PBA Pro Bowling 2026

Nischenliebhaber erklärt euch anhand von PBA Pro Bowling 2026, warum in Bowling mehr Taktik steckt, als viele denken. Und dass Sportspiele im Jahr 2025 keine Glücksspielkasinos sein müssen.

Kommen wir nun zu etwas ganz anderem, was ihr in diesem Blog vielleicht nicht vermutet habt: eine Besprechung eines Sportspiels! Dabei mag ich Sportspiele sehr, unter folgender Bedingung: Sie dürfen keine Glücksspielkasinos sein. Somit fallen die modernen Fußball- und NBA-Spiele dieser Welt raus. Insofern freue ich mich über jedes einzelne Spiel, das sich der Hypermonetarisierung entzieht. Aber ich sehe sie schon, über euren Köpfen, die Fragezeichen: „Bowling? Ausgerechnet Bowling? Ist das denn spannend?“

Ein wenig Hintergrund

Die Existenz kegelbasierter Sportarten wird bis zu etwa 5000 Jahre zurück in die Vergangenheit datiert, wobei es sich dabei um frühe Vorformen bowlingähnlicher Spiele handelt. Das heutige Tenpin-Bowling nahm seine moderne Form jedoch erst im Laufe des 19. Jahrhunderts an und entwickelte sich insbesondere in den USA zu einem beliebten Breiten- und Freizeitsport. 1958 wurde dort der Verband PBA gegründet, der den Sport in den folgenden Jahrzehnten professionalisierte und stärker vermarktete. Eine erste große mediale Hochphase erlebte das professionelle Bowling durch die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit dem ABC Network, die von 1962 bis 1997 bestand.

Seitdem wechselten die Medienpartner mehrfach. Zuletzt wurden die Turniere auf Fox Sports ausgestrahlt, ab 2026 sollen die Übertragungen beim The CW Network laufen. Obwohl Bowling nie ein mediales Massenphänomen wie Baseball, Basketball oder American Football wurde, sind Reichweite und Fanbasis stabil genug, dass sich professionelle Turnierserien und TV-Übertragungen seit Jahrzehnten halten. Die besten Spieler können vom Sport leben, bewegen sich finanziell jedoch meist unterhalb der Einkommensdimensionen der großen US-Profiligen der eben genannten Sportarten. In seiner Bedeutung lässt sich professionelles Bowling daher gut mit Sportarten wie Snooker oder Darts in Mitteleuropa vergleichen: eine erfolgreiche Nische mit einer sehr treuen Anhängerschaft.

Die kalifornischen FarSight Studios hatte sich über eineinhalb Jahrzehnte vor allem auf Flipperspiele spezialisiert und feierte in den 2010er Jahren insbesondere mit dem Service-Game Pinball Arcade große Erfolge. Das änderte sich, als das Studio im Jahr 2018 die Rechte an den Williams- und Bally-Tischen verlor. Dies war zugleich der Sargnagel für Pinball Arcade und FarSight suchte sich eine neue Nische.

Diese fand das Studio mit der PBA-Lizenz. Zwar gab es bereits Ende der 90er Jahre seitens Bethesda einen Versuch, mit dieser Lizenz erfolgreiche Bowlingspiele zu produzieren, aber dass ihr davon wahrscheinlich gerade zum ersten Mal hört, zeigt auch, wie erfolgreich dieses Unterfangen war. FarSight war hier deutlich erfolgreicher, allerdings blieben die drei zwischen 2019 und 2022 erschienenen Spiele nicht ohne Kritik. Vielen Spielern war der Karrieremodus zu grindig, zudem sorgten Bugs immer wieder für Ärger. Außerdem waren die Titel zwar solide Arcade-Bowler, aber keine echten Simulationen. In den letzten Jahren begann FarSight daher, das Spiel von Grund auf neu zu entwickeln und gezielt auf die Kritikpunkte einzugehen. Damit wären wir bei PBA Pro Bowling 2026 angekommen.

