Starship Troopers: Ultimate Bug War!

Starship Troopers ist einer der besten Filme aller Zeiten. Wird Starship Troopers: Ultimate Bug War! dem gerecht?

Der britische Entwickler Auroch Digital hat sich bereits mit Warhammer 40,000: Boltgun eine Medaille verdient und liefert mit Starship Troopers: Ultimate Bug War! nun seinen zweiten Retro-Boomer-Shooter an die Front. Als Fan des Franchises konnte ich den Titel, anders als Boltgun, nicht ungespielt lassen.

Und bevor das Spiel so wirklich losgeht, war ich schon begeistert. Denn Starship Troopers: Ultimate Bug War! ist sozusagen ein Werbe- und Trainingsspiel im Franchise und möchte die Spieler dazu bringen, Citizen zu werden. Um euch, also Einwohner der Föderation, zu überzeugen, wurde niemand geringeres als Johnny Rico (mittlerweile General) gewonnen. Verkörpert vom Schauspieler Casper van Dien! Ja, Starship Troopers: Ultimate Bug War! setzt auf ziemlich hochwertige, einfallsreiche und total zum Ton des Films passende Videos! Zur Unterstützung hat General Rico Major Samantha „Sammy“ Dietz an seiner Seite, verkörpert durch Charlotta Mohlin.

Major Dietz erzählt von ihren Erlebnissen bei der Mobilen Infanterie als Private im Ersten Bug War und ihr spielt ihre Erlebnisse in dem Werbespiel nach. Am besten seid ihr dann so begeistert, dass ihr euch auf den Weg zur Citizenship macht! Aber auch andere Charaktere tauchen auf, Werbung wird abgespielt, ihr werdet gefragt, ob ihr „mehr wissen“ wollt und so weiter. Ein authentisches Federal Network-Erlebnis, wie es auch in einem Spielfilm vorkommen könnte. Alleine schon wegen der genialen Aufmachung des Spiels haue ich jetzt schon eine dicke Kaufempfehlung für jeden Starship-Troopers-Fan raus. Auch wenn ihr nicht gerne rumballert. Dann spielt ihr halt auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad. Denn gespielt wird in Ultimate Bug War! natürlich auch. „Would you like to know more?

I say Kill’em All!

Als Mobile Infanteristin erlebt ihr acht Missionen. Die Erlebnisse aus dem ersten Bug War müssen durch den Aufbau des Titels als Propagandaspiel nicht in chronologischer Reihenfolge in den Missionen erzählt werden. Klar ist aber, dass Dietz von Rachegelüsten getrieben auf Bugjagd geht.

Jede Mission schickt euch, meist mit schön gemachtem Intro, aufs Gefechtsfeld. Ihr könnt euch dann frei bewegen. Meist habt ihr, zumindest zunächst, mehrere Ziele, die ihr in beliebiger Reihenfolge abarbeiten könnt. Etwa Kameraden helfen, irgendwelche Technik aktivieren, Flak Bugs ausschalten, etwas in die Luft sprengen, Stellungen gegen Angriffswellen verteidigen und mehr. Es passt alles sehr gut ins Universum und ist auf die Spielzeit gesehen abwechslungsreich gestaltet. Auch wenn es letztlich immer darum geht, Bugs zu töten. Die Spielerführung, insbesondere auch zu Ausrüstungskisten, erfolgt über clever platzierte Rauchgranaten.

