Rom-Hacks, die alte Spiele zugänglicher machen

Spiele für die 8- und 16-Bit-Konsolen sind bekanntlich nicht immer ganz einfach. Auf die Gründe sind wir an dieser Stelle schon häufiger eingegangen. Sei es, um die Spiele unattraktiver für den Videothekenverleih zu machen oder auch, um die Länge der Spiele etwas zu strecken. Zum Glück gibt es seit über zwei Jahrzehnten eine lebendige Community an Romhackern, die einerseits Spiele neu übersetzen oder neue Levels für alte Spiele gestalten – bis hin zu aufwendigen Total Conversions, die dann mit dem Original nur noch die Engine gemein haben. Eine dritte Kategorie sind Hacks, die Spiele schlicht etwas fairer gestalten wollen, und mit dieser Kategorie beschäftigen wir uns heute. Verlinkt sind die Patch-Dateien, die dazugehörigen Roms müsst ihr selbst ausfindig machen.

Welche Rom-Hacks, die in eine ähnliche Richtung gehen, könnt ihr empfehlen? Schreibt sie gerne in die Kommentarsektion!

Comix Zone – Fair Edition
(Link zum Patch)

Comix Zone ist einer dieser großen Sega-Klassiker der mittleren 90er Jahre und hat eine sehr coole Prämisse: Ein Comiczeichner wird in seinen eigenen Comic katapultiert und muss sich nun durch die von ihm erdachte Welt kämpfen. In diesem Beat ‚em Up durchlauft ihr die verschiedenen Panels einer Comicseite, bekämpft die unterschiedlichsten Mutanten und löst kleine Umgebungsrätsel.

Das Spiel ist berüchtigt für seinen hohen Schwierigkeitsgrad. Es gibt nur ein Leben und keinerlei Continue-Möglichkeiten. Richtiggehend unfair wird das Spiel jedoch dadurch, dass die seltenen Energy Drinks nur einen Teil der Lebensenergie regenerieren. Außerdem müsst ihr in einigen Panels massive Steine oder Käfige mit den Fäusten zerstören, was konstant Lebensenergie abzieht. Hier kommt dieser Hack zum Einsatz: Einerseits regenerieren die Energy Drinks die vollständige Lebensenergie, und wenn ihr mit den Fäusten Objekte zerstören müsst, kostet das keine Lebensenergie. Das Spiel bleibt damit immer noch eine große Herausforderung, wird aber etwas fairer.

Stellen wie diese gibt es in Comix Zone immer wieder: Objekte wie Käfige oder Steine sollen zerstört werden. Jedoch kostet das normalerweise nicht wenig Lebensenergie.

Tiny Toon Adventures – Buster Busts Loose – JP Remix
(Link zum Patch)

Konami war in den 90er Jahren berüchtigt dafür, Spiele für den westlichen Markt wesentlich schwerer zu machen. Die Hintergründe habe ich hier aufgeschrieben. Das SNES-Spiel zu den Tiny Toons war da keine Ausnahme. In der japanischen Version hatte das Spiel unbegrenzt Continues und zwei Schwierigkeitsstufen: Kids und Normal. Die Kids-Stufe hat 50 bis 75 Prozent der Levels kürzer gemacht. Beide Schwierigkeitsstufen hatten ein Passwort-System. In der westlichen Version gibt es neben den beiden Stufen auch noch eine Challenge-Stufe. Eigentlich derselbe Schwierigkeitsgrad wie Normal, nur mit einem einzigen Lebensherzen. Für die westliche Version wurde aber das Passwort-System für den normalen Schwierigkeitsgrad deaktiviert und die Credits mit lustigen Animationen der Tiny Toons wurden hinter dem Challenge-Modus versteckt.

Dieser Hack korrigiert die damaligen Entscheidungen von Konami USA. Es gibt nun wieder ein Passwort-System für den normalen Schwierigkeitsgrad und die eigentlichen Credits mit den Animationen gibt es nun, wenn das Spiel auf allen drei Schwierigkeitsstufen durchgespielt wird.

Tiny Toon Adventures – 4 Hearts Hack
(Link zum Patch)

Wir bleiben noch ein wenig bei den Tiny Toons, immerhin gab es damals nicht wenige Spiele zur Cartoonserie. Bei der NES-Version gab es keine Unterschiede zwischen den Regionen. Das Spieldesign an sich war aus heutiger Sicht jedoch herausfordernd. In diesem Jump & Run durchquert ihr wie gewohnt die Levels, jedoch gibt es nur ein einziges Herz, das manchmal aufgesammelt werden kann und euch einmalig vor einem Lebensverlust schützt, wenn ihr von Gegnern getroffen werdet. Das war im damaligen Game-Design der Spiele Standard.

