The Excavation of Hob’s Barrow

Der Beitrag “Spiele-Check: The Excavation of Hob’s Barrow – Folk-Horror-Adventure” erschien zuerst am 28.09.2022 auf GamersGlobal als User-Inhalt unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 DE DEED.

Vor mittlerweile fast zehn Jahren schlossen sich Shaun Aitcheson, John Inch und Laurie MH zu Cloak and Dagger Games zusammen, um fortan gemeinsam Spiele mit der Engine Adventure Game Studio zu entwickeln. Ihr Erstlingswerk Mudlarks gewann 2014 auch prompt den AGS-Award für das beste Freeware-Spiel, ihr erstes kommerzielles Adventure Legend of Hand war 2017 immerhin für sechs AGS-Awards nominiert. Ihre letzten beiden Titel Football Game und Sumatra – Fate of Yandi schafften auch den Sprung auf Konsolen.

Mit dem jetzt erschienenen The Excavation of Hob’s Barrow haben sie nach drei Jahren Entwicklungszeit ihr ambitioniertestes Adventure herausgebracht. Als Publisher fungiert diesmal Wadjet Eye Games, die unter anderem auch für die professionelle englische Vertonung sowie die Umbenennung vom ursprünglichen Titel Incantamentum verantwortlich sind.

Folk-Horror mit unterschwelliger Atmosphäre

Das vom Entwickler selbst verwendete Label „Folk-Horror“ beschreibt die Atmosphäre von The Excavation of Hob’s Barrow vorzüglich. Hierbei handelt es sich um eine Unterart des Horror-Genres, bei der Elemente aus der Folklore verwendet werden. Ich habe mich an die Filme The Wicker Man (1973), The VVitch (2015) und Midsommar (2019) erinnert gefühlt – und das im positiven Sinne. Wie auch in den genannten Filmen baut die Geschichte behutsam auf.

In der Rolle der Londoner Antiquarin Thomasina Bateman kommt ihr mit dem Zug in dem (fiktiven) verschlafenen Nest Bewlay an. Der mysteriöse Brief eines Fremden hat euch die Möglichkeit versprochen, hier die Ausgrabung eines besonderen Hügelgrabs durchzuführen – genau der richtige Stoff für euer Buch, an dem ihr gerade schreibt. Ihr kommt in dem einzigen Hotel des Dorfs unter, aber weder euer Assistent, noch der Verfasser des Briefs lassen sich blicken. Die Versuche, euch mit den kauzigen Bewohnern zu unterhalten, stoßen zunächst auf wenig Gegenliebe. Müde von der Reise legt ihr euch schlafen, und dann beginnen eure seltsamen Träume…

Klassische Präsentation für Pixel-Liebhaber

Die Grafik erinnert an andere Wadjet Eye-Adventures. Wer Pixel-Genrevertreter wie Blackwell Epiphany oder das fremdentwickelte Shardlight kennt, weiß in etwa, was ihn hier erwartet. Die Animationen der Figuren in der Spielwelt empfand ich als gelungen, in manchen Situationen gibt es aber auch nur Schwarzblenden.

Die relativ seltenen Nahaufnahmen, zumeist in kurzen Zwischensequenzen, fallen qualitativ etwas ab. Die englischen Texte und die passende Sprachausgabe sind in gewohnt hoher Wadjet-Eye-Qualität, auf eine deutsche Version müsst ihr aber wie so oft bei Titeln des New Yorker Publishers verzichten.

Eine Maus-Steuerung, die keine Wünsche offen lässt

Ein Extra-Lob verdient die tolle Steuerung, die keine Komfort-Funktion vermissen lässt. Mit Linksklick bewegt ihr euren Charakter oder interagiert mit Hotspots, die ihr euch wiederum mit einem Rechtsklick näher anseht. Das Inventar ist am oberen Bildschirmrand erreichbar, dort könnt ihr Gegenstände kombinieren oder mit Hotspots benutzen. Gespräche werden per Multiple Choice geführt. Ihr könnt entscheiden, ob die Sätze automatisch weiterlaufen oder ob ihr sie selbst weiterklickt. Ein Druck auf die Leertaste blendet euch alle verfügbaren Hotspots ein. Mit Escape dürft ihr Zwischensequenzen überspringen.

Im Laufe des Spiels schaltet ihr immer weitere Orte frei, die ihr bequem per Karte ansteuert, außerdem teleportiert ihr euch per Doppelklick schnell zu einem Ausgang. Wenn ihr nicht wisst, was zu tun ist, hilft euch ein Blick in eure automatisch geführte Aufgaben-Liste. Hinzu kommen noch Autosaves, eine Quicksave- und -load-Funktion sowie die Möglichkeit, beliebig viele manuelle Speicherstände anzulegen. Adventure-Herz, was willst du mehr?

Interessante Erzählweise, gute Rätsel

Die Struktur des Spiels wird durch die Tage, die Thomasina in Bewlay verbringt, vorgegeben. Oft hat sich dann von einem Tag auf den anderen etwas an den Schauplätzen verändert oder ihr trefft neue Charaktere. Zwischen den Tagen gibt es spielbare Traumsequenzen, die euch an eurem Verstand zweifeln lassen werden. Außerdem erlebt ihr im Laufe der Geschichte immer wieder Rückblenden, in denen ihr euch als junge Thomasina an euren Vater erinnert, der nach einem vermeintlichen Unfall sprach- und bewegungslos in einem Pflegeheim dahinvegetiert.

Die Rätsel sind gut in die Geschichte integriert und lassen euch in einen schönen Flow kommen, der nur selten unterbrochen werden dürfte. Gegen Ende werdet ihr zwar etwas mehr gefordert, aber es bleibt immer fair und logisch.

Fazit

Ich hatte etwa sieben Stunden großen Spaß mit The Excavation of Hill’s Barrow. Der letzte Abschnitt hat mir besonders gefallen. Denn als es endlich an die Ausgrabung ging, fühlte ich mich bei den Rätseln wieder in die Tage von Indiana Jones and the Fate of Atlantis oder Baphomets Fluch zurückversetzt. Auch das Ende fand ich passend, selbst wenn man als Kenner solcher Folk-Horror-Geschichten erahnen könnte, in welche Richtung sich die Geschehnisse entwickeln.

Wenn ihr etwas mit dem unverbrauchten Setting und Pixel-Adventures anfangen könnt und euch die englische Sprache nicht stört, kann ich euch The Excavation of Hob’s Barrow nur wärmstens empfehlen! Ihr könnt es ab heute bei Steam, GOG oder Humble erwerben. Bis zum 5. Oktober ist der Preis um 10 Prozent rabbatiert, so dass ihr bei Steam 11,24 Euro und bei GOG 13,49 Euro zahlt.

  • Point-and-Click-Adventure mit Pixel-Optik für PC
  • Einzelspieler
  • Für Einsteiger bis Profis
  • Preis: 12,49 Euro (Steam), 14,99 Euro (GOG), 14,99 US-Dollar (Humble)
  • In einem Satz: Spannendes Folk-Horror-Adventure mit toller Atmosphäre und rundum gelungener Steuerung
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Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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