Seit seiner Ankündigung bin ich auf den City-Builder Nova Roma von Lion Shield und Hooded Horse gespannt. Jetzt konnte ich die Demo vorab ausprobieren.

| Titel: | Nova Roma |
| Erscheinungsdatum: | 22.01.2026 (Early Access) |
| Plattformen: | Windows |
| Entwickler / Herausgeber: | Lion Shield / Hooded Horse |
| Homepage: | https://lionshieldstudios.com/ |

Mittlerweile gibt es so viele gute Spiele, dass sie schonmal an mir vorbeigehen können. So ist mir das mit Kingdoms and Castles gegangen, dem mittelalterlichen Erstlingswerk von Lion Shield von 2017, das auf Steam fast 30.000 Reviews erhalten hat und auf „sehr positiv“ steht. Wow. Jetzt gibt es eine Zeitreise in die Antike, wobei Nova Roma graphisch auf dem Comic-Stil von Kingdoms and Castles aufsetzt, aber eine eigene Note hat. Die Änderungen im Detail kann ich euch aus genannten Gründen nicht darlegen, aber eine dürfte sicher der Fokus auf Wasser und Aquädukte sein, wobei Wasser dynamisch unterwegs ist wie in Dwarf Fortress.
Der Name Nova Roma ist übrigens Programm. Denn ihr verlasst mit einem bunten Haufen das zerfallende Römische Reich um ein neues Rom aufzubauen. Entsprechend wird auf Inseln gespielt. Es schauen aber Siedler vorbei, die bei Gefallen bleiben, ihr werdet überfallen und Rom möchte euch wohl später auch heim ins Römische Imperium holen. In der Demo gibt es bereits kleinere Überfälle, die ich mit der Miliz abwehren musste. Die Demo gibt übrigens einen guten Überblick über die ersten zwei bis drei Spielstunden.
Start und Gunst der Götter




Die von mir gespielte Insel, das Video findet ihr unter diesem Artikel, hat einen Seed. Das finde ich gut. So könnt ihr zum Beispiel Seeds mit Freunden tauschen, eurem Lieblings-Let’s-Player nacheifern oder die Community kann eine faire Challenge ausrufen. Die Karte bietet verschiedene Ressourcen: Wälder, Steinbrüche, Marmorsteinbrüche, Fischgründe, Wasser und nicht zuletzt unterschiedlich fruchtbaren Boden. Zumindest Steine gehen nicht zur Neige, Fischgründe lassen sich jedoch überfischen. Um das Beste aus der Insel und ihren Ressourcen zu machen, solltet ihr entsprechend strategisch, vielleicht auch im Hinblick auf spätere Angreifer, euren Außenposten, das Herz von Nova Roma, setzen. Dort ist euer erstes Lager und dort wird auch eure Miliz ausgehoben.
Gebaut wird römisch. Also quadratisch, praktisch, gut. Die Gebäude lassen sich aber rotieren. Manche haben an mehreren Seiten Eingänge, die anderen passen sich zunächst automatisch an bereits gelegte Straßen an. Ihr braucht natürlich zunächst Behausungen. Und Essen. Ich habe ein paar Felder angelegt. Passend dazu habe ich einen Ceres-Tempel platziert, denn der kann einen Bonus auf umliegende Anbaugebiete geben. Ja, ok, ganz Minmaxing war meine Positionierung noch nicht. Und einen Fehler habe ich auch noch gemacht, der denke ich meinen Wachstum ordentlich gehemmt hat. Denn meine Bevölkerung war nur gerade so zufrieden. Nicht unbedingt die beste Werbung für Siedler, die sich erstmal die Insel anschauen und bei Nichtgefallen schnell wieder das Weite suchen. Was hätte ich tun sollen? Schnell noch einen Jupiter-Tempel bauen. Jupiter erhöht nämlich die Zufriedenheit. Was die Götter euch bringen, es ist übrigens nur ein Teil der Götter in der Demo enthalten, seht ihr meines Erachtens derzeit aber leider nur, wenn ihr dabei seid, einen neugebauten Tempel zu weihen. Ja, oder vielleicht mal in einer Wiki. Wird ein Gott sauer, etwa weil ihr ihm noch keinen Tempel geweiht habt, kann er schon mal eure Siedlung anstecken.