Wer sich das Spiel um einiges einfacher machen möchte, für den ist dieser Hack genau richtig. Statt eines Herzens bekommt ihr hier ganze vier Herzen, wenn ihr das entsprechende Item aufsammelt. Ihr verliert ein Leben also erst nach dem fünften Treffer durch Gegner. Vor allem in der zweiten Hälfte zieht der Schwierigkeitsgrad spürbar an, sodass ihr mit diesem Hack auch gute Chancen habt, wenn ihr keine Genreprofis seid.

Beavis and Butt-Head does SNES
(Link zum Patch)

An dieser Stelle sei ganz allgemein auf die wirklich guten Veröffentlichungen des Hackers BillyTime! Games verwiesen. Egal ob Super Star Wars, Duffy Duck – The Marvin Missions, Jurassic Park II, Combat Cars, Addams Family und Addams Family Values, Judge Dredd, Dennis the Menace oder Virtual Bart und Bart vs. The Space Mutants – für all diese (und noch viel mehr) Spiele hat der Hacker passende Balance- und Quality-of-Life-Patches parat.

Auch die MTV-Chaoten haben auf ihrem SNES-Auftritt von dem Hacker etwas Liebe spendiert bekommen. Im Grunde ist das Spiel gar nicht sooo übel. Es fängt den Charme der alten Cartoonserie hervorragend ein, bietet schöne Grafiken, witzige Animationen und einen ganz okayen Soundtrack. Wie bei vielen Lizenzspielen jener Zeit litt das Spiel jedoch unter einem zu hohen und unbalancierten Schwierigkeitsgrad. Dieser wird mit diesem Patch adressiert: Gegner verursachen weniger Schaden, zwischen den Levels wird die Gesundheit wiederhergestellt, Nahrung gibt mehr Gesundheit zurück und wenn ihr Nahrung bei voller Gesundheit einsammelt, winkt ein Extraleben. Mit all diesen Änderungen macht das Spiel plötzlich Spaß, besonders im 2-Spieler-Modus.

Castlevania II Retranslation
(Link zum Patch)

Das zweite Castlevania-Abenteuer auf dem NES war kein linearer Action-Platformer wie sein Vorgänger. Stattdessen war es das erste Spiel der Reihe im Action-Adventure-Genre. Das heißt, ihr erforscht in diesem Spiel eine große zusammenhängende Welt mit Tag-Nacht-Zyklen, zahlreichen Geheimnissen und Dörfern mit NPCs. Anders als bei vielen anderen Castlevania-Spielen gibt es bei Castlevania II keine Unterschiede zwischen westlicher und japanischer Version, was die Spielmechanik betrifft. Trotzdem ist die westliche Version wesentlich schwieriger. Wie kommt das?

Ein Grund ist die mehr als miese Übersetzung. In der westlichen Version haben die NPCs nur wenig hilfreiche Informationen und Tipps, stattdessen führen die Texte oft in die Irre. Ein Beispiel wäre der Satz „The curse has killed the laurel tree“. Das klingt wie Fluff-Text über eine abgestorbene Pflanze und lässt kaum eine spielrelevante Aktion erkennen. In der japanischen Vorlage steckt der eigentliche Sinn: Ohne lebende Laurels geht die Figur im verfluchten Sumpf zugrunde. Damit wird aus einem „Lore“-Satz ein Hinweis auf eine echte Progress-Barriere, also eine Sumpfpassage, und auf die Notwendigkeit, ausreichend Laurels mitzunehmen beziehungsweise die Tragekapazität zu erhöhen. Die westliche Zeile lenkt damit vom eigentlichen Problem weg, weil der Schlüsselbegriff „Sumpf“ und die Konsequenz „ihr braucht Laurels“ nicht als klare Handlungsaufforderung auftauchen. Das ist kein Einzelfall. Die westliche Version ist voll von solchen irreführenden Texten der NPCs.

Ein weiterer Grund liegt darin, dass in der japanischen Version eine Karte der Spielwelt beilag, mit der sich Spieler im Spiel orientieren konnten. Diese Karte wurde bei Konami in der westlichen Version eingespart, wodurch die Orientierung deutlich erschwert wurde.

Diese Neuübersetzung ist einerseits sehr nahe am japanischen Original, gleichzeitig wurde aber auch auf die Verständlichkeit der Texte Wert gelegt. Zudem kann nun jederzeit per Select-Taste eine digitalisierte Version der Karte aufgerufen werden, mit der ihr euch im Spiel orientieren könnt. Außerdem gibt es noch weitere optionale Features, etwa ein Speichersystem oder die Möglichkeit, mehrere Peitschen mit sich zu führen.