Die Spielregeln

Die Regeln sollten eigentlich bekannt sein, zumindest den Menschen, die schon mal eine Bowlingbahn gesehen haben. Ein Spiel besteht aus zehn Frames, oder allgemein gesprochen: Runden. In den Frames eins bis neun hat ein Spieler zwei Würfe, um mit der Kugel möglichst alle zehn Pins umzuwerfen. Dabei beeinflussen sich die Frames untereinander. Werden alle zehn Pins bereits mit dem ersten Wurf umgeworfen, ergibt das einen Strike. Dieser wird mit zehn Punkten plus den Pins der nächsten zwei Würfe gewertet. Werden alle zehn Pins erst mit dem zweiten Wurf umgeworfen, ergibt das einen Spare. In diesem Fall zählen zehn Punkte plus die Pins des nächsten Wurfs als Bonus. Für Spieler bedeutet das: Ein guter Wurf wirkt sich immer auch auf die nächsten ein bis zwei Runden aus und belohnt konstante Präzision stärker als einzelne Glückstreffer. Im zehnten Frame gibt es Sonderregeln: Bei einem Strike oder Spare erhält der Spieler zusätzliche Würfe, sodass in diesem Frame bis zu dreimal geworfen wird. Der letzte Frame ist damit oft spielentscheidend und vergleichbar mit einer letzten Bonus-Runde, in der Fehler oder perfekte Würfe besonders stark ins Gewicht fallen.

Eine Besonderheit im professionellen Bowling sind die Materialien der Kugeln: Polyester, Urethan und reaktive Harzoberflächen. Diese unterscheiden sich vor allem in ihrer Reibung mit der Bahn und im Zusammenspiel mit dem Ölbild (dazu gleich mehr). Kugeln aus Polyester laufen sehr gerade, sind gut kontrollierbar und werden meist für Spare-Würfe genutzt. Also dann, wenn es darum geht, einen einzelnen Pin aus einem bestimmten Winkel zu treffen, damit dieser Pin in eine bestimmte Richtung fliegt und im Idealfall andere Pins mitnimmt. Kugeln aus Urethan haben eine mittlere Reibung und sorgen für eine gleichmäßigere, gut berechenbare Ballreaktion. Sie werden häufig eingesetzt, wenn Spieler mehr Kontrolle über die Bewegung der Kugel haben wollen, etwa auf bestimmten Ölprofilen. Kugeln mit reaktiver Harzoberfläche sind die aggressivsten Kugeln. Sie haben ein deutlich höheres Hook-Potenzial und ermöglichen das moderne Spiel mit ausgeprägten Kurvenbewegungen. Die Kugel rutscht dabei zunächst durch das Öl, greift später stärker und zieht nach innen, wodurch die Kurvenbewegung entsteht. Dieser Spielstil ist deshalb so verbreitet, da er bessere Eintrittswinkel in die Pins ermöglicht und damit die Strike-Chancen erhöht. Gleichzeitig ist dieser Spielstil aber auch anspruchsvoller und fehleranfälliger.

Kommen wir zum bereits erwähnten Öl. Dieses dient dem Schutz der Bahnoberfläche, da die Bahnen sonst durch die Kugeln Schaden nehmen würden. Das Öl wird computergesteuert in unterschiedlichen Mustern aufgetragen. Verschiedene Ölprofile, etwa kürzere, längere oder gleichmäßiger verteilte Muster, verändern, wie früh oder spät die Kugel reagiert, welche Linien spielbar sind und wie präzise Technik und Materialwahl sein müssen. Im Wettkampf ist das Öl damit oft entscheidender als reine Wurfkraft, weil es vorgibt, welche Spielweise funktioniert und wie sich die Bahn im Laufe des Spiels durch die Würfe aller Spieler weiter verändert. Denn das Öl bleibt nicht statisch, sondern verändert sich mit jedem einzelnen Wurf. Man kann sich das sehr grob wie unterschiedliche Streckenbedingungen in Rennspielen vorstellen, die bestimmte Strategien begünstigen und andere bestrafen.

Wie werden diese Spielregeln umgesetzt?

