Playdate-Highlights: Mai 2026

Willkommen zur ersten regulären Ausgabe der Playdate-Highlights. In Zukunft möchte ich euch ein- bis zweimonatlich über die Welt des Playdate-Handhelds auf dem Laufenden halten. Welche Neuigkeiten gibt es aus der Szene? Welche empfehlenswerten Neuerscheinungen? Was gibt es Empfehlenswertes aus der Freeware-Ecke? Außerdem werde ich mich ein wenig durch den Spielekatalog wühlen und nachholen, was ich in den letzten Jahren verpasst habe. Ich wünsche mir, dass diese Reihe von euch gut angenommen wird. Auch weil es sonst keine regelmäßigen Playdate-Kolumnen in deutscher Sprache gibt. Daher zögert nicht und lasst euer Feedback in den Kommentaren da!

Fangen wir mit den zwei wichtigsten Neuigkeiten an. Zum einen hat Panic Mitte April neue Regeln für den hauseigenen Store veröffentlicht. Ab sofort nimmt der Hersteller des Playdates keine Spiele mehr in die Katalog-App auf, in denen Grafiken, Sound und Text mithilfe von generativer KI wie ChatGPT, Midjourney oder Suno erstellt wurden. Lediglich wenn beim Coden KI zu Hilfe genommen wurde, werden die Spiele angenommen – dann aber mit einem entsprechenden Hinweis versehen. Damit ist Panic der erste Plattformanbieter im Spielebereich mit einer strengen Politik bezüglich generativer KI. Selbst Plattformen wie itch.io lassen das Thema leider laufen und geben nicht einmal eine verpflichtende Offenlegung vor.

Weiterhin wurde für Ende des Jahres Season 3 angekündigt, nachdem im letzten Jahr die zweite Season gute Kritiken bekommen hat. Seasons sind Spiele-Bundles. Die Eigenheit dieser Bundles besteht darin, dass nach dem Kauf wöchentlich zwei Spiele freigeschaltet und heruntergeladen werden, sodass Spieler sich auf diese Spiele einlassen können und nicht gleich von einem ganzen Haufen erschlagen werden. Welche Spiele in dieser Season inbegriffen sind, wurde natürlich nicht mitgeteilt. Man kann davon ausgehen, dass Panic die Spiele erst bei der Veröffentlichung von Season 3 präsentieren wird.

Neuerscheinungen

Switchboard Shuffle (Katalog | 8 USD)

Wir befinden uns in den 1960er-Jahren. Wollte man damals einen anderen Menschen anrufen, dann wurde man noch nicht automatisch zum gewünschten Anschluss durchgestellt. Daher gab es Telefonistinnen, welche die Verbindungen manuell herstellen mussten. Genau dieses Setting hat Raphaël Calabro für sein zweites Falling-Block-Puzzle Switchboard Shuffle gewählt.

Die Aufgabe klingt erst einmal simpel: Von unten rücken unaufhörlich schwarze und weiße Blöcke auf das Spielfeld nach. Zwei dieser Blöcke haben jeweils einen Anschluss. Nun müsst ihr die schwarzen und weißen Kabel, die von oben herabfallen, in die passenden Anschlüsse stecken. Dabei verheddern sich die Kabel miteinander und die Kabel, die in keinem Anschluss gesteckt wurden bleiben nach dem Auflösen einer Reihe zunächst auf dem Spielfeld liegen. Erst wenn ein Kabel in den falschen Anschluss gesteckt wird, verschwinden alle Kabel auf einen Schlag. Doch dadurch wird das Spiel sofort schneller. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, vorauszuschauen und möglichst lange Ketten zu bilden. Es gilt also, nicht nur die Anschlüsse der obersten Reihe zu beachten, sondern auch die der nachfolgenden Reihen im Blick zu behalten und die Kabel entsprechend zu platzieren.

Das macht im Spiel deutlich mehr Spaß, als es auf dem Papier klingt. Darüber hinaus gibt es schöne Animationen und die Blöcke sind jederzeit gut erkennbar. Die Kurbel wird dafür genutzt, die Blöcke schneller auf das Spielfeld rücken zu lassen. Ansonsten wird das Spiel regulär mit den Knöpfen gespielt. Neben dem Arcade-Modus gibt es zudem einen Modus für Zweikämpfe gegen einen Computergegner.

Pongerground (Katalog | itch.io | 6 USD)

In Pongerground kämpft ihr euch mit actiongeladenem Pong-Gameplay durch 18 Levels. Okay, Pong aus dem Jahr 1972 verspricht heute nun wirklich keine Action mehr. Es sei denn, das Gameplay wird mit Elementen aus dem Pinball-Genre angereichert. Während Bumper die Richtung der Kugel ändern, liegen auf dem Spielfeld zahlreiche Power-ups, die etwa einen Multiball auslösen.

