Computerfreaks können einfach nicht mit Mädchen reden. Pizza und Computerbildschirm-Käse-Bräune als Ersatz sind auf Dauer aber unbefriedigend. Wäre es daher nicht toll, das mit der Doppel-X-Chromosomin wenigstens nachspielen zu können?
Red mit mir
Seit Joseph Weizenbaum 1966 das Programm ELIZA veröffentlichte, waren Programmierer auf der Suche nach immer besseren Methoden, realistische Gespräche mit dem Computer führen zu können. Die Firma AIVR erreichte hier (der Werbung nach) ganz neue Höhen: Ihre Girlfriend-Spiele verstanden angeblich eine Quintillion Kommandos. Ausgeschrieben sieht das so aus: 1.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000 – nicht schlecht für einen geschätzten aktiven englischen Wortschatz von 200.000 Wörtern. Da lassen sich doch bestimmt tiefschürfende Gespräche führen. Oder?
Vorab: Ich bin auf diese Spiele gestoßen, als ich ungefähr 150 alte Ausgaben der Computer Gaming World durchgeblättert habe, um für mein Legend-Entertainment-Buch zu recherchieren. In praktisch jeder Ausgabe ab 1994 warb eine der Anzeigen für diese unglaublich lebensechte Simulation. Und obwohl ich älter und damit klüger sein müsste als zur Zeit der Yps-Sea-Monkeys, habe ich der Werbung so halb geglaubt. Ja, ich habe damals gehofft, dass die Sea Monkeys wirklich kleine Menschen mit Fischschwanz seien. War unrealistisch, okay. Aber ein sinnvoller Dialog mit einer virtuellen Freundin sollte ja machbar sein, oder? Ist schließlich keine Raketenwissenschaft.

Girlfriend Terri

Wobei sich die Girlfriend-Software alle Mühe gibt, diesen Eindruck zu erwecken: Mit der Animation eines Frauenkopfs, der sich zu einem kreischenden Ton ständig im Kreis dreht, werden schwurbelige Sätze eingeblendet. Ein Knopfdruck lässt den sich immer höheren schraubenden Ton endlich verstummen und wir landen im Auswahlmenü.
Offensichtlich ist Girlfriend als Grundprogramm konzipiert, denn ich kann hoch und runter flippen, um theoretisch aus mehreren Damen auszuwählen – so sie denn installiert sind. Ist ja logisch, dass man je nach Laune eine andere Freundin wählen kann. Das obskure Werbebild auf der rechten Seite taucht auf, wenn ich durch die angebotenen Damen scrollen möchte. Offensichtlich bin ich auf Gedeih und Verderb erst einmal Terri ausgeliefert.
Weil der Name im Laufe des Artikels häufig wechseln wird: Ich kann nichts dafür! In den Werbeanzeigen und auf der Webseite ist ständig von Teri die Rede. Im Spiel ist es aber Terri. Sicher ein Versehen eines Standesbeamten bei der Geburtsurkunde.