Die zum Killen benötigten Waffen führt ihr in zwei Waffenslots. Die Auswahl ist groß, insgesamt gibt es mehr als 30 Waffen und Items. Dazu gehören etwa das bekannte Morita Mk I Rifle, eine Scharfschützenausführung, eine Shotgun oder ein Pulsgewehr, viele mit Sekundärfeuer. Ihr feuert auch schon mal taktische Nukes. Die Waffenwahl solltet ihr von den hauptsächlich zu bekämpfenden Bugs abhängig machen. Hier erwartet euch alles, was Bug-Nester (die ihr übrigens als Spawnpunkte am besten immer zerstört) so hergeben: Warriors, Tigers, Tank Bugs, Centurions, Hoppers und mehr. Gegen kleine Mengen an Bugs braucht ihr schnell feuernde Waffen, Pulsgewehre sind gut gegen die gepanzerten Centurions und Hoppers holt ihr als Scharfschütze bequem vom Himmel. Eine Shotgun zerlegt auf kurze Distanz jeden Warrior mit einem Schuss. Daneben stehen euch noch Flammengranaten, die auch erstmal für einen Flammenteppich am Boden sorgen, und klassische Handgranaten zur Verfügung. In der Spielwelt findet ihr außerdem Maschinengewehr-Stellungen, die ihr bemannen könnt. Und ihr könnt euch immer mal ins Cockpit eines Mechs, dem M7 Razorback, setzen. Laufen und schießen sowie die Kettensäge verbrauchen Betriebsstoff, der Einsatz ist also auch ohne schwere Treffer endlich.

Dazu gibt es noch zwei sehr wichtige taktische Optionen. Zum einen habt ihr ein „Ruf-Meter“, das sich mit dem Killen von Bugs auflädt. Ist der voll, könnt ihr dann einen Supply-Drop ordern. Der bringt euch Munition, Waffen, Healthpacks, Rüstung und eine Möglichkeit der Luftunterstützung. Meines Erachtens wächst der Lieferumfang mit der Zeit; ob es an den Missionsfortschritt oder die Zahl der Bestellungen geknüpft ist, da bin ich mir nicht sicher. Die Supply-Drops habe ich anfangs ignoriert, was ein ziemlicher Fehler war, da ihr gar nicht so viel Munition, Healthpacks und Rüstungen findet. Dadurch habe ich mir das Spiel selbst zu schwer gemacht. Durch das Aufladen des Ruf-Meters mit Kills wird ein offensiv-aggressiver Spielstil belohnt. Falls euch doch die Munition ausgeht, könnt ihr übrigens noch euer Messer zücken.

Die Luftunterstützung ist ziemlich mächtig und eignet sich vor allem gegen Gegnermassen oder starke Einzelgegner. Ihr erhaltet die Möglichkeit nicht nur in Supply-Drops, sondern könnt sie manchmal finden. Orbital Strikes, einen M7 Razorback (inklusive Pilot), der euch unterstützt, Pylonen, die Bugs elektrifizieren, ein Gunship, an dessen MG ihr dann sitzt, Phosphorbomben und mehr stehen zur Verfügung. In einer Bug-Höhle nützt euch ein Orbital Strike zwar nichts, ihr könnt aber beispielsweise trotzdem einen Pylonen droppen lassen, das ist nicht ganz konsequent.

Begleitet werdet ihr auch von Squaddies, die, einmal gefallen, immer wieder durch Frischfleisch ersetzt werden. Die helfen euch nicht nur ein bisschen, sondern sorgen mit ihren Voicelines für Schlachtfeldatmosphäre. Etwa warnen sie euch vor einfliegenden Hoppern oder beschweren sich über Friendly Fire.

Was mir an den Kämpfen besonders gut gefällt, ist, dass ich mir in dem „Training Simulator“ wie ein Mobiler Infanterist im Film vorkomme. „Gore & Gegnermassen Galore“ trifft es gut. Dabei geht es nicht um das stumpfe Abballern von Bugmassen. Ihr müsst eure Waffen klug wählen, gute Laufwege haben, könnt euch ducken (keine nervige Deckungsshooter-Mechanik, einfach irgendwo ducken) und eure taktischen Optionen gewinnbringend einsetzen. Meine Tode sind regelmäßig nicht zufällig. Wenn ich eine Stelle dann doch überwinde, lag es meist nicht an Glück, sondern an einer optimierten Herangehensweise. So machen mir Shooter Spaß.

