Der Beitrag “Spiele-Check: Nine Noir Lives – Komischer Katzen-Krimi” erschien zuerst am 17.09.2022 auf GamersGlobal als User-Inhalt unter Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 DE DEED.

| Titel: | Nine Noir Lives |
| Erscheinungsdatum: | 07.09.2022 |
| Plattformen: | Windows, MacOS, Xbox One |
| Entwickler / Herausgeber: | Silvernode Studios / Silvernode Studios |
| Homepage: | http://www.ninenoirlives.com/ |
Update: Infolge der im Check geäußerten Kritik an der Fehlübersetzung des Namens „Bill“ zu „Rechnung“ hat der Entwickler diesen Fehler inzwischen via Patch behoben.
Die Indie-Entwickler von den Silvernode Studios aus Südafrika liefern mit ihrem Debüt Nine Noir Lives ein klassisches Point-and-Click-Adventure mit moderner Optik ab, das in einer Welt voller vermenschlichter Tiere spielt und auf viel Humor setzt. Hinter dem Projekt steckt William Kruger, der als langjähriger Adventure-Fan nun sein Herzensprojekt mit Hilfe eines Teams von freien Mitarbeitern verwirklicht hat.

Noir-Geschichte, die pelzigen Geschmack hinterlässt
Die Handlung ist schnell erzählt: Ihr spielt Cuddles Nutterbutter, Katzen-Privatdetektiv, der einen dringenden Fall vom Polizeichef übertragen bekommt. Ihr sollt den Mord am Sohn eines hiesigen Mafiabosses untersuchen, der im Club seines Vaters erschlagen wurde. Während euren Ermittlungen geratet ihr zwischen die Fronten der beiden großen Verbrecherfamilien der Stadt, den Montameeuws und den Catulets. Es gibt noch die eine oder andere Wendung, aber nichts, was euch von den Pfoten hauen wird.
Das Spiel nimmt sich schon aufgrund des Settings nicht ernst, dadurch entsteht eine seltsame Mischung aus dem eigentlich düsteren Film Noir-Genre und dem teils albernen Humor voller Samtpfoten-Anspielungen, der mir mit seiner mäßigen Dialogqualität häufig nur ein müdes Lächeln abrang. Gleichzeitig werden viele mögliche feline Gags liegen gelassen. Warum gibt es keine Toiletten, die sich als Katzenklos herausstellen? Warum reibt sich der Held nicht mal beim Vorbeigehen an einem Sofa? Statt aus der pelzigen Prämisse ein einzigartiges Erlebnis zu entwickeln, spielt es schnell kaum noch eine Rolle, dass die Welt von anthropomorphen Charakteren bevölkert wird. Stattdessen gibt es Allerwelts-Witze, wie dass ein Barmann einen russischen Akzent hat und gerne Sachen zerquetscht.

Point-and-Totklick-Adventure
Die Maus-Steuerung wird durch das vermeintliche Highlight des Spiels unnötig verkompliziert. Damit ist die „Lecken“-Funktion gemeint, die sich enttäuschenderweise als nahezu nutzlos entpuppt und im gesamten Spiel nur ein einziges Mal sinnvoll eingesetzt werden kann. Sie funktioniert wie eine zweite „Anschau“-Funktion und liefert im besten Fall einen witzig gemeinten Spruch, aber praktisch nie relevante Erkenntnisse. Aus diesem Grund kann die bequeme „Linksklick-Aktion, Rechtsklick-Anschauen“-Steuerung nicht eingesetzt werden, und man musste darauf zurückgreifen, Aktionen durchzuschalten. Per Rechtsklick oder Mausrad wechselt ihr zwischen Benutzen/Reden, Anschauen, Lecken und Laufen, was immer das Problem mit sich bringt, dass ihr schnell mal an einer Funktion vorbeinavigiert und nochmal alles durchschalten müsst.
Lobenswert ist die Hotspot-Funktion und das automatisch gefüllte Logbuch, das euch bei den anfangs recht leichten Rätseln unterstützt. Innerhalb der Stadt bewegt ihr euch mittels einer Stadtkarte, auf der nach und nach weitere Orte freigeschaltet werden. Innerhalb der Schauplätze teleportiert ihr euch per Doppelklick zu Ausgängen.
Ihr könnt anfangs zudem zwischen dem „normalen“ und dem „Story“-Modus wählen. Im letztgenannten werden euch deutlich mehr Hinweise im Tagebuch gegeben. Eine Autosave- oder Quicksave-Funktion gibt es nicht, außerdem könnt ihr leider nur neun Spielstände anlegen. Das ist im Hinblick auf den Titel des Spiels vielleicht eine nette Anspielung, allerdings viel zu wenig, zumal auch kein Text eingegeben werden kann und auch kein Datum oder Uhrzeit angezeigt wird.

Tolle Technik, aber teils Totalausfall bei den Texten
In Nine Noir Lives bewegt ihr eure Katzen-Charaktere (zwischenzeitlich könnt ihr auch die Sekretärin Tabby spielen) durch eine Vielzahl von handgezeichneten und hochauflösenden Hintergründen in einem unspektakulären, aber netten Comic-Stil. Hier und da gibt es farbige Zwischensequenzen. An manchen Stellen wirken die Laufbewegungen seltsam, zum Beispiel wenn Cuddles nach hinten läuft aber die Animation eher eine Bewegung nach links andeutet. Insgesamt fand ich die optische Präsentation aber gelungen. Auch die englischen Sprecher maunzen ihre Texte gelungen ins Mikrofon.
Leider gibt es bei der deutschen Übersetzung hier und da üble Patzer. Direkt zu Beginn hat mich irritiert, dass der Gang vom Vorzimmer durch die Tür in mein Büro als „Reise nach“ betitelt wird. Ganz schlimm fand ich die Übersetzung von einer Figur namens „Bill“, die in der deutschen Version plötzlich „Rechnung“ heißt.

Puzzles für Pussies oder richtige Raubkatzen-Rätsel?
Neben der Präsentation und der Geschichte sind natürlich gerade die Rätsel und die Dialoge entscheidend für ein Adventure. Nine Noir Lives bietet da durchaus ganz nette Denksportaufgaben. Wie üblich solltet ihr immer gut aufpassen, was das Spiel euch mitteilt (oder alternativ im Tagebuch nachlesen), dann kommt ihr meist problemlos durch das Spiel. Euch erwarten neben klassischen Inventarrätseln und co. auch hier und da Aufgaben der Marke „Maschine reparieren“, „Drink mixen“ und „Safe knacken“.
Ich muss aber gestehen, dass mir im Laufe des Spiels die Gespräche viel zu lang wurden, teilweise dachte ich, dass ich in der Visual-Novel-Hölle gefangen wäre. Daher bin ich dazu übergegangen, die Texte zu lesen und die Sprache wegzuklicken.

Fazit

Der Abspann lief bei mir nach etwa sechs Stunden über den Bildschirm und ließ mich enttäuscht zurück. Leider wird aus dem Stubentiger-Setting nicht genug herausgeholt, die Geschichte konnte mich kaum fesseln und der Humor hat mich selten abgeholt. Dazu kam noch die fummelige Steuerung, die mich schon damals bei vielen Sierra-Adventures genervt hat. Insgesamt kann ich das Spiel also nur Fellnasen-Fans empfehlen, die ein seichtes Abenteuer zum Abschalten suchen.
- Comic-Adventure für MacOS und PC
- Einzelspieler
- Für Einsteiger bis Profis
- Preis: 19,99 Euro
- In einem Satz: Hübsch präsentiertes Katzen-Abenteuer mit verschenktem Potential