Teenage Mutant Ninja Turtles:
Back to New York (Link zum Patch)
Pizza Party (Link zum Patch)

Wenn es ein NES-Spiel gibt, das von Rom-Hacks stark profitiert, dann definitiv das erste Teenage Mutant Ninja Turtles-Spiel von Konami. Es war zur damaligen Zeit ein sehr ambitioniertes Spiel, das versuchte, der Vorlage gerecht zu werden – aber Game-Design, Präsentation und Schwierigkeitsgrad wirken heute sehr archaisch und wenig einladend.

Back to New York ändert vor allem das Game-Design und die Präsentation. Das Team-System wurde stark überarbeitet. Im Spiel gibt es ja die Möglichkeit, jederzeit zwischen den vier Turtles zu wechseln. Das Problem im Original war, dass Donatello mit seinem Bo-Stab völlig überpowert war. Er hatte die längste Reichweite und auch die höchsten Stärkewerte, was die anderen drei Turtles geradezu nutzlos machte. Im neuen System sind die Stärken und Schwächen gerechter verteilt. Leonardo ist mit seinem Schwert der Allrounder. Raphael hat die niedrigste Reichweite, jedoch die stärksten Angriffe. Donatello behält die große Reichweite, jedoch sind seine Angriffe nun am schwächsten. Und Michelangelo ist für hohe und weite Sprünge gut zu gebrauchen. Des Weiteren wurden zahlreiche Sprites ausgetauscht, die Story wurde etwas erweitert und passt nun besser zu den Figuren. Jedoch wurde nur wenig am generellen Schwierigkeitsgrad geändert.

Hier kommt der zweite Patch Pizza Time zum Einsatz. Die wichtigste Neuerung ist, dass Pizzastücke nun allen Turtles zugutekommen, die nicht gekidnappt wurden. Das Knockback bei Treffern durch Gegner wurde abgeschaltet und die Unterwassersektion in Level 2 hat etwas mehr Zeit bekommen.

Mit diesen beiden Patches in Kombination bekommt ihr meiner Ansicht nach die modernste und spaßigste Erfahrung des Spiels.

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Über Nischenliebhaber

Ostdeutsches Videothekenkind der 90er Jahre. Liebt Spiele- und Retrokultur ebenso wie subkulturelle Musik aus aller Herren Länder und lange Spaziergänge durch dunkle Wälder des Erzgebirges.

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2 Comments on “Rom-Hacks, die alte Spiele zugänglicher machen”

  1. Wie so oft ein sehr schöner Artikel. Als Fan von Hacks und Homebrew-Fans freue ich mich jedes Mal, wenn ein neuer Artikel von dir zu den Themen kommt.

    Das Thema ist auch sehr interessant. Passend zu dem Thema Improvement-Hacks sind ja auch Colorisierungen, aber für die gibt es , ja bereits einen separaten Artikel.

    Der Artikel hier war sehr interessant zu lesen, da mich die Titel selbst aber so oder so nicht reizen, werde ich die Hacks aber wohl nicht nutzen.

    Bis auf einen und das ist Teenage Mutant Nina Turtles. Ich weiß gar nicht, wie oft ich das Spiel als Kind damals gespielt habe, aber ich bin nie über das Wasser-Level hinaus gekommen. Und als ich deinen Text las ist mir auch direkt wieder eingefallen, dass ich natürlich auch nur mit Donatello genommen habe. Der war wirklich viel zu OP. Das hätte eigentlich damals schon den Entwicklern offensichtlich sein können. Vor allem, da es einerseits aus Spieldesign-Gründen nicht sehr sinnvoll ist, aber auch rein inhaltlich ebenso. Dass der Bo-Stab den Reichweite-Vortal hat ist klar, aber wieso sollte ein Schlag damit mehr Damage machen, als mit einem Katana-Schwert getroffen zu werden?

    Was die Entwickler dazu bewogen hat sich dafür so zu entscheiden, werden wir wohl nicht erfahren. Aber auf jeden Fall hört sich die Kombi der beiden Hacks so sinnvoll an, dass ich sie wohl wirklich mal demnächst ausprobieren und das Spiel dann vielleicht beenden werde. Leider ohne Retroachievements.

    1. Danke Dir für Deinen Kommentar. Schau mal auf die verlinkte Autorenseite von BillyGames auf Romhack Plaza. Vielleicht findest Du ja da noch Patches zu Spielen, die Dich interessieren.

      Zu den Turtles: Ich denke, das wird derselbe Grund sein wie fast immer bei damaligen Lizenzspielen, zu wenig Zeit und dadurch wenig Qualitätskontrolle. Darunter haben ja so gut wie alle Lizenzspiele damals gelitten. Weil Spiele zu irgendwelchen Kinostarts oder Serienstarts oder was auch immer fertig sein sollten.

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