To defeat the bug, you must first understand the bug

Neben der Kampagne aus Sicht der Federation gibt es noch fünf Bug-Missionen. Das sind letztlich Training-Simulationen im Trainings-Simulator und ihr sollt lernen, wie ein Assassin-Bug zu kämpfen. Der kann sich morphen: In Warrior, Hopper und Tanker. Euer Ziel ist es, Terror zu verbreiten. Dazu müsst ihr Infanteristen töten und Stützpunkte zerstören. Die Infanterie spawnt in Zelten. An Nestern heilt ihr euch, könnt aber auch Bugs zu eurer Unterstützung aktivieren, die dann auf einem vorgegebenen Pfad Richtung Feind strömen.

Die Idee ist natürlich, dass ihr als Infanterist auf den Kampf gegen die Bugs und den Assassin Bug vorbereitet, indem ihr euch in einer Simulation in ihn hineinversetzt. Das ist dann in der Third-Person-Perspektive und fühlt sich im Vergleich zur crispen Steuerung von Dietz ein bisschen clunky an, zumindest mit Maus und Tastatur. Ziemlich witzig ist es, als Hopper herumzufliegen oder auch im Sturzflug auf die Feinde herabzusausen. Die Bug-Levels sind nicht mein Highlight, aber eine tolle Ergänzung.

Die less, score more: Wiederspielwert

Starship Troopers: Ultimate Bug War! hat mich bislang gut acht Stunden auf dem Schwierigkeitsgrad Veteran bestens unterhalten und ich habe noch nicht alle Bug-Missionen abgeschlossen. Da ich auf Veteran gespielt habe, stehen noch zwei niedrigere, aber auch ein höherer Schwierigkeitsgrad zur Verfügung. Abhängig von Schwierigkeitsgrad und eurem Skill variiert natürlich die Spielzeit. Hätte ich nicht in den ersten Missionen meine taktischen Optionen gekonnt ignoriert, wäre ich sicher etwas seltener virtuell gefallen.

Aber auch wenn ihr, auf welche Art auch immer, durch seid, ist das noch nicht das Ende des Spiels. Und es gibt nicht nur Highscores und Bestzeiten zu jagen. In allen Missionen finden sich Geheimnisse, die ihr dann in Missionen aktivieren könnt. Ich wollte erstmal die Kampagne erleben und habe daher nicht zu intensiv nach den Geheimnissen gesucht. Die lohnen sich aber! Denn ihr schaltet so Module für das „Spiel“ frei. Ich konnte zum Beispiel den Gore-Faktor erhöhen und mir Kommentare der Developer in der Spielwelt anzeigen lassen, da schwebt dann eine Art Diskette. Wenn ihr die aktiviert, erzählt euch der entsprechende Entwickler spannende Hintergrundinfos, noch dazu auf unterhaltsame Art. Es gibt im Internet Guides zu allen Secrets, die habe ich aber nicht genutzt, und manche Module bringen handfeste spielerische Vorteile. Ich denke, ich werde nochmal auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad auf Secret-Suche gehen und versuchen, alle Entwickler-Kommentare anzuhören. Und irgendwann, wahrscheinlich nach dem x-ten Rewatch des Films von 1997, auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad einen richtigen zweiten Run starten.

Technik

Ich erlebte keinerlei Abstürze und nur einen Bug, den ich nicht killen konnte. Am Ende eines Zwischenbosskampfs in der letzten Mission triggerte die nächste Sequenz nicht oder der Zwischenboss glitchte aus dem Spiel, bevor er richtig tot war. Ich habe einfach einen kurz vorher angelegten Spielstand geladen und das Problem trat nicht erneut auf. Ihr könnt jederzeit manuell speichern, was ebenso wie das Laden sehr schnell geht. Das Spiel legt aber auch sehr faire Checkpoints an, an denen ihr bei eurem virtuellen Ableben schnell wieder loslegen könnt.

