Storyteller

Der Beitrag “Spiele-Check: Lucy Dreaming – Kuscheliges Klartraum-Abenteuer” erschien zuerst am 18.10.2022 auf GamersGlobal als User-Inhalt unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 DE DEED.

Dem brasilianischen Indie-Entwickler Daniel Benmergui muss die Fertigstellung von Storyteller wie eine unendliche Geschichte vorgekommen sein. Die Idee kam ihm im Jahr 2008, der erste Prototyp löste kurz darauf Glücksgefühle in ihm aus. Diese konnten 2012 sogar noch verstärkt werden, als seine Storyteller-Alpha-Version den Nuovo Award des Independent Game Festivals gewann.

Er kündigte seinen Job und kümmerte sich nun Vollzeit um sein Projekt, was sich im Nachhinein als eher schlechte Entscheidung herausstellte. Die nächsten Jahre führten ihn schließlich in seine persönliche Programmier-Hölle und er war irgendwann gezwungen, wieder zurück in sein altes Elternhaus zu ziehen. Mittlerweile wissen wir, dass die Geschichte gut für ihn ausging, falls ihr noch mehr über die Hintergründe erfahren möchtet, empfehle ich euch diesen Vulture-Artikel.

Was sich genau hinter Storyteller verbirgt, ob man dem Spiel seine 15 Jahre Entwicklungszeit anmerkt, und vor allem ob es überhaupt Spaß macht, verrate ich euch in diesem Check.

Innovatives Spielkonzept

Benmergui ließ sich von den klassischen Märchenbüchern seiner Kindheit inspirieren. Er wollte ein Spiel erschaffen, mit dem Geschichten erzählt werden können. Der Clou dabei sollte aber sein, dass der Spieler diese Geschichte und ihren Ausgang beeinflusst. Spielmechanisch sieht das dann so aus, dass ihr in vorgefertigten Comic-Panels Charaktere und Hintergründe platziert und im Anschluss beobachtet, welche Geschichte das Spiel aus euren Vorgaben generiert.

Dazu hat Benmergui einen „Simulator“ erstellt, der im Hintergrund aus den von euch erstellten Konstellationen die entsprechenden Konsequenzen berechnet. Euer Hauptziel ist es, eine Geschichte zur vorgegebenen Überschrift zu erzählen. Dies kann häufig auf unterschiedliche Art und Weise passieren. Das Spiel prüft lediglich, ob ihr die Voraussetzung aus der Überschrift erfüllt habt. Dabei fängt es buchstäblich bei Adam und Eva an.

Ein Beispiel, das so ähnlich auch im Spiel vorkommt: „Adam ist einsam, dann verliebt er sich“. Ein mögliche Lösung: Ihr zieht die Spielfigur Adam auf das erste Panel. Adam steht dann dort einsam herum. Dann zieht ihr Adam auf das zweite Panel und zieht zusätzlich Eva dazu. Und siehe da: Adam und Eva verlieben sich.

Langsam steigender Schwierigkeitsgrad

Dieses sehr einfache Beispiel demonstriert die innovative und sehr zugängliche Art, wie dieses Spiel gespielt wird. Hier muss nicht viel erklärt werden, jeder kann sofort loslegen. Die ersten Rätsel werdet ihr mit wenigen Anstrengungen lösen können. Nach und nach lernt ihr alle Charaktere aus dem Märchenbuch kennen, was beim Lösen der Aufgaben später entscheidend sein kann. So würde etwa der edle Ritter ohne Grund keinen kaltblütigen Mord begehen, wohingegen der fiese Baron keine Probleme damit hätte. Diese Charaktereigenschaften lernt ihr durch entsprechende Rätsel.

Manchmal gibt es auch kleine Nebenaufgaben, die optional gelöst werden können. Ein konkretes Beispiel aus dem Spiel: Die Hauptaufgabe lautet „Hassli wird von seiner Tochter ermordet.“, die Nebenaufgabe „dabei wollte er sie nur beschützen“. Wenn ihr die Nebenbedingung erfüllen möchtet, müsst ihr nun dafür sorgen, dass „Hassli“ in eurer Geschichte etwas erlebt, was dazu führt, dass er seine Tochter vor einer anderen Person schützen möchte.

Zum Ende des Spiels hin wird es dann etwas kniffliger, so dass ihr vielleicht auch einmal mehrere Minuten an einer einzigen Aufgabe herumtüftelt. Meist habt ihr dann auch sechs Panels, die ihr mit einer Auswahl von bis zu vier Hintergründen und vier Charakteren befüllen könnt.

Und dann ist auch schon wieder vorbei

Leider endet das Spiel dann in dem Moment, in dem ihr euch gerade eingelebt habt und auch die schwierigeren Aufgaben lösen könnt. Nach zwei Stunden Spielzeit wird das Buch geschlossen und euch wird der Titel des Geschichtenerzählers verliehen. Zu dem Zeitpunkt habt ihr 55 Rätsel in 13 Kapiteln gelöst. Da allerdings „Band 1“ auf dem Buch zu erkennen ist, dürfte wohl bei entsprechendem Erfolg vermutlich noch der eine oder andere Band mehr als DLC auf den Markt kommen.

Gerade bei diesem geringen Umfang merkt man dem Spiel seine 15-jährige Geschichte auf den ersten Blick nicht wirklich an. Wenn ihr euch aber einmal die Screenshots des Prototypen oder der Alpha-Version anschaut, werdet ihr feststellen, dass hier eine Menge „Polishing“ in das Spiel geflossen ist. Die ursprüngliche, recht krude Pixelgrafik wurde durch charmante Illustrationen ersetzt. Die Steuerung funktioniert sowohl mit Gamepad als auch mit Maus reibungslos, und auch die Musikuntermalung sowie die Soundeffekte passen sehr gut zum Spiel. Eine Sprachausgabe ist weder nötig, noch vorhanden. Allerdings wurden alle Bildschirmtexte auch ins Deutsche übersetzt. Hinweis für Steam-Deck-Benutzer: Auch hier läuft das Spiel einwandfrei.

Fazit

Das Ende kam wirklich überraschend schnell, ich hätte gerne noch ein paar Stunden mit Storyteller verbracht und das eine oder andere Puzzle mehr gelöst. Denn eins ist sicher: Ich hatte die gesamte Spieldauer über durchgängig Spaß mit dem Spiel!

Ich könnte jetzt zwar noch wie in einer Sandbox verschiedene Konstellationen ausprobieren und schauen, wie sich die Geschichten dann verändern, aber ehrlich gesagt: Ohne echte Aufgabe und ohne Spielfortschritt reizt mich das Ganze dann doch nicht.

Die Idee ist wirklich einzigartig und auch gut umgesetzt. Daher empfehle ich Storyteller Freunden von innovativen und unterhaltsamen Rätsel-Spielen. Ihr müsst dabei dann nur selbst entscheiden, ob euch zwei Stunden gute Unterhaltung 13,99 Euro wert sind, oder ob ihr vielleicht bei einem Angebot zu einem späteren Zeitpunkt zuschlagt.

  • Puzzlespiel für PC und Switch
  • Einzelspieler
  • Für Anfänger bis Profis
  • Preis: 13,99 Euro
  • In einem Satz: Innovatives und spaßiges Puzzlespiel, dem etwas mehr Inhalt gut getan hätte.
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Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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