Der Beitrag “Spiele-Check: The Night is Grey – Mystery-Adventure im dunklen Wald” erschien zuerst am 22.01.2024 auf GamersGlobal als User-Inhalt unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 DE DEED.

| Titel: | The Night is Grey |
| Erscheinungsdatum: | 05.01.2024 |
| Plattformen: | Windows, MacOS |
| Entwickler / Herausgeber: | Whalestork Interactive / Whalestork Interactive |
| Homepage: | https://whalestork.com/ |
In The Night is Grey werdet ihr zu Beginn des Spiels mitten in die Geschichte geworfen, also macht es dieser Check auch: Ihr irrt durch einen dunklen Wald, verfolgt von Wölfen. Wie ihr hierhin gekommen seid, ist zunächst unklar. Ihr stolpert in die Richtung naher Geräusche und landet auf einer Lichtung mit einer Waldhütte. Als ihr in die nur durch einen Kamin beleuchtete Behausung betretet, seht zu eurem Schrecken direkt in den Lauf eines Jagdgewehrs. Die Person, die die Waffe hält, stellt sich als kleines Mädchen heraus, das euch für ein Monster hält. Ihr stellt euch als Graham vor, das Mädchen heißt Hannah.
Nach den ersten kleinen Adventure-typischen Rätseln und mit etwas Überzeugungsarbeit gelingt es euch, das Vertrauen des Mädchens zu erlangen. Hannahs Mutter ist offenbar schon verdächtig lange verschwunden und ihr befürchtet, dass ihr etwas zugestoßen sein muss. Eure neue Aufgabe heißt nun: Aus dem Wald entkommen und Hannah vor den Wölfen retten, indem ihr sie zu ihren Großeltern am anderen Ende des Waldes bringt.

Cineastischer Thriller
Das 2018 gegründete Studio Whalestork Interactive nennt sein bereits vor vier Jahren angekündigtes Debüt-Spiel einen „cineastischen Thriller, erzählt mit der Mechanik eines Point & Click-Adventures“. Nicht ganz zu unrecht, denn es spielt sich wie ein typisches Adventure mit einer Zwei-Tasten-Maussteuerung (eine Aktions- und eine Ansehen-Taste), hat hübsch gezeichnete Hintergründe und flüssig animierte Charaktere. Diese bleiben allerdings stumm, eine Sprachausgabe gibt es weder bei den Multiple-Choice-Gesprächen noch in Zwischensequenzen. Zudem sind nur englische Texte enthalten, was zugegebenermaßen für ein Indie-Adventure in der heutigen Zeit nicht ungewöhnlich ist. Die musikalische Untermalung und die Geräuschkulisse tragen hingegen sehr zur erzeugten unheimlichen Atmosphäre bei.
Die Rätselketten bleiben recht überschaubar, so dass ihr vermutlich nicht häufig hängenbleiben werdet. Dabei hilft auch die Hotspot-Anzeige, die ihr über die Leertaste aktivieren könnt. Etwas schade fand ich, dass Graham sich größtenteils allein durch eine zwar hübsch gezeichnete, aber relativ langweilige und leere Gegend (Wald, Kanalisation, etc.) bewegt und dort häufig damit beschäftigt ist, Maschinenrätsel zu lösen, um den Weg frei zu machen.

Eher deprimierend als gruselig
Die Prämisse mag zunächst gruselig klingen, die Geschichte entpuppt sich aber eher als eine deprimierende Psycho-Studie des Hauptcharakters. Im Laufe des Spiels erlangt ihr tiefere Einblicke in den geistigen Zustand von Graham und erkennt, dass längst nicht alles so ist, wie es zunächst scheint. Die Entwicklung der Geschichte und vor allem die unterschwellig immer weiter eskalierende Darstellung des Protagonisten als psychisch labilen Charakter empfand ich als zu stereotypisch, wohlwissend, dass es ungemein schwierig ist, solche Figuren realistisch zu schreiben.
Das Spiel wird an einigen Stellen von Texttafeln, die aufgrund der fehlenden Sprachausgabe passenderweise an einen Stummfilm erinnern, unterbrochen. Diese enthalten wörtliche Rede à la „Du Nichtsnutz, niemand wird dich lieben!“ und zeigen damit relativ plump die Ursache für Grahams depressive Neigungen auf.
Depremierend fand ich zunächst auch, dass das Spiel weder auf meinem Steam Deck noch auf meinem Windows-Laptop laufen wollte, auf beiden Systemen ist es nach dem Logo gecrasht. Andere Benutzer beschwerten sich in den Steam-Foren über häufige Abstürze des mit Unity erstellten Spiels. Diese kamen an dem PC, den ich schlußendlich nutzen konnte, aber nicht vor.

Fazit

The Night is Grey hat mich nach etwas mehr als vier Stunden Spielzeit mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Die Inszenierung ist trotz fehlender Sprachausgabe gelungen, erzeugt bei mir aber weniger eine Horror- als eine depressive Stimmung. Die Darstellung von Grahams Geisteszustand sowie die Beziehung zu seiner kleinen Begleitung Hannah hat bei mir nicht so gezündet. Zu keiner Zeit gab es so starke Momente wie bei Lee und Clementine in The Walking Dead oder Joel und Ellie in The Last of Us. Die letzten Abschnitte der Geschichte hingegen sind clever platziert und regen zum Nachdenken an. Insgesamt ist das Adventure sicherlich nicht für jedermann geeignet. Ihr solltet euch auf Themen wie Gewalt gegen Schwächere, Depressionen, Mobbing, etc. einlassen können, keine große Abneigung gegen Maschinenrätsel haben und mit englischen Texten klarkommen.
- Point-and-Click-Adventure für PC und MacOS (geplant: Switch)
- Einzelspieler
- Für Einsteiger bis Fortgeschrittene
- Preis: 13,99 Euro
- In einem Satz: Hübsch anzusehende Point-and-Click-Tragödie von einem Mann, der sich seinen inneren Dämonen stellen muss.