Mit einem herrlich künstlichen Frauengelächter blendet der Bildschirm um und ich sitze im Wohnzimmer meiner Teilzeit-Freundin. Offensichtlich ist nicht viel los in ihrem Leben, denn sie ist sehr erfreut, dass ich überhaupt mit ihr rede. Mal sehen, wie das so klappt. Sie fragt mich, wie es mir geht. Meine Antwort lautet „I’m fine, thank you“. Das wirft Terri komplett aus der Bahn. Die KI zerlegt den Satz und versucht, ihn zu verstehen, gibt aber auf und lenkt ab: „May I make a suggestion?“ Sie möchte, dass ich ihr alles erzähle, was ich über Liebhaber wisse. Hm. Kann es sein, dass dieses Programm eine ganz bestimmte Richtung verfolgt?
Groß und stark müsse er sein, sage ich. Klischee as Klischee can. Problem ist nur: Das Wort „strong“ kennt Terri nicht. Ich solle es nun definieren. Wie das gehen soll, ist mir erst einmal schleierhaft. Also versuche ich es mit Umschreibungen, die aber wieder nur dazu führen, dass Teri die anderen Wörter ebenso wenig versteht. Es dauert immer länger, bis eine Reaktion eingeblendet wird und es ist mir auch nicht möglich, sie mit anderen Themen abzulenken, weil sie immer noch in der Definitionsphase steckt. Da hilft nur ein beherztes „Stop“. Und ganz wie im realen Leben lässt Teri das aktuelle Thema einfach fallen.
Besser werden die Dialoge allerdings auch bei meinem nächsten Versuch nicht. Es ist ja eine Binsenweisheit, dass Männer und Frauen aneinander vorbeireden. Dass allerdings einfachste Dialoge nicht funktionieren, ist schon ein Schlag ins Kontor:
Terri: What shall we do?
Ich: Let’s play cards.
Terri: Do you want me to play cards? Okay, I’m doing it right now.
Ich: What do you play?
Terri: I don’t know. What do you think?
Wie eine richtige Freundin wird auch Girlfriend Teri nicht mit einem Handbuch ausgeliefert. Allerdings kann ich mir über den Befehl „Help“ Informationen zum Spiel geben lassen, die teilweise tatsächlich nützlich sind. Zum Beispiel wird dort erklärt, wie das mit der Wort-Definition funktionieren soll. Natürlich ist die Sache nicht so offen, wie ich in meinem jugendlichen Leichtsinn gedacht habe:

Ich kann also Synonyme definieren, zum Beispiel „Yeah is a synonym to yes.“ Neue Wörter müssen aber ebenfalls an bereits bekannte Wörter angekoppelt werden. Die Hilfeseite schlägt hier als Beispiel vor, dass „Dallas“ ein Teil von „Texas“ sei. Wie sinnvoll das letzten Endes im Programm ankommt, ist fraglich: Meine Versuche endeten immer damit, dass Teri den übergeordneten Begriff auch nicht kannte und dafür ebenfalls eine Definition einforderte.
Die zweite Hilfeseite fasst die Themenvielfalt der Girlfriend-Reihe schön zusammen: Halte deine Sätze simpel und sprich möglichst nur über Teri selbst. Slang oder Redensarten sind auch nicht ihre Stärke.

Dialoge sind also schwierig in Girlfriend. Nur sind sie leider eine unabdingliche Krücke hin auf dem Weg zum eigentlichen Ziel. Denn letzten Endes geht es nur darum, Teri zu trauter Zweisamkeit zu überreden. Wie gut uns das gelingt, zeigt die Stimmungsleiste auf der rechten Bildschirmseite an. Positiv wirken sich Komplimente und eindeutige Kommentare aus, Beleidigungen hört Teri nicht so gerne und auch zu viel Denkarbeit bei unverständlichen oder komplizierten Sätzen scheint auf ihre Stimmung zu drücken. Trotzdem ist es überraschend einfach, ihr die ersten Klamotten vom Leibe zu schreiben. Doch vor komplett nackte Tatsachen hat Release V2.1 dank spaßbefreiter Eltern und Kirchenverbänden eine Sperre eingebaut:

Reden kann Teri natürlich auch. In den Dateien finden sich 146 kleine Dateien, aus denen Girlfriend den aktuellen Satz nachbildet. Das geht von kompletten Wörtern wie wearing.voc oder pretty.voc über eine Pause namens wordpaus.voc bis hin zu einzelnen Lauten (oll, sl, tr, uh). Was geschrieben aussieht wie typische Internet-Abkürzungen, klingt im Spiel zwar abgehackt und künstlich, aber jederzeit verständlich. Für Disketten-Sprachausgabe also gar nicht so schlecht. Ebenfalls gespeichert sind die drei Namen Lisa, Suzy und Teri, die zu diesem Zeitpunkt erhältlichen Girlfriends. Aber dazu komme ich später noch.
Teri hat einen ganzen Kleiderschrank an Klamotten. Okay: zwei Garnituren, aber immerhin. Mit der Frage „What outfits do you have?“ erfährt man, dass sie ein schwarzes Kleid und ein rotes Nachthemd besitzt. Ich höre schon die Klagerufe, dass sie nichts anzuziehen hat… Wir können Teri jederzeit auffordern, eines der Outfits anzuziehen, was sie klaglos tut. Von beiden Varianten gibt es reichlich Bilder in jedem Raum des Hauses. Falls wir Teri dazu kriegen, eine Kombination zu tragen, für die keine Bilder vorhanden sind, wechselt die Darstellung und wir sehen nur Teris‘ Kopf.