Grafisch gefällt mir Starship Troopers: Ultimate Bug War! unglaublich gut, da das Artdesign gelungen ist. Die Levels sind schön gestaltet, die Missionen gut inszeniert. Die brachialen Soundeffekte sorgen gemeinsam mit dem Soundtrack für Filmfeeling und der Kommunikation der anderen Infanteristen nebst Funksprüchen für Atmosphäre. Die Tastaturbelegung könnt ihr nach eurem Geschmack anpassen. Die Steuerung mit Maus und Tastatur ist präzise. Mit dem Gamepad habe ich nicht gespielt; falls euch die Gamepad-Steuerung und/oder die Steam Deck-Tauglichkeit interessiert, lasst es mich in den Kommentaren wissen, dann schaue ich mir das noch an.

In den Optionen gibt es auch „Accessibility Options“, mit denen ihr beispielsweise auf unbegrenzte Munition umstellt, das HUD anpasst, alle Missionen freischaltet oder in den God Mode wechselt (vielleicht ein guter Weg, um komplett entspannt alle Dev-Kommentare anzuhören).

Fazit

Ich hatte lange nicht mehr so einen großen Spaß mit einem Shooter! Und Starship Troopers: Ultimate Bug War! hat mir gleichzeitig gezeigt, warum ich eigentlich kaum noch Shooter spiele, außer Taktikshooter wie die ArmA-Reihe, Six Days in Fallujah oder Ready or Not: Ich mag Autohealing nicht, das macht mir Spiel- und Spannung ebenso kaputt wie eine unrealistische Deckungsmechanik. Ich bin nun zwar kein Boomer, aber der Bug War hat als mein erster „Boomer Shooter“ bei mir einen Nerv getroffen.

Das schnelle, actionreiche und von aufzusammelnden Items geprägte Gameplay in einer relativ offenen Spielwelt ist klasse. Erst ignorierte ich meine taktischen Optionen wie das Rufen von Munitionsdrops zwar (aus Versehen *hüstel*), doch als glaube ich ein Tipp im Ladebildschirm kam, kümmerte ich mich drum. Und schon war alles viel schaffbarer. Ohne Autoheal. Und immer noch kein Spaziergang im Park. Alle meine Optionen muss ich sinnvoll und schnell nutzen. Wenn ich eine schwierige Stelle nach mehreren Versuchen schaffe, ist das meist kein Zufall. Waffenauswahl und sich entwickelnde Missionen stehen ebenso auf der Habenseite wie, natürlich, die überragende Atmosphäre. Das Franchise hat es mir, wie etwa auch in Starship Troopers: Terran Command, sowieso angetan. Und wie cool ist denn bitte die Idee, den Titel als Propagandaspiel aufzuziehen, mit echten Schauspielern?! Und dabei sogar Johnny Rico, also Casper van Dien, an Bord zu holen? Die mich ein wenig an Brütal Legend erinnernden Gefechte als simulierter Bug fallen spielerisch ein wenig ab, sind aber eine schöne Dreingabe und bieten eine neue Perspektive. Und sind auch mit der eigentlichen Story verknüpft.

Nachdem mich Starship Troopers auch spielerisch so begeistert hat, werde ich Warhammer 40,000: Boltgun sicher bald mal in Angriff nehmen. Vorher werde ich aber noch ein paar Secrets freispielen. Im Kern kann ich aber sagen: Ich habe „meinen Part“ jetzt getan. Und ihr? „Join the Mobile Infantry and Save the World„. Anders gesagt: Holt euch Starship Troopers: Ultimate Bug War!

Alles zu Starship Troopers

Videoempfehlungen

Offizieller Trailer.
Meine erste Spielerfahrung.
Interview mit Charlotta „Dietz“ Mohlin.
Interview mit Luke „Otto Speer“ McClure.
Interview mit director Stéphane Perez.

Avatar-Foto

Über Vampiro

Variety Gamer seit Crystal Castle auf dem Atari 2600 Junior. Mein Herz schlägt besonders für Strategie, Taktik, Wargames und Aufbau nebst allen Untergenres (wie Taktik-RPGs ;-) ).

Alle Beiträge anzeigen von Vampiro

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert