Pumuckl und die Krone des Piratenkönigs

Auch wenn ich ein ostdeutsches Videothekenkind bin, das dazu die 80er-Jahre als Kleinkind hinter dem Eisernen Vorhang verbracht hatte, habe natürlich auch ich in meiner späteren Kindheit gerne und viel Zeit mit der Serie Meister Eder und sein Pumuckl verbracht. In den späteren Jahren kam dann auch meine noch viel größere Begeisterung für die alten Radiohörspiele mit Alfred Pongratz in der Rolle des Franz Eder, der mir sogar noch ein kleines Stück besser gefallen hat als Gustl Bayrhammer. Auch wenn Gustl natürlich der perfekte Schauspieler für die TV-Serie war. Sogar mit den bei Fans ungeliebten Fortsetzungen wie Pumuckl und sein Zirkusabenteuer hatte ich durchaus etwas Spaß. Will sagen: Ich bin großer Pumuckl-Fan!

Insofern war auch ich skeptisch, als RTL 2022 eine neue Serie ankündigte. Ausgerechnet RTL! Aber: Neue Geschichten vom Pumuckl, deren erste Staffel es seit 2023 bei RTL+ zum Streamen gibt und die zweite Staffel gerade auf Vervollständigung wartet, hat mich richtiggehend begeistert. Die Fortsetzung der alten Serie behielt den Charme der alten Geschichten und modernisierte das Storytelling sehr behutsam. Und: Florian Brückner als Franz Eders Neffe Florian ist geradezu hinreißend. Sein Angang ist natürlich ein komplett anderer als der des guten alten Franz, der seinerzeit sehr väterlich agierte. Florian ist mehr der Typ bester Kumpel und die Erziehung des Kobolds steht nicht ganz so im Vordergrund.

Die Serie war erfolgreicher, als es sich wahrscheinlich so mancher Beteiligter selbst vorgestellt hatte. Zwischenzeitlich gab es mit Pumuckl und das Missverständnis ein richtiges Kinoabenteuer und Amazon hat eine Art Sketch-Comedy-Reality-Show mit dem Kobold angekündigt. Und nun auch noch ein Videospiel! So viel Medienrummel hatte der Kobold in der Tat schon ewig nicht mehr verursacht.

Entwickelt wurde Pumuckl und die Krone des Piratenkönigs beim Oldenburger Studio Quantumfrog, das in den letzten Jahren vor allem mit Serious Games und Lernspielen auffiel und da auch diverse Preise gewonnen hat. So viel sei schon mal vorweggenommen: Preisverdächtig ist das neue Videospiel leider bei Weitem nicht.

Puzzle-Platformer der altbackenen Sorte

Die Ausgangslage ist typisch für unseren kleinen Schlawuzi: Er soll seinen Bereich der Werkstatt aufräumen und hat alles mal eben schnell in einen Schrank gestopft. Wie es kommen musste, platzte der Schrank aus allen Nähten und das Chaos gewann wieder die Oberhand. In diesem Chaos entdeckt Pumuckl eine Flasche mit einem Schiff. Und schneller, als er einen seiner berühmten Reime aufsagen kann, wird er durch einen magischen Strudel in eine fremde Welt katapultiert. Dort trifft er den jungen Piratenkapitän Krimskrams. Sein Piratenschiff wurde vom bösen Piratenkönig verflucht, der sich in einem Versteck verschanzt, dessen Tür man nur mit 35 magischen Schokoladendublonen aufbekommt. Hier kommt nun unser Kobold ins Spiel, der diese Dublonen in 35 Levels sammeln soll.

Diese 35 Levels sind wie kleine Dioramen aufgebaut, wie man sie aus Spielen wie Captain Toad – Treasure Tracker kennt. Die meiste Zeit gilt es, einen Weg zur magischen Schokolade zu finden, wobei sich in manchen Levels Geister und Skelette in den Weg stellen. An diesen kann sich der Kobold entweder vorbeischleichen oder ihnen durch einen gezielten Muschelwurf den Garaus machen. Diese Muscheln müssen jedoch an bestimmten Stellen aufgesammelt werden und Pumuckl kann immer nur eine Muschel gleichzeitig tragen.

Den größten Teil verbringt der Kobold – und damit ihr als Spieler – jedoch mit Kistenschiebe- und Schalterrätseln. Immer wieder werden mit Schaltern in den Levels Tore aufgestoßen und Hindernisse deaktiviert. Ab und an gibt es auch mal ein kleines Memory oder kleine Geschicklichkeitspassagen, in denen Dornen ausgewichen werden. Zudem werden Kisten auf Schalter geschoben oder dienen dazu, an höhere Orte springen zu können. In einigen Levels sollen auch alle Flaschen mit den Muscheln zerstört werden. Im Wesentlichen war es das dann auch schon. Ich habe für diesen Test 20 der 35 Levels gespielt und diese wenigen Gameplay-Elemente werden immer wieder variiert und wiederholen sich schnell. Ich empfand dieses Gameplay als ausgesprochen altbacken, denn Schiebe- und Schalterrätsel waren schon in meiner Kindheit (also Anfang der 90er-Jahre) langweilige, alte Spielmechaniken. Fiel den Entwicklern von preisgekrönten Lernspielen wirklich nichts Besseres ein? Es gäbe doch noch viel mehr interessante Mechaniken in den Bereichen Bilderrätsel, Worträtsel, Physikrätsel, kleine Mechanikrätsel, Lichträtsel oder Logikrätsel, mit denen die Entwickler für mehr Abwechslung hätten sorgen können. Auch wird Pumuckls Charakter nicht im Gameplay abgebildet. Wir haben es mit einem Streiche spielenden Kobold zu tun! Wieso weicht er den Gegner aus, statt ihnen beispielsweise kleine Fallen zu stellen?

