Solasta: Crown of the Magister

Viele tolle Details und Editor

Solasta: Crown of the Magister steckt voller kleiner, guter Entscheidungen, die ich (nicht abschließend) in diesem Abschnitt kurz benennen möchte. Das Interface ist klar und gut strukturiert und es gibt viele Tooltips. Es erinnert an die klaren Interfaces der Spiele der Amplitude Studios oder auch Crusader Kings 3. Anfangs wisst ihr nichts über die Gegnertypen und schaltet durch Kämpfe immer weitere Datenbankeinträge frei und erhaltet so wichtige Informationen, etwa zu Resistenzen und Lebenspunkten. Immer wieder gibt es kleine Zwischensequenzen (auch in Dungeons) die die Immersion erhöhen. Kleine Rätsel oder Aufgaben lockern das Geschehen regelmäßig auf.

Die Charaktere, obwohl generisch, entwickeln eine eigene Persönlichkeit, die fast schon Richtung Dragon Age: Origins geht. Sie wachsen mir sogar etwas ans Herz und ich kann immer besser erahnen, welche Figur in bestimmten Situationen wie reagiert. Das Ganze basiert auf der Persönlichkeit des Helden, die ihr während der Charaktererstellung festlegt habt. Es gibt sogar persönliche Quests für eure Figuren. Diese Geschichten stehen euch nicht einfach von Anfang an zum Abarbeiten Verfügung. In einem Fall wurde meinem einen Zwerg ein Brief übergeben, dessen Inhalt ich jetzt nachgehen kann. Auch die Vergangenheit eurer Recken, zum Beispiel als Soldat in einer bestimmten Schlacht, wird immer wieder stimmig eingebaut und eröffnet euch sogar Dialogoptionen.

Die Gilde der Scavenger könnt ihr zum Looten in von euch gesäuberte Gebiete schicken, so dass ihr nicht alles selbst mitnehmen müsst. Das ginge aufgrund der Traglast auch gar nicht. Für ihre Dienste behält die Gilde eine Provision. Alle Items könnt ihr aber auch noch „kaufen“, falls ihr etwas übersehen habt. Sehr angenehm finde ich, dass D&D-typisch die Loot-Spirale nicht völlig überdreht wird. Umso größer ist dann die Freude, wenn ich mal wieder einen besonderen Gegenstand finde, schmiede oder kaufe.

Das Crafting-System ist gut und sinnvoll eingebaut, ohne dominant zu sein. Gewerkelt wird auf der Reise. Da könnt ihr Tränke brauen lassen oder euren Schmied Waffen verbessern lassen, was mehrere Tage dauern kann. Dafür braucht ihr sowohl geeignete Waffen als auch Material. Bei der Fortbewegung habt ihr die Wahl zwischen drei Reisegeschwindigkeiten. Reisen kostet Zeit, Übernachtungen Rationen (die gibt es aber zu Genüge, die Figuren jagen auch mal oder Zaubern Essen herbei, Nahrungsprobleme hatte ich nie). Je schneller ihr unterwegs seid, desto größer ist das Risiko, in einen Zufallskampf zu geraten. Schließlich achtet ihr auch weniger auf den Weg. Ein tolles Steuerungselement! Die Entscheidung, wie schnell ihr reist, sollte also hauptsächlich von eurer Lust auf Zufallskämpfe und dem Handwerk abhängen. Alternativ könnt ihr auch alte Portale zur Schnellreise nutzen, von denen ihr immer mehr freischalten könnt. Das kann besonders gut sein, um zum Beispiel zu einem Geheimversteck zurückzukehren, das ihr bislang (zum Beispiel in Ermangelung eines Flugzaubers) nicht erreichen konntet oder wenn ihr im Rahmen eines Nebenauftrags nochmal an einen Ort zurückkehrt.

Die englische Sprachausgabe ist sehr gut gelungen. Eine Actionkamera à la Xcom: Enemy Unknown bringt neue Blickwinkel in den Kämpfen. Die Nebenmissionen sind stimmig und gut integriert. Ihr habt auch immer mal Begleiter, die sich mit ihrem eigenen Charakter einbringen. Und wenn euch das alles nicht reicht, könnt ihr in einem Editor eure eigenen Abenteuer basteln oder die von anderen Spielern erstellten Abenteuer runterladen. Ich habe ihn aber noch nicht ausprobiert.