Wenn ihr diese Besonderheiten im Hinterkopf behaltet, werdet ihr schnell in das Spiel reinkommen. Wie gesagt ist das Ziel von FarSight mit dem neuesten Spiel, eine genauere Simulation umzusetzen, was das Spiel von allen anderen Bowling-Spielen auf dem Markt unterscheidet. Dass FarSight Kugelphysik kann, hat das Studio bereits mit den Flipperspielen bewiesen – auch wenn der Vergleich zugegebenermaßen nicht ganz passt. Die Physik der unterschiedlichen Kugeln kann nur als sensationell bezeichnet werden. Jede der über 270 verfügbaren Kugeln hat ihre eigenen Besonderheiten und Hook-Werte, und das ist im Spiel auch spürbar. Auch machen sich die Ölbilder stark bemerkbar. Wenn ihr einen Winkel gefunden habt, der einen Strike verspricht, können euch die sich ändernden Ölbilder einen schönen Strich durch die Rechnung machen. Dadurch müsst ihr die Winkel immer wieder neu abschätzen, oder ihr spielt auf Nummer sicher und setzt im späteren Matchverlauf auf Urethan-Kugeln, was euch jedoch die Chance auf Strikes ein Stück weit verringert. Diese Physiksimulation habe ich so in keinem anderen Bowlingspiel erlebt.

Die Steuerung ist sehr einfach: Mit dem linken Analogstick bewegt ihr die Figur nach links und rechts. Wenn ihr den rechten Analogstick nach hinten drückt, holt die Figur zum Wurf aus. Jetzt könnt ihr mit dem linken Analogstick auch den Hook, also die Kurvenbewegung, einstellen. Lasst den linken Analogstick beim gewünschten Hook und nehmt den Daumen beim blauen Kreis vom rechten Analogstick, um das beste Timing zu erwischen. Liest sich schwerer, als es ist. Und auch hier zeigt sich ein Unterschied zu arcadigen Bowlingspielen: Die Schwierigkeit liegt bewusst nicht in der Steuerung. Das Zielen geht sehr einfach von der Hand. Mit den Tasten RB und LB könnt ihr außerdem die Wurfstärke einstellen.

Was bietet das Spiel sonst?

Neben den üblichen Modi für ein schnelles Match (lokaler Multiplayer wird unterstützt) und dem Online-Modus, den ich wegen inkonsistenter Internetgeschwindigkeit jedoch nicht testen kann, ist der Karrieremodus das Herzstück des Spiels. Ihr erstellt euch einen Spieler oder eine Spielerin und fangt mit lokalen Turnieren und Challenges an. Für jeden Sieg bekommt ihr Geld, womit ihr euch im Shop passende Kugeln kaufen könnt. Außerdem erhaltet ihr für Siege Kugeln für eure Sammlung. Neben den klassischen Turnieren bietet der Karrieremodus sehr viel Abwechslung. Im Strike Derby beispielsweise müsst ihr innerhalb von zwei Minuten so viele Strikes wie möglich erzielen. In der Spare Challenge ist es dagegen eure Aufgabe, verschiedene Spare-Konstellationen zu meistern. Beim Oil Pattern Roulette verändern sich mit jedem Frame die Ölbilder und mit Candlepin Bowling und Duckpin Bowling gibt es zwei ungewöhnliche Spielformen.

Candlepin Bowling und Duckpin Bowling sind zwei nordamerikanische Bowlingvarianten, die sich deutlich vom verbreiteten Tenpin unterscheiden und vor allem regional verwurzelt sind. Candlepin wird hauptsächlich in Neuengland und Teilen Kanadas gespielt, Duckpin vor allem im Raum Maryland, Delaware und angrenzenden Bundesstaaten. Beide Varianten nutzen kleinere, leichtere Kugeln ohne Grifflöcher, unterscheiden sich aber in den Pins. Beim Candlepin sind sie hoch, schmal und zylindrisch, beim Duckpin kürzer und gedrungener. Charakteristisch ist, dass umgeworfene Pins beim Candlepin während eines Frames liegen bleiben und als Hindernisse fungieren, während beim Duckpin alle Pins nach jedem Wurf abgeräumt werden. In beiden Disziplinen sind jedoch drei Würfe pro Frame erlaubt. Die Spiele sind technisch anspruchsvoll, weil Strikes deutlich seltener sind als beim Tenpin, Präzision wichtiger ist als Kraft und hohe Ergebnisse selbst für Spitzenspieler schwer zu erreichen sind.

