Letztens saß ich in der Bahn und hatte mein Playdate dabei, wie mittlerweile immer, wenn ich irgendwohin fahre. Immerhin passt es so schön in die Hosentasche und innerhalb weniger Sekunden bin ich im Spiel. Aber natürlich habe ich bemerkt, wie mich einige mit einer seltsamen Neugier ansahen. „Was ist das da für ein Ding? Wieso hat es eine Kurbel?“, werden wohl ihre Gedanken gewesen sein. Schade, dass mich niemand angesprochen hat. Anders als ein Kind vor einigen Wochen im Bus, das es wahnsinnig faszinierend fand. Die Schwarz-Weiß-Grafik fand es wohl eher öde, aber die Kurbel hatte es ihm angetan. Irgendwie hatte ich es seit 20 Jahren nicht mehr erlebt, dass mich Menschen aufgrund eines Geräts seltsam oder neugierig anschauen. Damals war es der Nintendo DS mit seinem Touchscreen, der für Neugierde sorgte. Heute ist es ein quietschgelber Handheld mit einer Kurbel dran.
Damit kommen wir auch zu den Highlights der letzten Wochen. Aus Zeitgründen diesmal etwas kürzer als gewohnt.
Cranko-Magazin #7

Seit nun einem Jahr veröffentlicht der Franzose Patricio Land sein inoffizielles Cranko-Magazin. Im Mai erschien die bereits siebte Ausgabe, die im handlichen Din-A5-Format auf 32 bunten und hochwertig gedruckten Seiten daherkommt. Neben einem Interview mit dem Entwickler von Dig Dig Dino gibt es zahlreiche Reviews sowie Vorschauen zu aktuellen und künftigen Playdate-Spielen. Außerdem enthält diese Ausgabe den Start einer Reihe zu Spielen mit isometrischer Ansicht auf dem Playdate.
Das Magazin kostet 14,90 Euro inklusive Porto und Verpackung. Da die Post aus Frankreich kommt, liegt das Magazin bereits innerhalb weniger Tage gut verpackt im Briefkasten. Wenigstens etwas Physisches, das man zum Playdate sammeln kann, sodass man auch in 50 Jahren noch belegen kann, dass es diesen Handheld einmal gegeben hat.
Zum Shop des Cranko-Magazins: https://cranknockout.com


Neuerscheinungen
Halbierung (Katalog | 2 USD)

Halbierung ist ein kleines Spiel, mit dem sich die visuelle Wahrnehmung testen lässt. Die Spielidee: Ihr erhaltet verschiedene Bilder aus den Bereichen Geometrie, Buchstaben oder Silhouetten von Objekten und müsst diese möglichst in der Mitte teilen. Eine Punktzahl zeigt euch im Anschluss, wie genau ihr wart, wobei 100 Punkte für eine perfekte Halbierung stehen. Es gibt drei Spielvarianten: In Chill könnt ihr euch so viel Zeit nehmen, wie ihr wollt. In Arcade geht es darum, innerhalb eines Zeitlimits so viele Objekte wie möglich zu teilen und in Flawless kommt es auf absolute Präzision an – hier müsst ihr eine Punktzahl von über 90 erreichen.
Die Steuerung fällt sehr einfach aus: Mit Links und Rechts bewegt ihr das Beil, mit der Kurbel könnt ihr die Bilder rotieren. Mit Oben + Kurbel zoomt ihr aus dem Bild heraus sowie wieder hinein und mit Unten + Kurbel vollzieht ihr den Schnitt.



Triston (Katalog | itch.io | 4 USD)

Ein interessantes Puzzle-Spiel, in dem ihr Tetris-Steine auf einem Spielfeld anordnet. Auf diesen Steinen befinden sich vier Felder: Häuser, Wald, Straßen und Wasser. Ordnet ihr mindestens drei gleiche dieser Felder nebeneinander an, verschwinden die dazugehörigen Steine und auf dem Spielfeld entstehen daraus Wälder, Dörfer, Seen und Straßen. In jedem Level werden bestimmte Ziele vorgegeben. Mal soll eine Straße von Punkt A nach Punkt B gebaut werden, wobei auch Siedlungen als Straße gelten. In anderen Levels geht es darum, eine bestimmte Anzahl an Elementen zu bauen – oder auch zu vermeiden. Einmal gebaute Elemente können mit neuen Steinen überbaut werden. Ihr solltet jedoch aufpassen, dass das Spielfeld nicht zu voll wird. Dies kann sich als schwierig erweisen, wenn es in einigen Levels Felder gibt, die sich nicht bebauen lassen.
Mir persönlich fehlt die Option, zumindest einen Stein auf Reserve zu legen und Steine auch zu spiegeln. Das würde das Spiel für mich wesentlich zugänglicher machen. Ansonsten jedoch eine sehr nette Spielidee.



