The NewZealand Story: Untold Adventure – KaPoTA?

In unserer Rubrik KaPoTA? (Keep and Play or Throw Away?) stellen wir uns genau diese Frage: Würden wir dieses Spiel vor Erreichen der magischen Zwei-Stunden-Grenze bei Steam behalten und weiterspielen, oder würden wir es lieber wieder loswerden? Heute mit: The NewZealand Story: Untold Adventure.

The NewZealand Story: Untold Adventure ist da – das Comeback von Tiki, dem kleinen Kiwi, den TAITO 1988 erschuf. Als farbenfroher 2D-Plattformer voller Herausforderungen und Nostalgie versprochen, lockte er mich sofort. Schließlich habe ich das Original auf dem NES und Amiga geliebt, stundenlang mit meinem Cousin gespielt und dabei jedes bisschen Frust über die klobige Steuerung, den One-Hit-Death und das fehlende Speichersystem in Kauf genommen. Nachdem die Leben durchgestorben waren, hieß es: Level von vorne. Genau diese Erinnerungen wollte ich neu erleben.

Modern?

Die große Enttäuschung ließ nicht lange auf sich warten. Die Grafik ist zwar „moderner“ als im Pixel-Original, aber „schön“ würde ich sie nicht nennen. Wie manche Spieler bereits treffend bemängelten, wirkt sie eher wie ein Flash-Game der frühen 2000er – mit diesem typischen, seelenlosen Vektor-Gradienten-Look, den man leider zu oft bei Low-Budget-Remakes der letzten Jahre gesehen hat. Die Hintergründe sind viel zu dominant und lenken vom eigentlichen Spielgeschehen ab; wo im Original reduzierte Pixel-Muster den Fokus auf die Action legten, wuchert hier visuelles Rauschen. Das erinnert an das Duck Tales Remaster. Wer braucht denn sowas?

Bei den Feinden ist jede Attacke animiert, und wer das Spiel kennt, weiß, dass diese eigentlich grenzenlos durch Portale in der Luft nachspawnen. Da kann es dann schon gewaltig zugehen, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Immerhin: Die Musik wurde gelungen ins 21. Jahrhundert transferiert.

Spaß?

Ein paar Levels habe ich durchgespielt, doch die erhoffte Nostalgie wollte sich einfach nicht einstellen. Der Spaß blieb auch aus. Im direkten Vergleich fühlte ich mich beim erneuten Anspielen des NES-Klassikers sofort wieder „zu Hause“. So perfekt wie in der Erinnerung ist das Original zwar auch nicht – aber die eigenen Erinnerungen füllen jene Lücken, die das Gameplay offen lässt.

Technisch gibt es durchaus Verbesserungen. Ein klarer Vorteil der neuen Version: Das Vogerl kann dreimal getroffen werden, bevor es stirbt (im Original war es nur einmal, was schon sehr gemein war). Auch die Logik, dass man Feinde berühren kann, ohne sofort zu sterben – nur ihre Geschosse sind gefährlich – wurde beibehalten. Der neue Vogel hüpft zudem höher, die Mechanik reagiert also etwas flüssiger. Die Levelstruktur wurde weitgehend vom Original übernommen, was alten Hasen die Orientierung erleichtert. Die Bosskämpfe sind jedoch oft etwas anders.

Keep and Play or Throw Away?

Man sieht den Entwicklern von bitobit an, dass sie sich Mühe gegeben haben, den Klassiker ins neue Jahrtausend zu retten und für neue Spieler zugänglich zu machen. Per se ist das Spiel also nicht „schlecht“. Aber mich hat es leider nicht abgeholt. Und ehrlich gesagt: Selbst das Original schafft es heute nicht mehr ganz, mich so zu fesseln wie damals. Vielleicht liegt es daran, dass manche Spiele einfach Produkte ihrer Zeit sind und keine noch so liebevolle Modernisierung diesen Zauber erzwingen kann.

Ein Remake mit gutem Willen, aber ohne Seele. The NewZealand Story: Untold Adventure ist kein Totalausfall, aber es verfehlt sein Ziel, die Magie des Originals einzufangen. Während technische Erleichterungen wie das Mehrfach-Leben-System begrüßenswert sind, wirken Grafikstil und Leveldesign unglücklich gewählt. Wer die echte Nostalgie-Dosis sucht, ist mit einem Emulator, wahlweise NES, Sega Genesis, Amiga, Atari oder PC Engine, besser bedient. Schade um das Potenzial – und schade um Tiki, der hier leider trotz neuem Gewande etwas farblos wirkt. Ein Teil 2 wäre wahrscheinlich der bessere Weg gewesen. Mein Urteil lautet daher: „Throw Away“.

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Über André Savetier

André hat zwei große Passionen: Musik und Adventure-Spiele. Für erstere fehlt leider die Zeit, aber ein Spielchen zwischendurch geht sich immer aus. Ein besonderes Interesse hat unser Österreicher an Adventure-Spielen, die etwas in Vergessenheit geraten sind, oder an solchen, die kaum jemand kennt.

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