Im neuesten Abenteuer von Scott Whiskers lautet das Motto: Indiana Jones trifft auf gepflegten Adventure-Wahnsinn – und es funktioniert.

| Titel: | Scott Whiskers in: the Search for the Golden Cat |
| Erscheinungsdatum: | 18.12.2025 |
| Plattformen: | Windows, MacOS, Linux |
| Entwickler / Herausgeber: | Fancy Factory / Fancy Factory |
| Homepage: | https://www.scottwhiskers.com/ |
Obwohl uns Scott Whiskers in: the Search for Mr. Fumbleclaw im letzten Jahr etwas enttäuscht zurückgelassen hat, sind wir mit froher Hoffnung an den Nachfolger namens Scott Whiskers in: the Search for the Golden Cat herangetreten. Dem Titel nach suchen wir also mal wieder eine Katze – bleibt also wieder alles beim Alten? Wir verraten euch, ob sich der Entwickler Axel Friedrich mit seiner Fancy Factory die Kritik am ersten Teil zu Herzen genommen hat. Diesmal sogar in doppelter Besetzung: Zusätzlich zum Bericht von Zwiebelherz hat es sich TheLastToKnow nicht nehmen lassen, einen Meinungskasten beizusteuern.
Insel-Tempel-Chaos

Scott Whiskers verschlägt es diesmal auf eine tropische Insel voller Maya-Relikte, verschrobener Einheimischer und… einer verschwundenen goldenen Katze. Die Story setzt dort an, wo Teil 1 endete, wirkt aber klarer, besser aufgebaut, humorvoller und ohne die zähen Längen des Vorgängers. Euch erwartet zwar keine komplexe Erzählung, sie ist aber sauber strukturiert und angenehm zu verfolgen.

Positiv ist hervorzuheben, dass diese Geschichte auch ohne Kenntnis des ersten Teils funktioniert. Die gut aufgebauten Kapitel bieten im ersten Durchgang insgesamt eine ordentliche Spielzeit von mehr als zehn Stunden.
Die Rätsel in Teil 2 sind abwechslungsreicher, kreativer und insgesamt runder als in Teil 1. Dabei bewegt sich das Spiel auf einem schmalen Grat zwischen klassischer Adventure-Logik, liebevoller Selbstironie und gelegentlichem „Was habe ich da gerade getan?“-Wahnsinn.
Ich musste all meine Adventure-Forensik aufwenden, um das Spiel ohne Komplettlösung durchzuspielen. In manchen Momenten hatte ich das Gefühl eines stillen Zuzwinkerns zwischen Spieler und Entwickler: „Du weißt, dass das Blödsinn ist, aber komm – wir machen’s trotzdem.“
Zwischen clever, herrlich absurd und selbstironisch

Manches Mal steckte ich fest, irgendwo zwischen Frust und analytischem Rätsel-Ping-Pong: Was könnte der Entwickler gemeint haben? Es ist nicht logisch – aber herrlich absurd. Und genau das erzeugt diesen seltenen Moment, den nur Point-&-Click-Adventures kennen: Der Spieler erkennt plötzlich die absurde Logik – und beide, Spieler und Entwickler, geben sich auf der Meta-Ebene die Hand.
Ohne zu spoilern, hier meine Lieblingsbeispiele:
- Ein Wegfinde-Rätsel, bei dem man etwas beobachtet, das eigentlich nichts mit der Problemlösung zu tun haben dürfte… aber es funktioniert trotzdem.
- Ein Rätsel, das nur dann lösbar wird, wenn man besonders hartnäckig bleibt – eine charmante Hommage an Klassiker der 90er.
- Ein Rätsel, das so wild und unlogisch ist, dass es einen Ehrenplatz in der Hall of Fame der Adventure-Absurditäten verdient.
- Ein Finale, das ein ikonisches Filmabenteuer zitiert – so deutlich, dass man sofort grinst. (Und ja: In Sam & Max Hit the Road war es witziger.)
Ein großer Sprung nach vorn