Über eine Übersichtskarte wählt ihr den jeweiligen Event aus, wobei die Matches in dreizehn verschiedenen Locations stattfinden, von Fantasie-Arenen wie Unterwasser bis hin zu offiziellen Hallen mit Publikum. Habt ihr eine bestimmte Zahl an Events gemeistert, schaltet ihr das nächste Tier in eurer Karriere mit den nächsten Turnieren, Einzelspielen und Challenges frei. Dabei müsst ihr nicht alle Challenges in einem Tier meistern, sie sind jedoch gut geeignet, um Geld für Kugeln und Kleidung zu verdienen. Auf ein nennenswertes Grinding bin ich bisher nicht gestoßen, da die Kugeln im Shop recht billig sind und ihr im Spiel auch viele Kugeln kostenlos bekommt. In-App-Käufe gibt es keine. Auch werden euch neben zahlreichen Fantasie-Charakteren auch 32 offiziell lizenzierte PBA-Spieler begegnen. Leider keine offizielle Spielerinnen. Muss im Jahr 2025 auch nicht mehr sein, finde ich.

Kritikpunkte gibt es meiner Ansicht nach vor allem bei der Grafik. Während diese beim Gameplay über die meiste Zeit recht gut ist, wirkt sie besonders im Charakter-Editor sehr verwaschen. Auch der Shop für die Kugeln ist etwas lahm, da jedes einzelne Kugelmodell erst geladen werden muss. Zudem setzt das Spiel bereits einiges an Fachwissen voraus – das Tutorial beschränkt sich lediglich auf die Steuerung. Dabei würde ich mir bei Umsetzungen von nischigeren Sportarten durchaus auch ein Tutorial für die Spielregeln und die Besonderheiten des Spiels wünschen. Die Soundkulisse aus Jubel und Seufzern des Publikums passt soweit, wiederholt sich jedoch schnell, genauso wie die Kommentare von Rob Stone und Randy Pederson. Aber wir sprechen hier von einem Indie-Spiel. Da will ich nicht ganz so mäkelig sein. Sehr hilfreich ist jedoch die angezeigte Bahn mit dem Ölprofil und der Ideallinie.

Fazit

Wer eine tiefgründige Bowlingsimulation mit einem ebenso umfangreichen Karrieremodus sucht, der ist hier goldrichtig. Die Entwickler von FarSight haben tatsächlich zahlreiche Kritikpunkte aus der Community der letzten Jahre aufgegriffen und den Karrieremodus umfangreicher und deutlich abwechslungsreicher gestaltet. Das Grinding früherer Spiele wurde dagegen stark zurückgefahren. Das große Highlight ist natürlich die neue Physiksimulation, die ich in dieser Form bisher in keinem anderen Bowlingspiel so gesehen habe. Kritik gibt es meiner Ansicht nach jedoch an der schwankenden grafischen Qualität und das Fehlen von offiziellen Spielerinnen der PWBA. Wenn ihr bereit seid, euch ein wenig in die Besonderheiten des Sports einzuarbeiten, findet ihr hier ein Sportspiel, das euch stundenlang unterhalten wird. Wer unsicher ist, lädt sich die Demo herunter. Denn rund 40 Euro sind eine Ansage. Falls euch die Demo jedoch gefällt, gibt es meinerseits eine echte Vollpreisempfehlung.

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Über Nischenliebhaber

Ostdeutsches Videothekenkind der 90er Jahre. Liebt Spiele- und Retrokultur ebenso wie subkulturelle Musik aus aller Herren Länder und lange Spaziergänge durch dunkle Wälder des Erzgebirges.

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One Comment on “PBA Pro Bowling 2026”

  1. Das liest sich ziemlich cool. Früher war ich ab und zu bowlen. Die Sache mit der Physik liest sich besonders gut, und das fehlende Casino natürlich.

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