Eine Detektivgeschichte, die in einem verlassenen Gruselanwesen in den 1940er Jahren spielt, klingt vielversprechend. Doch die Realität sieht manchmal anders aus, als erhofft.

| Titel: | The Last Case of John Morley |
| Erscheinungsdatum: | 27.11.2025 |
| Plattformen: | Windows |
| Entwickler / Herausgeber: | Indigo Studios / JanduSoft |
| Homepage: | https://indigostudios.one/de/ |
Die spanischen Indigo Studios haben in den letzten Jahren bereits mehrere First-Person-Adventures veröffentlicht und The Last Case of John Morley reiht sich nun dort ein. Die bisherigen Werke wie Seven Doors, Charon’s Staircase oder Portrait of a Torn waren mir unbekannt, so dass ich völlig unvoreingenommen an das frisch erschienene Detektivspiel herangegangen bin. In diesem Artikel berichte ich von meinen Erfahrungen…
Nur noch ein Fall

John Morleys letzter Fall lief nicht so gut. Na ja, eigentlich sein vorletzter Fall. Denn da hat er einen auf den Deckel bekommen, was ihn für mehrere Monate ins Koma gebracht hat – Berufsrisiko. Nach seinem Erwachen im Krankenhaus wirkt John zwar gut erholt, erhält aber die Nachricht, dass seine Sekretärin (und Angebetete?) ihn verlassen hat. Keine fünf Minuten später wirft er seinen Trenchcoat über, spaziert aus dem Krankenhaus heraus und betritt zum ersten Mal seit Monaten sein altes 40er-Jahre-Privatdetektiv-Büro.
Kaum dreht er sich um, steht dort eine neue Kundin – die „rätselhafte Lady Margaret Fordside“, die ihm eine wahnsinnige Summe Bargeld verspricht, wenn er den Tod ihrer vor zwanzig Jahren (!) ermordeten Tochter aufklärt. Warum? Ähm, sie hätte gehört, er sei so toll und bla bla bla. Natürlich nimmt John an und erkundet fortan das verlassene Anwesen der Fordside, in dem sich seit zwanzig Jahren (!) offenbar nichts verändert hat und im Anschluss noch ein Irrenhaus und dann ist es eigentlich auch schon wieder egal. Die Geschichte ist wirklich dämlich, ich schäme mich fast, sie hier aufzuschreiben.
Mach, dass es aufhört

Ihr steuert den Detektiv mit Gehirnschaden und bewaffnet mit einer Öllampe durch das dunkle Schlauchlevel-Gemäuer in der Ego-Perspektive. Dabei müsst ihr teilweise ganz nett gemachte Rätsel lösen, die in dieser Form auch gut in Survival-Horror-Spielen vorkommen könnten. Ein Beispiel vom Anfang: Ihr findet einen Artikel über vier Familienmitglieder und deren Vorlieben sowie Büsten, die sie darstellen sollen. Eure Aufgabe ist es nun, die Büsten so zu drehen, dass sie ihre Lieblingsgegenstände anschauen, damit die nächste Tür aufgeht. Ja, das ergibt überhaupt keinen Sinn, aber da ich das auch Spielen wie Resident Evil verzeihe, kreide ich das dem Spiel nicht an.

An bestimmten Stellen könnt ihr dann plötzlich sehen, was in der Vergangenheit an diesem Ort passiert ist. Dabei werden die Personen vom Spiel grünlich schimmernd und unbeweglich in den Raum gesetzt und dazu ein bisschen was erzählt. Wie das genau in der Geschichte verankert ist bzw. warum John in die Vergangenheit sehen kann, ist mir wohl entgangen oder wurde auch gar nicht erwähnt – geschenkt. So sammelt ihr nach und nach Hinweise, sucht Türcodes, lest Dokumente und werdet mit „BUUUH“ Jump Scares erschreckt. Diese sind wirklich so billig gemacht, dass ich mich auch fast gar nicht erschreckt habe. Und so richtig will das auch nicht zu einem Detektivspiel passen, und eigentlich hat The Last Case of John Morley sowieso recht wenige Elemente, die ein gutes Detektivspiel ausmachen würden. Deduktionen wie bei Frogwares und Co. sucht ihr hier auf jeden Fall vergeblich.
Nach den Erlebnissen im Fordside Manor zieht es John noch in ein Sanatorium. Leider zerbricht ihm dort seine Lampe, so dass mit noch weniger Sicht und natürlich ohne Übersichtskarte durch das große Gebäude stolpern müsst, auf der Suche nach dem Mörder. Hier ist mir dann endgültig der Geduldsfaden gerissen.
Fazit


Was war das denn? Selten hat mich ein Adventure so genervt, dass ich es nach drei Stunden abgebrochen habe. Das Herumgeirre im Dunkeln, gepaart mit einer dämlichen und spannungsarmen Geschichte sowie etlichen technischen Mängeln (selten so lächerliche Charaktermodelle gesehen) hat mir den Spielspaß gründlich verdorben. Der deutlich sichtbare Einsatz von KI-Bildern, etwa in Postern oder Gemälden (was der Entwickler immerhin auf der Steam-Page kenntlich gemacht hat), verstärkt meinen schlechten Eindruck leider nur noch mehr.
Dabei sind durchaus gute Ansätze erkennbar, die Grafik wirkt teilweise sehr stimmig (teilweise aber auch furchtbar), die meisten Sprecher machen einen ganz guten Job und die Jazz-Untermalung passt gut zum Setting. Aber alles andere? Nein danke.

Klingt nicht mal nach „Fans spielen Probe“. Das kommt davon, wenn du mal kein Pixel-Adventure spielst.
Ja, das war tatsächlich ein „Versehen“, dass ich das gespielt habe. Ursprünglich war das für unseren Autor Zwiebelherz gedacht, aber dank einer Unachtsamkeit von mir ist das Spiel bei mir gelandet. Aber gut, dass ich ihm die Gurke vorenthalten konnte. Ich habe mich sozusagen für Zwiebelherz in die Schussbahn der Kugel geworfen. Manche würden das heldenhaft nennen. Ja gut, ich höre ja schon auf. 😉
Hehe, hab das Spiel heute auch angetestet… und mein Fazit ist ähnlich. Ich kann nur sagen, du warst eh schon fast beim Ende…
Ja, das Ende konnte nicht mehr weit sein. Aber dafür war mir meine Zeit zu schade. 😀
Immerhin stehe ich mit meiner Meinung nicht alleine da.
Wie bist du denn auf das Spiel gekommen?