Road to Devadatta

Der Beitrag “Spiele-Check: Road to Devadatta – Kopfnüsse und Geduldsproben” erschien zuerst am 17.04.2023 auf GamersGlobal als User-Inhalt unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 DE DEED.

Während der Suche nach dem nächsten Indie-Adventure-Geheimtipp stieß ich bei meiner Recherche auf Road to Devadatta vom spanischen Indie-Studio Open & Close. Die Prämisse klang für mich sehr interessant: Ihr besucht einen geheimen Tempelkomplex und müsst dort verschiedene Rätsel und Aufgaben lösen, um euch als „würdig“ zu erweisen. Schafft ihr das, winkt als Belohnung die Aufnahme in den Kult des Mönchs Devadatta, einem Cousin von Buddha und zugleich auch sein Erzfeind. Nebenbei soll euch sogar noch etwas Geschichte vermittelt werden.

In meinem Kopf entstanden Bilder von riesigen Tempelanlagen voller Fallen, großen Statuen und mystischen Objekten, die ich bereits in vielen Filmen und Spielen gesehen und bewundert habe, und so machte ich mich voller Vorfreude ans Werk. Was sollte da schon schiefgehen?

Der Beginn wirkt ernüchternd

Der Anfang des Spiels verpasst mir allerdings zunächst einen Dämpfer. Ihr steuert den Protagonisten Alo aus der Ego-Perspektive und möchtet euren Onkel auf seinem Landsitz besuchen. Das Haus ist jedoch verschlossen, euch fällt aber ein, dass euer Onkel immer einen Ersatz-Schlüssel im „Lagerhaus“ aufbewahrt würde. Allerdings ist das einzige Gebäude, das in der kargen Umgebung auffindbar ist, eher eine Kapelle oder ein Schrein, so zumindest der Eindruck beim Blick durch die Fenster. Die Tür ist mit dem ersten Rätsel des Spiels versehen, in dem es darum geht, vier kleinen Buddha-Statuen jeweils ein Symbol zuzuordnen. Hinweise zur Lösung dieses Rätsels konnte ich keine ausmachen.

Aufgrund der tristen Optik und des unmotivierenden Einstiegs stehe ich schon kurz davor, das Experiment abzubrechen. Aber vielleicht ist das ja schon die erste Prüfung meiner Mönchsgeduld? Mit ein wenig Nachdenken und Herumprobieren lässt sich das erste Rätsel auch ohne Hinweise lösen. Im „Lagerhaus“, in dem nichts gelagert wird, offenbart ein Brief, dass sich euer Onkel nun dem Devadatta-Kult angeschlossen hat. Beim Verlassen des Gebäudes knipst euch ein Unbekannter mit einem Schlag auf den Kopf das Licht aus.

Der Mittelteil zeigt die Stärken des Spiels

Es kann also hoffentlich nur besser werden. Und tatsächlich, es wird besser. Ihr wacht in einem ungemütlichen, bergigen Gebiet auf und müsst nun versuchen, euren Weg zum Tempel zu finden. Zunächst bestehen eure Aufgaben aus Trivialitäten wie dem Stapeln von Steinblöcken, um Felsvorsprünge hochzukommen. Sobald ihr die ersten Gebäude findet, geht es häufig um das Finden von Schlüsseln, das Deuten von Symbolen oder generell das Lösen von Raumrätseln. Mit den großen Statuen und der Fackelbeleuchtung wirkt sogar die anfangs triste Grafik atmosphärisch. Eine Geschichte wird dabei aber kaum erzählt, ihr findet nur hier und da einen Zettel, der euch etwas über eure Prüfungen oder über Devadatta vermitteln möchte.

Zwischen den Rätselräumen fangen dann die ersten Geschicklichkeitspassagen an, bei denen ihr euch springenderweise über Plattformen bewegen müsst. Für mich sind solche Einlagen meistens Frustmomente, auf die ich gerne verzichte. Sie sind für mich der wahre Horror des Spiels, ganz anders als zum Beispiel die Monster, die euch gelegentlich anfallen möchten. Kämpfe gibt es im Spiel nicht, also hilft es hier nur, die Beine in die Hand zu nehmen.

Der Schlussteil wird zur Geduldsprobe

Wie befürchtet, nehmen diese Geschicklichkeitspassagen nach und nach immer mehr Raum im Spiel ein. Neben der Hüpferei müsst ihr Fallen umgehen, kleine Ziele mit Steinen abwerfen und Timing-Rätsel über euch ergehen lassen. Das letzte Drittel des Spiels bringt mich dann tatsächlich auch (fast) an den Rande des Abbruchs. Ich bin dann aber doch motiviert genug, das Spiel zu beenden, und sei es nur, um damit in diesem Check angeben… ähm, davon berichten zu können.

Wenn euch folgende Beschreibung nicht abschreckt, ist das Spiel vielleicht etwas für euch: Nachdem ihr euch mit einigen Feuerfallen herumgeschlagen habt, landet ihr in einer Schlucht, in der mehrere große Statuen hintereinander in einem Lavasee stehen. Ein beeindruckendes Bild. Nun müsst ihr einen Weg an ihnen vorbei finden, was bedeutet, dass ihr sowohl in den Felswänden als auch auf den Statuen Stufen suchen müsst, auf die ihr springen könnt. In der Ego-Perspektive ist das wahrlich kein Spaß, zudem sowohl die schwammige Steuerung als auch so manche „unsichtbare“ Kante, an der ihr hängenbleiben könnt, nicht gerade hilfreich dabei sind. Habt ihr euch bis zur letzten Statue vorgekämpft und leistet euch dann einen Fehltritt, dürft ihr die gesamte Kletterpartie von vorne beginnen! Für mich ist das entweder purer Sadismus oder schlechtes Game-Design. Sobald diese knifflige Stelle geschafft ist, machen sich als kleiner Trost immerhin kurz Glückgefühle breit.

Danach folgt nur noch eine kleinere Kopfnuss, die das Umleiten von Lichtstrahlen beinhaltet, und schon geht es in die heiligen Hallen des Kults. Hier eine kleine Warnung: Es wird dort etwas blutig.

Fazit

Nach fünf bis sechs Stunden habe ich mich als würdig erwiesen und das Spiel beendet. Davon habe ich im letzten Drittel des Spiels wohl mindestens eine Stunde oder mehr mit „Danebenhüpfen“ oder ähnlichem „totgeschlagen“. Die Rätsel im Mittelteil und die generelle mystische Stimmung in den Tempeln des Kults haben mir gefallen. Gepaart mit meiner Schwäche für große Statuen muss ich feststellen, dass ich wohl mehr als die Hälfte der Spielzeit meinen Spaß mit Road to Devadatta hatte. Wenn euch die geschilderten Geschicklichkeitspassagen allerdings abschrecken, würde ich euch von dem Spiel abraten. Es sei denn, ihr möchtet euch selbst einmal beweisen, dass auch ihr eine Mönchsgeduld besitzt.

Info für Steam-Deck-Benutzer: Ich konnte das Spiel ohne technische Probleme darauf durchspielen.

  • First-Person-Rätsel- und Geschicklichkeitsspiel für PC
  • Einzelspieler
  • Für Fortgeschrittene bis Profis
  • Preis: 9,99 Euro
  • In einem Satz: Atmosphärische Rätsel gepaart mit potentiell frustrierenden Hüpfeinlagen.
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Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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