Poker Night at the Inventory Remaster

Der Underground-Club The Inventory musste längst dichtmachen, doch dank Skunkape Games steht die Wiedereröffnung kurz bevor. Willkommen bei Poker Night at the Inventory Remaster.

Das amerikanische Studio Telltale Games, 2004 von ehemaligen Lucas-Arts-Mitarbeitern gegründet, ist schon lange Geschichte und fristet sein Dasein derzeit nur noch als Publisher-Marke von LCG Entertainment. Die Telltale-Sam-and-Max-Staffeln sind zu Skunkape Games – das wiederum von ehemaligen Telltale-Mitarbeiten gegründet wurde – rübergewandert und wurden dort jeweils mit einem Remaster bedacht. Nun bringt Skunkape Games Poker Night at the Inventory Remaster heraus, dessen Original mittlerweile auch schon 16 Jahre auf dem Buckel hat.

Moment, ein Pokerspiel? Hatte Telltale Games nicht Episoden-Adventures gemacht? Ja, aber nicht nur. Die erste Telltale-Veröffentlichung war Telltale Texas Hold’em (2005), später folgten Poker Night at the Inventory (2010) und Poker Night 2 (2013), das Poker-Genre ist also tief in der Telltale-DNA verwurzelt. Ich hatte damals gerade mit den beiden Poker-Night-Spielen großen Spaß und musste feststellen, dass beide Spiele aus den digitalen Shops verschwunden sind. Das Remaster des ersten Teils kommt also wie gerufen.

Ein Hase, ein Wrestler, ein Russe und ein Nerd treffen sich in einer Bar…

In Poker Night at the Inventory spielt ihr ein Texas-Hold’em-Pokerturnier in einem geheimen Untergrundclub (The Inventory), besetzt mit Figuren, die ihr sonst wohl nie gemeinsam an einem Tisch sehen würdet. Der Hase Max (bekannt aus dem Hund-Hase-Detektiv-Duo Sam & Max), Strong Bad (dem mit Strong Bad’s Cool Game for Attractive People ebenfalls ein Telltale-Adventure gewidmet wurde), der Heavy aus Team Fortress 2 und Tycho aus dem Webcomic Penny Arcade sitzen zusammen, als hätten sie seit Jahren denselben Stammtisch. Ihr tretet gegen sie an, um Ihnen ihr gesamtes Geld abzuknöpfen – und manchmal auch besondere Gegenstände wie etwa „Sasha“, die Mini-Gun des Heavys. Der Clou, der damals im Original und auch jetzt wieder viele Spieler gereizt hat: Diese Spezial-Items werden euch nach eurem Gewinn tatsächlich als In-Game-Gegenstände für Team Fortress 2, das sich auch heute noch großer Beliebtheit erfreut, freigeschaltet.

Laber Rhabarber?

Mechanisch ist das Spiel eher simpel gehalten. Die im Remaster überarbeitete KI spielt im Vergleich zur Original-Version wirklich ordentlich, soweit ich das beurteilen kann. Sollte euch das nicht reichen, könnt ihr den Schwierigkeitsgrad auch eine Stufe höher drehen. Poker Night versteht sich aber auch weniger als Simulation, sondern mehr als spaßiges Casual-Spielchen mit lustigen Figuren. Die Karten dienen als Vorwand, um Dialoge zu triggern, Running Gags auszuspielen und die Figuren miteinander kollidieren zu lassen.

Die Gespräche sind nämlich das eigentliche Highlight: bissige Kommentare, absurde Abschweifungen und kleine Ego‑Kriege, die sich ganz natürlich aus der Dynamik der Figuren ergeben. Das macht in den ersten Runden viel Spaß, wiederholt sich aber natürlich irgendwann und kann auch abgestellt oder in der Häufigkeit verringert werden. Nach ein paar Stunden geht es wohl nur noch um das Freischalten der Gegenstände und sonstigen Gimmicks wie neuen Tischen und Kartendecks – und danach ist dann verständlicherweise auch mal die Luft raus.

Fazit

Poker Night at the Inventory macht mir auch heute noch Spaß. Skunkape verspricht mit dem Remaster verbesserte Grafiken mit hochauflösenden Modellen, schärferen Animationen, detaillierteren Umgebungen und einer neuen Beleuchtung – davon habe ich aber ehrlicherweise kaum etwas bemerkt. Da ich die Originalversion noch in meiner Steam-Bibliothek habe, hätte ich auch kein Remaster gebraucht, aber es ist natürlich schön, dass auch neue Spieler jetzt in der Genuss des Telltale-Klassikers kommen können. Mal sehen, ob ein Remaster von Teil 2 noch folgt, das hatte mir damals auch sehr gefallen.

Ihr findet Poker Night at the Inventory Remaster auf Steam, später sollen Version für PS5 und Switch folgen. Beachtet bitte, dass es keine deutsche Version gibt, sowohl die Texte als auch die Sprachausgabe sind auf Englisch.

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Über TheLastToKnow

Adventure-Fan aus dem Ruhrpott, groß (aber nicht erwachsen) geworden mit den SCUMM-Adventures in den 1990er Jahren. Spürt immer wieder kleine Indie-Perlen auf und zerrt sie ans Tageslicht.

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