Im Nachfolger zum 2022er Point-and-Click-Adventure Perfect Tides muss die mittweile 18‑jährige Protagonistin Mara ihren Platz in der Großstadt und im Leben finden.

| Titel: | Perfect Tides: Station to Station |
| Erscheinungsdatum: | 22.01.2026 |
| Plattformen: | Windows, MacOS (Geplant für: Switch) |
| Entwickler / Herausgeber: | Three Bees / Three Bees |
| Homepage: | https://www.perfecttides.com/ |
Als Perfect Tides im Jahr 2022 erschien, war das Adventure für mich eine positive Überraschung und landete sogleich in meiner persönlichen AGS-Top-5 des Jahres. Die ungewöhnliche Erzählweise dieser Coming-of-Age-Geschichte, die das Leben einer 15-jährigen Schülerin über ein Jahr hinweg in vier Jahreszeiten erzählt, hat frischen Wind in das Adventure-Genre gebracht.
Nun legt die Autorin, Comic-Zeichnerin und Entwicklerin Meredith Gran nach und präsentiert die Fortsetzung Perfect Tides: Station to Station, die die Geschichte von Mara Whitefish weitererzählt. Einen Teil der Finanzierung konnte sie dabei über eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne erzielen.
Is this the real life?

Im Vorgänger erlebt ihr ein Jahr aus der Perspektive der 15‑jährigen Mara auf der Insel Perfect Tides. In Station to Station ist Mara inzwischen 18, lebt in der Großstadt und studiert Literatur. Doch der Traum, Schriftstellerin zu werden, ist steinig. Auch diesmal begleitet euch die Geschichte durch vier Jahreszeiten voller Höhen und Tiefen im Leben einer jungen Erwachsenen. Euch erwarten klassische Coming‑of‑Age‑Themen wie Liebe, Trennungen, Stress, Drama, Partys, Drogen, Sex, Tod, Politik und einiges mehr.
Gleich zu Beginn steckt Mara in einer toxischen Fernbeziehung fest, pendelt zwischen Heimatinsel und College‑Großstadt, jobbt für ihren Lebensunterhalt und versucht gleichzeitig, gute Noten zu halten, um ihr Stipendium nicht zu verlieren. Ganz schön viel Druck für jemanden, der gerade erst ins Erwachsenenleben stolpert. Im Laufe des Jahres begegnet ihr neuen, prägenden Persönlichkeiten, die Maras Schreibambitionen befeuern könnten, während sie versucht, ihre sozialen Unsicherheiten abzulegen und schlicht mit ihrem Leben klarzukommen.
Neben dem Collegealltag kehrt ihr immer wieder in die alte Heimat zurück (passend zum Titel natürlich per Zug), besucht eure frühere beste Freundin, geht in der freien Natur schwimmen, schlendert über den Rummel oder singt in einer Bar mit euren Freunden Bohemian Rhapsody von Queen – in voller Länge!
Is this just fantasy?

Spielerisch bleibt Station to Station seinem Vorgänger in vielen Punkten treu. Die Geschichte zieht euch auf einer festen Bahn durch Maras Alltag, und eure Aufgaben bestehen vor allem darin, die richtigen Orte aufzusuchen und Gespräche zu führen. Unterstützt werdet ihr dabei von eurem Old‑School‑Handy, das automatisch Themen und Personen sammelt, damit ihr diese Stichpunkte gezielt in Dialogen einsetzen könnt. Klassische Rätsel gibt es kaum, und selbst das Inventar verstaubt im Laufe der Zeit – es wird nur selten wirklich gebraucht. Dafür verbringt ihr neuerdings einige Zeit am PC, vor allem um zu Schreiben. Natürlich für euer Studium, aber auch, um an eurer eigenen Geschichte zu arbeiten.

Die Erfahrungen, die ihr in Gesprächen sammelt, und auch das Studium von Büchern – die ihr nach dem Lesen sogar mit anderen Figuren tauschen könnt – bringen euch Inspirationspunkte in verschiedenen Themengebieten ein. Mit diesen Punkten veredelt ihr eure schriftlichen Arbeiten. Das Spiel verlangt von euch, für jeden Text ein Haupt‑ und ein Nebenthema zu wählen, idealerweise passend zur jeweiligen Aufgabe. Eure Entscheidungen wirken sich auch auf eure Noten und somit auch auf den Verlauf der Geschichte aus. Und als wäre das alles nicht genug, müsst ihr zusätzlich die Abgabefristen im Blick behalten.
Grafisch legt Station to Station im Vergleich zum ersten Teil noch einmal spürbar zu. Der schlicht‑schöne Pixel‑Art‑Stil wirkt eigenständig und warm, die Animationen sind liebevoll umgesetzt und verleihen dem Spiel eine durchgehend sympathische Ausstrahlung. Die Hintergründe sind abwechslungsreich gestaltet und voller kleiner Details, während die Figuren diesen unverkennbaren Meredith‑Gran‑Touch tragen, der sofort ins Auge fällt.
Fazit


Wenn ihr Perfect Tides mochtet, wird euch Station to Station sehr wahrscheinlich ebenfalls abholen. Der starke Fokus auf die gefühlvolle Erzählung ist allerdings zugleich eine Schwäche für alle, die in Adventures klassische Rätsel oder spielerische Herausforderungen suchen – die gibt es hier praktisch nicht. Stattdessen fühlt sich Station to Station eher wie eine gut geschriebene Teenie‑Serie an, die Mara genüsslich durch eine emotionale Achterbahn schickt. Auf jedes Hoch folgt zuverlässig ein virtueller Schlag in die Magengrube.
Weniger schön: Die vielen englischen Texte sind weder vertont noch übersetzt, ihr müsst euch also auf lange Lesesessions in englischer Sprache einstellen. Und auch das Coming‑of‑Age‑Thema wird nicht jeden abholen – ich gebe offen zu, dass es mir stellenweise schwerfiel, mich in die Gefühlswelt einer jungen, angehenden Schriftstellerin hineinzuversetzen.
Ihr findet Perfect Tides: Station to Station auf Steam, die Switch-Version soll im Laufe des Jahres folgen.

Das sieht sehr charmant aus und Story zum Mitspielen finde ich grundsätzlich eine sehr gute Idee. Thematisch ist es aber nicht ganz oben auf meiner Prioliste.
Ach, warst du kein College-Girl in den USA der frühen 2000er? 😉