Die Götter bringen euch aber nicht nur Boni (oder Zerstörung). Wenn ihr Aufgaben für sie erfüllt, etwa bestimmte Gebäude baut oder Ressourcen opfert, erhaltet ihr Gunst. Und mit der Gunst könnt ihr den Bonus der Götter im jeweiligen Tempel freischalten (ihr könnt beliebig viele Tempel bauen, etwa in der Mitte jeder Ackerfläche oder Neptun-Tempel für jeden Fischer) und, fast noch wichtiger, Forschung betreiben. Also neue Gebäude oder auch Einheiten freischalten. Der „Forschungskreis“ hat dabei verschiedene Pfade, so dass ihr hier auch überlegen müsst, wo ihr Schwerpunkte setzt.
So schaltete ich dann munter immer mehr frei, errichtete Steinbrüche, baute Brunnen, war froh über meine erste Feuerwehr (mit Löschwagen!) und erstellte Produktionsketten. Förster liefern zum Beispiel Stämme für den Bau. Aber auch Holz für die Weiterverarbeitung zu Kohle. Die wird wiederum von den Bewohnern bevorzugt zum Heizen verwendet. Oder aber auch von der Bäckerei, die zusammen mit Weizen Brot daraus herstellt, eine weitere Nahrungsressource. Um Ton für Keramik, hilfreich um Wein abzufüllen (Feld (Trauben) –> Weingut, Keramik+Trauben = Wein) zu gewinnen, müsst ihr am Meer oder einem Fluss eben diesen sammeln. Und klar, der Bürger von damals trifft sich bevorzugt auf einem Forum. Weniger Freude bringt den Bürgern die Steuerlast, denn ihr könnt und müsst entsprechende Büros errichten, um eure Bevölkerung zu besteuern. Nur so, oder später per Handel, kommt ihr an die für manche Gebäude und das Forum dringend benötige Penunzen. Auch die Feuerwehrleute wollen bezahlt werden.
Da die Ressourcen, bis auf gegebenenfalls Fischgründe, unendlich (zumindest in der Demo) sind, geht es in Nova Roma vor allem um das Aufbauen und Austarieren eurer Wirtschaft, ohne euch zu verheben und die Siedlung in Unzufriedenheit und Hungersnöten absaufen zu lassen.
Wasserspiele, Populus und Kämpfe

Statt zum Absaufen solltet ihr Wasser viel mehr verwenden, um die Bevölkerung damit zu versorgen und notfalls Brände zu löschen. Das geht erstmal mit einfachen Brunnen und überschaubarer Reichweite. Kernelement von Nova Roma ist Wasser. Das passt, denn die Römer gingen so gerne baden und erfreuten sich an Springbrunnen, dass gigantische Aquädukte bauten, oder auch Tunnel. Und das macht ihr in Nova Roma auch. Die so versorgten Brunnen haben eine ziemliche Reichweite, Bäder und mehr lassen sich so auch versorgen.
Und so baut ihr irgendwann euer erstes Aquädukt an einem Fluss und zapft es an. Oder gleich einen ganzen Damm, um möglichst viel Wasser zu stauen und zu sammeln. Bei der Routenführung müsst ihr auf die passende Neigung achten. Das Wasser fließt übrigens wild hin und her, sozusagen physikalisch korrekt. Beim, besser gesagt vorm, Bau kommt zum Glück ein spezieller Baumodus zum Einsetzen, der euch auch eine Vorschau auf den Lauf des Wassers gibt. Zum Bau, gerade bei Dämmen, braucht ihr dann ordentlich Steine und vermutlich zusätzliche Warenhäuser, denn so viele könnt ihr gar nicht in eurem ersten Außenposten unterbringen.