Angeblich existieren von Girlfried Teri (wie auch von allen anderen Modulen) eine jugendfreie und eine Erwachsenen-Variante. Im Netz auffindbar ist leider nur die Mature-Software. Wie die Teenager-Variante überhaupt funktionieren soll, wenn Teri offensichtlich nur auf das Eine aus ist? Ich würde es wirklich gerne wissen.
Girlfriend Tracy

Ding-Dong! Die Tür vor unserer Nase öffnet sich und in einer kurzen Animation lächelt uns unsere neue Freundin Tracy an, bevor sie im Haus verschwindet. Das Spiel blendet um und wir sind mitten im Spiel beziehungsweise in Tracys Wohnzimmer.
Unser erster Kontakt läuft direkt aus dem Ruder. Sie fragt mich, wie mein Nachmittag so läuft. Und ich – ganz ehrliche Haut – sage: „It is going badly.“ Damit kann Tracy nicht umgehen und verabschiedet sich umgehend in eine fünfminütige Denkpause, die ich mit der Escape-Taste abbrechen möchte. Dadurch habe ich den Boss-Screen entdeckt:

Erneut lassen sich wunderbar obskure Dialoge führen. Auf „What is in your closet?“ folgt erneut eine Dekonstruktion meines Satzes samt „Let me think“ und schon eine Minute später antwortet mir Tracy „Your is a possessive description.“ Was zwar nicht meine Frage beantwortet, aber inhaltlich richtig ist und zur philosophischen Frage „Do you like possessive descriptions?“ einlädt. Ganz brave Freundin antwortet sie ausweichend „I don’t know if I like possessive descriptions. What do you want me to do with it?“ Ganz Mann verspürte ich gerade ein Hüngerchen und bat sie, die Dinger zu kochen. Überraschung: „I really love to cook descriptions.“ Mentale Notiz an mich: Zukünftig zuhause essen.
Diese neue Version von Girlfriend arbeitet mit einer Vielzahl von Bildern, um Mini-Animationen zu erzeugen. Auch wenn AIVR selbst vollmundig von Full Motion Video spricht, bleibt es doch ein Daumenkino. Zwischen den einzelnen Bildern wechselt gerne mal die Beleuchtung – ganz so, als habe der Blitz manchmal ausgelöst und manchmal nicht. Trotzdem ist es im Vergleich zu Teri natürlich nett, wenn Tracy zum Beispiel mal zwinkert oder sich bei einem Kleidungswechsel ein wenig hin und her dreht.

Apropos Kleidungswechsel: „Oh my god. Are you going to undress me?“ Nach diesem Satz habe ich Girlfriend Tracy abgebrochen. Sie sagte ihn, nachdem ich mir eine halbe Stunde lang wirklich Mühe gegeben hatte, sie aus dem Wohnzimmer ins Schlafzimmer bugsiert und so lange bequatscht hatte, bis sie komplett nackt auf dem Bett saß. Wie es so schön in Harry & Sally heißt: Ich hatte sie so weit, das war schon nicht mehr menschlich. Und dann fragt sie mich, ob ich sie ausziehen möchte. An dem Modell würde AIVR noch ein wenig feilen müssen.
AIVR.COM

