Im sechsten Teil der Reigns-Reihe begleitet ihr Geralt aus der Videospiel-Adaption von The Witcher durch die kuriosesten Situationen. Wisch nach links oder Wisch nach rechts?

| Titel: | Reigns: The Witcher |
| Erscheinungsdatum: | 25.02.2026 |
| Plattformen: | Windows, MacOS, Android, iOS |
| Entwickler / Herausgeber: | Nerial / Devolver Digital |
| Homepage: | https://www.reignsgame.com/witcher |
Kaum zu glauben, aber der erste Teil von Reigns ist tatsächlich mittlerweile zehn Jahre alt. Das von einer Dating‑App inspirierte, im Grunde genommen simple Entscheidungsspiel wurde zu einem echten Indie‑Hit und zog über die Jahre mehrere Nachfolger nach sich. Die ersten Teile habe ich damals mit Vergnügen auf meinem Mobiltelefon gespielt, auch wenn der spielerische Anspruch recht gering war und es viel Geduld brauchte, um voranzukommen.
Nun bringt das Londoner Studio Nerial in Zusammenarbeit mit Publisher Devolver Digital den mittlerweile sechsten Teil auf den Markt. In Reigns: The Witcher trefft ihr aus der Perspektive von Geralt, dem Hexer, Entscheidungen – allerdings mit einem kleinen Kniff. Ich habe diese Gelegenheit genutzt und seit Jahren erstmals wieder meine Reigns‑Erfahrungen aufgefrischt (diesmal auf dem Steam Deck).
Ein Kniff?

Streng genommen spielt ihr in Reigns: The Witcher nicht Geralt von Riva, sondern den Barden Rittersporn, der sich die Geschichten über den Hexer nur ausdenkt, um an seiner eigenen Künstlerkarriere zu feilen. Diese erzählerische Freiheit erlaubt es, stark überzeichnete, humoristische Episoden „aus dem Leben“ von Geralt zu erzählen, die gerne einmal mit dem Tod oder anderen unschönen Schicksalen enden. Rittersporn hat schließlich wenig Interesse daran, den Hexer gut aussehen zu lassen – er möchte ein möglichst dramatisches Bühnenstück präsentieren, um so selbst zu Berühmtheit zu gelangen.

Jede dieser erfundenen Geschichten ist ein eigener Durchlauf, nach dem Rittersporn an Ruhm gewinnt und neue Inspirationen freischaltet. Diese Inspirationen bestimmen wiederum, welche Ereignisse im nächsten Run auftauchen, welche Regeln gelten und welche Quests ihr überhaupt erfüllen könnt. Rittersporns wachsender Ruf ist also nicht nur ein erzählerisches Motiv, sondern das zentrale Progressionssystem des Spiels. Habt ihr genug Inspirationskarten gesammelt, winken euch Spezialauftritte, in denen ihr die richtigen Inspirationen zum richtigen Zeitpunkt wählen müsst.
Das Grundspielprinzip der Serie bleibt auch hier gleich: In einer kurzen Begegnung werdet ihr mit einer Karte konfrontiert, die euch eine Entscheidung abverlangt – ein Wisch nach links oder ein Wisch nach rechts, mehr Interaktion gibt es nicht. Links steht dabei in der Regel für Ablehnung, Zurückhaltung oder eine vorsichtigere Herangehensweise, während ein Wisch nach rechts meist Zustimmung, Unterstützung oder ein aktives Eingreifen bedeutet.
Wischi Waschi?

Ganz so beliebig, wie das ständige Links‑oder‑Rechts‑Wischen auf den ersten Blick wirkt, ist es in Reigns: The Witcher nicht. Hinter jeder Entscheidung steckt ein kleines Geflecht aus Konsequenzen, das Rittersporns Geschichten in unterschiedliche Richtungen lenkt. Jede Karte steht für eine Begegnung, jede Begegnung beeinflusst die Stimmung der drei großen Fraktionen (Menschen, Anderlinge und Zauberer) und jede Verschiebung kann darüber entscheiden, wie lange eure aktuelle Erzählung überhaupt weitergeht. Denn füllt (oder leert) sich einer der Fraktionsbalken vollständig, heißt es für euch Game Over, meist aus einem fadenscheinigen Grund.

