Shadows of the Afterland

Das neue Adventure von Aruma Studios beschäftigt sich mit der Frage, was nach dem Tod passiert und wie das Jenseits aussieht – auch wenn das Thema vergleichsweise leichtherzig betrachtet wird.

Die spanischen Indie-Entwickler von Aruma Studios haben bereits mehrere Spiele unterschiedlicher Genres veröffentlicht, zuletzt im Jahr 2022 den charmanten Point-and-Click-Adventure-Geheimtipp Intruder in Antiquonia. Ihr neuestes Werk Shadows of the Afterland wird in der Adventure-Szene aus unterschiedlichen Gründen schon sehnsüchtig erwartet. Mich hat vor allem die stilsichere Präsentation neugierig gemacht, denn das Spiel weiß offenbar genau, welche Knöpfe es bei Adventure- und Pixel-Liebhabern drücken muss. Also bin ich die Reise ins Jenseits mit großer Vorfreude angetreten. Ob sich diese Begeisterung gehalten hat, erfahrt ihr im Artikel.

Bürokratie im Jenseits

Die Geschichte spielt im Madrid des Jahres 1960 und ihr schlüpft in die Rolle von… ja, von wem eigentlich? Äußerlich steuert ihr den Geist der jungen Mutter Pia, die kurz zuvor in einem Zoo tragisch ums Leben gekommen ist. Doch in ihr steckt der Geist von Carolina, einer Polizistin, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht geboren ist. Das klingt zunächst verwirrend, aber genau dieses Mysterium begleitet euch durch das gesamte Spiel.

Eure Reise durchs Jenseits beginnt im sogenannten „Ewigkeitstresor“, einer Art Verwaltungsstelle für Verstorbene, die auf ihr Leben nach dem Tod vorbereitet werden. Dort erfahrt ihr, dass Pias Todestag nur wenige Tage vor Carolinas Geburt liegt – und dass Carolina eigentlich aus dem Jahr 1988 stammt. Die genervte Empfangsdame hilft euch kaum weiter, drückt euch aber immerhin eine Orientierungs-Broschüre in die Hand.

Also macht ihr euch auf den Weg, um herauszufinden, wie und warum ihr hier gelandet seid. Auf dem Platz vor dem Ewigkeitstresor begegnet ihr einer hilfreichen Seele, die euch die Grundlagen des Jenseits erklärt. Von dort aus erkundet ihr neue Orte, sammelt Hinweise und sprecht mit den unterschiedlichsten Verstorbenen, die im Jenseits neue Aufgaben übernommen haben – vom Verkäufer im „Institut für Lebenszyklen“ bis zur strengen Bibliothekarin im „Echos der Erleuchtung“.

Im Laufe der Geschichte kommt ihr dem Geheimnis hinter dem mysteriösen Tod im Zoo immer näher und merkt schnell, dass weit mehr dahintersteckt, als es zunächst den Anschein hat. Unterstützung braucht ihr dabei natürlich auch – und die sucht ihr ausgerechnet beim verschlossenen Ex-Geisterpolizisten César, der euch den Weg zurück in die Welt der Lebenden eröffnen soll. Parallel dazu entfaltet sich Stück für Stück die von Armut, Hunger und Arbeitslosigkeit geprägte Familiengeschichte von Pia, die dem Spiel eine überraschend bodenständige, fast schon bittere Note verleiht. Zusammen mit der Mischung aus Mystery und Bürokratie-Satire entsteht ein Setting, das man in dieser Form nicht oft sieht.

Schön, spaßig und traurig

Optisch schafft Shadows of the Afterland einen gelungenen Spagat zwischen klassischer Pixel-Comic-Grafik und modernen Elementen wie Licht- und Partikeleffekten sowie liebevollen Animationen. Dazu kommt ein eigens komponierter, fabelhafter Soundtrack, der die Stimmung auf filmhafte Weise trägt. Die sehr guten englischen Synchronsprecher hauchen den Figuren dann endgültig Leben ein (auch wenn die meisten von ihnen im Spiel ja eigentlich tot sind…). Sogar an eine deutsche Textübersetzung wurde gedacht, und auch hier gibt es wirklich nichts auszusetzen.

Die Ein-Klick-Steuerung funktioniert sowohl mit der Maus als auch mit dem Controller problemlos. Innerhalb einer Szene könnt ihr per Doppelklick rennen oder direkt zu einem Ausgang teleportieren. Eine Hotspot-Anzeige, die mittlerweile für viele Adventure-Spieler ein liebgewonnenes Hilfsmittel geworden ist, ist ebenfalls vorhanden. Ein Hilfe- oder Tipp-System fehlt zwar, aber durch das faire Rätseldesign ist es auch nicht zwingend notwendig.

Die klassischen Spielmechaniken wie Gespräche führen („Erzähl mal, wie bist du gestorben?“) oder Gegenstände sammeln und an anderer Stelle einsetzen werden durch einen interessanten Kniff erweitert: Im Lauf des Spiels erlernt ihr die Fähigkeit, in die Welt der Lebenden zu reisen und dort von Personen Besitz zu ergreifen, wodurch sich spannende neue Rätselmöglichkeiten ergeben. Die Reise in die Welt der Lebenden erfolgt über Erinnerungsstücke, die wie kleine Portale funktionieren und dem Spiel eine zusätzliche Ebene verleihen.

Fazit

Bevor ich Shadows of the Afterland gespielt hatte, wusste ich nicht viel über das Spiel – außer dass mir der Grafikstil äußerst gut gefällt. Und auch nach meiner etwa fünfstündigen Reise durch das Jenseits und zurück hat sich meine Meinung dazu nicht geändert. Die Geschichte ist ungewöhnlich und wird zumindest verhältnismäßig logisch aufgeklärt (wenn man in so einem Szenario überhaupt von Logik sprechen kann). Besonders gefallen hat mir, dass sie in Spanien angesiedelt ist und nicht wie so oft in einem englischsprachigen Land. Tatsächlich wird mir das Spiel aber wohl vor allem wegen seiner schönen Präsentation und des gelungenen Rätseldesigns im Gedächtnis bleiben.

Shadows of the Afterland könnte man als Satire betrachten, bedient aber sicher nicht die Fans von Slapstick- oder Hau-drauf-Humor. Ob es euren Geschmack trifft, könnt ihr mit der Demo-Version auf Steam herausfinden. Dort findet ihr ab heute auch das fertige Spiel. Wer es lieber DRM-frei mag, wird auf itch.io fündig.

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Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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