Serial Cleaners

Der Beitrag “Spiele-Check: Serial Cleaners – Leichenbeseitigung in den 90ern” erschien zuerst am 12.10.2022 auf GamersGlobal als User-Inhalt unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 DE DEED.

Das polnische Studio Draw Distance kennt ihr vielleicht noch unter dem alten Namen iFun4all und von ihren Vampire the Masquerade-Visual-Novels. Oder von Serial Cleaner aus dem Jahr 2016, in dem ihr in einem 70er-Jahre-Setting in einfacher Pastell-Optik an diversen Tatorten die dort verübten Morde vertuschen musstet. Im kürzlich erschienenen Nachfolger Serial Cleaners versetzt es euch diesmal mit einem Vierer-Team von kriminellen Tatortreinigern zwei Jahrzehnte weiter in der Zeit: Die 1990er Jahre.

Cleaning-Party like it’s 1999

Wer den Vorgänger kennt, wundert sich möglicherweise über die Präsentation: Der schlichte 2D-Stil wurde gegen 3D-Optik getauscht. Passend zum 1990er-Setting wirkt die Grafik insbesondere bei Nahaufnahmen verwaschen, so als hättet ihr gerade eure Playstation 2 angeworfen und die Spiel-CD eingelegt. Zum Glück spielt sich das Geschehen aber hauptsächlich aus der Sicht von schräg oben ab. Nach diesem kleinen Schock trefft ihr am Silvesterabend 1999 in der Rolle von Bob, dem Protagonisten aus dem ersten Teil, in eurem New Yorker Bestattungsunternehmen ein. Während euch das Spiel die Steuerung und Mechaniken erklärt, lernt ihr eure drei Putzkollegen kennen. Der Mann fürs Grobe namens Psycho, die Hackerin Vip3r sowie die Möchtegern-Künstlerin Lati haben jeweils eigene Spezialfähigkeiten, die euch beim Beseitigen von Leichen und Beweisen später noch behilflich sein können.

3D-Grafik zum Entsorgen, Hintergrund-Gedudel zum Abschalten

Trotz Wechsel auf 3D ist die Kamera statisch, lässt sich also nicht drehen und auch nur in einer Stufe herauszoomen. In Zwischensequenzen wird ab und zu an die Putzkolonne herangezoomt, was aufgrund der schlimmen Grafik allerdings keine gute Sache ist. Die Hintergrundmusik erschien mir zunächst deutlich besser als die Grusel-Optik. Allerdings hört man sich sehr schnell an den immer wiederkehrenden Loops satt, sodass auf der Haben-Seite nur die Möglichkeit zum Abschalten verbucht werden kann. Doch Äußerlichkeiten sind nicht alles, wie sieht es denn mit dem Gameplay aus?

Belanglose Geschichte und repetitives Gameplay

Das Gameplay ist zumindest zu Beginn durchaus interessant. Die Einbettung in die 08/15-Gangster-Geschichte ist es allerdings nicht. Kurz zusammengefasst erzählen die vier Putz-Profis in Rückblenden von ihren bisherigen Taten bis dann die Geschichte ihren „Höhepunkt“ bei den (rechnerisch falschen) Millenniumsfeierlichkeiten findet. An wenigen Stellen dürft ihr euch mit euren Kollegen in Multiple-Choice-Gesprächen unterhalten, die zu unterschiedlichen Enden führen können.

In der ersten Mission seid ihr mit Bob unterwegs und lernt, wie ihr Beweise, Leichen und Blutspuren verschwinden lasst, damit die verantwortlichen Killer ungeschoren davon kommen können. Dazu entsorgt ihr den „Abfall“ an einer vorgegebenen Stelle im Level, was gleichzeitig auch eine automatische Speicherung des Spielstands auslöst. Ihr fangt gerade mit dem Aufräumen an, als zwei Polizisten anrücken. Vermutlich dem Spielfluss geschuldet, verhalten sich diese aber unfassbar dumm. Einer der beiden schaut buchstäblich die ganze Mission über immer nur eine Wand an, während sein Kollege auf immer gleichen Wegen durch die Wohnung marschiert und sich ab und zu wundert, warum Dinge um ihn herum plötzlich verschwinden. Solltet ihr euch doch einmal erwischen lassen, dürft ihr nahtlos ab dem letzten Speicherpunkt weitermachen. Und so geht es im Grunde genommen in jeder Mission weiter. Spätestens nach ein paar Stunden wird es sehr repetitiv, aber immerhin sind die Schauplätze abwechslungsreich.

Vier Einzelkämpfer ohne Teamgeist

Euer treuester Begleiter ist euer Staubsauger (oder Blutsauger?), mit dem ihr einen gewissen Anteil an Blut entfernen müsst, bis die Mission geschafft ist. Logisch ist das zwar nicht, aber auch das kann man aus Gameplay-Gründen durchgehen lassen. Ansonsten seid ihr sehr pazifistisch unterwegs, selbst bei den besten Gelegenheiten würdet ihr keine Polizisten angreifen. Na ja, außer ihr werft ihnen Beweise an den Kopf oder betäubt sie mit einer ruckartigen Türbewegung. Logik? Egal!

In allen Missionen wird euch ein Protagonist vorgegeben. In manchen Fällen wird während des Levels gewechselt, aber eine freie Charakterwahl ist nicht vorhanden. Die Levels sind dann natürlich auf die besonderen Fähigkeiten der Blut-Putzen ausgelegt: Mit Psycho dürft ihr Leichen mit eurer Kettensäge auseinandernehmen und die Gliedmaßen an die Köpfe der Polizisten werfen, mit Vip3r hackt ihr euch in elektronische Geräte und mit Lati überspringt ihr Hindernisse und lauft euren Verfolgern mühelos davon. Nett, aber schade, dass ihr nicht selbst entscheiden könnt, wen ihr wann spielen möchtet.

Fazit

Zu Beginn gefiel mir Serial Cleaners recht gut, am Ende war ich dann aber doch etwas enttäuscht. Als Schleich-Puzzler-Liebhaber, den die Playstation 2-Optik nicht abstößt, könnt ihr 8 bis 10 Stunden nette Unterhaltung ohne große Überraschungen erwarten. Aufgrund eines Bugs musste ich ein Level einmal komplett wiederholen, ansonsten lief das Spiel stabil. Durch die Speichermöglichkeiten ist es auch für ungeübte Spieler relativ leicht durchzuspielen, auch wenn viele Trial-and-Error-Passagen dabei sind. Die verschiedenen Enden sollen für Wiederspielbarkeit sorgen, ich verspüre aber kein Verlangen, dem nachzugehen.

  • Schleich-Action für PC, Playstation 4, Playstation 5, Xbox One, Xbox Series X|S und Switch
  • Einzelspieler
  • Für Einsteiger bis Profis
  • Preis: 24,99 Euro
  • In einem Satz: Brutaler Putz-Party-Puzzler, dem leider schnell die Luft ausgeht.
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Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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