Homebrew: The Trial of Kharzoid (NES)

The Trial of Kharzoid verbindet das Breakout-Gameplay mit einem Metroidvania. Wie sich die ungewöhnliche Genre-Kreuzung auf dem betagten NES schlägt, erfahrt ihr im Artikel.

Welches Genre wurde eigentlich noch nicht mit einem Metroidvania gekreuzt? Egal ob Pinball, Shoot ’em Up, Pachinko oder gar Echtzeitstrategie – neben den klassischen Plattformern gab es bereits zahlreiche geglückte Experimente, das Metroidvania-Gameplay mit anderen Genres zu kreuzen. Die Mischung aus Breakout und Metroidvania habe ich allerdings auch noch nicht gesehen. Eine kurze Online-Recherche bringt mir auch keine Ergebnisse. Da hat der Entwickler Pascal Bélisle, der drei Jahre an The Trial of Kharzoid gewerkelt hat, offensichtlich eine Marktlücke geschlossen. Die Frage bleibt nur: Ist es auch gut geworden?

Mit dem Totenschädel durch das düstere Labyrinth

Wie für ein 8-Bit-Spiel üblich, passt die Geschichte des Spiels nicht mal auf den berüchtigten Bierdeckel: Ein dämonischer Zauberer namens Kharzoid hat das Land Xyleria unterjocht. Seine Lieblingsbeschäftigung: Seelen den menschlichen Körpern zu berauben und an Totenköpfen zu binden. Das geschieht auch dem Helden des Spiels, den es nun gilt, als Totenkopf durch die labyrinthartige Spielwelt zu lotsen.

Wir beginnen auf einem Friedhof, in dem uns die Grundlagen erklärt werden: Um zum nächsten Bildschirm zu kommen, müssen genretypisch alle Steine zerstört werden. Erst dann öffnet sich der Zugang zum nächsten Bildschirm. Das Leveldesign der Breakout-Levels ist dabei sehr abwechslungsreich, so gibt es zahlreiche Levels mit mehreren Paddles – etwa in der Mitte, an der Seite oder auch oben. Ihr habt anfänglich vier Herzen zur Verfügung, und fliegt der Totenkopf in Stacheln, verliert ihr ein Herz. Das Leveldesign wurde an dieser Stelle stark von HALs Breakout-Ausflug Kirbys Block Ball inspiriert, was eine gute Sache ist, da dieses Spiel seit Jahrzehnten zu meinen liebsten Genrevertretern gehört.

Es gibt jedoch auch Neuerungen. Die wichtigste: Mit den Knöpfen A und B habt ihr Zugriff auf Spezialfähigkeiten. Insbesondere der Magnet, den ihr von Anfang an habt, erweist sich als sehr nützlich, da ihr mit diesem die Flugrichtung relativ zur Position eures Paddles beeinflussen könnt. Meistert diese Mechanik unbedingt, denn sie wird euch zahlreiche Levels stark vereinfachen. Des Weiteren entdeckt ihr während des Spiels weitere Fähigkeiten, etwa eine, um euren Paddle schneller bewegen zu können. Mit der Select-Taste habt ihr Zugriff auf ein Menü um eure gesammelten Fähigkeiten zu wechseln. Viele Levels beinhalten auch Gegner. Zum einen diese Art von Gegner, die euch einfach nur im Weg rumstehen, fieser sind jedoch Spinnen, deren Netze eure Paddles stark ausbremsen.

Wie gesagt, habt ihr ein Breakout-Level gemeistert, könnt ihr zum nächsten Bildschirm – und hier kommt die Metroidvania-Mechanik ins Spiel: Ihr könnt aussuchen, wo ihr hinwollt – nach Norden, Süden, Osten und Westen. Ihr müsst dabei die Levels nicht immer wieder erneut spielen; ein Druck auf den Start-Knopf gibt euch die Möglichkeit, zum nächsten oder vorherigen Bildschirm zu gehen – wichtig für das Backtracking im Spiel. Denn neben den klassischen Levels gibt es auch Dörfer, in denen euch Einwohner Quests geben oder Upgrades verkaufen. Mit diesen öffnet ihr Wege, die bis dahin noch unzugänglich waren, oder bekommt Hilfsmittel, um die Rätsel des Spiels zu lösen, die weitere Fähigkeiten, mehr Lebenspunkte und Upgrades freischalten.

Auf diese Weise navigiert ihr durch das Labyrinth – von Tempelanlagen über Wälder bis hin zu Ruinen. Die Spielwelt ist thematisch düster gehalten, trotzdem erfreulich farbenfroh – insbesondere in den Breakout-Leveln, von denen es über 80 im Spiel gibt. Das finde ich persönlich schön, da so auch die grafische Abwechslung gewahrt bleibt. Das Pixeldesign selbst ist sehr stimmig, und grafisch wurde hier durchaus einiges aus der betagten 8-Bit-Konsole rausgeholt. Durch die Upgrades für den Totenkopf, das Paddle und eure Lebenspunkte kommt eine schöne Progression ins Spiel. Wer fleißig die Spielwelt erkundet und alle Rätsel löst, hat es bei den Bossgegnern natürlich auch einfacher.

Fazit

The Trial of Kharzoid ist nicht nur ein herausragendes Homebrew-Spiel für das NES, darüberhinaus hat der Entwickler auch die Genres Breakout und Metroidvania zu einem stimmigen Gesamtbild zusammengeführt. Das Erkunden macht – auch dank der geschmackvollen Grafik, in dem die Farbpalette des Systems gut ausgenutzt wird – sehr viel Spaß. Die Aufgaben sind kreativ, genauso wie das Leveldesign der über 80 Breakout-Levels.

Das Spiel bekommt ihr exklusiv für 10 kanadische Dollar (das sind aktuell rund 6,40€) auf itch.io. Die Rom-Datei öffnet ihr normal im Emulator (der Emulator Mesen wird dringend empfohlen!) oder könnt es auch per Everdrive-Modul auf einer realen Konsole abspielen. In den letzten Monaten gab es auch eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne für eine physische Version, die ist aktuell jedoch ausverkauft. Vielleicht gibt es irgendwann mal wieder eine neue Kampagne. Zudem soll eine Version für Steam im Laufe des Jahres folgen.

Jedenfalls handelt es sich hier um eines der Highlights der Homebrew-Szene der letzten Jahre und jeder Fan des NES, aber auch des Breakout-Genres, sollte das Spiel unbedingt mal gespielt haben

Trailer zu The Trail of Kharzoid
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Über Nischenliebhaber

Ostdeutsches Videothekenkind der 90er Jahre. Liebt Spiele- und Retrokultur ebenso wie subkulturelle Musik aus aller Herren Länder und lange Spaziergänge durch dunkle Wälder des Erzgebirges.

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