So obskur-interessant der Artikel bisher hoffentlich war: Es ging um erschienene Spiele, die auf ihre ganz eigene Weise funktionieren. Doch AIVR Corporations hatte noch einiges vor: In der Computer Gaming World warb die Firma für Girlfriend Maria als vierten Teil der Reihe und auf der nur noch über die Wayback Machine erreichbaren Webseite AIVR.com steht 1999 folgendes:
Girlfriend Lisa, Girlfriend Suzy, Girlfriend Teri, Girlfriend Tracy, Girlfriend Maria, Girlfriend Nikki, Girlfriend Donna, and The World’s First Virtual Companion are trademarks of AIVR Corporation.
AIVR.com
Die Webseite verändert sich in den folgenden Monaten kaum und ist ab November 1999 plötzlich nicht mehr erreichbar. Es ist trotzdem spannend, was sich AIVR zuletzt vorgenommen hatte. Zum einen sollten die beiden oben besprochenen Titel Teri und Tracy in einer Neuauflage kommen – dieses Mal für Windows und mit richtigen Videos! Angeblich wurden für beide Titel 1993 Videoaufnahmen gemacht, aus denen dann die Standbilder der Spiele extrahiert wurden. Mit den aktuellen technischen Mitteln Ende der 1990er Jahre bot sich nun die Gelegenheit, die Spiele auf die nächste Ebene zu heben. In einem Vorbestell-Formular konnten sich (neu-)gierige Fans vergünstigt ganz vorne in die Reihe stellen und die Spiele für jeweils 30 Dollar vorbestellen. Erscheinungstermin? Nebensache!
Sie bestellen Produkte im Vorankündigungs- bzw. Vorveröffentlichungsstatus. Diese Produkte werden derzeit von den originalen Videoband-Mastern neu digitalisiert und neu gemastert und werden nicht aus dem Lagerbestand versendet. Bitte rechnen Sie mit einer gewissen Bearbeitungszeit, bis diese verfügbar sind.
Auf der Wayback-Seite gibt es zwar einen Link zu einem kurzen AVI-Video der Teri-CD-ROM, aber der funktioniert leider nicht mehr, so dass die Bildqualität in den Sternen steht. Fest stand schon, dass die Bedienoberfläche an Girlfriend Donna orientieren sollte.
Moment! Girlfriend wer?
Girlfriend Donna
Auf der 1999er Seite wird groß Werbung für den fünften Teil der Reihe gemacht, eben dieses Mal Donna. Leider funktionieren auf AIVR.com die Links zur Bestellseite nicht mehr, so dass es keinerlei Auflistung gibt, welche Titel da gezählt werden. In den Werbeanzeigen für den Titel Girlfriend Maria ist die Rede vom vierten Spiel, aber was war dann Spiel Nummero drei?