Paddle vs. Paddle (Katalog | 6 USD)

Wer in die 70er-Jahre zurückreisen will, kann das mit diesem nett gemachten Pong-Klon tun. Dabei könnt ihr gegen Computergegner spielen oder gegen einen menschlichen Mitspieler antreten. In diesem Fall wird der linke Schläger mit dem Digikreuz gesteuert und der rechte Schläger entweder mit den A/B-Tasten oder der Kurbel.
Ihr könnt die Physik und die Spielregeln verändern, etwa wie groß der Ball sein soll, wie hoch die Geschwindigkeit des Gameplays ist, welche Größe die Schläger haben und in welchem Winkel der Ball von den Schlägern zurückgespielt wird. Es ist tatsächlich eine sehr coole Idee, die Spielphysik auf diese Weise tweaken zu können! Ansonsten ist es eben das klassische Pong und ein hübsches kleines Erstlingswerk.



Emulatoren auf dem Playdate
Panic hatte von Anfang an das Ziel, dass das Playdate nicht mit sogenannten Emulatoren-Handhelds aus China konkurrieren sollte. Entsprechend wurde das Gerät so konzipiert, dass Emulatoren bekannter Konsolen und Handhelds eigentlich unmöglich sein sollten. In den letzten Wochen und Monaten sind sie dann doch aufgetaucht: Emulatoren für den Game Boy und für das Pokémon Mini – beides Geräte von Nintendo. Ob diese wirklich empfehlenswert sind?
Crankboy (Katalog |10 USD)

Der Game-Boy-Emulator Crankboy von Stonerl und Sodium hat es mittlerweile zu einer Katalogversion geschafft. Technisch ist das Programm wirklich beeindruckend. Die meisten Spiele laufen flüssig und durch Dithering werden die vier Graustufen der Game-Boy-Spiele auf den 1-Bit-Bildschirm mit seinen zwei Farben übertragen. Zudem bietet der Emulator viele andere Features wie Overclocking und die Möglichkeit, Patches und Hacks von Romhacking.net herunterzuladen. Die Handhabung ist einfach und die Idee, Start und Select per Kurbel zu bedienen, charmant.
Trotzdem mag der Funke bei mir nicht so recht überspringen. Ich bin aber eben auch die Game-Boy-Emulation auf dem PC mit ihren vielen schönen LCD-Filtern und Farboptionen gewohnt. Das fühlt sich für mich auf einem 1-Bit-Handheld leider nicht ganz so gut an. Aber vielleicht liegt das auch einfach nur an mir?



Playmini (itch.io | kostenlos)

Das Pokémon Mini war ein Handheld aus dem Jahr 2002 im Formfaktor eines Tamagotchis. Das Besondere: Es gab wechselbare Spielmodule. Wirklich erfolgreich war das rund um Pokémon gebrandete Gerät nicht, sodass im Westen nur eine Handvoll und in Japan zwei Handvoll Spiele erschienen. Das waren zumeist kleine Puzzle- und Geschicklichkeitsspiele. Trotzdem passt besonders dieses Gerät auf das Playdate, denn das Pokémon Mini besaß genauso wie alte Handys einen monochromen Schwarz-Weiß-Bildschirm. Deswegen sehen diese Spiele auch auf dem Playdate richtig hübsch aus.
Ansonsten bietet der Emulator die Basisfunktionen eines Pokémon Minis, inklusive Emulation der Shake-Fähigkeit. Er ist eines der wenigen Programme, das diese Funktion des Playdates nutzt. Lediglich auf den ursprünglichen Rumble-Support muss leider verzichtet werden, was schade ist, da einige Minispiele um das Vibrieren des Pokémon Minis aufgebaut sind.



