Ein neuer Monat, ein neuer Artikel zum Playdate-Handheld von Panic. Mittlerweile ist die Honeymoon-Phase zwischen mir und dem gelben Ding vorbei… und ich verwende es immer noch. Ich habe festgestellt, dass mir das Playdate durch seine kompakte Größe vor allem auf Zugfahrten richtig gute Dienste leistet. Mal schauen, wie es in den kommenden Wochen im Freibad aussehen wird. Daher finde ich es auch so schön, dass bislang ausnahmslos jedes Spiel, das ich ausprobiert hatte, für sehr kurze Sessions ausgelegt ist.
Neuerscheinungen
Zyrx (2 USD | itch.io)

Das Spielprinzip ist simpel: Ihr seht auf dem Spielfeld 16 Felder. Am Anfang jeder Runde wird oben links eine Vorlage angezeigt – diese Vorlage zeigt, welche Felder markiert werden sollen. Der Haken: Mit jeder Runde wird die Vorlage kürzer sichtbar und die Muster werden komplexer.
Ursprünglich erschien Zyrx im Jahr 2002 als Flash-Game und wurde von Jason Cirillo und seinem damaligen Indie-Studio Robotube Games entwickelt. Das Spiel wurde damals oft kopiert und so fand das Prinzip für einige Jahre große Verbreitung auf den bekannten Plattformen für Flash-Games. Ihr könnt das Original auch heute noch in der Wayback Machine spielen und im Flashpoint Archive finden. Ihr wisst schon, das ist das Archiv, in dem Hunderttausende Flash-Games und Animationen bewahrt wurden – ich habe an dieser Stelle davon berichtet.
Jedenfalls funktioniert das Spielprinzip von Zyrx auf dem Playdate richtig gut und es macht auch 24 Jahre nach der Erstveröffentlichung noch Spaß.



Maybe Monday (4 USD | Katalog)

In den vergangenen Jahren gab es wiederholt Entwickler, die Pac-Man-Klone für das Playdate programmierten – ein wirklich überzeugendes Spiel war bisher jedoch kaum dabei. Nun veröffentlichte der Entwickler Luigi Orozco mit Maybe Monday ein Spiel, das für mich positiv heraussticht.
Das Spielprinzip erinnert an das Action-Maze-Spiel Crush Roller für den Neo Geo Pocket. Ziel des Spiels ist es, die verschiedenen Labyrinthe komplett einzufärben, indem ihr die Gänge durchquert. Dabei sollte natürlich eine Kollision mit den gegnerischen Käfern vermieden werden. Eine Ausnahme besteht, wenn ihr ein Schwert aufgesammelt habt, mit dem ihr aus den Gegnern Hackfleisch macht. Interessant sind vor allem kleine spielerische Neuerungen wie Wasserfelder, welche die Spielfigur verlangsamen, oder bewegliche Wände, die den Weg versperren können.
Zwischen den Leveln besteht die Möglichkeit, Karten für den jeweils nächsten Abschnitt einzusetzen. Dazu zählen etwa Upgrades, um Schwerter länger zu tragen, Herausforderungskarten für einen höheren Punktestand sowie Karten für Extraleben. Die Karten sind jedoch nicht unendlich verfügbar. Nach jedem Level wird dem Stapel eine neue Karte hinzugefügt.
Insgesamt überzeugt mich Maybe Monday durch die gelungene Spielbarkeit und die kreativen Erweiterungen des klassischen Spielprinzips.



Cannonball Kid (4 USD | Katalog)

Ah, die Aliens wollen mal wieder die Erde erobern. Diesmal rücken wir geneigten Gamer ihnen aber nicht mit Raumschiffen oder Schusswaffen zu Leibe, sondern mit Kanonenkugeln. Die Kugeln müssen in diesem Puzzle-Spiel in die richtige Bahn gelenkt werden, damit sie die Raumschiffe nicht verfehlen. Und das geht so: In jedem Level gibt es Felder mit schwarzem Hintergrund. In genau diesen Feldern lassen sich Pfeile nach oben, unten, rechts und links eintragen.
Es ist also eure Aufgabe, die Flugbahn möglichst vorherzusehen und die Pfeile entsprechend zu setzen. Herausfordernd wird es dadurch, dass sich viele andere Pfeile auf dem Spielfeld beispielsweise drehen oder nur einmal angespielt werden können. Auch Schalter müssen gelegentlich mal getroffen werden, um ein Schutzschild um das feindliche Alienschiff zu deaktivieren.
Sehr simples Spielprinzip, aber niedlich präsentiert und umgesetzt.