Diese Frage lässt sich nicht abschließend beantworten – und da Girlfriend Maria (obwohl ihr Name als voc-Datei in Girlfriend Tracy gespeichert ist) auch nirgendwo auffindbar ist, lässt sich die Entwicklung der Serie nur bedingt verfolgen. Maria wird allerdings in den Patch-Notes der Version 2.8 erwähnt, wenn es um jugendfreien Content für die entsprechende Software-Variante geht: „Girlfriend Maria can play the piano and cook.“
Es gibt Werbeanzeigen, in denen neben den beiden Teri-Varianten noch Girlfriend Lisa (PG-13) und Girlfriend Suzy (Adult) beworben werden, was ja auch zu dem Copyright-Vermerk auf der Webseite passt. Aber weder Moby noch das Internet Archive listen diese Spiele, geschweige denn Girlfriend Maria. Es gibt allerdings auf der Webseite einige angebliche Zuschriften der Kundschaft. Ein gewisser J.M., wohnhaft in der New Yorker Bronx, behauptet dort, viele Stunden Spaß mit Lisa, Suzy und Teri gehabt zu haben. Da kann ich nur sagen: Glückwunsch zu diesen einzigartigen Erinnerungen.
Als einzigen Zeitungseintrag zu den Spielen findet sich im Internet Archive die Zeitschrift Future Sex. In Ausgabe 4 aus dem Jahre 1993 gibt es ein Interview mit William Gibson über Cybersex, diversen Photographen-Vorstellungen und den Bericht einer Frau, die die Sammlung ihres Vaters im Keller entdeckt. Nun, offensichtlich gibt es damals für alles eine Zeitschrift. Was aber ebenfalls drin ist: Eine Besprechung der Spiele Girlfriend Lisa und Girlfriend Suzy. Es ist sogar ein Screenshot vorhanden, doch die Dame erinnert verblüffend an Girlfriend Teri:
Die „Girlfriend“-Software-Reihe von Aldea Labs stellt „digitale Frauen“ vor, die einfache, rein textbasierte Gespräche führen und eine Reihe von sexbezogenen Befehlen ausführen. Das erforderliche Environment Kit nutzt die Grundlagen der künstlichen Intelligenz, sodass Girlfriend angeblich „lernen“ kann, während man spielt. In der Praxis habe ich versucht, Lisa die einfache Lektion „Fernsehen ist schlecht“ beizubringen — ohne Erfolg. […] Lisa sagte mir: „Ich esse nicht. So bleibe ich schlank für dich!“ — aber als ich versuchte, ihr klarzumachen, dass Selbsthungern meinetwegen wirklich nicht nötig sei, machte sie ein trauriges Gesicht und sagte: „Es tut mir leid, dass du krank bist.“
Laura Miller / Future Sex Ausgabe 4

Auf der Seite des technischen Supports wird darauf hingewiesen, dass Lisa und Suzy eine zusätzliche Diskette namens „Girlfriend Speaks“ benötigen, um Sprachausgabe zu liefern. Eine solche Diskette habe ich auf Ebay auch gefunden, nur die Hauptprogramme bleiben unauffindbar.
Ebenfalls auf Ebay wurde zum Zeitpunkt dieses Artikels Disk 1 von Girlfriend Suzy verkauft. Leider ist allerdings nirgendwo aufgeführt, wie viele Disketten das Programm eigentlich benötigt. Gab es ein Grundprogramm auf einer einzelnen Diskette und dann die einzelnen Models auf mehreren Disks zusätzlich?

In dieser Anzeige der Compute! aus dem August 1994 wird der benötigte Festplatten-Platz mit 7-10 MB angegeben. Mal davon ausgehend, dass jede Diskette die 1,44 MB Platz komplett ausgenutzt hat, kommen wir auf bis zu sechs Disketten pro Model. Plus natürlich das Sprach-Paket auf der extra ausgelieferten Disk. Von den 10 hoch 30 Kommandos, die Girlfriend angeblich verstehen soll, ist in dieser Anzeige noch nicht die Rede. Hier sind es eine Liste von 3000 Wörtern, die sich aber im Laufe der Gespräche beliebig verlängern lassen soll. Wie gut das funktioniert, habe ich ja weiter oben schon geschildert, ebenso enttäuscht war Laura Miller in ihrem Test.

Bleibt also die Frage, ob gleich drei Spiele verschollen sind (was nicht zur Einordnung von Girlfriend Donna als fünftem Spiel der Reihe passt) oder ein Titel wurde beworben und ist nie erschienen. Aber beide Theorien passen nicht zu den Bestellmöglichkeiten, die AIVR auf ihrer Webseite zuletzt hatten.
Leider ist via Wayback Machine nicht die komplette Webseite des Herstellers aufrufbar. Es findet sich noch eine Seite namens Adult Store, auf der wieder nur Teri, Tracy und Donna beworben werden. Letztere interessanterweise mit einer CD-ROM namens Little Secret, in der die schüchterne Dame angeblich ihre dunkle Seite erforschen möchte. Das Coverbild dieser CD-ROM passt wiederum zu einer einzelnen runterladbaren Wallpaper, die auf der Seite zu finden ist. Abgebildet: Jawoll, Tracy, Teri und Donna. Gehen wir mal davon aus, dass Lisa und Suzy „nur“ auf Diskette erschienen sind und die Bildqualität einfach nicht mehr ausgereicht hat: Was wurde aus der armen Maria?

