Solasta: Crown of the Magister

Solasta: Crown of the Magister bringt D&D 5.1 mit einem Fokus auf taktische Kämpfe auf den PC. Eigentlich wollte ich den Titel nur anspielen, doch dabei konnte es nicht bleiben.

Tactical Adventures wurde von Mathieu Girard gegründet, der euch als Co-Founder der Amplitude Studios bekannt sein könnte. Solasta: Crown of the Magister ist ihr Erstlingswerk und wurde über Kickstarter finanziert. Iso-Perspektive, 3D, Vertikalität bei der Erkundung und in Kämpfen erinnern an Schwergewichte wie Divinity: Original Sin 2. Spielmechanisch setzt Solasta: Crown of the Magister auf eine extrem detailgetreue Umsetzung des Dungeons & Dragons-Regelwerks in der Version SRD 5.1. Ihr habt aber auch viele Anpassungsoptionen. Der Pen-&-Paper-Charme wird sogar durch Würfel ins Spiel gebracht. Deren Farbe könnt ihr je nach Wurfart selbst festlegen und es gibt beim Würfeln einen schönen Soundeffekt.

Beim Schwierigkeitsgrad habt ihr fünf voreingestellte Möglichkeiten. Der Story Mode ist im Prinzip genau das. Im Explorer Mode habt ihr ein paar Vorteile. Der Authentic Mode ist eine 1:1-Umsetzung des Regelwerks. Der Scavenger Mode macht Monster etwas tougher und fieser. Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad bekommt eure Party zudem 50 Prozent mehr Schaden. Alternativ könnt ihr euch auch einen sehr individuellen Schwierigkeitsgrad basteln. Ich habe mich für die authentische Pen-&-Paper-Erfahrung entschieden. Schön: Ihr könnt den Schwierigkeitsgrad im Spielverlauf noch anpassen.

Charaktererstellung: Das Spiel vor dem Spiel

Die Charaktererstellung, über die ich ja überhaupt erst auf Solasta aufmerksam wurde, ist fast schon ein eigenes Spiel. Wenn ihr euch nicht stundenlang dem Fine-Tuning eurer Helden widmen möchtet, könnt ihr auf vorgefertigte Figuren zurückgreifen.

Das Spiel setzt ganz auf das D&D-Regelwerk auf: Rasse, Klasse, spätere Spezialisierungen. Multiklassen sind allerdings nicht möglich. Dafür gibt es Unterklassen. Eure Werte könnt ihr (immer wieder) auswürfeln oder optional einfach selbst festlegen. An verschiedenen Stellen bietet euch Solasta: Crown of the Magister solche Zugänglichkeitskompromisse. Ich habe natürlich gewürfelt, allerdings mehrmals.

Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass eure Party alle relevanten Fertigkeiten abdeckt. Ihr also zum Beispiel einen Schmied dabei habt. Dafür gibt es auch keine Hilfestellung sondern ihr müsst auf eure eigenen Kenntnisse oder „Internetvorbereitung“ setzen. In einen echten Game-Breaker lauft ihr mit fehlenden Fähigkeiten meines Erachtens zwar nicht, schneidet euch aber doch gute Möglichkeiten ab. Die diversen Skills wie Athletik, Einschüchtern, Wahrnehmung oder Geschichte sind mehr oder manchmal minder „wichtig“. Sie bestimmen zum Beispiel, wie weit ihr springen könnt. Allerdings habt ihr oft mehrere Wege zum Ziel oder könnt auch Zauber (es gibt Sprung- und Flugzauber) nutzen. Außerdem wird so beispielsweise bestimmt, wie gut ihr schleichen oder Fallen entdecken und entschärfen könnt. Das ist natürlich wichtig. Zum Fallen entdecken müsst ihr erfreulicherweise nicht im Dauerschleichmodus sein. Manche Skills wie Geschichte öffnen euch schlicht den Weg zu mehr Story-Flavour, sind aber nicht kriegsentscheidend. Schließlich gibt es noch diverse Sprachen, die eure Helden erlernen können.

Wenn ihr auf Texte stoßt, könnt ihr sie nur lesen, wenn ein Held diese Sprache beherrscht. Manche Sprachen werden in der aktuell verfügbaren Kampagne nicht genutzt. Darauf werdet ihr aber schon bei der Charaktererstellung hingewiesen. Besonders gelungen ist die „Persönlichkeit“, die ihr jeder Figur basierend auf ihrem Hintergrund verpassen könnt. Von diesen 13 „Personality Flags“ könnt ihr jeder Figur drei geben, zum Beispiel gewalttätig, vorsichtig, egoistisch oder gierig. Und basierend darauf agiert (und spricht!) der Held dann auch und bekommt so tatsächlich eine eigene Persönlichkeit.

Da ich wusste, dass das Spiel stark auf Licht, Dunkelheit und Dämmerlicht setzt, habe ich mich für einen Trupp aus zwei Zwergen (ein kämpfender Tank und ein heilender Kleriker) sowie zwei Elfinnen (Magierin und Ranger) entschieden. Die haben nämlich dank ihrer Infrarotsicht bei schlechten Lichtverhältnissen deutlich weniger Probleme und ich fand die Combo aus zwei Zwergen und zwei Elfendamen auch einfach witzig. Zu den Klassen passen die Rassen auch noch. Und dann ging es nach ein paar Stunden auch schon los. Ganz klassisch in einer Taverne!

Vier Helden und eine Taverne

Viele Rollenspiele schicken eine frisch zusammengewürfelte Heldentruppe erst mal ganz klassisch in einen Keller auf Rattenjagd. Solasta: Crown of the Magister geht den Weg der Tischrollenspiele. Zum Spielstart sitzen die werdenden Helden nach längerer Anreise gemütlich in der Stadt Caer Cyflen im Gravekeep’s Cask bei einem Bierchen zusammen. Sie haben sich gerade erst kennengelernt. Eines haben sie aber gemeinsam: Sie sind dem Ruf des ortsansässigen „Legacy Council“ gefolgt, um gegen entsprechende Entlohnung die Badlands zu erkunden und Artefakte zur Erforschung herbeizuschaffen.

Bevor ihr aber den Rat trefft, erzählt jeder Held wie die Reise verlaufen ist. Und diese Erzählungen spielt ihr selbst. Denn es sind die Charakter- und klassenspezifischen, wundervoll als Erzählung integrierten Tutorials. Die machen euch mit allen nötigen Basics für eure Figur vertraut, etwa dem Kampf, Schleichen oder dem Runterschubsen von Gegnern in Abgründe. Weitere Tutorials sind in den Spielverlauf integriert und poppen immer dann auf, wenn eine neue Spielmechanik eingeführt wird. Zum Beispiel das Rasten oder die Lichtmechaniken im Kampf. Tactical Adventures überlädt euch also nicht gleich zu Spielbeginn mit Informationen, die ihr noch gar nicht braucht, sondern bringt sie genau zur richtigen Zeit.

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Über Vampiro

Variety Gamer seit Crystal Castle auf dem Atari 2600 Junior. Mein Herz schlägt besonders für Strategie, Taktik, Wargames und Aufbau nebst allen Untergenres (wie Taktik-RPGs ;-) ).

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