Fazit

Solasta: Crown of the Magister besticht durch seine sehr gute Umsetzung des offiziellen Regelwerks (alleine schon die Charaktererstellung!), punktet mit vielen liebevollen Details, versprüht immer mal eine kleine, genau richtige Prise Humor und hat ein klares und aufgeräumtes Interface. Die Kämpfe machen Spaß und sind mal leicht, aber es gibt auch richtig schwierige Auseinandersetzungen. Gegen einen Boss-Gegner und seine Minions habe ich zig Anläufe gebraucht, bis ich die richtige Taktik und das nötige Würfelglück beisammen hatte. Alternativ konnte ich den Kampf aber auch durch ein (erfolgreiches) Gespräch umgehen, wäre dann aber nicht an einige sehr schöne Ausrüstungsgegenstände gekommen. Toll ist auch, wie die Charaktere eine eigene Persönlichkeit entwickeln. Bei den Reisen über die Weltkarte kommt bei mir immer ein Indiana Jones und der letzte Kreuzzug-Feeling auf und auch Erinnerungen an die Nordland-Trilogie werden wach.

Die Story um die Krone und die Suche nach den Steinen gewinnt zwar keinen Innovationspreis, aber wer gewinnt den im RPG-Genre schon? Sie ist auf jeden Fall zweckmäßig, gibt mir ein Ziel und auch ein Gefühl von Dringlichkeit. Außerdem entspannen sich um die Suchaktionen immer sehr schöne Geschichten, ihr erfahrt mehr über die Welt sowie die Bewohner und die Settings sind sehr abwechslungsreich. Sei es ein Höhlensystem, eine verwunschene Bücherei, ein mysteriöser Turm voller Spuren der Vergangenheit oder eine Burg voller Untoter. Dazu kommen die gelungenen Nebenmissionen und Rätsel. Dass Solasta: Crown of the Magister kein AAA-Titel ist, könnt ihr an den Gesichtern der Figuren erahnen. Das ist nach einem kurzen Schreck aber gar nicht so schlimm. Dafür wird die angelegte Ausrüstung tatsächlich angezeigt und auch ansonsten hinterlässt das Spiel bei mir, auch abseits der Lichteffekte, einen optisch sehr ansprechenden Eindruck. Und anstatt überall Kompromisse einzugehen, setzen Tactical Adventures meiner Meinung nach genau die richtigen, positiven Schwerpunkte.

Im Ergebnis ist Solasta: Crown of the Magister ein Spiel, das jeden Freund klassischer Tischrollenspiele begeistern wird. Wenn ihr dazu zählt, ist Solasta: Crown of the Magister meiner Meinung nach ein Pflichttitel. Auch wenn euch taktische Kämpfe gefallen und ihr bereit seid, euch in das gut erklärte Regelwerk etwas einzuarbeiten, solltet ihr dem Spiel eine Chance geben. Wenn ihr euch bislang für die Titel des belgischen Platzhirsches Larian Studios erwärmen konntet, verdient Solasta: Crown of the Magister ebenfalls eine Chance. Das gilt auch dann, wenn euch die klassischen Iso-RPG im Stile eines Baldur’s Gate kaltgelassen haben. Denn anders die Klassiker setzt Solasta: Crown of the Magister schließlich auf Rundentaktik statt „Echtzeitrunden mit Pausenfunktion“. Ich für meinen Teil bin zwar (nach rund 50 Stunden?) noch nicht ganz durch, werde den Debüt-Titel der Franzosen aber bald auf meiner gar nicht so langen Durchgespielt-Liste verbuchen können.

Meine erste Spielerfahrung in Solasta: Crown of the Magister.

Der Beitrag “Solasta – Crown of the Magister” erschien zuerst am 11.09.2021 auf GamersGlobal als User-Inhalt unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 DE DEED und wurde für die hiesige Veröffentlichung leicht angepasst.

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Über Vampiro

Variety Gamer seit Crystal Castle auf dem Atari 2600 Junior. Mein Herz schlägt besonders für Strategie, Taktik, Wargames und Aufbau nebst allen Untergenres (wie Taktik-RPGs ;-) ).

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