Ob der fehlende Serienteil mit Maria (falls er je existiert haben sollte) technisch fortschrittlicher war und zum Beispiel Filmchen statt Standbildern verwendet hat, können wir nicht nachprüfen. Allerdings lässt der spärliche Werbe-Text für Girlfriend Donna vermuten, dass „richtige“ Videos erst hier Einzug halten sollten. Auf der Webseite gibt es einen offensichtlich zusammengestoppelten Screenshot, dessen graphische Oberfläche noch nicht fertig ist. Dafür sprechen zum einen die hässlichen großen Knöpfe mit Beschriftungen wie „Debug“ und zum anderen die teils komplett unleserliche Schrift, in der die Dialoge dargestellt werden.
Aber immerhin: Es existiert ein Bild einer neuen jungen Dame. Wenn man der Webseite glauben darf, waren die kompletten Filmaufnahmen abgeschlossen. Wer nicht mehr auf das Spiel warten wollte, hatte daher eine andere Möglichkeit – und spätestens hier wird es eklig-schlüpfrig:
Haben Sie sich jemals gewünscht, bei der Entstehung eines erotischen Films oder Computerspiels zuzusehen? Haben Sie sich je gefragt, wie es ist, direkt dabei zu stehen, während ein sexy Model nackt über das Set läuft? Haben Sie jemals davon geträumt, eine Kamera ganz nah heranzuführen, während eine der attraktivsten jungen Frauen Amerikas sich selbst erregt und zu einem intensiven Orgasmus bringt?
Nun können Sie „The Making of Girlfriend Donna“ aus der Perspektive des Kameramanns, des Regisseurs und der Crew miterleben. Wir bieten Ihnen über 25 Minuten echtes Filmmaterial vom Dreh. Das Band wurde aus mehreren Kameras zusammengestellt, einschließlich des persönlichen Camcorders des Regisseurs! Freuen Sie sich auf all das:
AIVR.com
- Szenen, die zu heiß waren, um es in die finale Software-Version zu schaffen
- Sehr, ähm – persönliche Nahaufnahmen, von denen das Model nicht wusste, dass wir sie machen
- Sehen Sie zu, wie die Sets für „Girlfriend Donna“ entstehen
- Beobachten Sie den Maskenbildner bei der Arbeit an einigen sehr ungewöhnlichen Stellen!
- Pannen, Wiederholungen, Fehler und die Crew beim Herumalbern mit dem Model
- Erleben Sie, wie wir unser schüchternes, zurückhaltendes Model in einen Sex-Dynamo verwandeln!
Wem das noch nicht peinlich genug ist, merke auf und lese gespannt weiter. Denn AIVR hatte diversen Kunden den Posten eines Executive Co-Producers verkauft. Für 150 Dollar konnte eine nicht näher genannte Anzahl an Männern bei den Aufnahmen dabei sein. Das obige Making-of-Video war Teil der Mühen für diesen nervenaufreibenden Job. Da für die nächste CD-Rom, die den Arbeitstitel Girlfriend #6 trug, erneut Stellen „ausgeschrieben“ waren, können wir uns ein Bild von den weiteren Annehmlichkeiten machen. Dort heißt es:
- 2 Exemplare der ersten Auflage der CD-ROM
- Ein persönlich signiertes Foto des Models
- Ein ansprechend gestaltetes Zertifikat, das Sie als Executive Co-Producer von „Girlfriend #6“ ausweist
- Eine kostenlose Kopie der Pannen und Outtakes des Videodrehs (beim letzten Mal haben wir VHS verwendet, aber dieses Mal wird es vermutlich eine CD-ROM)
- Die Chance, bei einer Verlosung eine der vielen beim Videodreh verwendeten Requisiten (Kleider, BHs, Slips, Strümpfe, Schuhe, Bikinis usw.) zu gewinnen. (Wir waschen diese nach dem Dreh nicht, sodass Sie sie direkt vom Körper des Models erhalten!)
- Statusberichte über den Fortschritt der Entwicklung. Diese E-Mails enthalten Bilder, Screenshots oder andere interessante Dinge
- Teilnahme am Beta-Test
Es wurde übrigens an alles gedacht: Bevor der interessierte zukünftige Co-Producer seine Kreditkarten-Daten zücken sollte, durfte er noch aussuchen, ob das signierte Foto ein Nacktbild sein sollte oder eines, das man sich auch ins Wohnzimmer hängen könnte.
Laut Webseite war das Making-of-Video fertig produziert und bereit für den Versand. Doch auch hiervon findet sich keine Spur im Netz. Niemand brüstet sich damit, in den alten Kisten seines Vaters diese seltsame Videokassette gefunden zu haben. Neben den neuen Varianten von Teri und Tracy eine weitere Lücke im angeblich so erfolgreichen Katalog der Firma.
Warum Girlfriend Donna nie erschienen ist? Nun, die wahrscheinliche Antwort ist, dass AIVR die Pforten schloss und alle drei „fast fertigen“ Projekte in den Abgrund riss. Oder aber diese putzige Werbeanzeige auf AIVR.com hatte recht und Donna war einfach zu clever, um das Programm auf die Öffentlichkeit loszulassen.