Gebaut wird von euren Baumeistern. Und die sind, wie die ganze Bevölkerung und wie in Banished oder Workers & Resources: Soviet Republic, individualisiert. Das heißt, ihr wisst genau, wo ein einzelner Bürger mit wem wohnt und wo er arbeitet. Wählt ihr ein Gebäude oder einen Bürger an, werden euch entsprechende Verbindungen gezeigt. Besonders gut gefällt mir, dass in den Arbeitsstätten angezeigt wird, wie viel Zeit die Leutchen pendeln und wieviel Zeit wirklich zum Arbeiten übrig bleibt. Da entsteht ganz schnell ein Missverhältnis oder sie können wegen des weiten Anwegs nicht mal mehr richtig schlafen. Eine wirklich vorbildliche Anzeige. Abhilfe könnt ihr auch schaffen, in dem ihr einfach ein paar kleine „Außensiedlungen“, im Zweifel 2, 3 Häuser oder einen Apartmentblock nebst Brunnen, bei eurer Fischer-Enklave oder nahe des, meines Erachtens, Verschmutzung (oder ähnliches) erzeugenden Industriegebiets anlegt. Nicht jeder kann in bester Wohnlage residieren.

Gekämpft wird auch. Gegen Invasoren. In der Demo ist das noch rudimentär. Palisadenzäune und passende Tore, eine Miliz zum Ausheben. Dann marschieren die Pixeltruppen im Total War-style aufeinander zu. Mit mehr Einheiten und militärischen Anlagen soll dieser Aspekt künftig noch ausgebaut werden.
Fazit

Meine hohen Erwartungen an Nova Roma wurden bislang erfüllt. Klar, es gab bislang nur einen kleinen Ausschnitt zu sehen. Aber es kommt ein toller Anno-Banished-Flair mit einer gehörigen Prise Caesar (ja, ich habe das Original damals sehr gerne gespielt und habe noch die Eurobox!). Die bisherigen Ressourcenketten funktionieren, es gibt ordentlich Progression, die in der Demo ihren Gipfel mit dem ersten Aquädukt erreicht, aber auch Entscheidungsvielfalt, beispielsweise bei der Priorisierung bestimmter Forschungszweige. Die Götter spielen eine wichtige Rolle (lieber ein Tempel zu viel als zu wenig!), sind aber ziemlich „realistisch“ eingebunden.

Hier und da gibt es sicher noch Optimierungspotenzial, dafür gibt es dann ja auch einen Early Access. Zum Beispiel habe ich nicht entdeckt, wo ich sehen kann, welche Götter welche Boni bringen, wenn ich nicht gerade einen Tempel weihe. Außerdem würde ich gerne, wie in Banished mit Colonial Charter Mod, einen Befehl haben, um „nur“ rumliegende Steine zu verarbeiten und aufzusammeln. Anderes funktioniert hingegen bereits sehr gut, beispielsweise die Verteilung der Arbeiter auf Gebäudetypen und die Priorisierung. Ein „ping“ wäre vielleicht noch ganz nett, wenn es Arbeitslose gibt, ich aber ein oder mehrere Gebäude nicht mit voller Mannstärke laufen lasse. Verpackt ist Nova Roma in einem sehr stimmigen und charmanten Comic-Look und wirkt ein wenig wie ein Aquarell. Früher wäre ich ja weggerannt, wenn ich „charmantem Comiclook“ lese oder höre. Damals(tm) waren das aber ziemlich hässliche 3D-Spiele, gerne von Blizzard, die irgendwie eine hohe Grafiknote bekommen mussten, damit die „Spielspaßnote“ am Ende stimmt. Mittlerweile gibt es wirklich Spiele mit charmantem Comic-Look!
Ich hoffe jedenfalls, der Artikel hat euch Lust drauf gemacht, die Sandalen zu schnüren und in See zu stechen. Am besten Richtung Demo. Und wenn euch die dann so gut gefällt wie mir, solltet ihr euch den 22.01.2026 dick im Kalender markieren.

Vampiro wechselte von Taktik- zu Knuffig-Spielen. 😀 Nova werde ich mir auch mal auf die Wunschliste setzen.
Aufbauspiele mag ich schon immer 🙂 Ja, das Spiel ist wirklich sehr wünschenswert 🙂
Den Artikel vom 19.12. kann ich dir übrigens schonmal empfehlen 😉