auf eine Hotspot-Anzeige. Meist könnt ihr per Übersichtskarte schnell zwischen den Lokalitäten wechseln. Die Musik plätschert im Hintergrund vor sich hin und hat hier und da leichtets Potential zu nerven, wenn man im Spiel nicht weiterkommt. Dafür ist die englische Sprachausgabe durchweg gelungen.

Fazit

Wer endlich einmal wieder ein knackiges Adventure mit echten Kopfnüssen sucht, der sollte sich The Will of Arthur Flabbington ansehen. Leider gibt es (noch?) keine deutschen Texte, geschweige denn eine deutsche Sprachausgabe. Mich hat das Spiel etwa 7 bis 8 Stunden auf Trab gehalten, bis ich das Ende sehen konnte. Ein gewisser Wiederspielbarkeitsweit ist auch vorhanden, denn auf Steam gibt es einige Achievements, die man durch das Lösen optionaler Rätsel oder andere Dinge freischalten kann.

Unter dem Strich hat mir das Spiel gut gefallen, vor allem die flapsigen Kommentare von Arthur, dem Geist. Allerdings sollte euch bewusst sein, dass die beiden Protagonisten nicht gerade Sympathieträger sind. Bei den Rätseln hätte ich den einen oder anderen Hinweis mehr innerhalb des Spiels gebrauchen können, um an bestimmten Stellen schneller auf die Lösung zu kommen.

  • Klassisches Pixel-Point-and-Click-Adventure für PC, MacOS und Linux
  • Einzelspieler
  • Für Fortgeschrittene bis Experten
  • Preis: 11,79 Euro
  • In einem Satz: Knackige Kopfnüsse, verpackt in einem klassischen Point-and-Click-Adventure mit Pixel-Grafik und schwarzem Humor.
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Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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