Girlfriend #6
Girlfriend Donna war noch nicht auf dem Markt, doch AIVR betrieb schon fleißig Recherche für den nächsten Teil der Serie. Neben den erneut ausgeschriebenen „Stellen“ als Executive Co-Producer gab es auch ein Abstimmungs-Tool, mit dem Webseitenbesucher das nächste Model bestimmen durften. Mit dem aktuellsten Stand, bevor die Webseite plötzlich abgeschaltet wurde, möchte ich diesen Artikel schließen. Ich hoffe, ihr hattet trotz oder gerade wegen des Themas Spaß bei der Lektüre.
Basierend auf den Ergebnissen, die wir bisher von mehreren Hundert von euch erhalten haben, und nachdem alle Duplikate entfernt wurden (schämt euch!), wäre die IDEALE Freundin:
- Weiß (Asiatinnen liegen knapp auf Platz zwei)
- Zierlich (Ihr mögt eure Frauen klein)
- Schwarzhaarig (Blond sein wird überschätzt)
- Mit Körbchengröße C (Nicht zu groß, nicht zu klein)
AIVR.com
- Nicht durchsetzungsstark (Warum verstehen Feministinnen diese Botschaft nicht?)

Wird Zeit, das die alten Programmierer wieder hervorkommen! Ich will Terri in HD remastered und mit ChatGPT Interface!
Und dazu noch das verschollene Videoband von Donna.
Gibt es keine Infos zu den Darstellerinnen? 1994 werden das ja keine KI-Modelle gewesen sein sondern echte Frauen (soll es geben, munkelt man).
Für Tracy gibt es ein bisschen Info. Ihr voller Name lautet Tracy Millhollon und sie ist der Star im dem 30-Minuten-Film Dream of a Mermaid aus dem Jahre 1990. Beauties on the beach gibt es wohl auch noch. Für Teri oder – Gott bewahre – die verlorenen Spiele habe ich nichts gefunden.
https://www.mobygames.com/game/139261/girlfriend-tracy/promo/group-72710/image-584407/
Ich muss das T-Shirt haben! Damit mich alle beneiden.
Wenn du schon nicht mehr Executive Producer werden kannst, ist das die zweitbeste Sache 🙂
https://www.ebay.com/itm/296470228539
Hier kannst du ihr Magnus Opus immer noch käuflich erwerben. Zudem gibts noch im Playboy März 91 ein halbseitiges Bild mit Harpune.
Wer wäre da nicht gerne Executive Producer gewesen.
Es gibt echt skurile Software.
Danke für diese unnötige, aber sehr spaßige und unterhaltsame Information.