Weil Rittersporn seine Geschichten möglichst dramatisch ausschmücken möchte, bleibt das Balancespiel dabei bewusst undurchsichtig: Ihr seht, welche Gruppen betroffen sind und wie stark, aber nicht, ob ihr euch damit Freunde oder Feinde macht. Das sorgt dafür, dass selbst harmlose Entscheidungen plötzlich ins Chaos kippen können, was im Grunde genommen aber auch den Reiz der Reigns-Reihe ausmacht.
Ganz ohne Action kommt Rittersporns Fantasie aber nicht aus. Immer dann, wenn das Monster‑Icon gefüllt ist, verlässt Reigns: The Witcher kurz das reine Entscheidungswischen und wirft euch in einen kleinen Kampf, der das Hexer‑Thema spielmechanisch aufgreift. Geralt bewegt sich dabei im Takt am unteren Bildschirmrand von Feld zu Feld, während von oben Symbole herabfallen. Eure Aufgabe besteht einzig darin, rechtzeitig die Richtung zu wechseln: Schwertsymbole müsst ihr einsammeln, um das Monster zu verwunden, Angriffen solltet ihr ausweichen, und sporadisch auftauchende Hexer-Zeichen lösen beim Berühren hilfreiche Boni aus. Solltet ihr zu oft getroffen werden und alle Lebenspunkte verlieren, ist euer Run damit beendet. Mir persönlich hat am Kampf am besten die Möglichkeit gefallen, sie in den Optionen zu deaktivieren.
Schlicht aber nicht schlecht

Mal abgesehen von der stets gleichen Grund-Mechanik wusste die Reigns-Reihe auch immer mit ihrem Humor zu überzeugen, und auch Reigns: The Witcher enttäuscht in dieser Hinsicht nicht. Rittersporns überzeichnete Erzählweise lässt euch die sonst eher düsteren Themen aus der Hexer-Welt mit einem Augenzwinkern erleben.

Auch bei der der Präsentation bleibt sich Reigns treu. Erwartet also keine Grafikwunder, sondern eher klare Illustrationen, ein reduziertes Interface und eine Musik, die erstaunlich gut zur Mischung aus Parodie und Monsterjagd passt. Die knappen Texte bringen auch in der deutschen Fassung die Situationen gut auf den Punkt.
Wie bei allen Teilen der Reihe hängt die Langzeitmotivation davon ab, wie oft sich Begegnungen wiederholen, doch die Inspirationskarten und die dazu passenden Karten sowie die regelmäßigen Spezial-Auftritte sorgen für genug Abwechslung, um immer mal wieder einen Run zu starten. Reigns war und ist aber eher kein Spiel, das ihr stundenlang am Stück spielen werdet. Technisch läuft das Spiel unauffällig stabil und eignet sich dank der kurzen Runs und der simplen Steuerung nicht nur gut für Mobiltelefone oder Tablets, sondern auch für Handhelds wie das Steam Deck.
Fazit


Auch zehn Jahre später macht mir das Reigns‑Prinzip noch Spaß. Der Roguelite‑Aspekt ist motivierend genug umgesetzt, um immer mal wieder einen Run für ein paar Minuten zu starten. Neben den oft herrlich absurden Begegnungen sorgen schließlich auch stetige Belohnungen und Freischaltungen darauf, euch weiter voranzubringen. So sammeln sich über die Zeit ganz automatisch einige Spielstunden an – und auch bei mir wird die Spielstandsanzeige sicher noch weiter in die Höhe klettern. Glücklicherweise lassen sich die Kämpfe in den Optionen ausstellen, sonst hätte das bei mir ganz große Abzüge in der B-Note gegeben.
Wenn ihr also wisst, worauf ihr euch einlasst, dann wird euch Reigns: The Witcher bestimmt nicht enttäuschen. Ihr dürft natürlich keine tiefgreifende Geschichte oder gar ein echtes Rollenspiel erwarten, aber das sollte aus meinem Bericht klar geworden sein. Solltet ihr jetzt auf den Geschmack gekommen sein, könnt ihr bei Steam, GOG, Google Play oder im App Store zuschlagen.