Außerdem könnt ihr Superschüsse einsetzen, die eure Gegner zeitweise lähmen. Was auch deswegen hilfreich ist, da das gegnerische Tor zu Beginn mit einem Kraftfeld geschützt wird, das erst einmal zerstört werden muss. Das Gameplay ist schnell und in den Levels werden regelmäßig neue, kleine Mechaniken eingeführt. Euer Paddle steuert ihr entweder per Steuerkreuz oder Kurbel, wobei die Kurbel die wesentlich bessere Variante ist, da ihr das Paddle in unterschiedlicher Geschwindigkeit bewegen könnt.

Sixdoku (Itch.io | 2 USD)

Hierbei handelt es sich um eine richtig schöne Sudoku-App, die der in Australien lebende Japaner Lingjia Liu für das Playdate umgesetzt hat. Statt der üblichen 9×9-Raster besteht das Spiel aus 6×6-Rastern, was der niedrigen Auflösung entgegenkommt. Ansonsten bleibt das Spielprinzip gleich: Ihr müsst waagerechte und senkrechte Reihen mit Zahlen füllen und darauf achten, dass sich keine Zahl wiederholt. Als Hilfe dienen die sechs Raster, innerhalb derer sich die Zahlen ebenfalls nicht wiederholen dürfen.

128 Levels, die in vier Schwierigkeitsstufen unterteilt sind, sind im Spiel. Die Zahlen werden mit der Kurbel ausgewählt, was tatsächlich wesentlich schneller geht als mit einer traditionellen Button-Steuerung. Nach jeweils fünf gelösten Puzzles schaltet ihr eines der vier Skins frei. So könnt ihr neben den klassischen Zahlen auch mit Buchstaben, Poker-Symbolen und Schachfiguren spielen.

Crankominoes (Katalog | 3 USD)

Mittlerweile ist mir aufgefallen, dass das mit Abstand bevorzugte Genre unter Playdate-Entwicklern das Puzzle-Genre ist. Da ich verschiedenste Puzzles bekanntlich liebe, stört mich das natürlich nicht. Mit Crankominoes hat der Franzose Anthony Beyer eine Umsetzung des Pentomino-Spiels vorgelegt, das seinerzeit Alexei Paschitnow zu Tetris inspirierte.

Jedes der über 50 Levels verfügt über eine eigene Spielfeldform. Das Ziel ist es, die vorgegebenen Pentominos so anzuordnen, dass das Spielfeld lückenlos ausgefüllt wird. Auch hier schaltet ihr mit der Kurbel schnell zwischen den Steinen durch. Mit der B-Taste dreht und spiegelt ihr die Steine. Sehr schön: Für die meisten Levels gibt es verschiedene Lösungswege und ihr müsst nicht zwingend eine bestimmte Lösung finden.

Nachgeholt

Playball (Katalog | 7 USD)

Eines der wenigen echten Sportspiele für das Playdate. Und was für ein Highlight! Für ein Baseballspiel gibt es hier einige sehr interessante Ideen, wie etwa fünf unterschiedliche Spielfelder, die alle Vor- und Nachteile im Gameplay bieten. Spielt ihr beispielsweise am Strand, ist das Infield gar nicht so groß und Homeruns können leichter geschlagen werden. Dafür bleiben Bälle im Sand stecken, was es wahrscheinlicher macht, dass die Infield-Spieler den jeweiligen Batter ins Aus befördern, wenn der Schlag nicht gut ist. Im Hinterhof hingegen gelingen Homeruns nur selten, denn überall stehen Häuser mit Fenstern. Und wenn ein Ball ein Fenster zerbricht, dann gibt es ein Aus.

Im Mittelpunkt steht der League-Modus, in dem ihr euer Team aus 26 vordefinierten Spielern auswählt und gegen fünf gegnerische Mannschaften antretet. Dabei unterscheiden sich die Figuren in zahlreichen Werten wie Geschwindigkeit, Stärke, Ausdauer, Kontrolle oder verschiedenen Pitch-Würfen. Das Erstellen einer guten Mannschaft wird definitiv einige Runden dauern und genau dadurch kommt auch der Spielspaß zustande. Pitching und Batting sind spaßig umgesetzt und haben ebenfalls ihre kleinen taktischen Eigenheiten, die ihr selbst herausfinden sollt.

Abgerundet wird Playball durch liebevolle Sprite-Figuren, detaillierte Comicgrafiken und den vielen kleinen Animationen. Da das Spiel für einen Handheld entwickelt wurde, werden sieben statt neun Innings gespielt. Das macht die Spielzeit pro Match etwas kürzer.