The Magician (4 USD | Katalog)

Ein eigentlich interessanter Single-Screen-Platformer von FM Studio, den Machern hinter der grotesken Point-&-Click-Adventure-Reihe Forgotten Hill. Hier dagegen spielen wir die Rolle eines Magiers, der sich durch 71 Level hüpfen, rätseln und zaubern muss. Das Ziel ist es, in jedem Level drei Kugeln zu berühren. Mit der Zeit kommen jedoch immer mehr Rätselelemente hinzu. Wie komme ich am besten da und da hin und welche Mechaniken stellt mir das Level zur Verfügung? Davon gibt es eine Menge. Neben den üblichen Schaltern und Schlüsseln könnt ihr im Spielverlauf Zaubertricks mit eurem Hut ausführen. So könnt ihr beispielsweise höher springen oder Abgründe überfliegen.
Doch jeder Zaubertrick kostet einen Zauberpunkt und diese sind sehr limitiert. Es bleibt also kein Raum für Fehlversuche. Auch die misslungene Kollisionsabfrage bei Fallen, etwa wenn es darum geht, Stacheln zu überspringen, kann schnell frustrierend werden. Hier hoffe ich, dass die Entwickler noch nachbessern. Denn ansonsten ist The Magician ein Spiel mit interessantem Leveldesign und einer fordernden Lernkurve.



CableCats (4,50 USD | itch.io)

Das Spielprinzip von CableCats erinnert mich stark an die Spiele, die man unter „Heißer Draht“ subsummiert. Hier steuern wir mit der Kurbel eine Gondel, die an einem Seil hängt. Die Aufgabe besteht nun darin, die Geschwindigkeit möglichst geschickt so zu regulieren, dass die vielen umherkreisenden geometrischen Figuren die Gondel nicht berühren.
Leichter gesagt als getan, da das Spiel ein simples Schwerkraftsystem hat. Das heißt, wenn die Route nach unten geht, neigt die Gondel dazu, sehr schnell in diese Richtung zu rauschen. Geht es aufwärts, ist es mühsamer, die Kurbel so zu drehen, dass die Gondel in einer guten Geschwindigkeit vorankommt. Definitiv kein einfaches Spiel und keines für Anfänger in der Kurbelsteuerung.
Es gibt 25 frei wählbare Levels sowie einen Editor für eigene Levels.



Nachgeholt
Chance’s Lucky Escape (3 USD | Katalog)

In den letzten Wochen hatte ich vermehrt in einige Spiele des zweiten Season Bundles reingespielt und damit viel Spaß gehabt.
Da wäre beispielsweise dieses kleine Point-&-Click-Adventure mit einer Laufzeit zwischen 30 und 60 Minuten. Ihr steuert den glücklosen Hund Chance, der eigentlich einem kriminellen Genie helfen soll. Er ist allerdings spät dran und ein Reifen seines Autos ist platt. Was mit einem einfachen Reifenwechsel-Rätsel beginnt, entspinnt sich zu einer Aneinanderreihung von absurden Zufällen und Verwechslungen. Das fängt schon damit an, dass der Hund sein Handy verliert und in der Kanalisation landet. Dort zerstört er aus Versehen eine Wand, findet sich im Tresorraum einer Bank wieder und so weiter. Ihm immer auf den Fersen: Officer Jane, die ihn fälschlicherweise für einen genialen Einbrecher hält.
Die Rätsel sind sehr einfach, da ihr nie mehr als eine Handvoll Gegenstände im Inventar habt. Für einige Rätsel werden außerdem die Kurbel, das Mikrofon und der Beschleunigungssensor verwendet.



Wheelsprung (10 USD | Katalog)

Könnt ihr euch noch an diese physikbasierten Bike-Spiele aus Flash-Zeiten wie Free Rider oder Monkey Motocross Island erinnern? In vielerlei Hinsicht erinnerte mich Wheelsprung mit seiner konfusen Physiksimulation an diese Zeit. In jedem Level sammelt ihr mit einem motorradfahrenden Eichhörnchen Nüsse ein, um den Ausgang eines Levels zu öffnen. Dabei habt ihr vor allem mit der Physiksimulation zu kämpfen, da das Fahrverhalten sehr fragil ist und ihr ständigGewicht und Geschwindigkeit ausbalancieren müsst. Wenn es dann noch darum geht, Loopings zu fahren oder Hindernisse zu überspringen, stellte sich bei mir ziemlich schnell Frust ein. Es ist definitiv nicht so ein gepolishtes Erlebnis wie die Trials-Spiele. Macht mir aus unerfindlichen Gründen aber trotzdem Spaß.



Freeware des Monats
Peedee ICF-390 (itch.io)

Die Älteren unter euch werden sich noch mit großer Nostalgie an die guten alten analogen Radios erinnern. Wir haben auf der Suche nach den richtigen Frequenzen am Regler gedreht und ließen uns überraschen, welche Sender uns auf UKW oder im Mittelwellenbereich begegneten. Peedee ICF-390 von Entwickler Tom White versucht dieses Feeling auf das Playdate zu übertragen. Die Idee: Internet-Radiosender aus aller Welt werden nach einem Rauschen per Zufall abgespielt. Ihr könnt auch fünf Radiosender speichern.
Natürlich ist Peedee ICF-390 keine vollwertige Radio-App, in der ihr aus einem Katalog wählen und Favoritenlisten anlegen könnt. Aber: Ich mag die Idee, weil man dadurch tatsächlich auf nette Sender stößt, auf die man in traditionellen Radio-Apps gar nicht aufmerksam würde. Trotzdem warte ich noch darauf, dass jemand eine vollwertige Radio-App für das Playdate programmiert. Der Entwickler hat seinen Fork von minimp3 auf GitHub geteilt und dieser könnte eine gute Grundlage für solch eine App bilden.