Der kindliche Stil des ersten Teils wurde erkennbar weiterentwickelt und wirkt nun deutlich professioneller. Die solide Präsentation punktet im Vergleich zum Vorgänger mit detailreicheren Hintergründen, einem stimmigen Insel-Look und flüssigeren Animationen. Dazu gesellen sich eine saubere deutsche Sprachausgabe, passende Musik und gutes Sounddesign. Auch wenn euch kein Meisterwerk erwartet, wirkt doch alles absolut angenehm und atmosphärisch.
Die Dialoge sind straffer, pointierter und witziger als im Vorgänger. Besonders die selbstironischen Momente funktionieren hervorragend, ohne in Klamauk abzurutschen. Somit zündet Scott Whiskers 2 zwar kein Dauer-Gagfeuerwerk, hält aber ein locker-leichtes, sympathisches Humorlevel.
Fazit


Scott Whiskers in: the Search for the Golden Cat ist ein liebevoll-chaotisches Feelgood-Adventure mit Kultpotenzial im Rätseldesign. Ein Spiel, das man trotz – oder wegen – seiner Absurditäten gern spielt. Es ist runder, schöner und selbstbewusster als Teil 1, mit echten Highlights, charmanten Hommagen und einer Menge Herz. Zwar stolpert das Rätseldesign gelegentlich in ein Paralleluniversum reiner Absurdität – aber genau das macht es zugleich liebenswert.
Adventure-Fans bekommen ein charmant-chaotisches Inselabenteuer, das sich selbst nicht zu ernst nimmt und trotzdem eine überraschend gute Figur macht. Der reguläre Preis von knapp unter 20 Euro ist absolut vertretbar – im Sale ist es sogar fast ein No-Brainer. Falls ihr nun Lust bekommen haben solltet, Scott Whiskers bei der Suche nach der goldenen Katze zu unterstützen, könnt ihr euer virtuelles Ticket auf die Insel auf Steam oder GOG buchen.
Und was sagt TheLastToKnow dazu?

Ich stimme Zwiebelherz zu – Scott Whiskers in: the Search for the Golden Cat ist besser geworden als sein Vorgänger. Die Geschwätzigkeit wurde zurückgedreht und mit Hilfe einer farblichen Markierung der optionalen Gespräche sinnvoll gestrafft. Auch grafisch ist eine deutliche Verbesserung zu sehen, selbst wenn ich den Stil persönlich nicht umwerfend finde. Die deutsche Sprachausgabe ist ordentlich, wobei mich die Stimme von Scott teilweise genervt hat – vor allem, wenn er mal wieder einen meiner Befehle mit einem schrillen „NEIN“ verweigert. Mit der Geschichte konnte ich hingegen gut leben: Scott gewinnt eine Reise auf eine Insel. Dort angekommen muss er aber erst einmal den Einheimischen bei ihren Problemen helfen, bis er endlich zu seinem wohlverdienten Urlaub kommt. Das ist harmlos, aber unterhaltsam.
Mit dem Rätseldesign war ich aber nicht immer glücklich. Manchmal waren mir Gegenstände (trotz Hotspot-Anzeige) etwas ZU gut versteckt gewesen, manchmal haben sinnvolle Aktionen einfach nicht den gewünschten Effekt gebracht. Beispiel gefällig ?
(Achtung, leichter Spoiler eines Rätsels) Scott muss etwas erhitzen, das geht aber weder an einem Herd, noch mit einem Feuerzeug, noch mit einem warmen Sonnenstrahl – nein, er muss einen ANDEREN warmen Sonnenstrahl an einem ANDEREN Ort finden (Spoiler Ende).
Und von solchen Stellen gibt es leider einige, Zwiebelherz hat ja bereits welche aufgezählt. Die Aufgabenliste, die Scott mitführt, ist zwar nett gemeint, aber keine große Hilfe – ein echtes Hilfesystem würde dem Spiel aus meiner Sicht wirklich gut tun.
Mit ein wenig Unterstützung von Zwiebelherz war ich nach sechs Stunden (zugegeben, ich habe die meisten Gespräche übersprungen oder schnell durchgeklickt) am Ende angelangt und fühlte mich trotz der oben genannten Kritikpunkte gut unterhalten. Ich würde mich freuen, wenn Scott noch weitere Abenteuer erleben dürfte.