Castle Tintagel (Katalog | Itch.io | 9 USD)

Eines Tages hatte sie es dann doch geschafft: Die böse Zauberin Morgana nahm Schloss Tintagel ein, einen der wichtigsten Stützpunkte von König Artus. Sie ermordete den König sowie einen Großteil seiner Tafelrunde und brachte eine Schreckensherrschaft über Albion. Gawain ist der letzte Überlebende der Tafelrunde und macht sich nun mithilfe des alten Merlin und Guinevere auf die Reise durch Albion, um Morgana zu töten.

Endlich mal wieder ein Spiel mit meiner Lieblingssage als Setting. Spielerisch haben wir es hier mit einem sehr schweren Vertreter des Classicvania-Genres zu tun, also einem Castlevania-Klon mit abgeschlossenen Leveln. Sechs Stück gibt es davon, die eine erstaunliche grafische Vielfalt auf den schwarz-weißen Bildschirm zaubern. Die Platzierung der Gegner und Fallen ist zwar fair, die Levels sind dennoch darauf ausgerichtet, auswendig gelernt zu werden – genauso wie die Angriffsmuster der Bossgegner.

Optional könnt ihr euch das Spiel mit unendlichen Leben, schwächeren Gegnern oder mehr Checkpoints innerhalb der Levels leichter machen. Castle Tintagel ist der bisher beste Action-Platformer auf dem System – zumindest das Beste, was ich bisher entdeckt habe.

Jugglenoid (Katalog | 3 USD)

Jugglenoid ist ein Arkanoid-Klon mit Zirkus-Setting, das erstmals 2006 für Java-Handys entwickelt wurde. 2023 kam vom gleichen Entwickler Rudolf Lachinov ein Remake für Android und iOS, 2024 folgte diese Version für das Playdate – die meiner Ansicht nach auch die beste Version des Spiels ist. Clowns haben eine Jongliermaschine erfunden und mit dieser sollt ihr die Steine in 50 Levels zerstören Dabei könnt ihr entweder einen Ball oder zwei Bälle gleichzeitig benutzen. Bis auf einige weitere Bälle, die aus den Blöcken fallen können, gibt es keine zusätzlichen Power-ups. Trotzdem sind die Level schnell erledigt, da der Schwierigkeitsgrad durch das kleine Spielfeld ziemlich niedrig gehalten ist. Insgesamt handelt es um eine nette Version des Spielprinzips, auch wenn es keine großen Neuerungen gibt.

Freeware des Monats

Crookback (Itch.io)

Hunchback war ein britisches Arcade-Spiel von 1983, das ursprünglich als Spiel mit dem Volkshelden Robin Hood entwickelt wurde. Als die grün gekleidete Spielfigur etwas zu stark nach dem Helden aus dem zeitgleich erschienenen Pitfall aussah, änderte das Studio Century Electronics die Figur kurzerhand in Quasimodo, den Glöckner von Notre-Dame nach dem Roman von Victor Hugo. Und so wurde aus Marian, die eigentlich aus Nottingham Castle befreit werden sollte, Esmeralda, die in Notre-Dame gefangen gehalten wird. Die guten alten Zeiten, als mit wenigen Sprite-Änderungen ganze Settings ausgetauscht werden konnte!

Crookback ist eine Hommage an Hunchback. In 50 Single-Screen-Levels steuert ihr Quasimodo durch die Burg und weicht Gegnern und Fallen aus, um zur Glocke am Ende jedes Levels zu gelangen. Nach wenigen Sekunden taucht ein Verfolger in den meisten Levels auf, um euch zu fangen. Daher solltet ihr schnell über die Abgründe und Fallen springen. Das ist nicht gerade einfach, wenn Winde die Sprungweite einschränken, Eisplattformen eure Figur schlittern lassen oder das Sichtfeld durch Dunkelheit eingeschränkt wird. Nach einigen Levels bekommt ihr Pfeil und Bogen. Mit der Kurbel stellt ihr den Flugwinkel ein. So könnt ihr Gegner besiegen oder auch an Seilen hängende Plattformen herunterfallen lassen.

Auch wenn Grafiken und Sound mithilfe von generativer KI erstellt wurden, gefällt mir dieses Fangame zum alten Arcade-Klassiker besser als ich dachte. Das Gameplay wurde mit Elementen aus Hardcore-Plattformern wie Super Meat Boy erweitert und die Levels sind abwechslungsreich.

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Über Nischenliebhaber

Ostdeutsches Videothekenkind der 90er Jahre. Liebt Spiele- und Retrokultur ebenso wie subkulturelle Musik aus aller Herren Länder und lange Spaziergänge durch dunkle Wälder des Erzgebirges.

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