Des Weiteren empfand ich das Spiel trotz seiner zwar bunten und hellen Grafik als äußerst leer und auch etwas melancholisch. Denn wirkliches Leben kommt nicht auf. In den meisten Levels ist der Pumuckl allein auf weiter Flur und löst die oben beschriebenen Rätsel. Es findet keinerlei Interaktion mit irgendeiner anderen Figur statt. Ja, es gibt den Papagei, den ihr an einigen Stellen ansprechen könnt – dort lassen sich lediglich Münzen gegen Extraleben tauschen und ab und an gibt es mal einen kleinen Tipp. Hätte man dem Pumuckl nicht ein handliches Videotelefon geben können, mit dem er Kontakt zu Florian Eder aufnehmen könnte? Das wäre nicht nur eine schöne Möglichkeit gewesen, Meister Eder in das Spiel zu integrieren, sondern auch eine ideale Gelegenheit für die liebevollen Wortgefechte und Kabbeleien zwischen den beiden. Zudem wäre ein Eder im Spiel doch ein wesentlich coolerer Tippgeber für Rätsel als ein Papagei. Auch hätten der Spielwelt wesentlich mehr Bewohner und Charaktere gutgetan. Ich finde einfach, dass Pumuckl als Figur alleine nur sehr selten funktioniert. Er braucht einen Gesprächspartner, mit dem er sich messen kann. Das macht den kleinen Schlawuzi doch erst aus!

Womit wir übrigens bei der Vertonung wären. Wer den Pumuckl gesprochen hat, geht aus den Credits leider nicht hervor. Jedenfalls wurde seine Stimme auch dieses Mal wieder mithilfe von KI in die Stimme des verstorbenen Hans Clarin verwandelt. Die Sprecher von Kapitän Krimskrams, dem Papagei und dem Piratenkönig wirken dagegen etwas lustlos. Die Leistung des Pumuckl-Sprechers geht meiner Ansicht nach in Ordnung. Den Soundtrack empfand ich leider als sehr belanglos und auch die Levels hätten meiner Ansicht nach mehr grafische Abwechslung vertragen können.

Fazit

Ja, ich bin mir sehr bewusst, dass ich es hier mit einem Kinderspiel zu tun habe. Aber auch Kinderspiele dürfen durchaus Abwechslung bieten. Diese fehlt hier auf spielerischer Ebene jedoch ganz gewaltig. Ich finde, dass Schiebe- und Schalterrätsel schlicht zu altbacken für ein Spiel im Jahr 2026 sind. Aber auch sonst wurde hier viel zu wenig aus der mehr als dankbaren Vorlage herausgeholt. Mir fehlen der Humor und die lustigen Sprüche, für die der Pumuckl so geliebt wird, genauso fehlen mir der spielerische Schabernack und vor allem die Wortgefechte. Und ja, mir fehlt Florian Eder. Es wäre erzählerisch ein Leichtes gewesen, Meister Eder in das Spiel zu integrieren.

Insofern kann ich leider keine Kaufempfehlung aussprechen. Eine Sale-Empfehlung gebe ich auch nur dann, wenn ihr Kinder habt, die riesige Pumuckl-Fans sind. Bedenkt jedoch, dass durch die immergleichen Spielmechaniken schnell Langeweile aufkommen kann und das Spiel am besten in kleinen Dosen gespielt wird. Fans von Diorama-Levels sind bei Spielen wie Captain Toad oder Lego Bricktales besser aufgehoben. Alternativ wartet ihr auf das vielversprechende Woodo, dessen Veröffentlichung für den Sommer angekündigt ist.

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Über Nischenliebhaber

Ostdeutsches Videothekenkind der 90er Jahre. Liebt Spiele- und Retrokultur ebenso wie subkulturelle Musik aus aller Herren Länder und lange Spaziergänge durch dunkle Wälder des Erzgebirges.

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One Comment on “Pumuckl und die Krone des Piratenkönigs”

  1. Noch eine kleine Ergänzung zu Hans Clarin und warum ich im Text nicht von der „Pumuckl-Stimme“ geschrieben habe. Mir wird Hans Clarin zu oft zu sehr auf Pumuckl festgelegt, auch wenn seine Arbeit für die Hörspiele und die Serie natürlich Kult war. Hans Clarins Meisterstück ist jedoch zweifellos die Synchronisation der alten polnischen Mumins-Serie aus den späten 70ern. Er hatte sie im Alleingang synchronisiert und neben dem Erzähler alle Figuren gesprochen. Die unglaubliche Stimmenvielfalt, die er da aufgefahren hatte, ist schlichtweg zum niederknien! Schade, dass er diese Vielfalt während seiner Karriere sonst so selten zeigen konnte.

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